Die Künstlersozialkasse (kurz: KSK) ist ein toller Service vom Bund, der es selbstständigen Künstlern und Publizisten erlaubt, ziemlich viel Geld bei der Versicherung zu sparen. Doch nicht jeder wird einfach so aufgenommen. Hier berichte ich von meiner Odyssee zur günstigeren Versicherung – eine Dramedy in vier Akten:

Akt 1: Warum will ich in die KSK?

„Melde Dich bei der KSK an!“ war der dringlichste Rat, den ich nach meinem Entschluss mich selbstständig zu machen von bereits freien Kollegen bekam. Die KSK (Künstlersozialkasse) ist Teil der Bundesverwaltung und übernimmt für selbstständige Künstler und Publizisten quasi die Rolle des Arbeitgebers in Versicherungsfragen. Das heißt, sie zahlt einen Anteil an der gesetzlichen Renten-, Kranken-, und Pflegeversicherung, ähnlich dem Arbeitgeberanteil bei Angestellten. Das ist eine schöne Sache, denn durch diese Unterstützung halbiert sich die häufig mehrere hundert Euro hohe Summe, die man monatlich an seine Versicherungen abgeben muss.

Akt 2: Wie funktioniert die KSK?

Versichert ist man nach wie vor bei der gesetzlichen Rentenversicherung (außer man lässt sich befreien) und bei der Kranken- und Pflegeversicherung seiner Wahl. Die Künstlersozialkasse ist nicht selbst ein Versicherer, sondern übernimmt lediglich einen Teil der Beitragszahlungen. Klingt toll, ist es auch. Das ganze funktioniert so: Wenn man z.B. aus einem Angestelltenverhältnis ausscheidet oder die Uni beendet, verliert man dadurch automatisch seinen Versicherungsschutz. Meldet Euch also unbedingt rechtzeitig bei Eurer Versicherung und versichert Euch freiwillig. Für die Ermittlung des Beitrags lässt die Versicherung uns unser voraussichtliches Einkommen schätzen und ermittelt dann den Beitrag. Diesen muss man erst einmal zahlen. Wird man schlussendlich in die KSK aufgenommen, werden einem gegebenenfalls zu viel gezahlte Beiträge von der Versicherung zurückerstattet. Aber Vorsicht, das kann etwas dauern! Auch ist eine Aufnahme in die KSK nicht garantiert. Plant das Geld also erst einmal als regelmäßige Ausgabe ein. Wenn Ihr tatsächlich aufgenommen werdet und der ganze Papierkram endlich erledigt ist, könnt Ihr Euch über eine außerplanmäßige Finanzspritze freuen.

Wie finanziert sich die Künstlersozialkasse?

Finanziert wird das ganze zum Teil aus einem Zuschuss des Bundes, zum Teil aus der sogenannten Künstlersozialabgabe – einem Beitrag, den Unternehmen zahlen müssen, die die Arbeit von freien Künstlern und Publizisten in Anspruch nehmen, zum Beispiel Verlage, Theater und Museen, aber auch Werbe- oder Designagenturen.

Um sich bei der KSK zu melden, braucht man folgende Unterlagen:

  1. Die Anmeldeunterlagen der Künstlersozialkasse
  2. Einen Nachweis seiner Kranken- und Pflegeversicherung
  3. Nachweise über seine selbstständige Arbeit. Also Verträge über aktuelle Auftragsarbeiten, ausgestellte und bezahlte (!) Rechnungen, Werbematerial (z.B. eine eigene Webseite, Visitenkarten, Flyer, etc.), Nachweise über den Abschluss einer berufsqualifizierenden Ausbildung (z.B. eines Kunststudiums), etc.

Für die Aufnahme in die Künstlersozialkasse bewerben kann sich jeder, der „erwerbsmäßig“ (also nicht als Hobby oder nebenberuflich) und „auf Dauer“ (also nicht für einen von vornherein begrenzten Zeitraum) selbstständig künstlerisch oder publizistisch tätig ist. Die KSK überprüft dann, ob man ihre Kriterien sowohl der Erwerbsmäßigkeit als auch der Selbstständigkeit erfüllt. Nicht immer ein Selbstgänger.

Akt 3: Huch, die KSK hat mich abgelehnt…

Voraussetzung für die Aufnahme in die Künstlersozialkasse ist, dass man tatsächlich selbstständig arbeitet. Damit soll zum Beispiel umgangen werden – was gerade in der Verlagsbranche viel passiert – dass Arbeitnehmer entlassen und dann als „Freie“ wieder engagiert werden. Diese Regel ist also eigentlich als Schutz der Arbeitnehmer gedacht. Für mich wurde sie allerdings zum Verhängnis.

Ich bin damals ein bisschen zufällig in die Selbstständigkeit gerutscht. Ich kündigte meinen Job und war zuversichtlich, dass ich bis Ende der Kündigungsfrist einen neuen Job finden würde. Ich schaute mich um und beschäftigte mich mit der Frage, wo ich mich in zehn Jahren sah. Ich bewarb mich als Online-Redakteurin bei Greenpeace Österreich. Doch dann bekam ich das Angebot als freie Redakteurin in der Print-Redaktion des Magazins zu arbeiten, für das ich vorher die Webseite betreut hatte. Ich mochte die anderen Redakteure sehr und war mir sicher, dass ich in einer Print-Redaktion noch neues lernen konnte. Außerdem gefiel mir die Idee, mit drei Tagen Arbeit in der Woche mein Grundeinkommen abdecken zu können und in der restlichen Zeit spannende Zusatzprojekte zu verfolgen.

Über den Versuch, alles richtig zu machen

So arbeitete ich also drei Tage die Woche im Verlag. Da ich ob der Regelung der KSK wusste, die mehr als einen Auftraggeber verlangt, begann ich über eine ehemalige Kollegin außerdem Restaurantkritiken für ein Online-Stadtmagazin zu schreiben. Die Diskrepanz zwischen den Rechnungen, die ich an den Verlag und das Stadtmagazin schickte war jedoch so groß, dass man nicht wirklich von einer „Freien“ Beschäftigung sprechen konnte. Aber ehrlich gesagt, was erwartet die KSK? Natürlich braucht man etwas Zeit, um die Selbstständigkeit in Schwung zu bringen. Ich machte mir zunächst keine Sorgen. Und dann bekam ich einen weiteren großen Auftrag von einer Agentur, für einen Kunden ein ganzes Paket an Texten zu verfassen – über drei Monate hinweg. Ich war mir sicher – so hatte ich nicht nur finanziell ausgesorgt, auch der Aufnahme in die KSK würde so nichts mehr im Wege stehen. Schließlich hatte ich nun zwei unabhängige und unterschiedliche Auftraggeber, für die ich in etwa gleich viel arbeitete, plus die ein oder andere Restaurantrezension. Das würden sie akzeptieren müssen.

Achtung, die KSK versteht gern mal was falsch

Pustekuchen. Nach einiger Zeit erhielt ich einen weiteren Fragebogen mit der Bitte um zusätzliche Auskünfte. Es ging im speziellen um meine Arbeit für den Verlag. Etwas nervös fragte ich bei anderen freien Kollegen, ob ich etwas beachten müsse. „Antworte einfach so ehrlich wie möglich“, wurde mir geraten. Also tat ich das und beantwortete alle Fragen nach bestem Wissen und Gewissen. Noch etwas später (fast vier Monate nach meiner Meldung) bekam ich dann schließlich eine Kopie des Briefes, mit dem die KSK meiner Krankenkasse mitteilte, dass sie „beabsichtigten“ mich nicht aufzunehmen. Grund dafür sei, dass sie nicht davon ausgingen, dass es sich bei mir tatsächlich um selbstständige Arbeit handle.

Bei Durchsicht der Begründung erkannte ich, dass ich in meiner Blauäugigkeit Fragen so beantwortet hatte, dass man daraus eine Scheinselbstständigkeit schließen konnte. Zum Beispiel hatte ich angegeben, dass mir kostenfrei ein Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt würde und ich daher keine gesonderten Geschäftsräume unterhielte. Außerdem hatte ich angegeben, dass ich der Weisungsbefugnis meines Auftraggebers unterläge (schließlich konnten sie mich meine Texte überarbeiten und umschreiben lassen und entschieden, welche Themen ich behandeln sollte) und dass ich bei plötzlicher Verhinderung (Krankheit) den Auftraggeber zu informieren hätte (auch das erschien mir logisch, schließlich arbeiteten wir mit Deadlines, die eingehalten werden mussten).

Akt 4: Die KSK sind auch nur Menschen

Ich war geschockt und verunsichert. Ich hatte mich im Recht gefühlt. Ich wollte doch wirklich selbstständig arbeiten. Und ich war doch tatsächlich publizistisch tätig. Und ich plante doch, weitere Auftraggeber an Land zu ziehen. „Ruf da an, das sind auch nur Menschen. Die sind doch dafür da, um Freien zu helfen“, riet mir eine Kollegin, die sehr gute Erfahrungen mit der KSK gemacht hatte. Also versuchte ich gleich am nächsten Tag, meine Sachbearbeiterin zu erreichen. Die war allerdings nicht da. Ich solle mein Anliegen bitte per Brief vortragen. Also setzte ich mich hin und schrieb auf zwei Seiten, warum ich selbstständig arbeiten wollte, wie es dazu kommen konnte, dass ich die Fragen so missverständlich beantwortet hatte und wie meine Pläne für meine selbstständige Zukunft waren. Mein Arbeitspensum für den Verlag hatte sich bis dahin sowieso etwas reduziert und ich appellierte an die Kasse, ihren Entschluss noch einmal zu überdenken.

Ende gut, alles gut?

Eineinhalb Monate hörte ich nichts, dann kam schließlich das erlösende Schreiben: ich wurde in die KSK aufgenommen. Nun musste ich schnellstmöglich die ausstehenden Beitragszahlungen der sechs Monate überweisen, die das Meldeverfahren gedauert hatte. Ein Batzen Geld, der meinem Konto erst einmal wehtat. Doch letzte Woche, weitere sechs Monate später, erhielt ich meine zuvor an die Krankenkasse geleisteten Zahlungen zurück. Die beiden Summen sind fast identisch – aber die Künstlersozialkasse hat auch meine Rentenversicherung für die gesamten sechs Monate überwiesen, andernfalls hätte ich mich komplett privat um die Rente kümmern müssen. Auch wenn ich natürlich zusätzlich vorsorge, war das doch eine Erleichterung. KSK glücklich, Versicherungen glücklich, Konto glücklich, Judith glücklich.

Übrigens, ich weiß aus anekdotischen Erzählungen, dass nicht jeder so um seine Aufnahme kämpfen musste. Ein befreundeter freier Redakteur, der lediglich einen Hauptauftraggeber hat, wurde ohne Umstände gleich nach Antragstellung aufgenommen. Es scheint also auch am Sachbearbeiter zu liegen. Fazit ist in jedem Fall: Der Papierkram lohnt sich. Auch, wenn es etwas länger dauert.

Lohnt sich die Künstlersozialkasse für alle?

Dieser Beitrag wäre nicht komplett, wenn ich nicht erwähnen würde, dass es für einige Freie von Vorteil sein kann, sich nicht bei der KSK zu melden. Ist man dort erst einmal aufgenommen, ist es wohl sehr schwer, wieder auszutreten (außer man nimmt eine Festanstellung an). Und für sehr gut verdienende Freie kann es sich (so wurde mir zugetragen) lohnen, sich anders zu versichern. Das Problem hatte ich erst einmal nicht. Und ich denke, dass es dem Großteil der Freien und Selbstständigen da draußen ähnlich geht. Aber solltet Ihr doch ein überdurchschnittlich hohes Einkommen haben, macht Euch schlau, ob die KSK das Richtige für Euch ist.

Hier geht es zur Anmeldung bei der Künstlersozialkasse. Wenn man bereits länger selbstständig arbeitet, kann man sich übrigens auch zu einem späteren Zeitpunkt noch bei der Kasse melden. Viel Erfolg!

Was habt Ihr für Erfahrungen mit der KSK gemacht? Habt Ihr weitere Tipps für Freie, die sich da anmelden wollen?

© Beitragsbild: Jay Mantri

2 Kommentare
  1. Heinz sagt:

    Beruft euch auf § 3 Abs. 2 KSVG:

    § 3 KSVG – [Geringfügigkeit des Arbeitseinkommens]

    (1) 1Versicherungsfrei nach diesem Gesetz ist, wer in dem Kalenderjahr aus selbstständiger künstlerischer und publizistischer Tätigkeit voraussichtlich ein Arbeitseinkommen erzielt, das 3.900 Euro nicht übersteigt. 2Wird die selbstständige künstlerische oder publizistische Tätigkeit nur während eines Teils des Kalenderjahres ausgeübt, ist die in Satz 1 genannte Grenze entsprechend herabzusetzen. 3Satz 2 gilt entsprechend für Zeiten des Bezugs von Erziehungsgeld oder Elterngeld.

    (2) 1Absatz 1 gilt nicht bis zum Ablauf von drei Jahren nach erstmaliger Aufnahme der Tätigkeit. 2Die Frist nach Satz 1 verlängert sich um die Zeiten, in denen keine Versicherungspflicht nach diesem Gesetz oder Versicherungsfreiheit nach § 5 Abs. 1 Nr. 8 besteht.

    (3) Abweichend von Absatz 1 bleibt die Versicherungspflicht bestehen, solange das Arbeitseinkommen nicht mehr als zwei Mal innerhalb von sechs Kalenderjahren die dort genannte Grenze nicht übersteigt.

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