Grad hab ich’s wieder in einem Blog-Artikel gelesen und in jeder Frauen-und-Karriere-Diskussionsrunde ist es Thema: Wir Frauen müssten aufhören, von uns als „Mädchen“ zu sprechen. Damit würden wir uns selbst klein machen, ist immer das Argument. Wie in der Gesellschaft über ein Thema gesprochen wird, hat schließlich ebenso viel Einfluss, wie was gesagt wird. Ich habe da lange drüber nachgedacht und bin lange nicht zu einer für mich definitiven Meinung gekommen. Bis jetzt.

Die GretchenMädchen-Frage

Auch wir Görls haben letztes Jahr über mehrere Brunch-Meetings hinweg darüber diskutiert. Sollen wir uns selbst Mädels/Mädchen/Girls nennen? Das kommt ja bei den anderen Frauen nicht so gut an… Wir haben uns dann, leicht ironisch, auf „Görls“ geeinigt. Mit dem etwas flapsigen Unterton: Wir sind ja keine „Girlies“, wir machen uns darüber lustig. Von uns als „Frauen“ oder, wie es die Generation meiner Mutter sich zu Eigen gemacht hat, von „Weibern“ zu sprechen, damit konnten wir uns einfach nicht anfreunden.

Auch privat spreche ich von „meinen Mädels“. Nie würde ich sagen: „Heute Abend ist Frauen-Abend“, oder „Die Weiber treffen sich schon um acht, aber ich komm einfach ein bisschen später.“ Das fühlt sich ganz fremd an. Macht mich das unfeministisch? Mache ich mich durch das „Mädels“-Sagen selbst klein? Nehme ich freiwillig eine Mäuschenposition gegenüber dem „starken“ Geschlecht ein? Muss ich mich dafür schämen, dass ich früher den Text zu Lucilectrics „Mädchen“ auswendig konnte und stolz mit meiner Freundin Josi dazu im Freibad getanzt habe? Wie kommt es denn, dass ich mich eher als „Mädchen“ fühle als als „Frau“? Meine Mutter hat mich doch ganz bewusst zur Feministin erzogen. Sitzt die zuhause und schüttelt den Kopf über ihre unterwürfige Tochter? In regelrechte Identitätskrisen können einen solche Fragestellungen stürzen. Und dass es nicht nur mir so geht, zeigen die teilweise aufgeheizten Diskussionen unter Frauen-Panels, die wütenden Einwürfe aus dem Publikum bei Podiumsdiskussionen.

„Boys will be Boys“ – Warum dürfen Girls dann keine Girls sein?

Wie ist das denn bei den Männern? Werfen die sich eines Tages den Business-Anzug über und sind dann „Männer“? Ganz selbstverständlich? Nein. Auch die Männer haben ihren „Boys‘ Club“ – jenen hypothetischen Networking-Zirkel, von dem wir Frauen ausgehen, dass er alle wichtigen Entscheidungen umhüllt von einer geheimnisvollen Zigarrenrauchwolke trifft. Auch mein Vater geht noch mit „seinen Jungs“ einen trinken. Warum sind Männer „Boys“ und „Jungs“ und trotzdem eben „Männer“ und wir Frauen müssen uns auch „Frauen“ nennen, um als solche zu gelten? Warum dürfen wir nicht „Mädchen“ sein?

Für mich liegt genau da das Problem. Das Problem ist nicht, dass wir uns „Mädchen“ nennen. Das Problem ist, dass mit „Mädchen“ Kleinheit, Schwäche und Inkompetenz assoziiert werden – von Frauen! Vielleicht ist das auch eine Generationenfrage. Vielleicht sind für Frauen, die den Feminismus von Emma gelernt haben, nur „Frauen“ und „Weiber“ echte Frauen. Ich habe meinen Feminismus von den Spice Girls und von Tic, Tac, Toe gelernt – von „Mädchen“. Feminismus drehte sich bei mir nicht mehr um Frauenrechte sondern um Girl-Power. Für mich bedeutet „Mädchen“ darum auch nicht schwach, inkompetent, klein… Für mich bedeutet „Mädchen“ jung, dynamisch, frech, spritzig, vorlaut, eigenwillig, mutig, draufgängerisch, sexy, lustig…

Mädchen – und stolz drauf!

Ich will ein „Mädchen“ sein. Ich trage Kleider und bin trotzdem so kompetent wie in einer Bügelfaltenhose. Ich lache gerne und verstehe trotzdem den Ernst der Lage. Ich möchte attraktiv gefunden werden, ohne mich deshalb auf mein Äußeres reduzieren zu lassen.

Lasst mich ein Mädchen sein. Das macht mich nicht klein. Nennt Euch ruhig selbst Mädchen, Görl oder auch Frau und Weib. Das Wichtige ist nicht, dass wir uns auf einen adäquaten Begriff einigen. Das Wichtige ist, dass wir uns darauf einigen, dass weibliche Begriffe immer für Autonomie und Stärke stehen. Wir müssen nicht dafür sorgen, dass alle Frauen von sich als „Frauen“ sprechen. Wir müssen dafür sorgen, dass „Mädchen“ sein nicht klein und schwach sein bedeutet.

Wie seht Ihr das? Glaub Ihr an die Kraft der Girl-Power? Oder bringen die Mädchen von heute die erkämpften Frauenrechte wieder in Gefahr? Wir freuen uns auf Eure Kommentare.

© Beitragsbild: FlashBuddy | pixabay

2 Kommentare
  1. Cathy sagt:

    Ein toller Artikel!
    Ich sehe es genau wie du. Groß geworden mit Mädchen wie den Spice Girls und Tic Tac Toe, verbinde ich mit dem Wort „Mädchen“ rein gar nichts schwaches, kleines, mäuschenhaftes. Für mich steckt hinter dem Begriff geballte Power.
    Und so lange das für mich so ist, ist das auch gut so. Sollte der Begriff für mich irgendwann mal eine andere Bedeutung bekommen (was ich mir kaum vorstellen kann), so kann ich immer noch darüber nachdenken, ob ich mich ab da dann doch lieber Frau oder sonst wie nennen möchte.
    Letztendlich spielt es sich doch wie immer in den Köpfen der Anderen ab. Und die Köpfe kann ich nur bedingt beeinflussen. Aber wenn ich sie beeinfussen kann, dann hoffentlich so, dass schnell klar wird, dass ich ein Mädchen bin und stolz darauf und überhaupt nicht klein oder schwach, sodern das genaue Gegenteil.

    • Judith sagt:

      Hi Cathy,

      vielen Dank für Deinen Kommentar! Genauso sehe ich es auch 🙂 Wollen wir mal hoffen, dass „Mädchen“ bald in allen Köpfen nicht mehr klein und mäuschenhaft sind!

      Liebe Grüße, Judith

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