Endlich frei! Oder nicht? Mein Weg aus der Freelancer-Falle.

Vom Freelancer zum Solopreneur

Einer meiner ersten Beiträge auf dem Blog ist ein Artikel mit dem Titel “Mut zur Kündigung – Toleriere nicht die Mittelmäßigkeit”. Mit diesem Post möchte ich Euch, diejenigen, die in Ihrem jetzigen Job unglücklich sind und sich darin vielleicht auch ein Stück weit gefangen fühlen, bestärken den Mut aufzubringen, neue Wege zu gehen – z. B. in die Selbständigkeit. Für mich war es der richtige Schritt, auch wenn es sich nachfolgend erst einmal nicht so anhören mag. Was ich damals nämlich noch nicht ahnen konnte, ist, dass ich von einer Kräfteraubenden Festanstellung direkt in die Freelance-Falle stolperte. Überglücklich darüber endlich “frei” zu sein, habe ich lange Zeit gar nicht bemerkt, dass ich eigentlich alles andere als das bin.

Denn an meiner Situation hat sich nicht viel geändert. Zwar bin ich jetzt nicht mehr fest angestellt, arbeite aber weiterhin für andere, indem ich Stunde um Stunde meiner Zeit an sie verkaufe. Selbstbestimmung? Fehlanzeige. Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg treffen in ihrem Buch “Solopreneur – Warum sprechen alle vom Team, wenn Sie alleine Ihre Ziele besser erreichen?”* den Nagel auf den Kopf (S. 33): “Selbstständige (…) werden über Jobs ferngesteuert, partizipieren nicht an den Produkten der anderen, arbeiten viel und verdienen häufig wenig.” Dabei sollten wir Freelancer doch eigentlich, laut Wortbedeutung, eine weniger feste Bindung zum Auftraggeber haben, als ein Arbeitnehmer zu seinem Arbeitgeber. Die Realität sieht leider oft anders aus. Das habe auch ich gemerkt – die deutsche Übersetzung “freier Mitarbeiter” kommt nicht von ungefähr.

“Klassische Selbstständige arbeiten (…) in Job-Strukturen und können ihr Leben zwischen ständig parallel laufenden Kundenprojekten häufig kaum noch wahrnehmen. Sie müssen auf die Termine und Anforderungen der Kunden reagieren” (S. 30). Immer und zu jeder Zeit. Es sei denn man kommuniziert von vornherein Öffnungszeiten. Aber meine Beobachtungen zeigen, dass das nur die wenigsten Freelancer tun. Stattdessen sind sie rund um die Uhr für ihre Auftraggeber erreich- und einsetzbar. “Der klassische Selbstständige (…) wird von Aufträgen belegt. Für jeden Auftrag verbraucht er Stunden seiner Lebenszeit. (…) Das Konzept hinter freischaffender Arbeit ist ‘Arbeitszeit gegen Lohn’” (S.31). Das ist ermüdend und unbefriedigend, finde ich. Deshalb soll sich im nächsten Jahr einiges ändern. Angespornt von den üblichen Beiträgen im Netz, habe auch ich mir Gedanken gemacht, was sich für mich in 2016 ändern soll. Am wichtigsten ist mir, dass sich meine Arbeit nicht mehr gegen mein Leben stemmt, sondern mit mir lebt.

Vom Freelancer zum Solopreneur

Ein Solopreneur verkauft “nicht Stunde um Stunde seine eigene Zeit, wie es Freelancer tun, sondern entwickelt eigene Produkte, Marken, Angebote” (S.21). Zum jetzigen Zeitpunkt weiß ich noch nicht, wie mein Produkt oder Angebot aussehen wird, aber genau das möchte ich in der ersten Jahreshälfte erarbeiten. Da ich es mir nicht leisten kann, das Freelancer-Dasein sofort aufzugeben, werde ich mich an die Gleitzeitformel von Philipp Gloeckler, Gründer von Why Own it, halten: “Unsere 40/60 Regel: maximal 60% unserer Zeit investieren wir in Auftragsarbeiten, 40% geht in eigene Projekte”. Das Ziel: Ich möchte mir einen kontinuierlichen, stabilen Einkommensstrom aufbauen. Das heißt nicht, dass ich fortan nur noch am Strand in der Hängematte liegen und Cocktails schlürfen will, sondern mir eine Möglichkeit erarbeiten möchte, um mein Leben und meinen Alltag selbst zu gestalten.

Das ist mir als Freelancerin derzeit nicht wirklich möglich. Dennoch bereue ich nicht, genau diesen Schritt in die Selbstständigkeit gewagt zu haben. Im Gegenteil. In den letzten anderthalb Jahren habe ich viel gelernt – vor allem über mich, meine Träume und Wünsche. Daher weiß ich, dass meine jetzige freie Arbeit nur eine Station auf dem Weg in mein selbstbestimmtes Leben ist. Wie steht’s um Euch? Fühlen einige Freelancer unter Euch ähnlich wie ich? Oder gibt es Gegenstimmen? Für wen ist das Freelancen die Erfüllung?

Wer von Euch hat die Transformation vom Freelancer zum Solopreneur bereits vollzogen und möchte von seinen Erfahrungen berichten? Ich würde mich über Eure Erzählungen und Sichtweisen in den Kommentaren sehr freuen!

© Beitragsbild: David Sherry | Death to the Stock Photo

*Noch ein kleiner Hinweis: Unsere Empfehlungen enthalten Affiliate-Links des Anbieters Amazon. Wenn Ihr über diese Links z. B. ein Buch kauft, erhalten wir eine kleine Provision.

3 Kommentare
  1. Pingback: FORGESTELLT: unsere FIELFALT Autorinnen – Sandra

  2. Frank Katzer sagt:

    Hi Sandra,
    schön, dass ich über einen Post von Susanne Speer zu euch gefunden habe…
    Nach 15 Jahren eigener Selbständigkeit inkl. Agentur (1 Angestellter / 1 Azubi / 1 Prakti …) bin ich seit 2014 vom Selbständigen auf dem Weg zum „Solopreneur“… und es hat lange lange lange gedauert und geschätzte 500 Ami-Podcasts gebraucht, bis ich gemerkt habe, dass ich mir nichts anderes als einen eigenen 9to22 Job geschaffen habe…
    Dank eigener digitaler Produkte (OnlineKurse, …) die in der Mache sind, bin ich auf dem Weg, eben auch nicht mehr Zeit gegen Geld zu tauschen sondern ein Unternehmer zu sein 😉

    Kommst Du voran mit Deiner Entwicklung dahin?

    Viele Grüße!
    Frank

    • Sandra sagt:

      Hallo Franz, vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich habe versucht nachzuvollziehen wo die von Dir benannte Susanne Speer auf den Artikel aufmerksam gemacht hat, konnte es aber nicht herausfinden. Hast Du vielleicht einen Link zu Ihrem Hinweis?

      Zu Deiner Frage: Im Mindset bin ich auf jeden Fall ein Stück weitergekommen. In der Zwischenzeit ist mir noch das Buch „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky in die Hände gefallen, in dem es ja darum geht sich selbst zu reflektieren – Warum bin ich auf dieser Welt? Das Buch hat mich erneut darin bestätigt den im Artikel angerissenen Weg zu gehen. Heute ist mein erster Tag an dem ich mich diesem Plan voll und ganz widmen möchte. Sitze gerade in einem Starbucks, muss aber gestehen, dass ich gerade etwas verloren bin, weil ich gar nicht weiß wo ich anfangen soll… Wie bist Du vorgegangen? Wie Du beschreibst, hast Du ja schon einige Erfahrungen sammeln können. Wie sah Dein erster Schritt Richtung Solopreneurship aus? Hast Du einen Tipp für mich?

      Ganz liebe Grüße und ein noch erfolgreicheres Jahr 2016!
      Sandra

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