Selbstbewusst in der richtigen Schublade landen
Ende Mai habe ich mich seit langem mal wieder zu einem Netzwerk-Event aufgerafft: dem Themenabend der Digital Media Women in Hamburg. Grund dafür war, dass Sändra diesen Abend organisiert und dafür das wirklich interessante Thema „Selbstmarketing“ ausgesucht hatte… und dass es leckere Kuchen von Lissy backt gab 😉
Das Thema Selbstmarketing ist als Selbstständige natürlich besonders wichtig, da man sich und seine Leistung ständig neuen, potentiellen Auftraggebern vorstellt, außerdem bei aktuellen Kunden einen guten Eindruck hinterlassen will und es auch nicht schlecht fände, wenn mal durch den eigenen guten Ruf ein Projekt zustande käme.
Als Sprecherin war Gianna Possehl eingeladen, die als Beraterin und Coach arbeitet. Wenn Ihr mal die Möglichkeit habt, einen Vortrag von Ihr zu sehen: Geht unbedingt hin!
Ich war wirklich über eine Stunde lang aufmerksam wie ein Luchs und wünschte, ich hätte dadurch nicht vergessen, alles Wichtige mitzuschreiben. Dafür habe ich in meiner Erinnerung gekramt und versuche hier, ein paar relevante Fakten zusammenzufassen.
In Turboschnelle eine Meinung gemacht
Alles begann mit der Frage, wie lange wir denn wohl bräuchten, bis wir uns eine Meinung über jemanden bilden, den wir zum ersten Mal sehen. Na? Spaaannung… Es sind 0,3 bis 1,5s. In dieser Kürze schauen wir in unser Repertoire an Erfahrungen und checken jegliche Faktoren einer Person ab: Mimik, Gestik, Körperhaltung, Klamotten, Sprache, Geruch. Meinung gemacht!
Das Interessante: In 90% aller Fälle liegen wir damit auch richtig. Da es uns aber eher auffällt, dass wir uns geirrt haben, als dass wir uns irgendwann später eingestehen „Ach, da hatte ich aber recht!“, sind wir uns dessen nicht unbedingt bewusst.
Aber warum ist der erste Eindruck so wichtig? Ganz einfach: Menschen, die uns sympathisch sind, trauen wir automatisch mehr zu. Wir halten sie für kompetenter.
Sympathie - aber wie?
Aber wie bekommen wir es hin, offen und selbstsicher aufzutreten, um die Sympathie des Auftraggebers einzuheimsen?
An der Stelle ein kurzer Blick auf die USA, wo die Kids von klein auf lernen, auf Bühnen zu stehen und dabei von der ganzen Familie gefeiert zu werden. Das Selbstvertrauen wird so schon in jungen Jahren gestärkt. Im Mittelpunkt zu stehen, gilt automatisch als etwas Besonderes, während wir Deutschen sehr speziell sind, uns lieber zurückhalten und kaum trauen, vor vielen Menschen zu sprechen.
An dieser Stelle fordert Gianna Kunden in ihren Seminaren auf, einfach mal 100 eigene Stärken aufzulisten. Natürlich fallen den Teilnehmern dann gerne mal die Augen aus dem Kopf. 100? Drei würde man vielleicht gerade noch etwas beschämt zusammenbekommen – denn Eigenlob stinkt ja bekanntlich. Eine Herangehensweise könnte auch sein, einfach mal all die Dinge aufzuschreiben, die man bereits geschafft hat und auf die man stolz ist, um dann zu gucken, durch welche Eigenschaften man sie erreicht hat. Ein Tipp, den auch schon Berufscoach Alexandra Reiter im Interview mit uns geteilt hat: „Bei dem, was sich da ansammelt, wird man merken, dass all diese Dinge nicht nur Glück oder Zufall waren und sind, sondern dass das viel mit den eigenen Kompetenzen zu tun hat.“
Es ist auch möglich, diese Aufgabe für den Alltag zu übernehmen: Schreibt Euch einfach eine Zeit lang am Ende des Tages drei der Dinge auf, von denen Ihr glaubt, dass Ihr sie gut gemacht habt. Und? Nicht schlecht, oder? 
Hands up für mehr Selbstsicherheit!
Zum Schluss mussten wir dann noch mal ran: Gianna erzählte von einer Untersuchung, die feststellte, dass wir bei besonderen Erfolgserlebnissen (bekanntermaßen) die Arme in die Luft reißen und den Kopf nach oben nehmen, uns also groß machen. Ihr kennt das ja beispielsweise von Sportlern, die ins Ziel einlaufen. Da auch blinde Menschen das tun, geht man davon aus, dass diese Bewegung nicht imitiert ist, sondern mit dem Moment des höchsten Selbstbewusstseins zusammenhängt.
Deshalb die Übung für uns (die mittlerweile der Geheimtipp vieler Manager großer Konzerne vor wichtigen Verhandlungen ist): Vor bedeutenden Gesprächen einfach zwei Minuten lang mit leicht auseinandergestellten Beinen, den Armen nach oben gestreckt und dem Blick an die Decke stehen. Das soll das Selbstvertrauen hinter dem Ofen hervorholen und so Wunder wirken.
Ich habe es bisher immer vergessen, die Übung zu machen, wenn es nötig gewesen wäre. Mist! Aber vielleicht denkt Ihr ja das nächste Mal dran 
Vielen Dank Gianna für den sehr inspirierenden Vortrag & daaanke Sändra fürs Organisieren 😉