Elternzeit – Ich mach dann mal ein Jahr Pause! Oder lieber doch nicht?

Illustration - Elternzeit als Freiberufler

Gudrun Wegener ist Designerin, Buchautorin und Creative Coach aus Hamburg. Auf ihrem Blog „Achtung Designer“ erfährst du, wie du dir ein Design Business aufbaust, das dich kreativ, zufrieden und erfolgreich macht.

Wenn man mit seinem Baby schwanger ist, ist man der glücklichste Mensch der Welt. Man stellt sich all die tollen Dinge vor, die in der Zukunft auf einen warten. Familie – das ganz große Abenteuer!

Doch neben all den schönen Gedanken, schleichen sich auch immer wieder kleine Zweifel und Sorgen ein. Doch das ist normal und geht allen werdenden Eltern so.

Was bedeutet die Elternzeit für meine Selbstständigkeit?

Für mich als freiberufliche Designerin stand dabei vor allem eine Frage im Vordergrund: Wie geht es mit meiner beruflichen Zukunft weiter? Anders als bei Angestellten, wartete nach der Elternzeit ja keine feste Arbeitsstelle auf mich.

Zunächst einmal klingt ein Jahr Pause doch sehr verlockend. Keinen Deadlines, keine Aufträge, die sich ständig überschneiden und kein (beruflicher) Stress mehr. Einfach mal nicht an die Arbeit denken…

Doch schnell wurde mir klar, dass es so einfach nicht funktionieren wird.

Es hat mich viel Elan und Mühe gekostet, regelmäßige Aufträge zu akquirieren. Und auch, wenn der Kontakt zu den Auftraggebern positiv ist, so kann man nicht erwarten, dass sie ein Jahr lang auf einen warten.

Also startet man nach der Elternzeit wieder bei Null?

Kann ich mir das leisten?

Will ich dieses Wagnis überhaupt eingehen?

Diese und viele weitere Fragen schwirrten mir vor der Elternzeit im Kopf herum.

Wie verändert sich das Privatleben durch die Elternzeit?

So schwer zu greifen die beruflichen Risiken auch sind, so einfach ist die Auswirkung der Elternzeit auf das Privatleben.

Ein Jahr lang nicht arbeiten zu müssen, heißt ganz einfach eine Jahr lang Zeit für das Baby und die Familie zu haben.

Nie wieder wird sich das Leben des Kindes so schnell und grundlegend verändern, wie in diesem ersten Jahr. Ist das Baby zu Beginn noch völlig hilflos, so kann es am Ende der einjährigen Elternzeit rumlaufen und mit seinen Ideen unseren Familienalltag auf den Kopf stellen.

Und das zu erleben ist großartig!

Am Besten wäre eine Kombination aus beidem

Jetzt haben wir Selbstständigen den großen Vorteil, dass wir selbst bestimmen können wann und wieviel wir arbeiten. Und diesen Vorteil habe ich mir beim Thema Elternzeit zunutze gemacht.

Bei meinen beiden Kindern wollte ich unbedingt an diesem ersten Jahr teilhaben. Nach der Mutterschutzfrist von acht Wochen wieder voll zu arbeiten, kam darum nach keiner meiner zwei Schwangerschaften in Frage.

Die Selbstständigkeit ein ganzes Jahr lang auszusetzen, aber auch nicht. Ich mag meinen Job und es macht mir Spaß Dinge zu gestalten. Ganz ohne Arbeit, würde mir etwas fehlen.

Wie so oft im Leben, ist es die richtige Kombination aus beidem, die für mich perfekt war.

Endlich Zeit für die schönsten Seiten der Selbstständig

Selbstständig sein, bedeutet mehr als Aufträge umsetzen. Wenn man selbstständig arbeitet, gibt es viele Dinge, die man zusätzlich erledigen muss. Buchhaltung, Portfoliopflege, Aktualisierung der Website, Weiterbildung und Networking sind nur ein paar Beispiele.

Doch das spannende Fachbuch, die neue Software oder die empfohlene App, konnte ich im Berufsalltag nur selten ausgiebig durcharbeiten. Nicht, weil ich nicht wollte, sondern weil ich schlicht und einfach keine Zeit dafür hatte.

Die Elternzeit gab mir die Möglichkeit das nachzuholen. Ich konnte mich mit all den aufgeschobenen Dingen beschäftigen, die mir wichtig waren.

Wenn mein Baby geschlafen hat, habe ich in meiner Fachzeitschrift gelesen. Beim Spaziergang konnte ich Pläne für meine berufliche Weiterentwicklung schmieden. Und das alles in meinem eigenen Tempo und so wie es meine Zeit erlaubt hat.

Mein Fazit

Für mich war das Jahr Elternzeit eine ganz besondere Erfahrung. Ja, es ist ein Risiko die Selbstständigkeit zu unterbrechen und ja, der Wiedereinstieg verlief nicht völlig glatt. Ein paar Auftraggeber habe ich verloren, doch dafür sind neue Projekte hinzugekommen.

Neue und spannende Projekte, die vielleicht nicht zustande gekommen wären, wenn ich nicht die Elternzeit genutzt hätte, um mich und mein Wissen zu erweitern. Und um mich weiterzuentwickeln.

Meine Prioritäten haben sich durch die Geburt meiner Kinder und die intensive Zeit mit ihnen verändert. Meine Selbstständigkeit ist mir immer noch sehr wichtig, aber ich habe auch gelernt, dass ich gar nicht so abhängig vom Status quo bin, wie ich zuvor gedacht habe.

Eine bewusste Pause zu machen, den Ist-Zustand zu hinterfragen und neue Ideen auszuprobieren, ist etwas Gutes. Ohne die Elternzeit, wäre ich gar nicht in diese Situation gekommen.

Und noch etwas habe ich durch die Elternzeit erlebt: ein ganz wundervolles intensives Jahr mit meinen Kindern und das würde ich für nichts auf der Welt tauschen wollen.

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