Von der Aficionada zur Unternehmerin. Warum Ihr für ein erfolgreiches Business mehr braucht als nur Eure Leidenschaft
Silvia Chytil ist Business Coach und Mindset-Mentorin. Sie unterstützt Unternehmerinnen dabei, sich ihren Traum vom eigenen Unternehmen zu erfüllen, ihre vielen Ideen unter einen Hut und ihr Business zum Blühen zu bringen. Aus eigener Erfahrung kennt sie die vielen Hindernisse und Hürden, mit denen wir als Unternehmerinnen immer wieder konfrontiert werden - und sie hat dabei eines gelernt: An sich glauben, dranbleiben und vor allem mit viel Spaß an der Sache sein, sind die sichersten Wege zu einem erfolgreichen Business.
Warum habt Ihr Euch selbstständig gemacht? Weil fotografieren Eure absolute Leidenschaft ist? Weil Ihr am liebsten den ganzen Tag an Eurem Roman schreibt? Weil Ihr nichts lieber tut, als schöne Grafiken zu basteln?
Als ich mich vor drei Jahren selbstständig machte, war für mich klar, dass ich wieder mehr Freude in meinem Job haben wollte. Meine letzten Jahre im mittleren Management eines großen Konzerns waren alles andere als motivierend. Jede Entscheidung dauerte Monate, falls sie überhaupt getroffen wurde. Notwendige Projekte wurden auf die lange Bank geschoben. Arbeiten blieben liegen, weil sich niemand dafür verantwortlich fühlte. Die meisten Kollegen und Kolleginnen waren frustriert, demotiviert und machten Dienst nach Vorschrift. Ihr könnt Euch sicher denken: So zu arbeiten machte wirklich nicht viel Spaß.
Also rein in die Selbstständigkeit. Eigentlich wollte ich diesen Weg schon vor 15 Jahren gehen, entschied mich aber damals aus privaten Gründen dagegen. Jetzt war es endlich soweit – und ich liebte es von Anfang an. Ich merkte: Arbeiten kann Spaß machen. Nein, muss Spaß machen. Niemandem ist damit geholfen, wenn wir unter unserer Arbeit leiden.
Im ersten Jahr tat ich ausschließlich Dinge, die mir wirklich Spaß machten. Ich bin eine Aficionada (Liebhaberin) des geschriebenen Wortes. Somit las ich den lieben langen Tag Bücher, schrieb eigene Artikel und erweiterte mein Wissen. Herrlich!
Ich liebte mein Leben. So konnte es von mir aus immer weitergehen.
Wenn da bloß eines nicht gewesen wäre. Mein Sparkonto, das von Monat zu Monat weniger wurde. Denn leider – nur mit meiner Leidenschaft alleine – verdiente ich einfach kein Geld.
Also sah ich mein erstes Jahr als Auszeit und startete nochmals durch. Diesmal richtig. Diesmal als Unternehmerin, nicht nur als Aficionada.
Aficionada kommt aus dem spanischen und bedeutet Liebhaberin, Fan. Aber es bedeutet auch Amateurin und unprofessionell.
Und leider beobachte ich immer wieder, dass viele ihr Business zwar mit einer unbändigen Leidenschaft führen, allerdings nicht sehr professionell.
Ein eigenes Unternehmen leiten bedeutet jedoch nicht, den ganzen Tag seiner Leidenschaft nachgehen. Die administrativen und operativen Aufgaben fressen nicht nur Zeit, sondern auch Energie. Rechnungsführung, Mahnwesen, Kundenkontakte, Networking, Unternehmensverwaltung, Kalkulation, und, und, und…
Ich sage ja nicht, dass Ihr das, was Ihr tut, nicht lieben solltet. Ganz im Gegenteil. Wirklich erfolgreich werden wir, wenn wir jene Profession ausüben, die uns Spaß macht und uns leicht von der Hand geht. Allerdings kann es ganz schnell passieren, dass Ihr Euch an dem Feuer Eurer Leidenschaft verbrennt. Nämlich dann, wenn Euer Business plötzlich nicht mehr Spaß macht, sondern zur Qual wird.
Was Ihr als erfolgreiche Unternehmerin braucht
Es gibt natürlich eine ganze Menge, was Ihr benötigt, um an die Spitze zu kommen und dann auch um dort zu bleiben. Ich möchte aber die vier, für mich entschiedensten Punkte, herausnehmen. Denn ohne diese läuft gar nichts.
1. Durchhaltevermögen
Der erste und ganz entscheidende Punkt: Ihr benötigt Ausdauer. Jede und wirklich jede Unternehmerin (und natürlich auch Unternehmer), ganz gleich wie erfolgreich sie schon ist, hat ihre Tiefs. Vor kurzem hörte ich ein Interview von der Unternehmerin Marit Alke, die wirklich erfolgreich ist. Sie erzählte, dass sie gerade in einem riesigen Tief steckt und sich überlegt, einfach alles hinzuschmeißen.
Und jetzt kommt der Unterschied! Diese Unternehmerin wirft nicht alles hin. Sie gibt nicht auf. Sie sitzt diese Tiefs aus, versucht sich abzulenken und neu zu motivieren. Sie weiß, dass ein Business führen manchmal überhaupt keinen Spaß macht und wirklich mühsam sein kann.
Solche Tiefs sind wunderbare Momente der Reflexion. Alles nochmals überprüfen, an Schrauben drehen, die locker geworden sind und die Positionierung noch weiter schärfen. Das alles können wir tun, wenn es mal nicht so läuft und wir zu zweifeln beginnen.
2. Unternehmerisches Know-how
Der zweite Punkt ist nicht weniger entscheidend. Euer unternehmerisches Know-how ist ein wesentlicher Faktor für Euren Erfolg.
Die Aficionada brennt für ihre Sache. Das ist großartig. Aber sie ist eben auch unprofessionell. Sie meint ihre Leidenschaft macht fehlendes betriebswirtschaftliches Know-how wett.
Leider nein!
Ihr müsst nicht unbedingt ein betriebswirtschaftliches Studium vorweisen. Aber Wissen über Organisation, Strategie, Planung, Marketing und Administration sollte schon vorhanden sein.
Diese Tätigkeiten zähle ich zum Arbeiten AM Unternehmen. Viele Unternehmerinnen begnügen sich hingegen mit dem Arbeiten IM Unternehmen. Im Unternehmen arbeiten bedeutet sich mit dem eigentlichen Kerngeschäft zu befassen. Fotografieren – die Fotografin. Webseiten erstellen – die Webdesignerin. Coachen – der Coach.
Zu den Arbeiten am Unternehmen zählt zum Beispiel die eigene Positionierung finden und schärfen. Die Zielgruppe definieren. Ein überwältigendes Angebot schnüren. Eine nachhaltige Strategie planen.
Natürlich könnt Ihr Euch fehlendes Know-how auch durch entsprechendes externes Personal zukaufen. Das ist in manchen Dingen auch sinnvoll. Wenn Ihr es allerdings für den gesamten betriebswirtschaftlichen Bereich macht, kann es schnell sehr teuer werden und Ihr gebt die Zügel Eures Unternehmens aus der Hand.
Und das wollt Ihr ja nicht, oder?
3. Mut
Den ersten Mut habt Ihr schon bewiesen. Ihr habt den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Dazu gratuliere ich Euch wirklich sehr!
Auch wenn Ihr meint: „Na das ist doch nichts.“ Schaut Euch um, redet mit Leuten. Ihr werdet feststellen, wie viele von der Selbstständigkeit träumen, sich aber nicht trauen.
Also, diesen ersten Mut habt Ihr schon aufgebracht. Aber hoffentlich nicht aufgebraucht. Denn Mut werdet Ihr nun ganz oft brauchen. Sei es, wenn Ihr Euch am Markt sichtbar machen sollt, wenn Ihr neue Produkte oder Dienstleistungen ausprobiert, wenn Ihr neue Kunden an Land zieht oder Ihr schwierige Entscheidungen treffen sollt. Wenn Ihr Euch eben immer wieder aus Eurer Komfortzone bewegt.
Denn auch, wenn Euer Business jetzt läuft, Stillstand bedeutet Rückgang. Daher ist Euer Mut ganz entscheidend, rechtzeitig neue Wege einzuschlagen, auch wenn es gerade sehr bequem zu sein scheint.
4. Holt Euch Unterstützung
Selbst und ständig ist eine Falle, in die viele Selbstständige tappen. Entweder fehlt das Geld, um sich die nötige Unterstützung leisten zu können oder sie meinen das brauchen sie nicht.
Aber glaubt mir – Ihr KÖNNT nicht alles alleine machen. Einerseits weil Ihr das nötige Wissen nicht besitzt, andererseits, weil Eure Zeit und Energie auf Dauer dafür nicht ausreichen werden.
Auch wenn Ihr erst am Anfang steht und meint, das braucht Ihr nicht oder dafür habt Ihr kein Geld. Ich rate Euch trotzdem schon damit zu beginnen kleine Aufgaben auszulagern. Man kann z. B. das Content Management durch einen virtuellen Assistenten erledigen lassen (Blog-Artikel in WordPress einpflegen, Artikel Korrektur lesen) oder Programmier-Tätigkeiten, die man selbst nicht umsetzen kann, an einen EDV-Fachmann abgeben.
Wenn Ihr diese vier Punkte beachtet, habt Ihr schon ein ganz wesentliches Rüstzeug für Euer Business geschaffen. Eurem Erfolg steht jetzt eigentlich nichts mehr im Weg.
Fazit:
Die Leidenschaft für die Sache, die Ihr tut, ist die Essenz Eures Business. Damit diese aber nicht erlischt, benötigt Ihr rundherum entsprechendes Wissen, bestimmte persönliche Eigenschaften und die nötige Unterstützung, damit Euer Unternehmen auf lange Zeit hin blüht.
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