„Ich finde es nicht sonderlich einfach, sich in Deutschland selbstständig zu machen“ – Ein Interview mit der nebenberuflich selbstständigen Schmuckdesignerin Annika Schulz

Annika Schulz von Style United

Kennt Ihr diesen Moment, wenn Euch eine Person mit ihrer Ausstrahlung einfach nur so umhaut? Bei Männern würde ich vielleicht von „Liebe auf den ersten Blick“ sprechen, bei Frauen nenne ich das „Girlcrush“. Genauso einen hatte ich, als mir Annika vor kurzem vorgestellt wurde. Und als sie mir dann auch noch erzählte, dass sie nebenberuflich als Schmuckdesignerin selbstständig ist, war es um mich geschehen. Ein gemeinsames Thema, nämlich die Selbstständigkeit, über das wir uns austauschen konnten, hatten wir damit auch gleich. Neugierig wie ich bin, habe ich sie direkt zu der Gründung ihres eigenen Schmucklabels befragt. Ein paar von mir gestellte Fragen habe ich Euch in dem folgenden Interview festgehalten. Enjoy!

Liebe Annika, wie kamst Du auf die Idee, vor gut neun Monaten Dein eigenes Unternehmen The Style United und das Schmuck-Label „Valeries Jewellery“ zu gründen?

Die Idee, beziehungsweise die Vorstellung, vom selbstständigen Arbeiten hatte ich schon sehr, sehr früh (2011) während meines 2. Studienjahres. Die Kombination aus Selbstmanagement und der absoluten Kreativität habe ich in meinem Studium zur Mode-und Textilmanagerin zu schätzen gelernt. Den Bezug zu modischen Accessoires habe ich durch reines Interesse und täglicher Recherche bekommen und über 3 Jahre ist es zu einer meiner stärksten Soft Skills herangewachsen. Nach meinem Studium habe ich mehrere Fortbildungen zum Thema Edelstein und Goldschmiederei gemacht, um meine Schmuckdesigns dann auch selber fertigen zu können.

The Style United ist nun ein Unternehmen, das Schmuckberatung anbietet, fertige Produkte auf den Markt bringt und in Zukunft auch einen neuen „Blog-Feed“ haben wird.

Wie habe ich mir das vorzustellen: Hast Du sofort mit der Produktion Deiner Schmuckstücke begonnen oder hast Du erst einmal einen Businessplan geschrieben?

Durch mein Studium habe ich 3,5 Jahre einige rechtliche sowie strategische Herangehensweisen für die Selbstständigkeit bei Designern erlernt, sodass ich 2 Jahre lang einen realistischen Businessplan geschrieben und immer wieder meine Zielausrichtung verfeinert habe. Der nächste Schritt war dann definitiv ausprobieren, ausprobieren und ausprobieren.

Du musstest doch zu Beginn sicher auch allerhand bürokratische Hürden meistern, oder? Wenn ja, welche waren das?

Ohje, ja ich erinnere mich noch ganz genau an das Formular des Finanzamtes oder die Anmeldung beim Gewerbeamt. Interessant und gleichzeitig unnötig viel Bürokratie, die schon ein bisschen abschrecken kann.

Woher wusstest Du wie Du bei Deiner Unternehmensgründung vorzugehen hast? Wo hast Du Hilfe gefunden?

Zum Glück habe ich mit meinem Vater einen erfolgreichen, selbstständigen Unternehmer als Vorbild und zudem gibt es wirklich tolle Rechtsberatung an der Uni. Meine Juradozentin ist selber noch in der freien Wirtschaft unterwegs und konnte mir gerade bei der Gewerbeart und Beschreibung einige Tipps geben. Diese Tricks versuche ich immer an der richtigen Stelle an potenzielle Selbstständige weiterzugeben. Ich habe leider aber schon von anderen Fällen gehört, bei denen Selbstständige nach dem Rechtsgespräch unmotiviert waren, weiterzumachen.

Hattest Du Ängste oder hast Dich unsicher gefühlt?

Ja!!!! Wenn ich eins gelernt habe in der Zeit, in der ich selbstständig bin, ist es immer selbstsicher und ohne Selbstzweifel aufzutreten, obwohl man manchmal einfach nur denkt…WIE SOLL DAS NUR ETWAS WERDEN! Gerade wenn es um offizielle Termine geht, war ich oft unsicher wie meine Ideen ankommen.

Haben Dich Freunde und Familie in Deinem Vorhaben unterstützt?

Meine ganze Familie und gerade auch mein Partner haben mich zu 100% unterstützt. Egal ob es darum geht, Perlen einzukaufen oder doch die Vorbereitungen für eine Schmuckparty zu unterstützen – zu schade waren sie sich nie.

Wenn gute Freunde immer mit Rat und Tat zur Seite stehen, hat man großes Glück und immer genug Kraft weiter zu machen. Ohne diese Unterstützung wären mir viele Dinge nicht so klar geworden!

Würdest Du sagen, dass es einfach ist, sich in Deutschland selbstständig zu machen?

Ehrlich gesagt: NEIN!!! Ich finde es nicht sonderlich einfach und ich musste auch wirklich lange suchen, bis ich alle Informationen über das „Selbstständigmachen“ zusammen hatte. Gerade wenn es um die finanzielle Perspektive geht, denke ich das Deutschland noch Nachholbedarf hat. Manchmal war es tatsächlich so, dass ich das Gefühl hatte, die Ämter wollen mir eher Steine in den Weg legen, anstatt mir eine Unterstützung darzustellen.

Auf Deiner Webseite habe ich gelesen, dass Du Deinen Schmuck in einem Atelier fertigst. Hast Du Dir dafür Räumlichkeiten angemietet oder Dir eine kleine Kreativecke in Deiner Wohnung eingerichtet?

In der Zukunft soll mein Atelier in eine gesonderte Räumlichkeit verlegt werden, momentan habe ich jedoch ein Atelierzimmer in meiner großen Wohnung. Zur Zeit ist es wichtig, dass das Atelier für mich jeder Zeit (auch nachts) erreichbar ist.

Du verkaufst „Valeries Jewellery“ hauptsächlich über Dawanda, richtig? Warum hast Du Dich für diesen Markplatz entschieden und beispielsweise nicht für Etsy oder einen Shop, der in Deine eigene Webseite integriert ist?

Ja genau, hauptsächlich verkaufe ich meine Kollektion über Dawanda. Der Vorteil von Dawanda ist definitiv die vorliegenden rechtlichen Rahmenbedingungen. Super einfaches Handling, gerade wenn es um die flexible Kaufabwicklung geht. Etsy ist eine länderübergreifende Plattform für Jungdesigner, also an sich total ansprechend. Leider gefallen mir die Richtlinien von Etsy nicht, gerade weil sie einen zu hohen Prozentsatz von meinem Umsatz haben wollen. Einen eigenen Shop auf meine Homepage zu integrieren, wäre auf jeden Fall in Zukunft eine Überlegung wert, momentan tendiere ich aus finanziellen Gründen aber nicht zu dieser Variante.

Armband von The Style United     Armband von The Style United

Neben Deinen handgefertigten Schmuckstücken bietest Du auch Schmuckparties, Stilberatung und Kreativworkshops an. Wie ist dieses Portfolio an Angeboten entstanden?

Der direkte Kontakt mit meinen Kunden und das gemeinsame Erarbeiten von Designs war immer ein wichtiger Bestandteil meiner Grundidee. Ich habe super viel Spaß bei diesen Events. Außerdem generieren sie zusätzliche Reichweite. Unter anderem habe ich gelernt, dass die Workshops mit Kindern immer viel Fantasie und Kreativität von mir fordern. Ich lerne durch diese Veranstaltungen super viel über mich selbst und wie ich mein Angebot noch optimieren kann.

Und wie machst Du auf Dich aufmerksam? Wirbst Du für Dich und Dein Unternehmen in den sozialen Medien; gehst Du auf viele Netzwerktreffen oder Kunsthandwerksmärkte wie z. B. den hello handmade Markt?

Ich bin auf Twitter, Facebook und Instagram mit meinem Unternehmen unterwegs und versuche mich so viel wie möglich darum zu kümmern. Da ich das Unternehmen nebenberuflich führe, habe ich leider wirklich viel zu wenig Zeit für Netzwerktreffen oder Märkte. Aber 2016 werde  ich das in Angriff nehmen. Ein Stand auf einem Designermarkt ist gerade mit meinem Schmuck das perfekte Medium, häufig hat mir die Vorbereitungszeit gefehlt oder aber die Gebühren waren zu hoch.

Aus Gesprächen mit Dir weiß ich, dass Du von Deinem Business noch nicht leben kannst, aber Du auf einem sehr guten Weg bist. Wie sieht Dein Plan für die Zukunft aus? Wo soll es mit The Style United hingehen?

Mit „The Style United“ soll es auf jeden Fall groß weiter gehen. Perspektivisch würde ich mich gerne Vollzeit mit dem Unternehmen über Wasser halten, aber dafür muss mein Portfolio noch wachsen und optimiert werden. Ich würde mir wünschen, dass mir auf dem Weg zur Vollzeit-Selbstständigkeit weniger Steine in den Weg gelegt werden.

Ich bin mir sicher, auch diese wirst Du beiseite räumen können! 🙂 Viel Erfolg, Annika!

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