Freiberuflich mit Kindern? Na klar!

Illustration Freiberuflich mit Kind

Gudrun Wegener ist Designerin, Buchautorin und Creative Coach aus Hamburg. Auf ihrem Blog „Achtung Designer“ erfährst du, wie du dir ein Design Business aufbaust, das dich kreativ, zufrieden und erfolgreich macht.

Es ist Montagmorgen – ein typischer Montagmorgen, an dem mal wieder alles schief geht. Ein Kind weint, das zweite kann seine Sportschuhe nicht finden und ich suche die Autoschlüssel. Daran pünktlich auf der Arbeit zu sein, glaube ich schon seit 10 Minuten nicht mehr. Wie gut, dass ich mein eigener Chef bin. Das denke ich in Momenten wie diesen immer wieder.

Arbeiten mit eigener Zeiteinteilung

Kinder und Karriere stellen für alle Eltern eine große Herausforderung dar. Dabei sind es vor allem die kleinen Dinge im Alltag, wie Arzttermine am Vormittag oder das Kinderturnen um 15:00 Uhr, die es einem schwer machen. Das gilt für alle, egal ob man nun selbstständig ist oder in einem Angestelltenverhältnis steht.

Mehr Freiheiten dank der Arbeit im Zwei-Schicht-System

Als freiberufliche Designerin habe ich jedoch den großen Vorteil, dass ich flexibler reagieren kann. Meine Kinder sind noch klein und meinen Arbeitstag habe ich im Wesentlichen um die Betreuungszeiten des Kindergartens herum strukturiert. Anstelle eines klassischen Neun-Stunden-Tags, arbeite ich bis zum frühen Nachmittag und dann wieder am späten Abend. Das schafft Freiräume für die Familie, Ausflüge, Arztbesuche oder schöne Nachmittage im sonnigen Garten.

Ein weiterer Vorteil dieses Zwei-Schicht-Systems ist, dass ich deutlich effizienter, organisierter und konzentrierter arbeite. Die Kinder müssen pünktlich zu einer festen Zeit abgeholt werden, egal wie unmotiviert oder zäh mein Arbeitstag gerade ist. Für alle Aufgaben steht mir also nur eine bestimmt Zeit zur Verfügung und ich kann keine Überstunden machen. Das diszipliniert ungemein! Ein unbequemes Telefonat oder die Umsatzsteuervoranmeldung stehen an? Los geht`s! In 20 Minuten ist Schluss und bis dahin muss das fertig sein!

Trotzdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass Disziplin und guter Wille alleine nicht reichen. Für mich ist es ganz entscheidend, von wo ich arbeite. Bin ich zuhause, dann lasse ich mich viel zu schnell ablenken. Auch von so unbequemen Sachen wie Wäsche waschen oder Kinderzimmer aufräumen. Unterwegs oder in einem Café fehlen mir oft genau die entscheiden Materialien oder Unterlagen die ich brauche. Selbst, wenn ich eigentlich alles mitgenommen habe…

Aus diesem Grund habe ich mir ein kleines Büro in der Nähe meiner Wohnung angemietet, von dem aus ich arbeite – und jetzt klappt es!

Ständiger Zeitdruck und seine Folgen

Aufträge kommen leider nicht immer gleichmäßig herein. Auf ruhige Zeiten folgen sehr arbeitsintensive Momente und dann ist es mehr Fluch als Segen, keine Überstunden machen zu können. Als Angestellte in einem Unternehmen kann man sich Aufträge teilen oder angefangene Projekte an die Kollegen weitergeben, wenn man dringend los muss.

Man trägt die Verantwortung nicht alleine, sondern ist Teil eines Teams. Diese Möglichkeit habe ich als Freiberufler nicht. Nachtschichten, Zeitdruck und Stress sind dann die Folge. Wird dazu noch ein Kind krank, ist das Chaos perfekt. In diesen besonders arbeitsintensiven Zeiten ist es Gold wert, wenn man ein gut funktionierendes Netzwerk aus Freunden und anderen Eltern hat. Nicht immer ist eine Oma oder ein anderer Verwandter in der Nähe, der einspringen kann. Arbeiten beide Elternteile, so ist diese Hilfe doppelt wichtig. Vielleicht mag sich mein Kind an so einem Tag zum Spielen verabreden und die andere Mutter nimmt mein Kind gleich vom Kindergarten aus mit? Beim nächsten Mal revanchiere ich mich – Ehrensache.

Mit Herzblut bei Kind und Karriere

Richtig dicke kommt es zum Glück nur selten. Da ich mein eigener Chef bin, weiß ich, welche Arbeiten anstehen und wie zeitaufwendig diese sind. Meistens lassen sich meine Projekte gut planen und die Vorteile, die ich durch die Selbstständigkeit in meiner Arbeitsweise habe, überwiegen.

Meine Freiberuflichkeit ermöglicht es mir alle Dinge, die mir wichtig sind, unter einen Hut zu bekommen. Ich kann mit Herzblut meiner Arbeit nachgehen und mich beruflich selbst verwirklichen. Gleichzeitig habe ich Zeit für meine Kinder. Und wenn das Wetter schön ist, dann geht es ab in den Garten. Weiterarbeiten werde ich, wenn die Kleinen nachher im Bett sind. Diese Wahl zu haben, macht mich glücklich.

Für mich gilt: Freiberuflich mit Kindern? Na klar!

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9 Kommentare
  1. Nathalie sagt:

    Ich bin freie Journalistin – seit acht Jahren schon. Mein großer Sohn ist fast 4, der kleine 15 Monate. Ich finde das freiberufliche Arbeiten einfach perfekt für Mütter! Ich wüsste auch nicht, wie ich die Kinder in einen Redaktionsalltag integrieren sollte. Als ich noch festangestellt war, habe ich von 10 bis 20 Uhr gearbeitet – da hätte eine Kinderbetreuung nie geklappt! Und ich hätte das auch nicht gewollt, schließlich will ich meine Kinder auch sehen. Eine Teilzeitarbeit war sehr schwer möglich, ein halber Tag ließ sich nicht in den Alltag integrieren, ich weiß von Ex-Kollegen, bei denen Teilzeit bedeutet 2 Tage 10 Stunden Vollzeit.
    Von daher bereue ich keine Sekunde, dass ich mich vor acht Jahren selbständig gemacht habe! Ich stimme Dir vollkommen zu: Man arbeitet viel effektiver, wenn man weiß, dass man die Kinder zu einer bestimmten Uhrzeit aus dem Kindergarten abholen muss. Ich habe nach der Elternzeit mit meinem Großen festgestellt, dass ich mit 25 Stunden Teilzeit genauso viel Umsatz machte wie vorher mit 40-45 Stunden!
    Mein Kleiner macht jetzt grad die Eingewöhnung bei der Tagesmutter und ich schätze auch da die Freiberuflichkeit :Denn sie lässt mich die Eingewöhnung ganz sachte machen, in dem Tempo, das mein Sohn mir vorgibt. Kein Chef, der mir im Nacken sitzt.
    Also: Ein Hoch auf die Freiberuflichkeit!

    • Gudrun sagt:

      Hallo Nathalie,
      danke für deinen Kommentar und dafür, dass du deine Erfahrung mit uns teilst.
      Meine Kinder sind ja auch noch klein und ich bin sehr froh, dass ich das ich mir die Zeit für sie, trotz Arbeit, nehmen kann. Denn wie du schon sagst, hätte man diese Flexibilität bei einer typischen Vollzeitstelle nicht. Ein riesiger Vorteil!
      Liebe Grüße,
      Gudrun

  2. Martina sagt:

    Hallo,
    ich bin Martina und über Facebook auf deine Seite gestoßen. Ich kann dir nur zustimmen. Ich bin seit 2008 als Online-Sekretärin selbständig und bei all dem Streß etc. – nachmittags Zeit für meine Kinder zu haben, nicht bei jedem Schnupfen den Chef anrufen zu müssen etc., es ist wirklich Glück! Anders kann ich es nicht sagen! Ganz toll geschrieben!
    LG Martina

  3. Pingback: Überforderung bei Müttern - Ist doch klar, oder? | Attachment ParentingAttachment Parenting

  4. Sabrina sagt:

    Hmm… ja. Ich bin seit 2010 freiberuflich unterwegs, habe davor mit Kind ein Studium beendet und mitten in der Startphase des Freelancer-Tums das zweite Kind bekommen. Ganz viel von dem, was du schreibst – habe ich auch so erlebt. Beziehungsweise sehe ich auch so.

    Nur eine Anmerkung: Für viele Mütter bedeutet Freiberuflichkeit vor allem, sie könnten bequem *mit* den Kindern arbeiten – und das klappt halt nur selten und in spezifischen Branchen. Ansonsten ist eine gute Kinderbetreuung unverzichtbar – und sei es, dass der Partner abends das Kind ins Bett bringt, damit frau noch eben den einen Artikel beenden kann 😉 Hatte ich mal hier umrissen, als die Debatte Anfang 2014 (mal wieder) medial hochkam: http://www.vereinbarkeitsblog.de/homeoffice-ist-auch-keine-losung/

    Und das Thema „auf sich selbst achten“ empfinde ich gerade bei freiberuflichen Müttern als sehr wichtig: Wer jahrelang zusätzlich nachts arbeitet, weil er um Kinderbetreuungszeiten drumherum plant, brennt irgendwann aus. Da hilft es, ganz bewusst Abende „blau“ zu machen. Oder, wie du es so schön schreibst, Herzensprojekte anzugehen, statt sich in die Auftragsmassen zu werfen.

    • Gudrun sagt:

      Hallo Sabrina,
      danke für deinen Kommentar. Ganz bewusst „blau“ machen ist gar nicht so einfach, wie man immer denkt. Aber du hast völlig recht, wenn du sagst, dass es sooo wichtig ist. Eigentlich ist das ein sehr guter Vorsatz für mich und für dieses Jahr! 😉
      Liebe Grüße, Gudrun

  5. Steffi sagt:

    Guten abend zusammen,
    ich bin freiberuflich in der Baubranche tätig und finde es sehr schwierig dies mit Kindern zu vereinbaren. Ich habe jetzt das zweite bekommen und hadere gerade, wann ich überhaupt wieder Projekte annehme. Nur von zu Hause arbeiten geht nämlich leider nicht. Und auf die Baustelle kann ich die Kinder nicht mitnehmen. Schwierig ist vor allem, dass ich nicht unbedingt Herr über meine Zeiteinteilung bin. Diese wird durch Bauherren oder die Baustelle bestimmt. Ich habe keinen festen Tag, an dem eine Oma mal aufpassen könnte. Ich befinde mich deswegen gerade in einem ziemlichen Dilemma. Vielleicht hat jemand einen Rat für mich.

    Einen schönen Abend
    Steffi

    • Sandra sagt:

      Liebe Steffi,

      ich kann Dir in dem Zusammenhang leider nicht weiter helfen, da ich selbst noch keine Kinder habe. Hoffe aber, dass sich jemand in unserer Community findet, der Dir einen Rat geben kann. Ansonsten kannst Du Dich auch in der Mompreneurs-Facebook-Gruppe umschauen: https://www.facebook.com/groups/mompreneursDE/ Dort sind ganz viele selbstständige Mütter vertreten. Vielleicht kann man Dir dort mit Deinem Anliegen schneller weiterhelfen.

      Herzlichst,
      Sandra

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