Warum man immer eine Konfettipistole parat haben sollte – Julia Kopper von muxmäuschenwild

Julia Kopper, Gründern der Agentur muxmäuschenwild aus Berlin
Über die Jahre haben sich meine Newsletter-Abonnements ganz schön geläppert. Die meisten davon landen ungelesen im Papierkorb oder werden direkt abbestellt. Nur einen (und das ist wirklich nicht gelogen!) öffne ich wirklich immer: den muxmäuschenwild-Newsletter. Er fühlt sich ein bisschen an, wie das Magazin für das man am Erscheinungstag direkt zum Kiosk rennt. Tolle Interviews mit interessanten Menschen, coole neue Produkte, Plätze und Events in Berlin kommen darin vor. muxmäuschenwild ist aber eigentlich gar nicht „nur ein Newsletter“, sondern eine ziemlich erfolgreiche Agentur (PR, Brand, Event) aus der Hauptstadt. Und jetzt ratet mal: Auf die Beine gestellt wurde sie von einer Frau. Klar, denn genau aus diesem Grund mussten muxmäuschenwild und Gründerin Julia Kopper hier ein Plätzchen finden – und neugierige Fragen beantworten. Warum Berlin die perfekte Stadt zum Gründen ist, warum es trotzdem so schwer ist, dort gute Mitarbeiter zu finden, was Visionäre ausmacht und Julia immer eine Konfettikanone parat hat…

Julia, Du hast erst als Freelancerin gearbeitet, dann Deine eigene Agentur gegründet. War Selbstständigkeit schon immer ein Wunsch oder eher ein Zufall?

Tatsächlich habe ich eigentlich schon immer als Freelancerin gearbeitet – erst beim Film, dann im Marketing- und Agenturbereich. Die Agentur ist mehr so passiert – es hat sich mehr oder weniger so ergeben. Die Unsicherheit, die die Selbstständigkeit mit sich bringt, war für mich eigentlich kein so großes Problem, was mir die Gründung der Agentur dann sicher ein wenig einfacher gemacht hat.

Australien, Kapstadt, Indien, Hollywood  – waum bist Du in Berlin „sesshaft“ geworden?

Haha, das klingt als wäre ich ein Weltenbummler. Dabei waren das eben nur ein paar Stationen in meinem Leben. Ich war ja tatsächlich fast immer in Deutschland wohnhaft – nur eben sehr viel und oft monatelang für Projekte unterwegs. Als ich dann beschloss, wieder ganz nach Deutschland zu gehen und der Filmbranche den Rücken zu kehren, gab es für mich tatsächlich keine andere Option als Berlin. Überall sonst hätte ich mich eingeengt gefühlt. Ich brauche die Vielseitigkeit, die Weite, das Metropolenhafte und die Energie dieser Stadt!

Warum ist Berlin die perfekte Stadt für Leute, die gründen wollen und Visionen haben?

In Berlin tummeln sich einfach wahnsinnig viele spannende Menschen mit spannenden Ideen. Nicht jeder davon ist in der Lage, seine Ideen auch umzusetzen. Aber in Berlin findet man auf jeden Fall jede Menge Inspiration und mit ein bisschen Glück auch Menschen, die einem auf dem eigenen Weg helfen können.

Als ich Deine Geschichte gelesen habe, dachte ich: „Julia ist eine Macherin.“ Ich rede mit vielen Leuten, denen es zwar an Ideen nicht mangelt, die aber einfach nicht machen. Warum glaubst Du, fällt es den meisten so schwer, selbst auch „Macher“ zu sein?

Das frage ich mich auch. Ich glaube, den meisten fehlt es einfach an Mut und Durchhaltevermögen. Es ist nicht leicht, an eine Idee zu glauben und daran festzuhalten, auch wenn immer wieder Steine im Weg liegen. Vielleicht hat es auch mit der Vielzahl an Möglichkeiten zu tun und der fehlenden Bereitschaft sich festzulegen. Ich bewundere jeden, der monate- und jahrelang an einer Idee arbeitet und diese irgendwann umsetzt. Das sind für mich echte Visionäre.

Man stellt sich das ja immer so super glamourös vor: Eine Agentur, die mit tollen Marken arbeitet und coole Events umsetzt. Was ist total unglamourös an Deinem Job?

Oh – jede Menge! Glamour begegnet mir recht selten in meinem Job. So richtig unglamourös sind Buchhaltung, Versicherungsfragen, Rechtsstreitereien. Uh, aber ich glaube, das ist in fast jeder Firma so. Aber eben auch das Kisten schleppen bei den eigenen Events und das Aufräumen danach. Auch das gehört dazu. Und ehrlich gesagt liebe ich es, wenn ich noch selbst mit anpacken darf.

„Selbst und ständig“ – trifft das für Dich zu?

Lange Zeit war es so – aber ich arbeite hart daran, dass sich das ändert. Und ehrlich gesagt schaffe ich es seit ein paar Monaten recht gut, mir meine Freiräume zu schaffen und den Laptop auch mal auszulassen. Der Dank dafür gilt meinem großartigen Team. Ich bin sehr froh so tolle Persönlichkeiten um mich zu haben, die gemeinsam mit mir wachsen.

Was war für Dich Dein bisher größter Erfolg?

Mein Team. Eindeutig! Die größe Herausforderung war und ist es, gute Leute zu finden (ja, auch in Berlin ist es wahnsinnig hart, obwohl es jede Menge kreative Menschen gibt – aber eben nicht so viele gute!). Nun ein Team aufgebaut zu haben, auf das ich mich verlassen kann, das mit seinen Aufgaben wächst und Spaß hat, darauf bin ich wahnsinnig stolz und sehr dankbar. Ansonsten haben wir tatsächlich immer wieder Erfolge auf Kundenseite – und wir haben uns vorgenommen, diese auch tatsächlich mehr zu feiern! Denn das vergisst man im Stress einfach viel zu oft. Zu diesem Zweck befindet sich eine Konfettikanone* in meiner Schreibtischschublade. Wenn also ein toller neuer Kunde zugesagt hat, oder es sonst gute News gibt, wird die gezückt und im Büro rieselt es Konfetti 🙂

Was war die bisher schlimmste Niederlage und was hast Du daraus gelernt? 

Eine der härtesten Situationen hatte ich tatsächlich mit einer Mitarbeiterin, die mich wochenlang belogen hat. Wenn Du merkst, wie sehr Du Dich in jemandem getäuscht hast – obwohl du eigentlich dachtest eine ganz gute Menschenkenntnis zu haben – das hat mich hart getroffen. Oder auch wenn Kunden Dein Vertrauen ausnutzen und richtig hohe Rechnungen nicht bezahlen oder so was. Das demotiviert und nervt.

Hast Du Dir eigentlich je solche Ratgeberbücher (á la „Erfolgreich das eigene Business starten“) und -tipps durchgelesen, um aus muxmäuschenwild das zu machen, was es heute ist? Oder bist Du das sehr intuitiv angegangen?

Nein, habe ich nicht. Ich habe das Meiste aus dem Bauch heraus entschieden, und hatte von Anfang an auch einen Partner, mit dem ich alle wichtigen Entscheidungen besprechen konnte. Außerdem habe ich tolle Menschen – Freunde und Wegbegleiter – um mich, die mir in schwierigen Situationen als Sparringspartner zur Seite stehen. Ehrlich gesagt ist vieles aber auch einfach passiert. Wir sind viel schneller gewachsen als geplant, und haben einfach hart gearbeitet, wollten jeden Tag besser werden und dazu lernen und sind immer hungrig geblieben. Ein Masterplan steckte da nicht dahinter.

Und auch ohne Masterplan führst Du mittlerweile ein 11-köpfiges Team. Was ist dabei die größte Herausforderung?

Inzwischen sind wir sogar schon 15 Leute 😉 Ich glaube ein gesundes Wachstum und währenddessen gute Strukturen aufzubauen, sind die größte Herausforderung. Und auch mal Projekte abzusagen (auch wenn es weh tut!), das muss man lernen. Dem Team gerecht zu werden und bei Fragen greifbar zu sein, aber eben auch zu vertrauen und Verantwortung abzugeben – das übe ich Tag für Tag aufs Neue.

In einem unserer Interviews sagte eine Gründerin: „Man ist immer zu mehr fähig, als man anfangs von sich denkt.“ Bei was dachtest Du, das könntest Du nie schaffen und hast Dich dann selbst überrascht? 

Bei allem. Ich hab mir selbst nie zugetraut, eine eigene Firma zu leiten. So große Budgets zu verwalten. Mit Kunden zu verhandeln. Ich wusste schon, dass ich meinen Job gut mache, aber hab mein Licht immer eher unter den Scheffel gestellt. Und ich wachse an jedem neuen Projekt, das ein wenig größer ist als das vorherige.

Gibt es ein Buch, das Dich total inspiriert hat und das Du deshalb jedem empfehlen kannst?

Lean In* von Sheryl Sandberg (Geschäftsführerin von Facebook). Diese Frau beeindruckt mich – nach dem Tod ihres Mannes und den letzten Auftritten noch mehr. Mein Agentur-Partner Robert hat sie schon mehrmals getroffen, während sie in Deutschland zu Besuch war. Ich hoffe ich kann beim nächsten Mal dabei sein. 😉

Was steht für die Zukunft an: Pläne, Visionen, neue Ideen? 

Ich habe da schon einiges im Hinterkopf, was ich gerne als nächstes anschieben möchte. Denn tatsächlich war es immer mein Ziel, dass wir in der Agentur nicht nur Kundenaufträge, sondern eben auch eigene Projekte umsetzen. Ganz aktuell steht im September wieder unser Secret-Pop-up GOLDEN DINNER hier in Berlin an, und ich freue mich sehr, dass wir uns wieder die Zeit dafür nehmen, dieses Herzensprojekt umzusetzen.

Und um mal mit der Tradition der muxmäuschenwild-Newsletter (die ich Euch allen sehr empfehlen kann!) zu schließen > Das letzte Wort:

Gibt es nicht.

Liebe Julia, vielen Dank den Tipp mit der Konfettipistole und natürlich für Deine tollen Antworten! Wir freuen uns schon auf den nächsten muxmäuschenwild-Newsletter 😉

 

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