Über Papierberge in die Selbstständigkeit


Wenn man in die Selbstständigkeit startet, gibt es natürlich diese offiziellen „Hürden“, die die ein oder andere vielleicht direkt wieder von ihrer Idee abbringen würde: Steuererklärungen, Krankenversicherung, Rentenversicherung, Anmeldungen beim Ordnungsamt.

Aus diesem Grund ist dieser Blog auch entstanden: Wir wollten zu diesen Fragen einfach mal mit anderen Mädels quatschen und hören, wie ihre Erfahrungen sind und ob sie heiße Tipps haben.

Ich bin keine Expertin, was all diese Dinge angeht, aber wollte mit Euch trotzdem ein paar der kleinen Dinge, die ich auf diesem Weg mitgenommen habe, teilen.

1. Gaaanz viel mit Leuten reden

Wie gesagt: Eben weil das so hilfreich sein kann, haben Sandra, Judith, Kathleen und ich uns regelmäßig zum Frühstück getroffen, um einfach mal unsere Fragen neben Frühstücksei und Brötchen auf den Tisch zu packen.

Und meistens genau dann, wenn ich mich mit Menschen über das Thema Selbstständigkeit unterhalte, heimse ich die besten Tipps ein bzw. nehme auf jeden Fall immer was mit.

Neulich bin ich so z. B. mehrfach über das Thema Krankenkasse gestolpert. Ich bin schon immer bei derselben und habe mir nie Gedanken darüber gemacht, dass andere vielleicht Angebote haben, die besser auf mich zugeschnitten sein könnten.

Vor allem auch wegen der Beiträge ist es als Selbstständige wichtig zu gucken, was es für Modelle gibt. Eine Freundin erzählte mir neulich beispielsweise, dass sie günstigere Monatsbeiträge zahlt - jedoch mit dem Risiko, dass sie bei einer Behandlung einen Eigenanteil hat. Also einfach mal etwas stöbern. Falls Ihr natürlich heiße Tipps zu dem Thema habt, gerne unten ins Kommentarfeld, denn wie gesagt: Gaaanz viel mit anderen Leuten darüber zu reden, hilft.

2. Jeden Tag ein Formular

Ganz ehrlich: Der ganze Papierkram wirkt zunächst erstmal wie ein riesiger Berg, bei dem man nicht weiß, wie man drüber klettern soll. Aber nach und nach und mit jedem Tag regeln sich einige der Dinge und plötzlich ist man startklar, ohne sich was ausgerenkt zu haben. Also guckt am besten gar nicht auf das große Ganze, sondern erledigt jeden Tag ein kleines bisschen davon. Das erspart auch Ohnmachtsanfälle.

3. Die richtigen Menschen erwischen

Dazu fallen mir zwei Beispiele ein:

Rentenversicherung

Völlig planlos bei diesem Thema rief ich bei der Deutschen Rentenversicherung an. Beim ersten Mal hatte ich einen Herren am Telefon, der mich in pure Panik versetzt hatte: Ich müsse unbedingt zahlen. Wenn ich das verpasse und in ein paar Jahren würde ich geprüft werden, dann müsse ich Unsummen nachzahlen und könne direkt Privatinsolvenz anmelden.

Whaaat?

Auflegen. Durchatmen. Fragen über Fragen. Also noch mal anrufen.

Das zweite Mal hatte ich eine Dame am Telefon. An alle meine Fragen kann ich mich nicht mehr erinnern und was sie darauf sagte. Ich weiß nur noch: Danach war die Welt wieder in Ordnung. Nun wusste ich einigermaßen wie der Hase laufen würde.

Steuerberatung

„Vielleicht war das mit der Selbstständigkeit doch ein Fehler.“ Das war mein Gedanke, als ich nach meinem ersten Besuch bei einem Steuerberater aus dem Büro geflüchtet war. Durch einen Zufall war ich dort gelandet und es war furchtbar. Sobald ich Fragen zum Thema stellte, um einfach ein besseres Verständnis zu bekommen, brummte er mich an: „Also wenn sie wollen, dass ich das mache, dann machen wir es auch so, wie ich sage. Ohne Fragen.“ Außerdem auch hier die Panikmache: „Sie sind prädestiniert für eine Steuerprüfung“. Ich fühlte mich einfach nicht wohl, für dumm verkauft und schlecht beraten. Nachdem er dann auch noch 1800€ für das Jahr veranschlagt hatte, rief ich alle Freunde an, die irgendeine Ahnung von Selbstständigkeit hatten. Alle rieten mir ab.

Also musste ich schnell jemand Neues finden. Schon bei den Anrufen in den verschiedenen Büros merkt man Unterschiede: Die einen wollen schon für die erste Beratung bzw. das erste Kennenlernen eine ziemliche Summe kassieren, andere sind total locker à la „Ich zeige Ihnen dann in Ruhe wie man alles macht und dann können Sie das auch selbst übernehmen. Ist nämlich kein Hexenwerk.“ Super! Puls wieder unter Kontrolle.

Letztendlich habe ich meine Steuerberaterin über die Empfehlung eines Freundes bekommen (siehe Punkt 1). Sie ist auf jeden Fall die Richtige 🙂

4. Veranstaltungen, Seminare, Workshops

Schaut einfach mal, welche Veranstaltungen es in eurer Stadt so gibt. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, habe ich beispielsweise einige „Butter bei die Fische“-Veranstaltungen der Hamburger Kreativgesellschaft besucht. Die sind eigentlich für Studenten und Absolventen aus dem Kreativbereich gedacht, trotzdem aber auch für andere Bereiche interessant. Da sie nichts kosten, also gerne mal vorbeigucken. (Insofern Ihr Euch im kreativen Bereich selbständig machen wollt, auch gerne mal die anderen Angebote anschauen.)

Dort lernte ich beispielsweise zum ersten Mal, dass selbstständig nicht gleich selbstständig ist. Es gibt Freiberufler und Gewerbetreibende, die beide steuerlich unterschiedlich sind. Was genau Freiberufe sind, ist sogar per Definierung festgelegt. Durch das Internet gibt es aber mittlerweile einige Berufe, die sich in der „Grauzone“ befinden und bei denen das Finanzamt entscheidet, wo sie zugeordnet werden.

Hier am besten mal schauen, wo man reinfällt und was die Unterschiede sind. In diesem Fall konnte auch meine Steuerberaterin weiterhelfen.

So, wo ich jetzt fast am Ende des Beitrags bin, muss ich zugeben, dass es schon wieder etwas nach „Da kommt viel zu viel auf mich zu“ aussieht, aber nö - so viel ist es wirklich nicht. Und für das Gefühl, endlich selbstständig zu sein, lohnt es sich allemal!

© Beitragsbild: Jeshu John | DesignersPics

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