Drei Gründe, warum Teamwork auch Freie erfolgreicher, klüger und gesünder macht
Das klingt vielleicht im ersten Moment contra-intuitiv, wenn man sich selbstständig macht. Schließlich hat man sich gut überlegt, dass man eben allein arbeiten möchte – vielleicht auch gerade froh ist, bestimmte Kollegen oder den ein oder anderen Chef los zu sein. Aber auch Solopreneurinnen sollten sich Kollaborateure suchen:
Andere Menschen – vielleicht andere Freie – mit denen sie zusammen arbeiten, wenn auch nur Projektweise, oder auch nur Gedanken, Sorgen oder Fragen besprechen können. Zumindest ging es mir so. Ich weiß nicht, was ich ohne meine Görls, ohne meine ehemaligen Volo-Kollegen und all die anderen getan hätte, die mir bei Kaffeeklatsch oder schnellem Lunch mit Rat und Tat und manchmal auch einfach nur einem offenen Ohr beistanden. Über mein Netzwerk an Gleichgesinnten bin ich an neue Auftraggeber gekommen, habe erfahren, unter welchen Umständen man sich für einen Gründerzuschuss bewerben sollte (und unter welchen auch nicht), habe kreative Energie getankt, wenn mich ein Vormittag ermüdender Recherche ausgelaugt hatte und konnte spannende Ideen und Luftschlösser spinnen und – wie im Falle dieses Blogs – mit meinen Kollaborateuren gemeinsam verwirklichen. Klingt gut, ist aber auch nur Geschwelge in Erinnerungen. Aber keine Angst, Ihr braucht nicht auf mein Wort zu vertrauen. Ich habe knallharte, wissenschaftliche Fakten, die meine anekdotische Erfahrung untermauern. Es folgen die drei wichtigsten Gründe, warum sich jede Selbstständige Kollaborateure suchen sollte:
- Schlicht und einfach: Weil es erfolgreicher macht
Ein kürzlich erschienener Artikel auf businessinsider.com nennt das Netzwerk einer Person den wichtigsten Faktor in der Vorhersage, ob diese Person erfolgreich sein wird oder nicht. Wenn man sich in einem geschlossenen Netzwerk bewegt (also umgeben von immer den gleichen Leuten, die häufig auch noch die eigenen Werte und Vorstellungen teilen), so die Wissenschaftler, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass man immer wieder dieselben Ideen hört. Befindet man sich in einem offenen Netzwerk und ist ständig umgeben von Leuten aus einem anderen kulturellen, sozialen oder beruflichen Umfeld, so ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass man mit neuen Ideen konfrontiert wird. Ein offenes Netzwerk erweitert also unseren Horizont und birgt dadurch die Chance zur (beruflichen) Weiterentwicklung. Doch der Autor nennt noch mehr Vorteile von offenen Netzwerken. Erstens ist man durch die vielseitigere Sicht auf die Welt eher dazu in der Lage auch komplizierte Sachverhalte objektiv zu analysieren und zu beurteilen und trifft dadurch bessere Entscheidungen. Und zweitens ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man in bestimmten Netzwerken der erste ist, der eine neue Information hat. Man kann darum den Diskurs in diesem Netzwerk aktiv gestalten. Womöglich ist man sogar der erste, dem auffällt, dass eine Idee aus einem anderen Netzwerk (z.B. einer anderen Berufsgruppe) auf das eigene Netzwerk anwendbar ist. Gerade als Freelancer ist es wichtig, dass wir uns nicht mit unseren eigenen Ideen zu Hause verbarrikadieren. Wer als Freelancer um die Ecke denken und seinen Auftraggebern einen Mehrwert bieten kann, hat die Nase vorn.
- Man lernt nie aus
Viele wichtige Menschen haben es gesagt, aber zuletzt habe ich es in einem netten kleinen Vortrag von Nick Campbell gehört: Sei nicht der klügste im Raum. (In dem Talk spricht er auch von seinem Weg ins Gründerdasein, also auch deswegen lohnt sich das reinklicken) Ich bin ein großer Fan von diesem Tipp. Auch, wenn man in etwas sehr gut ist, gibt es sicherlich viele andere Menschen auf der Welt, die besser sind. Und noch mehr Menschen, die in anderen Dingen besser sind als man selbst. Ich habe es immer als besonders inspirierend empfunden, Experten auf einem Gebiet zu beobachten und von ihnen zu lernen. Den einen oder anderen wird wohl auch die Tatsache reizen, dass man einen Ansporn hat, sich selbst zu verbessern, wenn man mit jemandem wetteifern kann, der besser ist als man selbst. Ich persönlich bin kein Wetteiferer. Wettkampf motiviert mich einfach nicht. Aber ich lerne unheimlich gerne. Nichts finde ich langweiliger als das Gefühl zu stagnieren, weil man keine neuen Erfahrungen machen, keine neuen Fertigkeiten erwerben oder sich nicht mehr verbessern kann. Und das kann man immer. Gerade in der Selbstständigkeit habe ich schnell das Gefühl gehabt, dass mir der Austausch mit anderen und das Lernen von ihnen fehlt. Auch wenn man allein zu Hause am Schreibtisch sitzt, muss man sich diese Lernmöglichkeiten aktiv suchen.
- Es macht gesund
Ich gestehe, hier kann ich nur nachplappern, was jemand anderes meint, wissenschaftlich herausgefunden zu haben. Die Hälfte der medizinischen Begründung verstehe ich nicht einmal. Aber wenn es sich so verhält, wie Kelly McGonigal 2013 verkündete, dann macht das Zusammenarbeiten mit anderen Menschen uns sogar gesünder. Grund dafür ist Oxytocin, ein Hormon und Neurotransmitter. Landläufig bekannt ist es als Kuschelhormon, weil es zum Beispiel bei Körperkontakt zwischen Mutter und Kind oder auch zwischen Liebespartnern ausgeschüttet wird. Es soll soziale Bindungen stärken und macht uns hilfsbereiter. McGonigal erklärt aber, dass Oxytocin auch bei Stress ausgeschüttet wird. So sollen wir in Stresssituationen dazu gebracht werden, andere um Hilfe zu bitten. Gleichzeitig kann Oxytocin die Zellen unseres Herzens bei der Regeneration unterstützen. Wenn wir uns also an andere wenden und sie um Hilfe bitten, oder – ganz wichtig – wenn wir selbst anderen helfen, schütten wir Oxytocin aus und stärken so unser Herzkreislaufsystem. Cool, oder?
Gerade als Selbstständige hat man – finde ich – oft das Gefühl man kämpfe alleine gegen die Welt. Zu groß ist die Versuchung, andere Freie oder auch Angestellte in einem vergleichbaren Job als Konkurrenten zu sehen. Aber mit anderen zusammenzuarbeiten, andere zu unterstützen und sie zu bestärken stärkt auch uns selbst: Es macht uns erfolgreicher, klüger und gesünder. Also erster Schritt: Kollaboriert! Und zweiter Schritt: Erobert die Welt!


