Sibilla Kawala von LIMBERRY im Interview – #HamburgDeineGründerinnen

Sibilla Kawala, Gründerin von Limberry

Laut Startup Monitor sind nur 13% der in Hamburg wirkenden Entrepreneure Frauen. Überraschen tut uns diese Zahl nicht, so spiegelt unsere Stadt doch nur das allgemeine Bild der Gründerszene in Deutschland wieder. Wir wollen uns damit aber nicht zufrieden geben! Wir möchten Frauen in der Hansestadt – und darüber hinaus – ermutigen, in die Selbstständigkeit zu gehen.

Aber wie schafft man das am Besten? Unserer Meinung nach, in dem man informiert und andere selbstständige Frauen sichtbar macht. Gründungswillige Frauen müssen Vorbilder haben, die sie zu diesem Schritt ermutigen – es sind nicht die Ideen oder Expertise an denen es mangelt.

Deshalb werden wir ab sofort in der monatlich erscheinenden Interviewreihe #HamburgDeineGründerinnen Frauen vorstellen, die ihr eigenes Business gegründet haben.

Beginnen wollen wir in diesem Monat mit Sibilla Kawala von LIMBERRY – die ich vergangene Woche zum Interview in ihrem neuen Büro in Winterhude getroffen habe.

Sibilla war schon immer klar, dass sie etwas Solides machen wollte. Deshalb entschied sie sich, BWL zu studieren. Ihr Gedanke: “Damit bekommt man sicher einen guten Job”.

Nach dem Studium stieg sie direkt in das Familienunternehmen ein (Stahlhandel). Der Plan lautete, die Firma von ihren Eltern zu übernehmen. Aber wie heißt es so schön? Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt…

Nach zwei Jahren merkte Sibilla, dass der angedachte Plan nicht aufgehen würde. “Ich hatte keine Leidenschaft für die Materie Stahl. Da wird nach Din-Norm gehandelt. Es ist sehr unflexibel, sehr unkreativ”, sagt Sibilla.

Also begann sie, parallel zu ihrer Arbeit zu promovieren. Ihr Thema: Mass Customization. “Mass Customization ist ein Konzept das zwei konträre Konzepte vereint: “Mass” für die Masse und “Customization” für die Individualität. Also, auf Masse individualisieren”, erklärt Sibilla.

Sie begann zu forschen. Aber in dem Bereich für den sie sich interessierte, nämlich die Mode, gab es keine Fallstudien für ihre Doktorarbeit. “Da ich eh auf der Suche nach einem Business Case war, den ich verwirklichen konnte, bin ich auf die Idee gekommen, mein wissenschaftliches und praktisches Arbeiten zu verbinden. So kam ich auf LIMBERRY. Die Vision: Ein Onlineshop für customized Damenmode”, berichtet Sibilla.

Die Idee war geboren und dann ging alles ganz schnell: Bis zur Firmengründung und Livegang des Onlineshops dauerte es gerade einmal sieben Monate.

Sibilla: “Ich fing wirklich bei Null an. Ich hatte kein Gründerteam, keine Programmierer und keine Kenntnisse. Egal, ob es ABGs waren, die Findung eines Firmennamens oder die Logoentwicklung.”

Aber nicht Sibilla’s Konzept eines Onlineshops für mass customized Damenmode fand hohe Nachfrage und Aufmerksamkeit der Medien, sondern ein einziges Produkt aus dem Sortiment: Das Dirndl zum Selbstgestalten.

Sibilla Kawala von Limberry

“Ich habe das Dirndl mit aufgenommen und das war es dann, worüber alle berichtet haben”, so Sibilla. “Der Traffic auf meiner Seite kam meist durch VÖ über den Dirndl-Konfigurator und somit wurde dieses zu meinem Bestseller”.

Da sonst zwar viel geklickt und designed, aber leider wenig gekauft wurde, lief das LIMBERRY-Geschäft nicht gut. So kam es, dass 2014 alle finanziellen Rücklagen aufgebraucht waren. Was jetzt?

Darüber berichtet uns Sibilla nun mehr im Interview:

Von Beginn an hast Du alles alleine gemacht. Dann hast Du Deine Programmierer als Mitgesellschafter mit ins Boot geholt. Wie war das für Dich als Gründerin?

Das war gar kein Problem für mich. Ich bin ein Teamplayer und gerne mit Menschen zusammen; tausche mich gerne mit ihnen aus. Es war das erste Mal, dass ich Kollegen hatte, die mir mit Rat und Tat zur Seite standen. Dementsprechend war es eine Erleichterung. Außerdem gehören mir immer noch 90% der Firmenanteile.

Ich bin dankbar und habe meine Entscheidung noch nie bereut.

Wie ging es weiter?

Meine Mitgesellschafter und ich hatten zwei Möglichkeiten: Entweder wir verändern das Konzept von LIMBERRY – denn die Veränderungen, die wir bisher gemacht haben, wie z. B. die Sortimentserweiterung, hatten nicht gefruchtet – oder wir hören auf.

Wir hatten aber alle das Gefühl: Das war’s noch nicht. Wir haben hin und her überlegt. Ich habe mich mit vielen Menschen aus dem E-Commerce-Bereich getroffen. Da wurde es klar – was jetzt im Nachhinein sehr offensichtlich erscheint: Wir mit der individualisierbaren Damenmode waren eine Nische in der Nische – der Markt war zu klein und die Nachfrage zu gering.

Die Frage war also: Wie können wir größer werden, ohne das was wir bereits geschaffen haben, aufzugeben?

So kamen wir auf die Idee aus LIMBERRY, dem Onlineshop für customized Damenmode, den Onlineshop für Trachtenmode zu machen. Das hieß, wir konnten den Konfigurator weiterhin verwenden, aber auch eine eigene LIMBERRY-Trachtenlinie herausbringen und uns breiter aufstellen, also andere Designer im Sortiment aufzunehmen. Dies hat funktioniert!

Betrachtest Du die Veränderungen mit einem weinenden Auge?

Ich bin an erster Stelle Unternehmerin, die eine Leidenschaft für Mode hat. Beides kann ich noch in dem, was ich jetzt mache, vereinen. Von daher war das auch nie ein Problem für mich. Ich ärgere mich eher darüber, dass ich so lange gebraucht habe, um auf das neue Konzept zu kommen.

Wie bewertest Du die Anpassung Deiner ursprünglichen Idee? Würdest Du von Dir selbst sagen Du bist gescheitert?

Wenn man den Zeitraum von der Gründung bis 2014 nimmt, bin ich gescheitert. Ganz deutlich. Aber ich hatte das Glück, noch diese eine Konzeptänderung machen zu können – dank eines family-and-friends-Darlehen. Viele haben die Möglichkeit nicht.

Sibilla, lass uns mal auf Hamburg als Gründungsstandort kommen. Wie bewertest Du unsere Stadt?

Im Vergleich zu einer Kleinstadt, hat Hamburg einige Events, die für Gründer interessant sind. Es gibt hier auch eine kleine Startup-Szene, aber gegenüber Berlin kann Hamburg nicht mithalten. In meiner Gründungsphase bin ich deshalb mehrfach im Monat nach Berlin gefahren. Die hochkarätigen Veranstaltungen finden einfach dort statt.

In einem Interview mit der Gründerszene von vor fünf Jahren wurdest Du gefragt, ob Du andere Gründerinnen kennst. Damals hast Du die Frage verneint. Hat sich das geändert?

Ja, es hat sich verändert. Ich habe einige Gründerinnen kennen gelernt, wobei es im Vergleich zu männlichen Gründern ein ganz, ganz kleiner Bruchteil ist. Auf acht Gründer kommen zwei Gründerinnen. Sehr überschaubar.

Woran glaubst Du liegt es, dass es weniger Gründerinnen als Gründer gibt?

Ich glaube, das hat wirklich was mit Mut zu tun. Viele Frauen trauen sich eine Gründung einfach nicht zu und machen sich schlechter, als sie sind.

Auf Konferenzen ist das ja auch so. Jeder der halbstark und männlich ist und meint etwas zu sagen zu haben, geht auf die Bühne. Eine Frau nicht- ehe sie meint, alles perfekt zu wissen und wiedergeben zu können. Das fehlende Selbstbewusstsein ist das größte Manko einer Frau. Sie zweifeln zu viel.

Meinst Du es gibt einen Weg, dies zu ändern?

Ich glaube, wir brauchen mehr Vorbilder. Dass man sieht, andere können das auch- dann kann ich das auch. Ich als Gründerin bin ja auch kein anderer Mensch, als sie. Ich habe genau die gleichen Sorgen wie andere Frauen. Der Unterschied: Ich mache es nur einfach!

Und alles ist kalkulierbar. Ich habe meinen Master. Das heißt, ich wusste immer, egal, wie es in der Selbstständigkeit laufen wird, ich werde schon irgendwo einen “Ok-Job” finden. Selbst wenn ich mit LIMBERRY komplett gescheitert wäre, dann hätten andere hoffentlich gesehen, dass ich nicht wirklich gescheitert bin, sondern wahnsinnig viel gelernt habe und einer neuen Firma durch meinen Erfahrungsschatz viel zu bieten habe.

Im Interview mit den Gründerfreunden hast Du gesagt, dass Du mit dem gleichen Wissen, welches Du jetzt hast, als Mann schon wesentlich weiter wärst. Was hast Du damit gemeint?

Es gibt zwei Arten von Männern: Entweder die einen, die vor mir Angst haben, weil ich eine starke Frau bin und die anderen, die mich anschauen, als wäre ich ein Alien. Wäre ich ein Mann und würde auf sie zugehen, würden sie mir auf die Schulter klopfen und sagen: “Ey, geiler Typ, lass uns ein Bier trinken. Wie können wir kooperieren?”

Es ist leider oft einfacher von Mann zu Mann, als von Frau zu Mann.

Was tust Du um Dein Netzwerk zu erweitern?

Ich gehe auf ausgewählte Veranstaltungen und bin jetzt gerade in so eine Art Business Club eingetreten und habe mich einer politischen Partei angeschlossen.

Und wie ist das, wenn Du an die Themen “Selbstständigkeit mit Kind” und “Vereinbarkeit von Familie und Beruf” denkst?

Ich bin seit langem in einer Beziehung und will unbedingt Kinder. Jetzt ist aber noch nicht die richtige Zeit. Erst einmal soll LIMBERRY laufen und wenn meine Firma dann rennen kann, ist es definitiv ein Thema.

Ein Thema in der nahen Zukunft wird auf jeden Fall die Teilnahme von Sibilla und LIMBERRY bei Die Höhle der Löwen sein. Ausstrahlung am 23. August. Also, schaltet rein, wenn Ihr erfahren wollt, wie es mit LIMBERRY weiter geht. Wir sind auch schon sehr gespannt auf die Folge… Sibilla, Dir lieben Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

Lust auf noch mehr inspirierende Frauen? Dann schau doch mal hier:

Diese Webseite verwendet Cookies. Stimme der Verwendung von Cookies zu, wenn Du die Webseite weiter nutzt. Mehr Informationen

Für eine uneingeschränkte Nutzung der FF&-Webseite werden Cookies benötigt. Einige dieser Cookies erfordern Deine ausdrückliche Zustimmung. Bitte stimme der Verwendung von Cookies zu, um alle Funktionen der Webseite nutzen zu können. Detaillierte Informationen über den Einsatz von Cookies auf dieser Webseite erhältst Du in unseren Datenschutzbestimmungen.

Schließen