„Wie ein 6er im Lotto“ – Sophia & Jette über ihr eigenes Yogastudio und das Glück, zu zweit zu sein

Jette und Sophie vom Monkey Mind.Yoga-Studio in Hamburg

Beim Interview mit Lisa & Steffi von Crowdspondent habe ich Euch ja schon mal kurz die Ohren vollgeheult, dass ich auch gerne meinen ultimativen „Geschäftspartner in Crime“ hätte und immer sehnsüchtig auf Menschen schaue, die ihn bzw. sie schon gefunden haben. Und so habe ich auch ziemlich verträumt auf Jette und Sophia (im Bild von links n. rechts) geschielt, die vor fünf Jahren gemeinsam das Monkey Mind Yoga-Studio in Hamburg gegründet haben. Und nachdem ich fertig geschielt hatte, habe ich einfach mal meine neugierigen Fragen ausgepackt, auf die die beiden sehr ehrlich über die Bedenken und Schwierigkeiten des Selbstständigseins mit Kind geantwortet haben. Ehrlich… und auch ein bisschen verrückt, sodass man hinterher einfach begeistert von den beiden ist.

Einmal auf Anfang: Wie habt Ihr Euch gefunden?

Sophia: Jette hat in der Schule unterrichtet, wo ich damals öfter auf der Matte anzutreffen war. Außerdem war sie die Mitbewohnerin eines gemeinsamen Freunds (Huhu Jöni!), den wir natürlich auch über’s Yoga kannten. Logisch.

Jette: Ja, wir waren nach kürzester Zeit so ne richtige „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“-Clique – also erst Yoga und dann schön zum Quatschen und Cappuccino schlürfen ins benachbarte Café.

Wann war Euch dann klar, dass die jeweils Andere die „Richtige“ für ein gemeinsames Projekt ist?

Sophia: Wir haben durch den besagten gemeinsamen Freund des Öfteren saulustige Abende verlebt, die immer irgendwie besonders waren. Mit relativ wenigen Hintergedanken bin ich irgendwann nach Bali gereist, um dort im Rahmen eines Teacher Trainings zwei Monate Yoga zu üben und zu lernen. Als ich zurückkam, hatte Jette diese Pläne, mit mir was zu starten und hat mir das irgendwie höchst geschickt verkauft.

Jette: Lustig, so erzählst Du die Geschichte immer… Dabei habe ich das ganz anders in Erinnerung. In meiner Version kommt Sophia flammenden Herzens zurück aus Bali, ruft mich aus heiterem Himmel an und beschließt, mit mir gleich erst mal `ne eigene Schule zu eröffnen. Ich denk mir so: Wow, ich habe mich das all die Jahre nicht getraut. Was für eine mutige Frau. Da musste ich dann einfach mitziehen 🙂

😀 Das sind natürlich zwei sehr unterschiedliche Versionen. Auch wenn Eure Erinnerungen an den Start etwas auseinandergehen: Was verbindet Euch?

Sophia: Am Anfang waren wir vor allem durch’s Yoga verbunden. Nach mittlerweile fünf Jahren Monkey Mind Yoga teilen wir nun quasi unsere Leben miteinander. Gemeinsam haben wir eine Menge Berge erklommen, aber auch Täler durchschritten. Das verbindet sehr. Mehr noch: Es schweißt zusammen.

Jette: Da kann ich gar nicht mehr viel hinzufügen. Wir sind mehr oder weniger wie verheiratet und unser Baby hat den Namen Monkey Mind! Der Vergleich scheint vielleicht ein wenig übertrieben, aber… nein, auch nach längerem Nachdenken könnte ich es nicht besser umschreiben. Es ist herrlich anstrengend, intensiv und lebendig.

Seht Ihr Euch als Kolleginnen oder doch eher als gute oder sogar beste Freundinnen?

Sophia: Ich kann von ganzem Herzen behaupten: We are family!

Jette: Viva la fam!!! Hab ich in der Frage davor ja schon durchblitzen lassen.

Ich sage immer, dass es genauso schwer ist, einen „Partner in Crime“ für solche Projekte zu finden, wie den Traummann oder die Traumfrau. Würdet Ihr da zustimmen? Oder seht Ihr das locker und könntet Euch auch mit jedem Anderen die Umsetzung eines solchen Projektes vorstellen?

Sophia: Ich empfinde das, was wir da zusammen haben, als eine Art 6er im Lotto. Wir sind relativ unbedarft an die Sache herangegangen und erkannten erst im Laufe der Jahre, dass es überhaupt nicht selbstverständlich ist, dass man als Geschäftspartner automatisch gut miteinander funktioniert. Man kann vorher nicht wissen, ob es klappt oder eben nicht. Tendenziell kann man bestimmt mit mehreren Menschen ein Projekt an den Start bringen. Ich glaube, es kommt da mehr auf die innere Bereitschaft zu wachsen an, als darauf, ob man dieselbe Lieblingsfarbe hat.

Jette: Das mit dem Traummann/der Traumfrau ist doch eh nur eine Illusion. Es gibt nicht DEN Einen oder DIE Eine… Das Leben, die Liebe hat so viele Facetten und es gibt so wahnsinnig viele tolle Menschen. Man kann mit allen möglichen Personen zusammen sein, zu welchem Zweck auch immer. In der einen Konstellation bedarf es einfach ein wenig mehr Arbeit als in einer anderen. Aber Mühe kostet es immer, zusammen etwas auf die Beine zu stellen – egal ob beruflich oder privat. Bäh, das klingt furchtbar erwachsen.
Die durch Hollywood versaute Seite an mir liebt es sich vorzustellen, Sophia sei mit einem Windhauch des Schicksals in mein Leben gepustet worden. So MUSS es sich zugetragen haben, ich bin ganz sicher…

Ihr verbringt ja sicher auch seeehr viel Zeit miteinander: Wie oft kommen Phasen, in denen Ihr auch mal Abstand voneinander braucht?

Sophia: Ich glaube da haben wir schon eine recht gesunde Herangehensweise. Der Rhythmus, mit dem wir unsere Wochen bestreiten, lässt genügend Abstand voneinander zu – bedingt allein schon durch das Leben, das man außerhalb von Monkey Mind Yoga hat. Wir haben einen Jour Fixe pro Woche. Der ist Pflicht. Alles andere wird per Telefon, Mail etc. abgehandelt. Die tatsächliche gemeinsame Zeit ist dann eigentlich immer sehr vergnüglich und mit Spaß verbunden. Schreiend davon gelaufen bin ich vor Jette bisher noch nicht.

Jette: Ja, ich empfinde das ganz ähnlich. Ich bin noch nie in die Gefahr einer Sophia-Überdosis gelangt.

Wie sagen eigentlich die Reaktionen Eurer Familien und Freunde aus, als Ihr von der Idee erzählt habt, ein eigenes Yogastudio aufzumachen?

Jette: Ich war bis dahin eher ein Mensch, der gern von Dingen redet, dem es dann aber stets an Durchsetzungskraft und Puste fehlte. Von daher lag ich meinem Umfeld schon seit Jahren in den Ohren und die meisten haben bei dem Thema schon regelrecht die Augen verdreht und gedacht: „Dann tu’s doch endlich, man ey!“ Und als es dann soweit war, konnten sie gar nicht anders, als mich mit voller Kraft zu unterstützen. Ha!

Sophia: Es gab wirklich keinen, der die Hände über den Kopf zusammengeschlagen hat. Im Gegenteil! Alle fanden es absolut gut! Vielleicht ein Zeichen dafür, dass man von den absolut richtigen Leuten umgeben ist.

Wie seid Ihr das Ganze dann angegangen, um Monkey Mind Yoga in Gang zu bringen?

Sophia: Wir hatten eine Webseite und einen Stapel Flyer. Und ich glaube auch Sticker, auf denen nur unser Claim „Relax Your Monkey“ stand. Kein Schwein konnte was damit anfangen, aber wir fanden’s cool und das war offenbar das Wichtigste 😀 Einem Prinzip folgen wir aber bis heute treu: Wir möchten organisch wachsen. Das heißt keine Kooperationen mit Firmen oder Projekten, die wir nicht richtig toll finden. Auf keinen Fall irgendeinen komischer Kuhhandel. Das ist die Freiheit, die wir brauchen, um authentisch zu bleiben.

Viele haben ja das Gefühl, Selbstständigkeit sei ein Risiko. Hattet Ihr Zweifel oder Bedenken?

Jette: Zweifel hatte ich eher so auf persönlicher Seite. Ich habe die Aufgaben, die mit dem Leiten eines Yogastudios einhergehen, sehr unterschätzt.

Sophia: So richtige Angst hatte ich nicht, wir haben aber auch auf relativ sicherem Boden begonnen. Das finanzielle Risiko war überschaubar, sodass wir wirklich jederzeit hätten sagen können: „Och nö, doch kein Bock mehr!“ Klar kamen wir dann im Laufe der Zeit schon an Punkte, an denen wir uns fragten, ob es nicht doch viel einfacher wäre einen festen Job mit all den Sicherheiten zu haben. Da hat es einfach immer geholfen, zu zweit zu sein. Denn es gab nie den Punkt, an dem beide gleichzeitig den Kopf hängen ließen. Es war also immer eine Hand da, die einen wieder auf den Weg führte.

Natürlich kann es jeder selbst noch mal auf Eurer Homepage nachlesen, aber für Klickfaule hier noch mal die Frage: Was hat es mit dem Monkey Mind auf sich?

Sophia: Jette hatte diesen Namen-Joker schon längst auf der Tasche und zwar weil sie den größten Monkey von allen hat. So sieht das nämlich aus, oder Jette?

Jette: Da ist wahrscheinlich was dran! Ehrlich gesagt, ich kann mich nicht mehr erinnern. Ganz so unbekannt ist der Begriff ja gar nicht, zumindest nicht in Yoga-, Meditations- und Buddhismus-Kreisen. Und ich muss irgendwie darüber gestolpert sein. Monkey Mind ist einfach dieser wildgewordene Affe im riesigem Affenbrotbaum, ununterbrochen am Rumkrakeln und sich durch die Lüfte schwingen. Sinnbildlich steht er für unseren chaotischen, unsteten Geist. Ihn zu beruhigen und nicht Spielball seiner Launen zu sein, ist erklärtes Ziel vieler fernöstlicher Heilmethoden. So auch im Yoga. Und da schließt sich der Kreis. In unserem Studio bekommen die Schüler Werkzeuge in die Hand, um ihren Monkey Mind zu relaxen. Getreu unserem Motto: Relax Your Monkey!

Wann hattet Ihr das letzte Mal einen Monkey Mind?

Sophia: Mein Monkey ist jeden Tag schon vor dem ersten Augenaufschlag wach – blitzschnelles Ding. Also heute morgen hatte ich die letzte bewusste Kommunikation mit ihm. Weiß aber gar nicht mehr, worum’s ging.

Jette: Die neueste Erfindung meines Monkey Mind heißt Renee und ist 25 Monate alt. Wirkt alles ziemlich real und findet außerhalb meines Kopfes statt. Total abgefahren. Auf jeden Fall sagt mir dieser (mein) Monkey Mind, Renee sei meine Tochter und ich wäre bis auf Weiteres für sie und ihr Leben verantwortlich. Zu allem Überfluss ist diese junge Dame auch noch so ein wilder Feger… Ich durchleide jeden Tag Höllenqualen, aber dann doch mit dem erfreulichem Resultat am Ende eines Tages quasi fast „braindead“ kopfüber ins Bett zu fallen. Relaxation mal ganz anders.

Jette, Du bist bereits Mama? Erzähl mal: Was sind Vorteile bzw. Nachteile, wenn man als junge Mutter selbstständig ist? 

Junge Mutter mit 37 Jahren… Danke Dir für die Formulierung! (Anm. d. Red. Ich hätte Jette niemals auf 37 geschätzt!) Mir fällt es tatsächlich schwer, die Frage zu beantworten, da ich gar nicht weiß, wie das bei einer Festanstellung geregelt ist und ich so die Vor- und Nachteile meiner Situation gar nicht benennen kann.

Ich möchte anderen Frauen auch nicht den Mut nehmen, Kinder zu bekommen, wenn sie selbstständig sind. Aber für mich waren die letzten zwei Jahre die härtesten meines Lebens! Da von Vorteilen zu sprechen, fällt mir richtig schwer. Ich versuche es trotzdem mal:

Ein Vorteil ist sicher, dass Du im günstigsten Fall ein wenig freier über Deine Zeit verfügen kannst. Zeit, in der Du in Deine neue Rolle hineinwachsen kannst, aber vor allem Zeit in der Du das Menschlein, welches zu Dir gekommen ist, so richtig kennenlernen kannst. Und dann kannst Du diese ersten so wichtigen Jahre für Dich als Mama und für das Baby so gestallten, wie es EUCH am besten entspricht, ohne Dich verbiegen zu müssen und ohne Dein Kind schon so früh in ein System aus Terminen und Fremdbetreuung zu drängeln. Denn eines habe ich in der letzten Zeit gelernt: Die Babys brauchen am Anfang gar nichts, außer ihre Mamas (und Papas, logisch!) und uneingeschränkte Zeit und Aufmerksamkeit.

Wenn Du also ein Kind bekommst, welches eher genügsam ist und viel schläft, kannst Du es einfach überall mit hinnehmen und ganz in Ruhe Deine Dinge erledigen. Da ich aber so `ne wilde Hummel zu Hause habe, kümmere ich mich tagsüber um sie und finde die Zeit zum Arbeiten an anderer Stelle, z.B. nachts. Geht das als Vorteil durch?

Ein großer Nachteil für mich wäre sicher, wenn ich ganz auf mich allein gestellt wäre, also ganz ohne Sophia. Keine Ahnung, ob das wirklich funktioniert hätte. Darum empfehle ich, Augen auf beim Kinderkriegen und zum Mutter-Kind-Paket unbedingt dazu buchen: Einen vernünftigen Kerl, Eltern und Schwiegereltern, mit denen man leben kann, jede Menge Freunde, die bestenfalls Kinder im selben Alter haben und viel, viel Kaffee. Dann wirds schon schiefgehen! Puh, das klingt alles irgendwie so negativ. Ich glaub, ich brauch Urlaub 😉

Wenn Ihr auf das, was Ihr schon geschafft habt, zurückblickt, was für ein Gefühl kommt dann auf?

Sophia: Ganz viel Dankbarkeit dafür, dass wir das machen dürfen, dass wir uns haben und dass wir so tolle Menschen kennen! Und ein kleines bisschen Stolz, aber nur ganz wenig.

Jette: Ich finde Stolz vollkommen okay! Dass ich so richtig stolz bin auf mich selbst, ist ein ziemlich neues Gefühl für mich. Und ich habe es eigentlich erst bemerkt, als ich meinen Eltern mal unsere Schule präsentierte. Das hat sich richtig, richtig gut angefühlt!

So, zum Schluss noch ein wichtiger Tipp für alle, die was Ähnliches planen?

Jette: Sucht Euch Eure Sophia und los gehts! Nein, im Ernst. Ich habe so lange gewartet, gedacht, das Leben klopft an meine Tür und hat was ganz Tolles mit mir vor und alles, was ich tun muss ist eben hier zu warten. Ich war eine klassische Traumtänzerin. Jetzt weiß ich es besser! Inneres Feuer entzünden, volle Kraft voraus und dann kommt das Leben und denkt: Was macht die denn Tolles?! Da mach ich einfach mal mit. So rum läuft es nämlich, liebe Leute!

Sophia: Ich zitiere hier einmal meinen Papa. Der pflegt nämlich immer zu sagen: „Durchlesen, überlegen, entscheiden!“ Ist jetzt nicht der abgefahrenste Tipp, aber es ist eine simple Anweisung, die man wirklich immer anwenden kann. Schenkt man zudem noch der eigenen Intuition etwas Beachtung, ist schon viel getan, denn die sagt einem schon ganz genau, was man möchte und was nicht. Andererseits rate ich auch von impulsiven Entscheidungen ab, ein bisschen sacken lassen ist immer ratsam. Mega erwachsene Antwort, geil.

Liebe Sophia, liebe Jette, vielen Dank für Eure herrlichen und ehrlichen Antworten!

Und liebe Leute, Ihr merkt schon: Ihr solltet unbedingt mal im Monkey Mind Yoga-Studio der beiden vorbeigucken!

Bis dahin gibt es auch noch was zu gucken: In einem Monkey Mind Yoga-Video erklären sie, was Yoga für sie bedeutet.

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