Mein Team, kein Team – Freelancer & die lieben Kollegen

Person schaut einsam auf Sonnenuntergang

Heute starte ich mal mit dem Ausschütten meines Herzens… Naja, ganz so wild ist es nun auch wieder nicht. Nur ein bisschen. Nachdem ich mittlerweile über zwei Jahre lang selbstständig bin, stand ich neulich während eines Projektes bei einem Kunden mit einem Fuß auf der Schattenseite des Freelancer-Daseins.

Ich war bei diesem Kunden für ein paar Wochen gebucht und habe für diese Zeit direkt von dort aus gearbeitet. Und ich habe mich sofort pudelwohl gefühlt – wegen der Leute. Alle etwa so alt wie ich, mit interessanten Hobbys und coolen Gesprächen (die man ja immer so belauschen kann, wenn sie am Nachbartisch stattfinden… oder von einem Ende des Büros zum anderen geführt werden), entspannte Atmosphäre, ein Hund in der Ecke, immer tolle Musik und eigentlich das Gefühl: Mit diesen Leuten hätte ich gerne mehr zu tun.

Die bittere Erkenntnis

Das Problem: Als Freelancer – vor allem, wenn man nur für ein paar Woche gebucht ist – gehört man nicht wirklich dazu, weil alle wissen, dass man bald wieder weg sein wird. Da man zudem auf Projektbasis arbeitet, hat man meist ja auch nur mit einem oder zwei Ansprechpartnern direkt zu tun. Man arbeitet also nicht mit allen zusammen, lernt sie demnach nicht bei Team-Meetings oder -Events kennen und über das „Moin“ & „Tschüß“ gehts meist nicht hinaus.

Und dann die bittere Einsicht: Ich bin kein Teil eines Teams. Immer nah dran, aber nie wirklich. Und werde es wohl auch erstmal nicht mehr sein.

Aber wie das so ist: Um mich von diesem „Schmerz“ zu befreien, gehe ich mal ganz tief in mich und denke an die Zeiten zurück, in denen ich noch Kollegen hatte. Nette Kollegen… wirklich. Aber es gibt mindestens genauso viel Gründe…

…warum ich Kollegen nicht vermisse

Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Und selbst wenn man gut mit ihnen klar kommt: Man sitzt nun mal fünf Tage pro Woche mindestens acht Stunden am Tag zusammen (und das wie in meinem Fall in einem eher kleinen Großraumbüro – das ist kein Widerspruch, das geht 😉 ), wird man seeehr sensibel für deren Macken. Die Business Punk hatte mal einen Artikel zu verschiedenen Kollegentypen geschrieben, die einen mit ihren Macken in den Wahnsinn treiben können. Und ja, den “Hochzieher” kenne ich noch zu gut… Da ist mir oft schnell der Kragen geplatzt. Beim Anbieten eines Taschentuchs musste ich versuchen, mir nicht anmerken zu lassen, dass ich schon völlig in Rage war. Tag für Tag.

Oder der Kollege der so gerne seine Banane gegessen, dabei aber immer so richtig herzhaft geschmatzt hat… jeden Tag. Vielleicht war das auch der wahre Grund für meine Selbstständigkeit 😉

Einen Kollegenersatz finden

Und während ich trotzdem so jammere, fallen mir auch direkt schon zwei Dinge ein, wie man das Fehlen von Kollegen ausgleichen kann.

Für mindestens einmal die Woche ein Mittagspausen-Date organisieren

So kommt man mal raus, kann sich austauschen, vielleicht ein wenig Feedback holen, Kontakte pflegen und neue Mittagslokale testen. Wow. Da ist doch einiges drin für uns Freelancer 😉

Einen Platz in einem Coworking-Space mieten

Die anderen Coworker werden dann sicher zu einem guten Kollegenersatz, mit denen auch der Küchen-Effekt einsetzt (kurze private Gespräche bei einem Kaffee zwischen Tür & Angel), die Feedback geben können und mit denen man nach Feierabend mal was machen kann. Und eventuell ergeben sich aus den Kontakten sogar mal neue Projekte. Und das Beste: Wenn man mal keinen Bock auf die Leute hat, arbeitet man eben von zu Hause. Als Freelancer ist man da ja FREI bei der Entscheidung 🙂

Die gute Erkenntnis kommt zum Schluss

Und eine Erkenntnis, die jetzt zum Schluss auch noch kommt: So ganz richtig ist das ja auch nicht, dass ich kein Teil eines Teams bin. Denn mal kurz überlegen: Wo bin ich hier gerade? Auf UNSEREM Blog. Auf dem Blog, den ich zusammen mit den Görls schreibe. Wenn das mal kein Team ist. Noch dazu eines, dass ich nicht jeden Tag sehe… und von dem ich deshalb noch lange nicht genug habe 😉

[Anm. Sophie ist nach wie vor ein FF&-Görl, schreibt aktuell aber nicht mehr mit bei FF&. Stand: 11/2017]

 

© Beitragsbild: Lee Scott | Unsplash

6 Kommentare
  1. Daniel sagt:

    Hi Sophie, danke für deinen spannenden Beitrag! Einen CTA (Call to action) am Ende des Artikels hätte mich als User noch mehr motiviert, zu kommentieren. Für eure SEO ja auch wichtig. 😉 Aber hat auch so geklappt.

    Nun zum Thema: Bei den „Macken“ musste ich lachen. Es kommt echt darauf an, wie sensibel du bei so etwas bist und ob du als Extrovertierter sogar vielleicht diesen Trubel um dich rum magst.

    Ich persönlich liebe es, alleine für mich in Ruhe zu arbeiten. Nichtsdestotrotz ist Austausch auch was Schönes. Und dafür gibt’s dann halt die (gezielt selbst geplante) Mittagspause oder Kooperationspartner oder Netzwerk-Veranstaltungen, um wieder ein Gleichgewicht herzustellen und nicht völlig zu vereinsamen. 😉 Oder man sucht sich größere Agenturen z. B., um mit mehr Kollegen im Projekt zusammenzuarbeiten.

    In jedem Fall hat man als Freelancer die Wahl! Als Angestellter bleibt einem oft nichts anderes übrig als das Großraum zu akzeptieren. Gruß, Daniel

  2. Daniel sagt:

    Hi Sophie, danke für deinen spannenden Beitrag! Ein CTA (Call to action) am Ende des Artikels hätte mich als User noch mehr motiviert, zu kommentieren. Für eure SEO ja auch wichtig. 😉 Aber hat auch so geklappt.

    Nun zum Thema: Bei den „Macken“ musste ich lachen. Es kommt echt darauf an, wie sensibel du bei so etwas bist und ob du als Extrovertierter sogar vielleicht diesen Trubel um dich rum magst.

    Ich persönlich liebe es, alleine für mich in Ruhe zu arbeiten. Nichtsdestotrotz ist Austausch auch was Schönes. Und dafür gibt’s dann halt die (gezielt selbst geplante) Mittagspause oder Kooperationspartner oder Netzwerk-Veranstaltungen, um wieder ein Gleichgewicht herzustellen und nicht völlig zu vereinsamen. 😉 Oder man sucht sich größere Agenturen z. B., um mit mehr Kollegen im Projekt zusammenzuarbeiten.

    In jedem Fall hat man als Freelancer die Wahl! Als Angestellter bleibt einem oft nichts anderes übrig als das Großraum zu akzeptieren. Gruß, Daniel

    • Sophie sagt:

      Heeey Daniel. Danke für den CTA-Hinweis! Und danke, dass du trotzdem kommentiert hast 🙂 Schön zu lesen, dass andere auch lieber in Ruhe und am liebsten allein arbeiten. Manchmal fühle ich mich deshalb so „ungesellig“… quasi ein bisschen wie der Grinch, der Menschen einfach nicht mag 😉 Aber so schlimm ist es dann doch nicht… nur eben bei der Arbeit. Aber wie du so schön sagst: Als Freelancer haben wir glücklicherweise die Wahl.

  3. Gudrun sagt:

    Hey Sophie,
    du kannst es ja nicht sehen, aber ich grinse, während ich deinen Artikel lese. Ich bin jetzt schon seit vielem Jahren als Freelancerin unterwegs, habe in vielen Teams gearbeitet und stelle immer wieder fest, dass ich nicht tauschen will. Natürlich kenne ich die Probleme mit dem „Eremitendasein“, die jeden Freelancer zwangsläufig irgendwann mal treffen. Aber dank gemeinsamer Mittagessen, Business-Meetups und schöner Matsermind-Treffen mit anderen kreativen Köpfen, hält das nie lange an. 😉
    Liebe Grüße,
    Gudrun

    • Sophie sagt:

      Gudrun, danke für deinen Kommentar & freut mich, dass du grinsen musstest 😉 „Mastermind-Treffen“ klingt gut. Ich dachte erst, du nennst die Treffen mit Menschen aus deinem Netzwerk einfach so, aber habe das gerade mal gegoogelt… das ist ja tatsächlich ein „offizieller“ Begriff. Das heißt, wir von Frau, frei & sind quasi auch eine Mastermind-Gruppe in gewisser Weise, oder?

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