Buchtipp: Schlittenhunde & eine ganz eigene Vorstellung vom wahren Leben
Ich nutze heute mal die Gunst der Stunde, um Euch das Buch einer Schlittenhundeführerin ans Herz zu legen.
Ok, ich gebe zu, dass es im ersten Moment etwas absurd wirkt, hier auf Frau, frei & das Buch einer sogenannten Musherin zu empfehlen. Wobei Silvia Furtwängler ja so gesehen auch selbstständig ist. Aber es soll nicht um Versicherungen, Stundensätze oder das Finanzamt gehen.
Momentchen, Momentchen! Ich werde das natüüürlich genauer erklären.
Alles fing an einem Freitagabend an. Da steht bei mir nämlich meistens die NDR Talkshow auf dem Programm. Ja ja, das klingt etwas öde – vor allem, da ich noch keine 50 bin.
Zu Gast war damals unter anderem Silvia Furtwängler, um ihr neues Buch zu promoten. Na da bin ich ja super drauf angesprungen 😉 Ich machte mich nämlich direkt am Tag nach der Sendung mit Sternchen in den Augen auf zum Buchladen, um mir „Nordwärts“ (LINK) unter den Nagel zu reißen.
Grund war meine Faszination für ihr ganz „anderes Leben“. Völlig abgeschieden und nur über den Seeweg mit den Festland verbunden lebt sie mit ihren 30 Hunden, ihrem behinderten Sohn Steven und ihrem Mann auf einer Insel in Norwegen. Ihre nächste Nachbarin, Anne (ein ganz besonderes Kaliber!), wohnt 15 km entfernt.
Auf die andere Seite des Sees – für Einkäufe, Arztbesuche u.ä. – geht es im Sommer mit dem Boot und im Winter mit dem Snowmobil. Friert der See gerade zu oder taut auf, geht nichts.
Sie lebt so aber nicht etwa, weil es für das Training der Hunde, also für ihren „Job“, nötig gewesen wäre. Sie lebt so, weil es ihr Traum ist.
Volltreffer! Ich hätte das Buch wirklich sofort in einem Rutsch durchlesen können. Ich mag Silvia Furtwänglers Schreibweise so gerne. Man merkt: Das wollte sie in die eigene Hand nehmen – ohne Ghostwriter oder Experten, die ihr mit professionellen Tipps reinquatschen. Deshalb liest sich das Buch wie der persönliche Blog einer Schlittenhundeführerin. Keine sprachlichen Feinheiten, durchdachten Strukturen oder stilistische Mittel, ein kleines Durcheinander, dafür aber ganz viel Authentizität… und Abenteuer! (Ich wünschte wirklich, sie würde einen Blog schreiben, sodass man immer an einen Story-Nachschub kommt).
Im Fokus des Buches steht der Volga Quest – ein Rennen durch Russland auf einem 600 Kilometer langen Abschnitt der zugefrorenen Wolga. Silvia geht als einzige Frau an den Start und muss sich in dem männerdominierten Sport einiges gefallen lassen. Oben drauf geht beim Rennen aufgrund der unprofessionellen Planung seitens der Veranstalter auch sonst allerhand schief.
Und während man bei ihren Geschichten vor Wut fast selbst aus der Haut fährt, ängstlich an den Nägeln kaut oder leicht abenteuerlustig wird, beeindruckt sie mit einer unglaublichen Power, Biss, Mut und vor allem Selbsttreue.
Denn natürlich wird sie immer wieder mit den Zweifeln und Vorwürfen anderer konfrontiert: Sie sei eine Rabenmutter, wenn sie während eines Rennens wochenlang nicht für ihren behinderten Sohn da sein kann. Und ob dieses abgeschiedene Leben das richtige für ihn sei.
Aber Silvia Furtwängler lässt sich nichts einreden. Sie lebt das Leben, dass sie liebt. Aus Überzeugung, dass es für sie und für ihre Familie das beste ist.
Es gibt in dem Buch zwar keine Tipps zur Steuererklärung, Akquise oder zum Selbstmarketing, dafür aber eine ordentliche Portion Motivation, im Leben doch einfach das zu tun, was einen glücklich macht – ohne „hätte“, „müsste“, „wenn“ und „aber“. Vielleicht fällt es Euch danach also doch etwas einfacher, Eure Ideen in die Hand zu nehmen und loszulegen. Denn klar ist: Die Dinge, die wir oft als “Hürden” sehen, wirken im Vergleich zu einem Rennen durch das ewige Eis plötzlich ganz schön bezwingbar 
Nordwärts ist schon die zweite Veröffentlichung von Silvia Furtwängler. In ihrem ersten Buch Tausend Meilen Eis schreibt sie über den Yukon Quest – eine 1600 Kilometer lange Strecke durch Alaska.


