Bereits 2017 habe ich den Jahresanfang genutzt, um gemeinsam mit ausgewählten selbstständigen Frauen, die ich in der Vergangenheit interviewt habe, auf deren Selbstständigkeiten zurückzublicken. Dabei ist der Beitrag „‚Was wurde aus…‘ – 7 selbstständige Frauen berichten“ entstanden.

Da nicht nur ich diesen Rückblick besonders spannend fand, sondern auch Ihr, lege ich diesen Post neu auf. 😉 Dafür habe ich mir vier weitere Frauen geschnappt und sie um ein Statement gebeten. Sie sollen uns verraten, was sich seit ihrem Interview mit mir in Ihrem (selbstständigen) Leben verändert hat. Lest selbst!

Anita Vetter

Anita Vetter und ihre Hündin Janne„Im Rückblick kann ich sagen: Das Wichtigste an der Selbständigkeit war, mehr Freiheit in allen Lebensbereichen zu bekommen. Selbständigkeit gab mir die Möglichkeit, viel auszuprobieren und immer wieder ins kalte Wasser zu springen. Manches, das sich nicht fürs Querfeldein-Laufen eignete, blieb dabei auf der Hauptstraße zurück – so auch undduso. Der Blog ist weiterhin online, die Interviews „verfallen“ ja auch nicht – und wer weiß: Das Schöne an Türen ist ja, dass man sie offen halten kann.

Ansonsten bin ich nach wie vor freie Texterin. Noch. Denn ich entwickle mich immer mehr von der Freelancerin zur Unternehmerin. Am 1. November 2017 habe ich zusammen mit einem langjährigen Freund einen Verlag gegründet – den Kängumur Verlag. Wir produzieren gerade das erste Kinderbuch – jedoch handelt es sich nicht um eine Vorlesegeschichte, in die man sich reinkuscheln kann, bevor das Licht ausgeht. Wir konzipieren Produkte, die uns alle wieder mehr mit der Natur vor unserer Haustür in Kontakt bringen sollen – Mutter, Vater, Oma, Opa, Kind und Kegel. Zusammen mit Tochter, Sohn, Nichte, Neffe oder Enkelkind heißt es dann: Ab nach draußen! Das erste Buch ist das „Kängumur-Sammelalbum für Naturforscher“. Man kann sich das wie ein Panini-Sammelheft vorstellen – nur, dass man keine Aufkleber kauft, sondern Blätter sammeln, pressen und einkleben muss. Man zeichnet außerdem Blumen ab und zieht seine eigenen Pflanzen.

Auf diese ganze Verlagsgeschichte bin ich gekommen, weil ich mir einen zweiten Freiheitstraum erfüllt habe, der im Büroleben eher schwerer möglich gewesen wäre: Ich habe einen Hund aus einer Tötungsstation in Spanien gerettet. Seit eineinhalb Jahren hüpft also ein Podenco-Mix neben mir her und bereichert mein Leben – auch wenn wirklich anstrengende Zeiten hinter uns liegen und das Reisen mehr Grenzen findet als vorher. Doch wie schon Heinz Rühmann sagte: „Man kann auch ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht.“ Seit Janne an meiner Seite ist, bin ich jeden Tag stundenlang in der Natur – und weil sie wirklich starke Ähnlichkeit mit einem Känguru hat, wurde sie die Vorlage für einen Charakter der Kängumur-Welt.

Jetzt hoffe ich, dass der Verlag ins Rollen kommt, die Menschen unsere Idee genauso toll finden wie wir selbst – und ich dadurch mehr und mehr Autorin sein kann. Denn dafür schlägt mein Herz immer mehr. Die Angestellten-Sache kann ich mir immer weniger vorstellen. Zu sehr habe ich mich an die Selbstbestimmtheit gewöhnt – und möchte sie auch nicht mehr missen. Wenn ich nicht aus irgendeinem Grund irgendwann wieder in das „normale“ Berufsleben muss, dann ist das eine der Türen, die ich gerne für immer schließen möchte.“

Melina Royer

Melina Royer“Abgesehen davon, dass ich damals noch rote Haare hatte und mich auf dem Bild kaum wiederkenne… tja, was wurde eigentlich aus mir? Ich liebe solche Fragen. Dadurch ist man gezwungen mal wieder inne zuhalten und sicherzustellen, dass es noch in die richtige Richtung geht.

Erst einmal ist in den letzten 3 Jahren viel in meinem Kopf passiert! Durch traurige und sehr kräftezehrende Umstände in der Familie wache ich morgens seit längerem mit meinem Begleiter, dem chronischem Stress, auf. Ich habe gelernt, dass Stress nicht zwingend bedeutet, dass man einfach einen zu vollen Terminkalender hat – sondern dass einen der Stress auch ganz ohne Termine und einen vollen Alltag auffressen kann. Nämlich dann, wenn er emotionaler Natur ist und es nichts gibt, was man faktisch ändern kann – außer loszulassen und jeden Tag für sich zu nehmen. Diese Erfahrung hat mich um Jahre noch vorn katapultiert. Ich habe binnen kurzer Zeit lernen müssen, auf mich zu achten und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Dafür bin ich total dankbar!

Beruflich ging es trotz privater Schwierigkeiten super voran: Mein Blogmagazin Vanilla Mind macht mittlerweile den größeren Teil meiner Arbeit aus, zudem habe ich im Herbst 2017 ein eigenes Buch mit dem Thema “Verstecken gilt nicht – Wie man als Schüchterner die Welt erobert” herausgebracht. Bei unserem letzten Gespräch war ich noch Fulltime als Designerin unterwegs. Ich habe natürlich immer gehofft, dass mein Blog-Baby groß wird und meine Herzthemen Selbstvertrauen, Mut und Persönlichkeit einen größeren Anklang finden. Dass ich nun als Autorin eines großen Publikumsverlags unterwegs bin, hätte ich mir damals nie vorstellen können! Für 2018 haben mein Mann und ich große Pläne mit Vanilla Mind und werkeln hinter verschlossenen Türen an unserem ersten Videokurs. Ich liebe jetzt schon alles an diesem Projekt!”

Mona Schütt

Mona Schütt
© Guido Schmelich

„Nachdem Oma Klara aus dem privaten Arbeitszimmer herausgewachsen war, zogen wir Ende letzten Jahres in unser erstes eigenes Oma-Klara-Office. Wir haben begonnen Prozessschritte abzugeben, die zu zeitintensiv für uns waren, so z. B. die Reinigung der Vintage-Unikate. Zudem sind wir erste Kooperationen u. a. mit Instagram-Bloggern eingegangen.

Die Anzahl der Kleiderangebote nahm weiter zu. Es trudelten beinahe täglich Angebote von Seniorinnen aus ganz Deutschland bei uns ein. Derzeit arbeiten wir mit über 150 Seniorinnen zusammen. Auf der anderen Seite freuen wir uns, dass die Nachfrage nach unseren Oma Schätzen weiter zunahm und wir viele wundervolle Stammkundinnen haben.

Trotz der positiven Entwicklung bleibt Oma Klara aber dadurch, dass es sich um Einzelstücke handelt, ein herausforderndes Geschäftsmodell, weshalb wir durch weitere Ideen die Skalierbarkeit des Modells steigern wollen. Mit Julia, unserer ersten Praktikantin, haben wir uns tolle Unterstützung an Bord geholt.

So kann ich mich auch um meinen Sohn kümmern, der im September zur Welt kam und gerade friedlich bei mir im Tragetuch schlummert. Kürzlich stand eine räumliche Vergrößerung an. Anfang Dezember sind wir in ein großes Büro samt Lagerfläche + separatem Shootingraum gezogen. Sogar eine Ladenfläche dürfen wir unser Eigen nennen, weshalb wir in 2018 den offline Verkauf antesten wollen. Es bleibt spannend!

Gudrun Wegener

Gudrun Wegener„Als ich mein Interview noch einmal gelesen habe, sind spannenderweise sofort 2 Gedanken in meinem Kopf aufgetaucht: 1. „Interessant, wie gleich meine Gedanken und meine Haltung damals und heute doch sind.“ Und 2. „Verrückt, was trotzdem alles seit dem passiert ist.“ Das war ein toller Aha-Moment für mich, weil mir das zeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Gleich geblieben ist, dass ich meinen beiden großem Leidenschaften nachgehe.

Zum einen bin ich Infografikerin und es macht sehr viel Spaß Informationen und Wissen zu visualisieren und erlebbar zu machen. Hier arbeite ich ganz klassisch als Freiberuflerin, wie viele andere Designer auch und das mache ich sehr gerne.

Mein anderes großes Herzensprojekt ist die Unterstützung von anderen selbstständigen Designern. Angefangen hatte alles 2015 mit meinem kleinen Blog „Achtung Designer“ auf dem ich einfach nur meine Erfahrungen teilen wollte. Inzwischen ist aber viel mehr aus diesem Blog und der Idee dahinter geworden. Es gibt einen Online-Kurs in dem ich zusammen mit dem Designern die passende Basis für ihre Selbstständigkeit entwickle. Ich arbeite auch direkt mit den Designern in Einzel-Workshops.

Mit meinem ersten Buch „Kreativ sein, kreativ bleiben“ konnte ich mit einen weiteren großen Traum erfüllen. Für das Buch habe ich mich ganz intensiv mit der Frage beschäftigt, was Kreativität ausmacht, wie man als Designer nachhaltig mit seinen eigenen Ressourcen umgeht, Ideen findet und wie man immer wieder mit Begeisterung an die eigenen Arbeiten herangeht.

Achtung Designer und das ganze Thema kreative Selbstständigkeit haben eine tolle Dynamik entwickelt und ich bin immer wieder begeistert, wenn ich sehe, wie Designer meine Tipps nutzen, die Ideen dahinter verinnerlichen, neu interpretieren und so mit ihrer eigenen Selbstständigkeit kreativ, zufrieden und erfolgreich werden. Ich hätte das so nie erwartet und ich bin sehr gespannt auf das, was noch kommt.“

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