Krankes Kind und selbstständig

Krankes Kind und selbstständig

Seit über 10 Jahren schreibt Yvonne Adamek als freie Autorin über Menschen, Länder, Fitness und Gefühle. Lesen kann man das in Zeitschriften für Frauen und Mütter. Seit 2012 halten sie neben der Schreiberei noch ihre beiden Söhne auf Trab und dabei scheitert Yvonne hin und wieder grandios bei dem Versuch Arbeit, Kinder und das Leben an sich unter einen Hut zu bringen.

Es ist 23 Uhr. Ich will gerade ins Bett gehen, da höre ich lautes Wehklagen aus dem Zimmer meines Großen, gefolgt von heftigem Würgen und anderen Geräuschen, die ich an dieser Stelle nicht näher beschreiben möchte. Magen-Darm!

Doch bei allem Mitgefühl und Sorge um meinen Sohn, fange ich noch während des Wechselns der Bettwäsche an, im Kopf den nächsten Tag zu organisieren, wenn er bei mir zuhause bleiben wird.

Seit meiner Selbstständigkeit hat sich nämlich heimlich, still und leise die Regel eingeschlichen, dass irgendwie ich es immer bin, die in solchen Fällen auf ihre Arbeitszeit verzichtet. Einer der Hauptgründe dafür ist mit Sicherheit die Tatsache, dass ich irgendwie ja sowieso schon zuhause bin.

Manchmal muss ich nicht nur anderen, sondern auch mir klar machen, dass ich von dort aus tatsächlich arbeite und nicht nur versuche meinem Hausfrauendasein einen anderen Namen zu geben. Denn selbst, wenn man täglich zu tun hat, versucht man vor anderen irgendwie immer Erklärungen dafür zu finden, dass man nicht in irgendein Büro fährt.

Als freie Journalistin habe ich außerdem nur Abgabetermine, aber keinen festen Arbeitszeiten. Ich kann also zur Not auch noch alles Liegengebliebene nacharbeiten, wenn mein Mann wieder zuhause ist und die Kinder im Bett liegen. Dass diese These rein theoretischer Natur ist und eigentlich auch nicht die Bohne umsetzbar, muss ich wahrscheinlich nicht erwähnen.

Denn, während bei anderen in ihrer Abwesenheit Mails entweder unbeantwortet bleiben oder von Kollegen gelesen werden, wechsle ich an solchen Betreuungstagen gerne permanent zwischen krankem Kind und Rechner hin und her. Das zerrt den ganzen Tag über so an meinen Kräften, dass ich abends für meine eingeplante Spätschicht meistens viel zu müde bin.

Dieses Szenario lässt sich übrigens auch direkt auf die Tage übertragen, an denen die Kita außerplanmäßig geschlossen hat.

Krankes Kind – 5 bis 10 Tage für die Kinderbetreuung

… in der Theorie

Der einzige Trost: Bei fast allen mir bekannten selbstständigen Müttern mit Ehemännern in Festanstellung ist das so. Nur warum? Schließlich haben Väter den gleichen Anspruch auf Kinderkrankheitstage wie Mütter. Ganze zehn Tage im Jahr und pro Kind dürfen deutsche Arbeitnehmer, die gesetzlich versichert sind zu Hause bleiben, wenn der Nachwuchs krank ist.

Bei Privatversicherten sind es immerhin noch fünf Tage pro Kind. Das Gehalt wird in dieser Zeit natürlich weitergezahlt – allerdings nur zwischen 70 und 90 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens. Allerdings gelten diese Rechte nur, wenn das Kind jünger als 12 Jahre ist, ein Attest vorliegt, eine Betreuung aus ärztlicher Sicht unbedingt notwendig ist und sowohl Kind als auch Elternteil gesetzlich versichert sind.

Soweit die Theorie. Aber wie sieht es eigentlich in der Praxis aus?

… in der Praxis

Das Attest ist bei uns schon oft die erste Hürde. Wer hat schon Lust, sich mit einem kotzenden Kind stundenlang in das überfüllte Wartezimmer eines Kinderarztes zu setzen?

Das Gleiche gilt für Schnupfen, Husten und die meisten anderen, eher harmlosen Kinderkrankheiten, mit denen man nicht in die Kita darf. Da ist der Aufenthalt im verkeimten Wartezimmer oft riskanter als einfach zuhause im Bett liegen zu bleiben und sich in Ruhe auszukurieren – was in den meisten Fällen auch der heiße Tipp des Arztes ist.

Dann wären da noch Vorgesetzte und Kollegen. Fast überall arbeitet man mittlerweile mit Minimalstbesetzung. Fällt jemand aus, bleibt die Arbeit entweder liegen oder die Kollegen müssen noch mehr Überstunden machen. Weshalb die meisten in der Regel sogar zur Arbeit gehen, wenn sie selbst krank sind. Wer will da schon sein krankes Kind vorschieben, wenn er nicht muss?

Ein organisatorisches Desaster stünde meinem Mann und mir also immer bevor, egal wer von uns zuhause bleibt. Daher entscheiden wir uns meistens für den Weg, auf dem wir anderen gegenüber am wenigsten Rechenschaft ablegen müssen.

Übrigens haben sogar Selbstständige, die gesetzlich krankenversichert sind, Anspruch auf Kinderkrankengeld. Jedoch in der Regel erst ab dem 43. Krankheitstag. Bis dahin haben sich die meisten Krankheiten Gott sei Dank von selbst erledigt.

© Beitragsbild: Unsplash

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1 Kommentar
  1. Christiane Stella Bongertz sagt:

    Hallo Yvonne, hallo Sandra! Und wieder kann ich nur feststellen, wie viel besser es hier in Schweden geregelt ist: 120 Krankheitstage pro Kind und Jahr, an denen die Eltern „vabben“ (vab steht für „vård av barn“, ungefähr übersetzbar mit „Pflege eines Kindes“) dürfen – bezahlt vom ersten Tag an. Attest erst nach sieben Tagen notwendig, kein Rumsitzen in überfüllten, verkeimten Wartezimmern. Kein „Gesundschreiben“. Medizinische Erstberatung auch schon mal am Telefon. Und vor allem: Gesellschaftliches Verständnis für Kinder und Eltern. Untersuchungen haben ergeben, dass Eltern die großzügigen Regelungen normalerweise nicht ausnutzen, sondern tatsächlich nur „vabben“, wenn es nötig ist. Es kostet also auch nicht unnötig, denn dadurch wird ja auch verhindert, dass viel mehr Kinder und Erwachsene krank werden, weil Ansteckung anderer weitgehend vermieden wird. Eltern müssen nämlich nicht nur nicht mit einem kranken, schlappen, ansteckenden Kind ins Wartezimmer, sondern sehen sich hier nämlich auch nicht gezwungen, ihre Kinder notfalls mit Fiebersenkern oder anderen Medikamenten zu „dopen“ und sie dann krank in die Kita zu schicken, weil sonst der Job gefährdet wird. Gerade diese Woche war meine Tochter krank und ich lobpreise dieses System, das nicht irgendwelche weltfremden bürokratischen Grenzen setzt – Motto: „Sagen Sie bitte Ihrem Kind, dass es nur an 20 Tagen krank sein darf!“ Wer denkt sich so was aus? –, sondern darauf Rücksicht nimmt, dass Gesundwerden Zeit braucht. Aber in Deutschland baut man ja insgeheim immer noch drauf, dass zuhause eine Mama sitzt, die nur „das bisschen Haushalt“ zu erledigen hat und nicht noch einen anderen Job hat. In diesem Sinne: frohe, gesunde Weihnachten!

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