Erst renovieren, dann gründen… die kleinen Erkenntnisse
Lena von Pausenkicker hat im Interview mit Sandra die Selbstständigkeit so schön aufgesplittet in die „Gründerin-Selbstständigkeit“ und die „Freelancerin-Auftraggeber-Selbstständigkeit“. Und klar… obwohl wir oft sehr allgemein von der Selbstständigkeit sprechen, gibt es da doch einige ganz unterschiedliche Paar Schuh.
Nachdem ich nun die ersten zwei Jahre selbstständig in der Freelancer-Auftraggeber-Konstellation gearbeitet habe, juckt es mich mehr und mehr in den Fingern, doch mal was ganz Eigenes aufzubauen… zu gründen (oje, das hört sich ganz schön groß an). Das Verrückte: An den Ideen mangelt es mir nicht. Eher daran, an die Idee (und mich selbst) zu glauben. Daran, Hürden, die mir sofort einfallen, auszublenden. Und einfach anzufangen.
Und während ich neulich mal wieder in meinem Home Office darüber grübelte, starrte ich an die kahle weiße Wand und ließ mich von der Lust ablenken, dass Zimmer mal etwas auf Vordermann zu bringen – ausmisten, streichen, neu machen. Nebeneffekt: Dabei habe ich Einiges über das Anfangen gelernt. Ich erzähl euch in meinem „Renovierungs-Tagebuch“ mal mehr:
Kapitel 1
Ende August
Wenn ich von zu Hause arbeite, dann mittlerweile lieber in der Küche als im Arbeitszimmer, das aktuell eher eine Rumpelkammer ist. Nachdem ich seit ca. einem Jahr vorhabe, meinem Home Office einen neuen Anstrich zu verpassen, habe ich jetzt die Faxen dicke. Das Wetter soll am Wochenende eh mies werden. Also blockiere ich es im Kalender direkt für eine kleine Renovierung. Und da wären wir auch schon bei Erkenntnis Nummer 1:
Nägel mit Köpfen machen
Irgendwas ist ja immer. Man schiebt gerne vor sich her, fühlt sich noch nicht startklar, denkt sich „erst wenn…, dann leg ich los“. Da kann man wahrscheinlich lange warten. Also am besten mal Deadlines und Meilensteine festlegen à la „Bis Tag X will ich dieses & jenes erreicht haben“ – ohne „mal gucken“.
Der Termin stand also. Ausreden galten nicht. Also ging es erstmal in den Baumarkt. Erst kommt ja auch immer der spaßige Teil: Farbe aussuchen. Und dann geht es auch schon mit dem unspaßigen Teil weiter. Ausmisten.
Eine alte Kommode hat mich dabei am meisten genervt. Ich wollte sie loswerden. Aber wie? Ich habe kein Auto zur Hand. Die meisten meiner Freunde auch nicht (zumindest keines, in dem das Ding Platz gehabt hätte), die Abholung durch die Stadtreinigung oder das Mieten eines Autos waren mir zu teuer. Irgendwann der heiße Tipp einer Freundin, der ich damit in den Ohren lag: Ebay-Kleinanzeigen. Also olle Kommode rein ins Internet. Nach nicht mal einer Stunde hatte sich jemand gefunden, der sie abholte. Ich will hier keine Tipps geben, wie man am schnellsten und günstigsten unliebsame Möbelstücke los wird. Es geht nur um Erkenntnis Nummer 2:
Nichts ist unlösbar
Dieses Thema hatte mich so genervt und schien erstmal unlösbar zu sein (ja ja, ich Dramaqueen 😉 ). Nachdem ich mir aber mal wirklich Zeit genommen habe, um mir Gedanken über die Lösung zu machen, sämtliche Optionen durchzugehen und einige meiner Freunde damit zu nerven, war die Lösung da. Schneller und einfacher als gedacht. Und so ist es sicher auch während einer Gründung häufig mit Dingen, bei denen man ad hoc erstmal nicht weiter weiß. Aber wenn man es dann mal in die Hand nimmt, läuft der Hase schon.
Erste Hürde genommen: Das Zimmer war ausgemistet. Jetzt ging es der Tapete an den Kragen. Ok, habe ich noch nie gemacht. Aber im Internet gibt es natürlich die ultimativen Tricks, um sie in Nullkommanichts von der Wand zu bekommen. Und das wäre auch schon Erkenntnis Nummer 3:
Die Lernkurve ist ein 90°-Winkel
Plötzlich kannte ich alle Tricks gegen lästige Tapeten, undichte Fugen und alte Kommoden 😉 So läuft das auch bei der Selbstständigkeit, spezieller beim Gründen. Learning bei Doing. Wie Alexandra Reiter im Interview sagte: Du musst nicht perfekt sein, um anzufangen. Du musst anfangen, um perfekt zu werden.
Und da wären wir auch gleich bei Erkenntnis Nummer 4:
Wer bin ich? Was kann ich?
Bei so einer Renovierung fallen ja viele Aufgaben an. Einiges macht sogar Spaß, wenn man mal dabei ist, anderes eher nicht. Ich streiche z.B. lieber die feinen Ecken und Kanten, als die großflächige Wand und die höchste Stufe der Leiter ist gar nicht schwindelerregend, wenn man sich erstmal dran gewöhnt hat. Ja ja, man lernt sehr viel über sich selbst. Und in den meisten Fällen entdeckt man auch noch ungeahnte Talente (gut, ich habe dieses Mal keine entdeckt… aber beim nächsten Mal dann bestimmt). Aber auch zu wissen, was einem nicht liegt, kann nie verkehrt sein. So weiß man immer, an welcher Stelle man Verstärkung braucht.
Naja, dann war das Renovierungswochenende vorbei, alles schon einen Schritt weiter, aber das Zimmer noch nicht fertig… Dödöööm.
Kapitel 2
Freitagabend, 18. September
Auf meiner To-do-Liste steht der Artikel für Montag. Eigentlich schon seit dem Morgen, aber ich habe mich bisher erfolgreich mit Essen, Rumtreiberei in der Stadt und etlichen Magazinen abgelenkt. Jetzt aber mal ran an den Speck! Eigentlich wollte ich ja bei der nächsten Gelegenheit mal darüber schreiben, welche Erkenntnisse zum Thema Gründen mir die Renovierung meines Arbeitszimmers vor drei Wochen eingebrockt hat… à la „Man muss nur anfangen und hinterher ist alles so viel cooler“. Motivation hoch drei.
Hmmm… ein kurzer Blick ins Arbeitszimmer, in dem immer noch die Pinsel und ein unberührter Eimer mit weißer Farbe stehen. Hat ja super funktioniert… also fast. Immerhin sind die alten Tapeten ab, eine Wand ist nun endlich Türkis, eine olle Kommode ist raus und das Flamingo-Bild hängt. Aber sonst? Eigentlich sollen die restlichen drei Wände noch geweißt und ein neues Regal rangeschafft werden, das Unterschlupf bietet für all den Kram, der sich jetzt auf Schreibtisch, Sofa und Boden viel zu breit macht. Das Zimmer ist wieder eine Rumpelkammer. Erkenntnis Nummer 5:
Nach jedem Sonnenschein kommt auch wieder Regen…
Da erzähle ich euch ja auch nichts Neues. Es geht nun mal nicht immer bergauf. Es gibt nun mal Tiefs… Wichtig ist nur, dass man auch wieder da raus kommt. Deshalb…
Samstagmorgen, 19. September
Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen. Damit ich am Montag den Artikel schreiben können würde, musste das Zimmer an diesem Wochenende fertig werden. Ich wollte ja immerhin was Motivierendes verfassen. Also ran an die Buletten. Gerümpel wieder in ein anderes Zimmer umschichten und los gings.
Eigentlich war das Gröbste ja schon gemacht. Jetzt musste nur noch die Grundierung und die weiße Farbe an die Wand. Es brauchte zwar etwas länger als gedacht, aber - hey - es war gemacht. Also Erkenntnis Nummer 6:
… und andersrum auch (siehe Erkenntnis 5)
Und dann ist die Freude groß.
Montag, 21. September
Ich sitze nicht in der Küche, während ich den Artikel fertig schreibe. Ich sitze in meinem neuen Arbeitszimmer. Und ich freue mich wie blöde, dass hier mit der neuen Farbe mehr Schwung und ohne die alte Kommode endlich wieder mehr Platz in der Bude ist. Erkenntnis Nummer 7:
Das hätte ich schon viel früher machen sollen
Die alte Ballast ist weg, mehr Platz im Raum bedeutet auch mehr Platz im Kopf, man kann endlich einen Haken dran machen… und es arbeitet sich so viel schöner (siehe Analogie Selbstständigkeit).
Da es bei mir ja etwas gedauert hat, muss ich an dieser Stelle mal wieder meine liebste Lebensweisheit rausposaunen: Besser spät als nie. Und vielleicht gilt das fürs Gründen ja auch. Ich halte Euch auf dem Laufenden 



Haha, dieses Phänomen kenne ich nur zu gut. Bei Instagram nutze ich regelmässig #instagramstattarbeiten und auf meinem Blog habe ich das gleiche Thema ähnlich aufgegriffen
https://36stundentag.wordpress.com/2015/09/20/homespiration/
Ich bin übrigens eben gerade über Deinen Blog gestolpert und muss sagen, Du greifst exakt mein Thema auf! Ich arbeite gerade an meiner Selbständigkeit und bin sehr glücklich damit!
Hey Jenny. Vieeelen Dank für das Feedback! Werde gleich mal auf Deinem Blog vorbeischauen