Startup einfach mal ausprobieren


Der (nicht mehr ganz) neue (aber trotzdem immer noch total) heiße Scheiß in Sachen Unternehmensgründung sind Startups. Technik-basierte Kleinfirmen, die sich schnell hochskalieren lassen, wie Taxi-Konkurrent Uber: 2009 gegründet, ist das Über-Startup schlechthin heute (nur 6 Jahre später) in über 55 Ländern weltweit vertreten. Eine spannende Herausforderung, aber auch ein angsteinflößendes Unterfangen. Gerade Frauen scheinen sich dem Druck nicht gewachsen zu fühlen. So zeigt zum Beispiel der Startup-Monitor unserer schönen Stadt Hamburg, dass nur zwölf Prozent der Startup-Gründer aus den letzten sieben Jahren Frauen waren. Aber woran liegt das? Sind wir einfach zu feige? „Frauen sind extrem selbstkritisch und haben oft diesen Perfektionismus-Anspruch. […] Frauen fühlen sich nie gut genug, um endlich anzufangen“, erklärt Berufscoachin Alexandra Reiter im Frau, frei &-Interview und ermutigt dann: „Du musst nicht perfekt sein, um anzufangen. Aber du musst anfangen, um perfekt zu werden.“

Frauen, gründet!

Das dachten sich auch die Initiatoren der beliebten Startup Weekends. Auf diesen Events bekommen Teilnehmer jeglicher Berufsrichtung die Möglichkeit, die Gründung eines Startups mal in High Speed (54 Stunden) zu testen. Am Freitag geht es los mit einer offenen Runde, in der jeder seine Startup-Idee pitchen darf. Die Teilnehmer stimmen dann über ihre Favoriten ab und finden sich zu Arbeitsgruppen zusammen. Den Samstag und halben Sonntag haben diese Gruppen dann Zeit, ein Konzept und Design zu erarbeiten, potenzielle Kunden zu befragen und einen Businessplan Light zu erstellen. Unterstützt werden sie dabei je nach Bedarf von Coaches aus unterschiedlichen Bereichen. Sonntagabend müssen dann die fertigen Konzepte in Drei-Minuten-Pitches vor einer Jury bestand haben. Bereits einige inzwischen erfolgreiche Startups haben sich aus diesen Test-Events gegründet und dort angestoßene Ideen zu einem tatsächlichen Business-Modell weiterentwickelt. Da aber auch bei diesen Events die Frauenquote leider noch im unbefriedigenden Bereich liegt, wurde dieses Jahr das erste Mal das Startup Weekend Women (#SWWHH) ins Leben gerufen, um ganz gezielt Frauen zu motivieren, sich in diesem „sicheren“ Rahmen einmal an einem Startup zu versuchen. Und wir von Frau, frei & wurden als Presse (uiuiui) eingeladen, um anschließend Bericht zu erstatten (was ich hiermit tue) – eine Ehre und ein großer Spaß zugleich. Vom 10. bis zum 12. April 2015 fielen daher scharenweise Frauen und – sehr erfreulich – auch jede Menge Männer bei der Gründerwerft im Hamburger Süden ein, um an ihren Ideen zu tüfteln. Der Schwerpunkt des Wochenendes lag dabei auf Motivation und Mutmachen. „Wenn Ihr an Eure Grenze stoßt, wenn Ihr unsicher seid, ob Ihr weitergehen sollt, ob Ihr was sagen sollt, jemanden ansprechen sollt, macht es!“ war das Mantra von Facilitator Ümit. Und viele hielten sich dran und meldeten sich schließlich doch oder präsentierten nach anfänglicher Unsicherheit selbst.

Viel ausprobieren, viel lernen

Startup Weekend Women Hamburg 2015

Startup-Weekendler beim Networken

Dass der Motivationsfunke bei vielen übersprang, war nicht nur an der „Bääm“-Stimmung bei der Abschlussveranstaltung zu spüren, sondern auch bei den Gesprächen, die sich anschließend entwickelten. Während einige Teams sich ganz beschwingt umeinander scharten, Erinnerungsfotos schossen und Zukunftspläne schmiedeten, schlossen sich andere Teilnehmer schon zu neuen Duos und Kleingruppen in den jetzt freien Arbeitsräumen zusammen, um beim Feierabend-Bierchen neue Ideen auszuhecken. Nicht bei allen sprang der Gruppen-Funke über. Interne Uneinigkeiten führten dazu, dass von ursprünglich 15 Gruppen lediglich elf ihre Ergebnisse vorstellen konnten – auch das ein natürlicher Prozess, der im Zuge des Startup Weekends in Hochgeschwindigkeit abläuft. Und auch bei den „überlebenden“ Gruppen konnte man deutlich sehen, bei wem das Feuer für die eigene Idee entflammt war und wer lediglich ein Gedankenspiel präsentierte. Eines ist aber allen Teilnehmern gemein: Gelernt haben sie „ganz viel. Erstmal verarbeiten“, sagt eine Teilnehmerin nach der Abschlusspräsentation. „Morgen kann ich Dir vielleicht sagen, was ich alles für mich rausziehen konnte.“

Habt Ihr auch Lust, Eure Geschäftsidee der Feuerprobe zu stellen? Oder den Geistesblitz eines anderen mit zu entwickeln? Die nächsten „regulären“ Startup Weekends finden schon Ende Mai in Hamburg und Berlin (zum Thema Video & Tech) statt. Auch hier hoffen die Veranstalter natürlich auf rege weibliche Beteiligung.

Und wen es interessiert, hier die Pitches vom #SWWHH 2015:

Overall Winner: Comate.me – „Parship für WGs“ – der Service will Zimmersuchende und bestehende WGs mithilfe eines Matching Tools zusammenbringen. (Auch Publikumspreis)

Bestes Design: Bring me to Art – eine App, die alle regionalen Museums- und Galerie-Ausstellungen parat hält. Über In-App Purchases können Tickets oder Guides gekauft werden.

Bester Pitch: SpizeClub – eine App, die einem hilft, eine eigene Gewürzmischung zusammenzustellen. Die Ratgeberfunktion berät einen außerdem, wie man damit die leckersten Gerichte zubereitet.

Außerdem:

Foodmakers – ein Co-Sharing Space für Köche. Hier sollen sich Küchenkünstler ausprobieren können und gleichzeitig Teil eines (Investoren-)Netzwerkes werden und von diesem profitieren.

Nubabox – dieser Service verspricht das perfekte Geschenk für Leute, deren Freunde Babys bekommen, und die nicht wissen, was sie schenken sollen.

Happy Afterlife – mit diesem Service können Nutzer schon zu Lebzeiten einen eigenen Grabstein designen oder designen lassen. Nach dem Tod kann der dann aus Granit gemeißelt oder (günstiger) 3D-gedruckt gekauft werden.

Puerto Seguro – ein gemeinnütziger Dienst, der alle wichtigen Informationen für Einwanderer und Flüchtlinge gebündelt und mehrsprachig an einem Ort zur Verfügung stellen will.

Crowdmate – diese App verbindet Solo-Konzertgänger. So kann man seine Lieblingsband auch dann in netter Gesellschaft bejubeln, wenn die eigenen Freunde mit der Musik nichts anfangen können.

Cookings – „Couchsurfing für Essen“: Die App verbindet reisende aber auch lokale Gourmets. Der Fokus soll dabei auf dem kulturellen Austausch liegen.

Zeitwert – Freelance-Autoren werden hier mit Leuten zusammengebracht, die eine Geschichte zu erzählen haben. Autobiographie zu erschwinglichen Preisen.

Skyette – Online-Shop, speziell für die Businessfrau. Hier findet man Kleidungsstücke, die garantiert bürotauglich sind, angereichert mit Fashion-Tipps.

© Beitragsbilder: Judith Schröder

Kategorien

+ Keine Kommentare Kommentar hinzufügen