Mein Weg in die Selbstständigkeit – gepflastert von falschen Glaubenssätzen

Mein Weg in die Selbstständigkeit – gepflastert von falschen Glaubenssätzen

Elisabeth Strömer ist selbstständige Tierpsychologin und Tier-Sitterin. In ihrer Arbeit geht es ihr weniger um die Erziehung von Tieren, als um die Basis der Verständigung zwischen Mensch und Tier.

Habt Ihr in Eurer Kindheit auch diesen Satz gehört:

Jetzt fängt der Ernst des Lebens an?

Kindergarten, Schule, Ausbildung – immer hörte man diesen Satz und für mich sprach er wirklich die Wahrheit, denn für mich wurde es sehr ernst.

Glaubensatz Nr. 1: Das muss so sein.

Ich war keine besonders gute Schülerin und meine Lehrer versuchten dreimal meine Mutter davon zu überzeugen, dass ich in die Sonderschule wechseln sollte. In ihren Augen war ich lernbehindert und geistig nicht so ganz auf der Höhe.

Glaubensatz Nr. 2: Ich bin nicht gut genug.

Ich blieb in der Hauptschule, aber verweigerte meinen qualifizierenden Abschluss. Ich sah keinen Sinn darin. Ich sollte mich quälen für ein Stück Papier mit Zahlen drauf? No way!

Ohne qualifizierenden Hauptschulabschluss würde ich aber keine Ausbildungsstelle bekommen, sagte man mir.
Ich wollte damals Tierpflegerin werden. Dazu hätte ich die Mittlere Reife gebraucht.

Jahre zogen ins Land. Ich war mal Verkäuferin, mal Lageristin. Aber immer mehr spürte ich dieses Ziehen in meinem Inneren. Ich konnte es nicht beschreiben. Ich wusste nur: Glücklich bin ich nicht.

Glaubensatz Nr. 3: Man arbeitet nicht um Spaß zu haben, sondern um Rechnungen bezahlen zu können. Also mach etwas. Irgendwas.

Irgendwann, nach vielen Jahren, erinnerte ich mich an meinen Traum von damals: Ich wollte mit Tieren arbeiten. Deshalb fing ich einen Fernlehrgang für Tierpsychologie an. Neben meiner normalen Arbeit. Den Abschluss schaffte ich und arbeitete fortan zwei Jahre nebenbei als Tierpsychologin. Aber das leider mehr schlecht, als recht.

An die Selbstständigkeit habe ich nie wirklich gedacht. Bis mein Körper mir vor einem Jahr die Entscheidung abgenommen hat. Ich hatte einen Bandscheibenvorfall und fiel ein ganzes Jahr aus. Zudem musste ich Privatinsolvenz anmelden. Es ging nichts mehr, weshalb ich vorerst auch aufhörte mit Tieren zu arbeiten.

So legte ich quasi ungewollt ein Sabbatjahr ein.Ich fing an zu lesen – so viel wie nie zuvor. Ich las auch den Satz eines Motivationstrainers: Wenn Du wüsstest, was Du könntest, wenn Du wolltest.

Ich wusste, ich will keine Jobs mehr machen, die ich hasste und die mir jeden Sonntag Magenschmerzen bereiteten, wenn ich an Montag dachte. Ich wollte nicht mehr diesen Kampf mit Arbeitgebern, die nicht mit Personal umzugehen wissen. Ich wollte nicht mehr nach mehr Gehalt oder Urlaub betteln und die Chefarschkriecherei mancher Kollegen waren mir auch zuwider.

Zu meinem großen Glück fand ich eine Unternehmensberatung für die Hundebranche. Ich wusste, wenn ich neu anfangen will – in der Selbstständigkeit –, brauche ich jemanden an meiner Seite, der mir zeigt, wie man ein Unternehmen aufbaut und führt.

Während der Beratung trafen mich Wörter wie Positionierung und Alleinstellungsmerkmal. Mir wurden Fragen gestellt wie „Wer bist Du?“, „Was hast Du, was anders ist, als bei deinen Mitbewerbern?“, „Fällt es dir schwer Geld zu verlangen?“, „Was sind Deine Werte?“

Und plötzlich waren sie wieder da: All meine Glaubensätze, die sich über Jahre in meinem Inneren festgesetzt hatten.

Ihr erinnert Euch?

Glaubensatz Nr. 1: Das muss so sein.
Glaubensatz Nr. 2: Ich bin nicht gut genug.
Glaubenssatz Nr. 3: Man arbeitet nicht, um Spaß zu haben, sondern um Rechnungen bezahlen zu können.

Besonders Glaubenssatz Nr. 2 traf mich hart. Deshalb lernte ich im Einzelcoaching erstmal mehr über mich selbst nachzudenken. Dabei fand ich heraus warum meine Nebenselbständigkeit als Tierpsychologin nicht funktionierte. Der Fehler: Ich habe andere kopiert, hatte aber kein eigenes Konzept.

Nun war meine größte Aufgabe, zuallerst, mich selbst wertschätzen zu lernen.

Und dann: Ein neues Konzept, neue Preise, neue Ideen.

Anfang Januar wurde ich arbeitslos und stellte den Antrag auf Selbstständigkeit mit Gründungszuschuss.
Jetzt oder nie, dachte ich. Meine letzte Chance. Deshalb hieß es dann für mich: Einen Businessplan schreiben.

Ein großer Schritt in meinen Leben – wenn nicht der Größte. Aber als ich meinen Businessplan zusammen hatte, war ich stolz. Und ich machte die Erkenntnis, ich brauche keinen Red Bull, fliegen kann ich auch ohne. 😉

Vier Wochen später dann der Termin beim Berater vom Arbeitsamt. Um es vorweg zu nehmen, er war nicht wirklich begeistert von meiner Idee und konnte mit den Themen Tierpsychologie und Tier-Sitting nichts anfangen. Dennoch überzeugte ich ihn.

Nun gab es nur noch eine Hürde: Meine Privatinsolvenz. Aber ich bekam vom Berater grünes Licht.

Gründungszuschuss bekam ich dann zwar nicht, aber den Deal sechs Monate finanzielle Unterstützung (Hartz 4 Satz) vom Arbeitsamt zu erhalten, sowie die Bezahlung von Krankenkasse und Rentenversicherung. In sechs Monaten schauen wir dann weiter…

Es hat 47 Jahre lang gedauert, um zu dem Punkt zu kommen, an dem ich jetzt bin. Erst jetzt bin ich dem Ruf meiner Seele gefolgt, der mir sagte, ich möchte Menschen helfen ihre Tiere besser zu verstehen – und ich werde nicht aufgeben diesen Traum zu verwirklichen!

Denn, wenn ich eines gelernt habe, dann das: Lerne Dich kennen, glaub an Dich und brich mit falschen Glaubenssätzen!

© Beitragsbild: Unsplash.com

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