Nachhaltig selbstständig – Carola von Peinen im Interview


Über Carolas Geschichte bin ich auf dem echtleben-Blog gestolpert und wusste direkt: Da frage ich doch mal für unseren Blog an – vor allem, weil bei ihr die Themen Selbstständigkeit und Nachhaltigkeit zusammenkommen und ich mir doch immer wieder die Sinnfrage stelle, die auch Carola bewegt hat. Welchen Mehrwert hat meine Arbeit? Sollte ich meine Energie nicht in etwas investieren, das abseits von Profit auch einen guten Zweck erfüllt?
Nachdem Carola neun Jahre bei dem Personaldienstleister Randstad gearbeitet hatte, gründete sie nämlich mit zwei Mitstreitern die Talents4Good GmbH, die erste Personalvermittlung für Jobs mit gesellschaftlichem Mehrwert.

Portraitfoto, Carola von Peinen, Talents4Good

Carola, in welchem Moment wurde Dir damals klar, dass Du etwas ändern möchtest?

Ganz konkret gab es eine Situation, in der ich ein spannendes Angebot von einem anderen Unternehmen hatte. Die Bedingungen waren super, aber mein Bauch sagte ‚nein‘ und mir wurde bewusst, dass ich unbedingt etwas für mich Sinnvolles im Bereich Soziales und Nachhaltigkeit machen wollte. Ich habe den Vertrag nicht unterschrieben – jetzt konnte es aber auch nicht mehr weitergehen wie bisher. Das war der erste Schritt zur Gründung von Talents4Good.

Wie bist Du das dann angegangen?

Ich begab mich erst mal selbst auf Jobsuche und stellte zu meiner Verwunderung fest, dass es gar keinen Personaldienstleister im ökologischen und sozialen Bereich gab. Dann musste ich es wohl selber machen. Über einen glücklichen Zufall lernte ich Anna Roth-Bunting kennen, die zum gleichen Zeitpunkt eine ganz ähnliche Idee hatte. Wir beschlossen, gemeinsam einen Businessplan zu schreiben – dann würden wir ja sehen, ob die Idee tragfähig war und wir uns vorstellen konnten, unseren Traum gemeinsam aufzubauen. Es hat geklappt – Ende 2012 wurde Talents4Good offiziell gegründet.

Welche Ängste hattest Du bei der Gründung und dem Wissen, von nun an selbstständig zu sein?

Selbständigkeit konnte ich mir grundsätzlich schon immer vorstellen. Aber natürlich war es für mich ein großes Thema, meine Absicherung in einer unbefristeten Konzern-Stelle für die Ungewissheit aufzugeben, ob unser Unternehmen erfolgreich sein würde. Interessanterweise ist die Angst – nach den Tücken der ersten Monate – sehr schnell einem Gefühl von Freiheit und Vertrauen in unsere Sache gewichen.

Gerade durch Talents4Good und Deine eigene Geschichte hast Du sicher ein gutes Gefühl dafür, wie stark das Bedürfnis nach einem sinnvollen Beruf wächst. Gibt es tatsächlich so einen großen Andrang an Leuten, die etwas verändern wollen, oder wird das nach außen nur so dargestellt?

Ja! Bei uns melden sich wahnsinnig viele Menschen, die nach einem für sie sinnhaften Job suchen. Das ist aber keinesfalls eine kleine, homogene Gruppe: Die Themen der sogenannten Generation Y sind eigentlich Themen, die ganz verschiedene Altersgruppen beschäftigen. Nicht nur Mittdreißiger möchten in ihrem Job die Welt verändern – auch viele Menschen in der Mitte und am Ende ihrer Karriere haben den Wunsch, einer für sie sinnvollen Tätigkeit nachzugehen und kündigen ihre gut bezahlten Wirtschaftsjobs.

Wie nimmst Du die sogenannte Generation Y wahr?

Ich stelle fest, dass die Generation Y ein sehr positives Bild der Zukunft hat. Klar gibt es auch viele Ängste, aber gleichzeitig sind das sehr oft hoch motivierte Menschen, die Dinge in Frage stellen, sehr reflektiert und lernbegierig sind und auf Statussymbole wie den Dienstwagen kaum mehr Wert legen. Die wollen anpacken, etwas verändern und dadurch selber wachsen. Das ist für uns jeden Tag inspirierend und bestärkend.

Was sind wohl die Gründe dafür, dass so viele Menschen sich umorientieren wollen?

Vielleicht das Bewusstsein, dass „Weiter so“ nicht funktioniert und wir einen Wandel hin zu sozialerem und ökologisch-nachhaltigem Wirtschaften brauchen. Sicherlich spielt es auch eine Rolle, dass viele finanziell abgesichert sind und es sich auch „leisten können“, sich umzuorientieren und vielleicht einen etwas geringer bezahlen Job anzunehmen. Aber dieser Wunsch, die Gesellschaft zum Positiven zu verändern durch das, was man selbst beiträgt, das ist bei vielen die Hauptantriebskraft.

Glaubst Du, dass das nur ein Trend ist und vorübergeht?

Nein. Egal, ob es um Klimawandel oder wachsende gesellschaftliche Ungerechtigkeit geht: Es gibt ein Bewusstsein, dass es nicht so weiter geht und ein Wandel notwendig ist. Das betrifft auch sehr stark die Arbeitswelt: In den letzten Jahren wurden die Menschen immer mehr zur Ressource gemacht. Das holen wir uns jetzt ein bisschen zurück, wir wollen wieder als Menschen im Mittelpunkt stehen.

Braucht es fürs Gründen dringende Eigenschaften, die nicht jeder mitbringt?

Sicherlich braucht es bestimmte Fähigkeiten, um den oft schwierigen Weg erfolgreich zu meistern. Es ist ja auch oft von der „Gründerpersönlichkeit“ die Rede. Für mich bedeutet das, Eigenschaften wie z.B. Risikofreude zu besitzen – aber auch, Risiken ehrlich abschätzen zu können. Verantwortung zu übernehmen – auch wenn das heißt, unangenehme Entscheidungen zu treffen. Man muss eben auch in der Lage sein, ein richtiges Herzensthema nicht weiterzutreiben, wenn man merkt, dass es nicht klappt – oder sich finanziell nicht trägt. Ist man Einzelkämpfer oder Teamplayer und hat man auch wirklich das richtige Team für die Sache? Das sind alles Dinge, die nicht trivial sind

Ein Rat von Dir, an alle, die damit hadern, selbst zu gründen?

Überlegt euch genau, ob es das ist, was ihr seid, wollt und könnt! Unterhaltet euch mit GründerInnen. Und fragt euch, wie wichtig euch euer Thema wirklich ist, ob ihr dafür brennt oder es „nur“ eine gute Idee zu sein scheint. Wenn ihr euch sicher seid, dass es der richtige Weg für euch ist, dann überwindet eure Angst und setzt euch gegen die vielen Widerstände durch!

Liebe Carola, vielen Dank, dass du die neugierigen Fragen beantwortet hast und weiterhin viel Erfolg mit Talents4Good!

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