Wer sich schon einmal den Antrag für das Elterngeld angeschaut hat, weiß warum so viele werdende Eltern sofort Sorgenfalten auf der Stirn kriegen, wenn sie daran denken.

Die Einen, weil sie mit dem Antrag schon angefangen haben und wissen wie umfangreich die ganze Sache ist. Und die Anderen, weil sie das ganze Thema noch vor sich haben.

Was genau ist das Elterngeld?

Das Elterngeld unterstützt Mütter und Väter, die ihr Kind in den ersten 14 Lebensmonaten größtenteils selbst betreuen und darum nicht arbeiten gehen können. Dabei spielt es keine Rolle, ob man angestellt, selbstständig, in der Ausbildung oder im Studium ist.

Die Höhe des Elterngeldes errechnet sich bei Angestellten aus dem durchschnittlichen Einkommen der letzten zwölf Monate vor Geburt des Kindes. Die Eltern können sich das Elterngeld flexibel teilen. Jedes Elternteil wird getrennt und individuell berechnet. Dabei bekommt Ihr mindestens 300 Euro/Monat und maximal 1800 Euro/Monat.

Wer sich den Antrag und die offizielle Erklärungen anschauen will, der kann gerne mal auf der Seite des entsprechenden Bundesministeriums vorbeischauen.

Da es ein sehr umfangreiches Thema ist und es (unfassbar) viele Belege und Formulare einzureichen gibt, solltet Ihr rechtzeitig vor der Geburt mit dem Elterngeldantrag beginnen. Im besten Fall habt Ihr schon vor der Geburt alle Belege zusammen und müsst nur noch den Namen und das Geburtsdatum von Eurem Baby eintragen. Glaubt mir, nichts ist nerviger und unnötiger als mit einem Neugeborenen auf dem Arm, Formulare von Krankenkassen und Finanzämtern einzufordern.

Was ist besonders beim Elterngeld für Freiberufler?

Der größte Unterschied zum „normalen“ Elterngeld ist der Zeitraum, der für die Berechnung genutzt wird. Es gelten nämlich nicht die letzten zwölf Monate vor der Geburt des Kindes, sondern das letzte abgeschlossenen Kalenderjahr.

Bsp. Wenn das Baby im November 2015 geboren wird, dann gilt für die Berechnung des Elterngeldes der Einkommensnachweis für das Jahr 2014. Alle Gewinne von 2015 sind für die Berechnung völlig unerheblich.

Kann ich auf die Höhe des Elterngeldes Einfluss nehmen?

Ob man die Höhe des Elterngeldes beeinflussen kann, hängt im Wesentlichen davon ab, wann das Baby geboren wird.

Bsp. 1:
Das Baby wird im Oktober 2015 geboren. Für die Berechnung gilt also das Jahr 2014. Hier könnt Ihr nichts mehr machen, um die Höhe Deines Einkommens zu beeinflussen. Das Jahr 2014 war ja schon vorbei, bevor Ihr überhaupt schwanger geworden seid.

Bsp.2:
Das Baby wird im Februar 2016 geboren. Das heißt, dass Ihr noch Einfluss auf Euren Umsatz in 2015 nehmen könnt. Ihr könnt mehr arbeiten oder größere Anschaffungen verschieben. Vielleicht könnt Ihr mit Euren Auftraggebern vereinbaren, dass Ihr eine Teilrechnung noch in 2015 stellen könnt, auch wenn der Auftrag noch nicht ganz fertig ist. Jeder Geldeingang, der noch 2015 auf Eurem Konto landet, wird für Euer Elterngeld gewertet.

Rechnet Euch das Elterngeld durch

Mit dem Elterngeldrechner könnt Ihr die verschiedenen Einkommenshöhen durchrechnen. Manchmal lohnt es sich einen großen Auftrag trotz vieler Nachtschichten noch zu Ende zu bringen, weil sich dadurch das monatliche Elterngeld erheblich verändert. In anderen Fällen ist der Unterschied so gering, dass Ihr Euch und Eurem ungeborene Baby lieber ein bisschen Ruhe gönnen könnt.

Oder doch lieber nur den Mindestbezug?

Wenn Ihr sowieso nach der Geburt Eures Kindes in Teilzeit arbeiten wollt oder nur ein geringes Einkommen habt, dann könnt Ihr Euch auch überlegen, ob Ihr nur den Mindestbetrag von 300 Euro/Monat in Anspruch nehmt. Also den Minimalanspruch statt all der langwierigen Zettelsammelei.

Aber bedenkt, dass es sich für Euch lohnt, sich einmal durch die Liste mit den Nachweisen und Belegen zu arbeiten. Selbst wenn Ihr nur geringfügig mehr Geld als den Mindestsatz bekommt, so erhaltet Ihr über ein Jahr betrachtet doch eine entsprechend hohe Summe.

Was passiert, wenn ich im Elterngeldbezug arbeite?

Freiberufler können nicht einfach von heute auf morgen aufhören zu arbeiten. Es gibt Bestandskunden und laufende Projekte. Außerdem ist ein Jahr Elternzeit sehr lang und Ihr könnt nicht alles auf Eis legen, ohne Eure Existenz zu gefährden.

Es gibt also zwei Möglichkeiten: Entweder Ihr findet eine Vertretung oder Ihr arbeitet in Teilzeit nach der Geburt weiter.

Ihr dürft im Bezugszeitraum maximal 30 Stunden/Woche arbeiten, ohne Euren Anspruch auf das Elterngeld zu verlieren. Eure Einnahmen werden mit dem Elterngeld verrechnet und Ihr bekommt nur einen Anteil. Beispiele könnt Ihr Euch hier anschauen.

Wie viel und mit welchen Gewinnen Ihr parallel zum Elterngeld arbeitet, müsst Ihr angeben und nachweisen. Die Behörden sind untereinander vernetzt und im Fall von nicht gemeldeten Einnahmen während der Elternzeit, kann es zu Strafzahlungen kommen. Da spielt Ihr besser mit offenen Karten.

Zur Info:
Beim Arbeiten kommt es nicht auf die Umsätze, sondern nur auf Eure Gewinne an. Wenn Ihr beispielsweise 400 Euro in einem Monat verdient, aber einen neuen Bürodrucker für 400 Euro gekauft habt, so seid Ihr immer noch bei plus/minus Null. Melden müsst Ihr es aber trotzdem.

Wenn Ihr Euch die Elternzeit teilt

Als Freiberufler kann es für Euch von Vorteil sein, wenn Ihr Euch die Elternzeit mit Eurem Partner teilt. Denn Rechnungen und Geldeingänge, die in die Monate fallen, in denen Ihr keine Elternzeit habt, haben auch keinen Einfluss auf Euer Elterngeld. Für die Elterngeldstelle zählt dabei nur der Geldeingang, nicht wann Ihr die Leistungen erstellt habt.

Bsp.:
Ihr habt den 1-5 Lebensmonat Elternzeit, Euer Partner den 6-7 und Ihr wieder ab dem 8 Lebensmonat. Dann könnt Ihr ohne Probleme in Monat 6-7 Rechnungen stellen und Einnahmen haben. Ab Monat 8 bekommt Ihr wie zuvor, Euer monatliches Elterngeld.

Hier lohnt es sich vorher genau zu planen, wie sich die Freiberuflichkeit mit der Elternzeit kombinieren lässt.

Was ist mit Provisionen und regelmäßigen Zahlungen?

Bekommt Ihr regelmäßige Zahlungen, beispielsweise als Autor von Eurem Verlag, so werden diese gegen Euer Elterngeld gerechnet. Dabei spielt es keine Rolle, dass Ihr ja für eine Leistung bezahlt werdet, die in der Vergangenheit liegt. Es zählt nur, dass Ihr eine Einnahme im Bezugsraum habt. Leider.

Fazit

Alle werdenden Eltern sollten sich rechtzeitig mit dem Thema Elterngeld auseinandersetzen. Für Euch als Freiberufler gilt das aber in besonderem Maße, da der Berechnungszeitraum, den Ihr beeinflussen könnt, unter Umständen sehr klein ist.

Also keine Angst vor Formularen und weg mit der Aufschieberitis! Je schneller Ihr Euch mit dem Thema befasst, desto mehr könnt Ihr für Euch und Eure kleine Familie herausholen.

5 Kommentare
  1. Frank sagt:

    Nach meiner Erfahrung (mit Geschäft Angestellten) ist es einfacher und besser die 300 EUR zu nehmen und keinen Papierkrieg zu haben. Allerdings müssen bei einer Bedarfsgemeinschaft (verheiratet oder nicht) am ende doch beide alle Unterlagen einreichen. Weningstens ist der Bescheid dann entgültig. Bei Selbstständigen wird das Thema sonnst nach 2 Jahren erneut aufgerollt und nachgerechnet. Dann hat man den ganzen Papierkrieg erneut.

  2. Martin sagt:

    Hallo Grudrun,
    ein kurzer „Tip“ aus eigener Erfahrung:
    Als selbständiger Alleinernährer, der auch Elternzeit nehmen wollte, aber auch nicht monatelang seine (Stamm-)Kunden vertrösten wollte und konnte, habe ich meine Elternzeit in mehrere „Zwei-Monats-Blöcke“ aufgeteilt. Also zwei Monate Elternzeit, zwei Monate arbeiten und das drei mal hintereinander. Und die Rechnungen an die Kunden kann man ja „schieben“, so dass diese günstig bezahlt werden, wenn ihr versteht, was ich meine 😉
    Gruss
    Martin

  3. Linda sagt:

    Vielen, vielen Dank für deinen Post.
    Ich bin gerade dabei mich selbstständig zu machen und wollte wissen was ich im Falle einer Schwangerschaft alles beachten muss. Dein Artikel hat mir wirklich geholfen realistisch einzuschätzen was ich beachten muss.

  4. Matthias sagt:

    Ich bin nicht sooo happy mit dem Artikel. Die Basics vom Elterngeld habe ich schnell kapiert, ist ja recht übersichtlich, aber keiner der vielen Artikel geht wirklich einen Schritt weiter. Eine Liste der Dokumente die benötigt werden, wäre zum Beispiel hilfreich. Kann Elterngeld nur in den ersten 14 Lebensmonaten bezogen werden? Wann muss der Elterngeld-Antrag gestellt werden? Kann man Elterngeld pausieren, oder muss es am Stück bezogen werden? Müssen die Bezugsmonate von Anfang an festgelegt werden oder kann man diese auch später noch anpassen. Es kommt ja schliesslich auch EIN BISSCHEN aufs Kind an, wann wie lange das Elterngeld Sinn macht, oder?

    Ich brauche keinen gut geschriebenen Text, Stichworte wären okay. Aber Infos sollten drin sein/-) Das ist jetzt mein dritter Anlauf elterngeldgoogeln. Scheint einfacher zu sein, sich den Antrag durchzulesen…

    • Sandra sagt:

      Hallo Matthias, es ist natürlich bedauerlich, dass Du in dem Beitrag von Gudrun nicht die Informationen gefunden hast, nach denen Du gesucht hast. Allerdings handelt es sich bei Gudruns Beitrag mehr um einen Erfahrungsbericht als ein Expertenbeitrag. Weder sie noch ich sind auf diesem Gebiet spezialisiert, weshalb Du jemanden konsultieren solltest, der sich richtig damit auskennt – oder mal im Amt nachfragen. Sandra Runge scheint mir da eine qualifizierte Ansprechpartnerin zu sein. Schau doch mal auf ihrer Seite, ob Du dort die für Dich relevanten Infos finden kannst: http://www.smart-mama.de/?s=elterngeld Ansonsten nehme ich Deine Kritik auf, um den Beitrag von Gudrun zu erweitern. Vielleicht ist es mir ja möglich eine Expertin, wie z. B. Sandra Runge, zu finden, um den Beitrag durch Zusatzinformationen anzureichern. Danke für Deinen Kommentar! Sandra

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