Interview mit Creative Directorin Melina Royer

Kennt Ihr das Gefühl? Man schlendert ganz gemütlich die Straße entlang und findet unerwartet einen Geldschein – pure Freude! So erging es mir, als ich kürzlich über den Blog Vanilla Mind von Melina gestolpert bin. Neben Interviews mit tollen selbstständigen Frauen, gibt es dort vor allem Tipps rund um effizienteres Lernen, positives Denken und selbstbewusstes Auftreten im Job.

Gudrun hast Du im Interview verraten, dass Du Dich selbstständig gemacht hast, weil die Arbeitsbedingungen in einer Festanstellung auf Dauer nichts für Dich waren und Du nicht auf ewig für die Unternehmensziele eines anderen arbeiten willst, ohne mitbestimmen zu können. Das kann ich nur zu gut verstehen. Gab es damals einen Auslöser, einen konkreten Moment, in dem Du wusstest: „Jetzt reicht’s, ich mach mich selbstständig?“

Ich wusste schon ganz am Anfang meiner beruflichen Laufbahn, dass ich selbstständig sein will. Leider ist der Deutsche ja recht leidensfähig und bleibt lieber im Elend statt seine Pläne endlich in die Tat umzusetzen. 😉 Also dieser „Jetzt-reichts-Moment“ kam dann tatsächlich nach einigen Jahren. Viele Kollegen wechselten das Unternehmen und auch sonst gab es einige Entwicklungen innerhalb des Unternehmens, die mich letztlich dazu brachten, endlich das Handtuch zu werfen. Es war eine Kombination aus mehreren Faktoren, die das Fass zum überlaufen brachten. Der Wunsch war also schon lange da, aber ich glaube, der Leidensdruck war vorher noch nicht hoch genug, um endlich aktiv zu werden. 😉

Wie haben Deine Freunde und Familie auf Deine Entscheidung reagiert? Ich weiß aus Gesprächen mit anderen selbstständigen Frauen -und auch aus eigener Erfahrung-, dass der Entschluss sich selbstständig zu machen, nicht immer auf Verständnis stößt.

Da habe ich großes Glück. Ich weiß natürlich schon, dass sich meine Eltern Sorgen gemacht haben, weil man als Selbstständiger kein regelmäßiges Einkommen jeden Monat hat und sehr sorgfältig planen muss. Sie haben mir aber nie in irgendetwas hineingeredet und finden gut, was ich tue. Meine Mama liest auch sehr fleißig meinen Blog! 😉 Bei Freunden und Bekannten weiß ich es gar nicht so genau, wie die Reaktionen waren. Die meisten haben es einfach so hingenommen. Und wenn sie es nicht gut fanden, dann haben sie es mich zumindest nicht wissen lassen, haha. Mittlerweile kann aber auch jeder in meinem Umfeld sehen, dass es das richtige für mich ist, selbstständig zu sein. Ich bin wesentlich ausgeglichener, fitter und nur selten krank.

Selbstständige Creative Directorin Melina Royer

Wie sahen Deine ersten Schritte in der Selbstständigkeit aus? Wie hast Du Deine ersten Kunden gefunden?

Ich habe keine Kunden gefunden. Ich habe sozusagen die Kunden übernommen, die mein Mann allein nicht mehr handlen konnte. Z. B. Verlagskunden, für die ich Magazinlayout gemacht habe. Er war schon lange selbstständig, bevor ich gekündigt habe und brauchte meine Unterstützung. Ich weiß, das ist extrem komfortabel als Ausgangslage! Hat die Entscheidung auszusteigen auch deutlich vereinfacht. 😉

Wie läuft die Kundenakquise heute? Finden Dich die Kunden oder findest Du sie?

Wir bitten Kunden, mit denen wir gearbeitet haben, ganz konkret uns weiterzuempfehlen. Wenn sie zufrieden mit uns waren, ist es für sie ohnehin Ehrensache, das zu tun. Es gibt keine bessere Referenz als einen begeisterten Kunden. Wir networken aber auch sehr viel und kommen so an neue Aufträge.

Dank Deines Blogs und des Beitrages „Und, was machst du so den ganzen Tag?„, weiß ich ungefähr wie sich Dein Tagesablauf gestaltet. Arbeitest Du ausschließlich von zu Hause oder arbeitest Du auch beim Kunden, in Coworking Spaces oder in einem angemieteten Büro?

Ich arbeite tatsächlich nur zuhause. Ab und zu gehe ich zwischendurch ins Café, um zu reflektieren und neue Ideen zu sammeln. Coworking Spaces habe ich noch nie ausprobiert. Aber ich würde sehr gern mal für zwei Wochen verreisen, nur um z.B. einen Kurs durchzuarbeiten oder zu schreiben. Das geht meist viel besser, wenn man von den Dingen zu Hause weit weg ist.

Worin besteht der Vorteil für Dich Zuhause zu arbeiten? Gibt es auch Herausforderungen, denen Du Dich im Home Office stellen musst?

Ja, wie eben schon kurz erwähnt, lässt man sich in den eigenen vier Wänden sehr schnell ablenken. Das Problem hätte ich aber bis zu einem gewissen Grad auch im Büro, denn da gibt es ja auch das böse Internet. 😉 Ich arbeite am liebsten zuhause, weil es hier gemütlich ist und ich immer selbst entscheiden kann, wann ich arbeiten will. Ich muss das nicht so stark trennen können, es macht mir ja Spaß und belastet mich nicht emotional. Vorher im Angestelltenverhältnis war es mir immer so wichtig, weg zu sein und abzuschalten, aber das ist jetzt nicht mehr so.

Lass uns noch einmal auf Deinen Blog Vanilla Mind zurück kommen: In About schreibst Du, dass sich der Blog an selbstständige Frauen richtet und Du Ihnen helfen möchtest, positive Glaubenssätze und mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Hier besteht ganz offenbar eine Notwendigkeit. Warum glaubst Du, zweifeln so viele Frauen an sich selbst -und selbstständige Frauen oft an ihrer Geschäftsidee?

Das ist eine gute Frage! Ich weiß es nicht. Es betrifft mich ja auch jeden Tag. Selbstzweifel per se sind ja nicht immer etwas schlechtes, nur als Beispiel: Frauen sind mitunter viel reflektierter und sind sich ihrer eigenen Probleme mehr bewusst. In Schulungen und Seminaren sieht man meistens mehr weibliche als männliche Teilnehmer. Offenbar erkennen Frauen eher, wo sie Hilfe brauchen und suchen sich diese dann auch. Aber klar, die andere Seite der Medaille ist natürlich die nie enden wollende Selbstkritik und der Perfektionismus. Ich weiß nicht, warum es so ist, ich weiß nur: Ich will gegenan gehen und raus aus diesem Teufelskreis. Ich habe schon eine Menge destruktiver Verhaltensmuster aufgegeben und es ist immernoch ein harter Kampf. Darüber schreibe ich und wünsche mir natürlich, dass ich anderen Frauen dadurch helfen kann. 🙂

Welchen Rat würdest Du Frauen mitgeben, die darüber nachdenken sich selbstständig zu machen?

Am Anfang sollte man damit leben können, sich etwas einzuschränken z.B. auf ein Auto zu verzichten oder keine teure Wohnung zu haben. Hohe Grundkosten sind oft dafür verantwortlich, dass man auf keinen grünen Zweig kommt. Der Druck große Auftraggeber zu finden ist dann viel höher und das kann einem den letzten Nerv rauben. Ein anderer Punkt: Es nicht versucht zu haben, tut viel mehr weh als zu scheitern. Man fragt sich sonst bis ans Lebensende „Was wäre, wenn…?“ und behindert sich dadurch selbst. Und zu guter Letzt: In Deutschland wird jeder vom Staat aufgefangen, einem kann also gar nicht so viel passieren. Es wird nie den Punkt geben, an dem man buchstäblich mit nichts dasteht. Diese Erkenntnis kam mir aber auch erst spät.

Hast Du schon jemals mit Deiner Entscheidung Dich selbstständig zu machen gehadert?

Nein. Ich wusste immer, dass ich das machen werde, nur eben nicht wann. Irgendwie erfindet man immer Ausreden, wie „das Geld reicht nicht, es ist nicht der richtige Zeitpunkt, die brauchen mich in der Firma noch, ich bin nicht gut genug…“. Die Liste ist ellenlang, aber es ist alles Unsinn. Das ist wie Autofahren mit angezogener Handbremse.

Was sind Deine größten Erfolge bislang? Und wo soll es mit Deiner Selbstständigkeit hingehen?

Ich freue mich riesig über meinen Blog! Am schönsten ist es, E-Mails von Leserinnen zu erhalten, die mir sagen, dass sich sich selbst in meinen Worten gefunden haben. Das ist einfach genial. Und: Ich habe einen sehr coolen Design-Wettbewerb von Hallhuber gewonnen, das kann man schon fast als Kindheitstraum bezeichnen: Einmal Modedesignerin sein. 😉

Was sind Deine Top 3 Learnings?

1. Wer sich nicht gut verkaufen kann, geht ein.
2. Du hast kein Anrecht auf irgend etwas und niemand ist dir etwas schuldig, denn:
3. Du musst dich selbst beweisen und dafür kämpfen.

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