Is’ Quatsch! – Märchen über die Selbstständigkeit

Frau mit laptop auf dem Bett

Liebe Leute, ich muss zugeben, dass ich diesen Artikel schon vor einiger Zeit geschrieben habe (was Ihr daran merkt, dass das Wort „Frühjahrsputz“ darin vorkommt), dann aber hier auf Frau, frei & nicht veröffentlichte. Einfach weil es schon zu viele „Mythen über die Selbstständigkeit“-Artikel im Internet gibt. Ist Euch auch schon aufgefallen, oder?

Leider war die letzte Woche in Hamburg – entgegen aller Klischees – aber einfach zu schön, um sich neben den üblichen Aufträgen an den Laptop zu setzen und zu schreiben. Also bin ich lieber mit Freunden Tischtennis spielen gegangen und an den Strand gefahren.

Und damit diese Woche nicht ohne Geschichten und Gedanken von uns auskommen muss, teile ich jetzt doch noch die Vorurteile über die Selbstständigkeit, die mir ein bisschen auf den Keks gehen.

Das Thema Selbstständigkeit kommt bei meiner Familie oder Freunden eigentlich immer wieder auf den Tisch: „Wie läufts denn so? Kannst Du davon leben? Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ Stört mich auch gar nicht. Ich mag das Thema Selbstständigkeit (deswegen ja auch dieser Blog hier, hehe). Außerdem frage ich meine Freunde ja auch, wie es bei ihnen so im Job läuft. Trotzdem gibt es manchmal doch noch ein paar Kommentare, bei denen ich merke, dass die Selbstständigkeit eben einen gewissen Ruf hat. Also kommt hier jetzt mal der „Selbstständigkeit-Vorurteile-Frühjahrsputz“.

Natürlich kann ich dabei nicht für alle sprechen, da ich als Freelancerin arbeite und nicht als Unternehmerin mit einem eigenen Business. Trotzdem schieß ich mal los.

 

  1.  Dieser ganze Papierkram…

Ja, ich gebe zu, wenn man anfängt und diese ganzen Steuerfragen im Kopf rumsurren, dann dampft einem schon ein wenig der Kopf. Aber das ganze ist halb so wild, wenn man es Schrittchen für Schrittchen und mithilfe eines guten Steuerberaters erledigt.

 

  1. Das ist doch so unsicher…

Auf Sicherheit wird ja hier in Deutschland viel Wert gelegt. Komischerweise setzen die meisten von uns Sicherheit mit einer festen Stelle und Geld gleich. Berufscoach Alexandra Reiter hat dazu in unserem Interview so schön gesagt: „Viele denken ja immer, dass ein fester Job eine Sicherheit wäre. Aber das ist er heutzutage nicht mehr. Man sollte sich bewusst sein, dass man sich selbst seine größte Sicherheit ist.“

Auch einen festen Job können wir verlieren oder er macht uns so unglücklich, dass wir ihn von selbst aufgeben wollen.

Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, waren die festen Jobs, die ich hatte, meine größte Unsicherheit. Einfach, weil ich davon ausgehen konnte, dass mir nach ein paar Monaten die Decke auf den Kopf fällt. Dann kam ich schnell an den Punkt, absolut unzufrieden zu sein und eh wieder kündigen zu wollen. Das ist mir als Freiberuflerin noch nicht passiert 🙂

 

  1. …das heißt selbst & ständig

Nö! Das liegt letztendlich ja an mir selbst, auch abzuschalten und mir meine Freizeit in meinen Tag einzubauen. Das ist auch ein bisschen Typsache. Bei mir war es beispielsweise so, dass ich auch im festen Job – ausgestattet mit Handy & Laptop – nach Feierabend noch mal reingeschaut und mir Gedanken über Projekte gemacht habe. Da hieß es für mich – wie auch jetzt als Selbstständige – Tricks zu entwickeln, um genau das zu vermeiden. Und ganz ehrlich: Man sollte sich selbst nicht so wichtig nehmen. Niemand verliert ein Bein, wenn ich die Mail erst morgen beantworte.

 

  1. Arbeiten, wo man will

Nach meiner Erfahrung haut das leider noch nicht ganz hin. Bei einigen Auftraggebern wird Produktivität immer noch in Anwesenheitszeit gemessen. Wenn ich nicht da bin, arbeite ich also nicht…  denkt der Kunde. Man merkt zwar, dass Auftraggeber lockerer werden, aber an mindestens einem Termin in der Woche (meistens Jour Fix genannt) ist es doch üblich, sich persönlich auf den neuesten Stand zu bringen. Das heißt, dass das Arbeiten auf einer Insel fernab Europas für zwei Monate nicht einfach so auf eigene Entscheidung möglich wäre.

Aaaaaber – wie bei allen Punkten – hat das natürlich immer was damit zu tun, womit man selbstständig ist und welche Möglichkeiten bzw. welche Barrieren die eigene Tätigkeit bereithält. Wenn ich mein eigenes Café eröffne, ist klar, wo mein Arbeitsplatz ist. Wenn ich als Autorin mein Geld verdiene, bin ich viel unabhängiger, was meinen Arbeitsort angeht.

 

  1. „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“

Das wurde ich neulich von einem Festangestellten gefragt und fühlte mich irgendwie auf den Schlips getreten. Ich habe einfach zurückgefragt: „Was machst Du denn den ganzen Tag?“ Bei jemandem, der in einer Firma sitzt, wird automatisch angenommen, er würde arbeiten (aber ganz ehrlich: Wer kennt nicht den Kollegen, der den ganzen Tag im Büro Solitär spielt?). Bei jemandem, der zu Hause ist, wird angenommen, er würde faulenzen. Um das mal klarzustellen: Ja, ich arbeite auch 😉

 

  1. „Du hast doch bestimmt Zeit für ’n Käffchen.“

Klar ist man als Freiberufler etwas flexibler, kann auch mal bei Sonnenschein die Arbeit am Nachmittag liegen lassen, ein Eis essen gehen und dann dafür am Abend alles erledigen. Aber die Anfragen, ob ich am Mittwochmorgen beim Umzug helfen könnte oder á la „Hey, du hast doch bestimmt gerade Zeit“ mitten am Tag häufen sich und – klar – fühlt man sich manchmal nicht ganz ernst genommen, wenn jeder glaubt, Du könntest zu jeder Zeit mal eben für zwei Stunden Pause machen. Bloß weil ich zu Hause bin, heißt das nicht, dass ich gerade nix zu tun habe. Es ist „Home“, aber eben auch „Office“.

Gutes Stichwort. Denn obwohl hier in Hamburg die Sonne immer noch scheint und ich am liebsten direkt wieder nach draußen möchte, muss doch auch ein bisschen gearbeitet werden – entgegen aller Klischees 😉

© Beitragsbild: Ed Gregory | pexels.com

4 Kommentare
  1. Nathalie sagt:

    Vielen Dank für diesen wahren und ehrlichen Artikel. Gerade im Punkto Sicherheit stimme ich absolut zu. Ich bin Designerin und gerade im Aufbau meiner Selbstständigkeit und höre auch von vielen: „Das ist aber mutig, das ist doch so unsicher“. Da kann ich dann meist nur lachen, weil meine Festanstellungen in der Medienbranche bisher auch selten von Sicherheit gekrönt waren … LG, Nathalie

  2. Sandra sagt:

    Danke für den schönen Artikel 🙂 Ich musste lachen, weil ich viele Situationen genau so wiedererkenne. Für mich ist selbständiges Arbeiten nach so vielen Jahren inzwischen aber auch völlig alternativlos – mir geht es genau damit gut und ich fühle mich so auch deutlich sicherer als viele Menschen aus meinem Bekanntenkreis, die in vermeintlich festen Jobstrukturen arbeiten. Liebe Grüße. *Sandra

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Webseite verwendet Cookies. Stimme der Verwendung von Cookies zu, wenn Du die Webseite weiter nutzt. Mehr Informationen

Für eine uneingeschränkte Nutzung der FF&-Webseite werden Cookies benötigt. Einige dieser Cookies erfordern Deine ausdrückliche Zustimmung. Bitte stimme der Verwendung von Cookies zu, um alle Funktionen der Webseite nutzen zu können. Detaillierte Informationen über den Einsatz von Cookies auf dieser Webseite erhältst Du in unseren Datenschutzbestimmungen.

Schließen