Warum Unternehmerinnen nicht zu früh mit der PR-Kommunikation starten sollten – und was sie stattdessen tun können

Sinnvolle PR-Kommunikation als Unternehmerin

Sylvia Fritsch ist Beraterin für PR und digitale Kommunikation in Wien. Nach mehr als zehn Jahren Jahren in PR-Agenturen und in der Unternehmenskommunikation hat sie sich 2017 selbständig gemacht. Ihr Wissen teilt sie leidenschaftlich gerne als „PR Spionin“ auf ihrem eigenen Blog und in verschiedenen Kursen und Workshops.

Vielleicht habt Ihr Euch gerade selbständig gemacht oder ein eigenes Unternehmen gegründet? Gratuliere! Wenn es darum geht, die eigene Bekanntheit zu erhöhen, wollen viele Gründerinnen verständlicherweise ziemlich rasch mit PR starten. Doch Halt: Einfach schnell mal eine Presseaussendung zu Eurer Gründung auszuschicken wird nichts bringen! Denn die Tatsache, ein Unternehmen gegründet zu haben, ist normalerweise noch keine PR-Story wert. Leider ist das aber ein beliebter Fehler, daher möchte ich Euch in diesem Beitrag aufzeigen, wie Ihr als frische Unternehmerinnen sinnvoll PR für Euch betreiben könnt.

 

Schritt 1: Arbeitet die eigene Positionierung, Zielgruppen und Kernbotschaft heraus

Bevor Euch an einen PR-Plan macht, überlegt Euch zuerst, wie Ihr Euch positionieren wollt. Überlegt Euch gut, welchen Platz Euer Business in den Köpfen Eurer Zielgruppe einnehmen soll. Arbeitet klar heraus, was für ein Unternehmen Ihr habt, welche Lösungen für welche spezifische Zielgruppe Ihr anbietet und was Ihr anders als andere macht. Vielleicht wollt Ihr Euch ja zu einem speziellen Fachthema positionieren oder mit einem einzigartigen Zugang?

Auch Eure Zielgruppe sollte Euch glasklar sein. Wen möchtet Ihr überhaupt mit Eurer Kommunikation erreichen? Das werden zum einen natürlich Eure Wunschkunden sein, denkt aber auch an andere wichtige Gruppen, wie etwa Branchenvertreter und Key Opinion Leader in Eurem Bereich, Kooperationspartner, Interessenten, Lieferanten, Journalisten, Influencer usw.

Welche Botschaft soll in den Köpfen und Herzen Eurer Zielgruppen hängen bleiben? Überlegt Euch gut, was eigentlich Eure Kernaussage ist, bevor Ihr sie nach außen tragt.

 

Schritt 2: Entwickelt eine langfristige PR-Strategie

Wenn die Basis steht, könnt Ihr Euch daran machen, Eure PR strategisch und langfristig zu planen. Fragt Euch:

  • Zu welchen Themen möchtet Ihr Euch äußern?
  • Welche Medien konsumieren Eure Zielgruppen? Auf welchen digitalen Plattformen sind sie unterwegs? Folgen sie speziellen Influencern?
  • Welche Aufhänger passen für Euch? Etwa eine außergewöhnliche Gründungsstory, frische Ansichten zu Eurem Thema, eine persönliche Geschichte, ein spezielles Problem, das Ihr löst, ein saisonales Thema oder ein Trendthema, Zahlen und aktuelle Studien zu Eurem Thema usw.

Arbeitet einen PR-Fahrplan aus, wann Ihr welche PR-Aktivität angehen wollt, etwa wann Ihr mit welchem Thema an Medien herantreten solltet oder welche eigenen digitalen Kanäle Ihr mit welcher Content-Strategie aufbauen möchtet.

Die beliebte Pressemitteilung ist hier nur einer von vielen möglichen Bausteinen. Falls Ihr Pressemitteilungen einsetzen wollt, solltet Ihr unbedingt auf einen hohen Newswert und Aktualität des Themas achten. Bedenkt, dass Redaktionen von Pressemitteilungen geflutet werden. Ein individueller Story Pitch oder ein passendes Interviewangebot an geeignete Redaktionen eignen sich in den allermeisten Fällen besser für Gründerinnen.

 

Schritt 3: Arbeitet zunächst an Euren eigenen digitalen Kommunikationskanälen

Bevor Ihr an Presse oder Influencer herantretet, sollten Eure eigenen Kanäle idealerweise schon stehen und mit relevantem Content befüllt sein. Fangt mit einer Website an und ergänzt sie um einen Blog, wenn Euch das Schreiben liegt. Überlegt Euch gut, auf welchen Social-Media-Kanälen Ihr präsent sein wollt – es gibt nicht nur Facebook! Gerade Instagram, Twitter, Pinterest, YouTube und LinkedIn können je nach Branche und Zielgruppe auch sehr interessant sein.

Denkt auch daran, einen Presse-Corner auf Eurer Website einzurichten, speziell wenn Ihr Produkte herstellt oder verkauft. Dort sollte zumindest eine allgemeine Basis-Presseinformation, Fact Sheets zu Euren Produkten und gutes Bildmaterial sowie Euer Kontakt zu finden sein.

 

Schritt 4: Erhöht Eure Reichweite durch Networking, Speaking und Kooperationen

Habt Ihr Euch schon einmal überlegt, durch direkte PR Eure Brand Awareness zu erhöhen? Direkte Kommunikation eignet sich gerade für Gründerinnen sehr gut. Mit ihrer Hilfe kann man zwar zunächst keine riesige Reichweite erhalten, aber Ihr sprecht Eure Zielgruppen und mögliche Kooperationspartner direkt an. Der Effekt solcher Maßnahmen kann sehr wirksam sein.

Denkt zum Beispiel daran, Networking zu betreiben, etwa über die Teilnahme an Gründerinnen-Stammtischen, Netzwerktreffen von entsprechenden Organisationen oder Meet-ups mit Gleichgesinnten. Bewerbt Euch als Speakerinnen bei Fachkonferenzen oder stellt eigene Events auf die Beine, etwa eine Launch Party, ein Straßenfest, eine Promotion-Tour oder ein Kick-Off-Event. Kooperiert mit anderen Unternehmerinnen aus Eurem Bereich, die die selbe Zielgruppe ansprechen.

 

Fazit
Ihr seht, wir haben so viel mehr Möglichkeiten, PR für uns zu machen, als einfach nur Presseaussendungen auszuschicken. PR ist ein Marathon, kein Sprint! Es bedarf dem langfristigen Aufbau von Beziehungen und Bekanntheit und keine vermeintlich schnellen Growth Hacks!

Ein strategischer PR-Plan, Geduld und harte Arbeit zahlen sich langfristig aus.

© Beitragsbild: Ben White | Unsplash

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