Gastronomieberaterin Hannah Plettenberg ist mit plettenbergconsulting seit über 10 Jahren in der Gastronomie und Hotellerie als Beraterin, Trainerin, Trendforscherin und Coach tätig. Balzac Coffee, Kölln Haferland oder der Dortmunder Fernsehturm zählen zu ihren Kunden. Hannah Plettenberg ist eine der wenigen erfolgreichen Frauen in diesem Business.

Die Idee, mich selbstständig zu machen, kam nach einem prägenden Moment in meinem Leben. Am 1.11.2004 wurde ich an der Herzklappe operiert. Nach einer zufälligen Untersuchung des Hausarztes und weiteren Untersuchungen beim Kardiologen Anfang Oktober 2004 war relativ schnell klar: ich musste unters Messer. Operation und Genesung verliefen sehr erfolgreich, so dass ich im Dezember wieder in mein Angestelltenverhältnis zurückkehren und weiterarbeiten konnte.

Doch das Gedankenkarussell begann schnell zu rotieren und hörte nicht mehr auf: Als Angestellte in der Gastronomie machte mich der bisherige Weg, den ich beruflich eingeschlagen hatte, nicht mehr glücklich. Die Branche war toll, aber etwas Neues musste her: Arbeit soll doch Spaß machen, Verantwortung und Leidenschaft gehören dazu. Ich wollte etwas für mich tun und meinem Leben auf beruflicher Ebene einen neuen Sinn geben.

Die Idee zur Selbständigkeit

„Hannah kann so viel, sie hat einen Berg an Wissen, den sie mit sich rumträgt“, hörte ich immer wieder meine besten Freunde sagen. „Das muss doch irgendwo hin?“ Mir waren zwei Dinge klar: Ich wollte der „Servicewüste Deutschland“ zu Leibe rücken und keinen eigenen gastronomischen Betrieb eröffnen, aber der Gastronomie, die mir so viel Spaß machte, nicht den Rücken kehren. Und so entstand die Idee, eine Beratungsagentur zu gründen, die sich um bestehende Unternehmen und – noch viel wichtiger – mit Existenzgründern in der Gastronomie beschäftigt.

Vom Businessplan zum schlüsselfertigen Betrieb

Ohne meinen gastronomischen Hintergrund könnte ich gar nicht fachlich kompetent beraten. Die Gastronomie ist so speziell, dass man nur ehrlich, richtig und authentisch beraten kann, wenn man das Metier gut kennt. Ich begann meine Karriere 1995 bei Steigenberger, einem der Traditionshäuser in Baden- Baden. Die langen Schichten, Früh- und Spätdienste störten mich nicht. Der Gast stand immer an erster Stelle. Die Vielfalt dieses Berufes konnte mir persönlich kein anderer bieten. Wann kommt man schon dazu, Joe Cocker das Frühstück ans Bett zu bringen oder den Backstreet Boys die Drinks an der Bar zu servieren?

Es folgten ein Auslandsaufenthalt in Brighton, weitere Praxiserfahrungen in der Gastronomie und ein BWL Studium an der Hamburger Hotelfachschule. Bevor ich mich vor elf Jahren selbstständig machte, arbeitete ich sechs Jahre lang bei Hamburgs größtem Coffeeshop-Unternehmen „Balzac Coffee“. Vanessa Kullmann, die das Unternehmen 1998 gründete, führte damals die Firma. Was ich von ihr und dem ganzen Team lernte, war unsagbar viel.

2007 gründete ich mein Unternehmen plettenbergconsulting. Heute berate ich kleine, mittelständische und auch große Betriebe in gastronomischen Belangen. Vom Existenzgründer bis zum bestehenden Unternehmen, vom kleinen Cafébetrieb bis hin zum Schokoriegelhersteller aus Amerika, dessen Betriebskantine umfunktioniert werden muss. Alles ist dabei. Und deswegen liebe ich meinen Job liebe und das, was ich tue.

Gastronomie und Familie – geht das?

Ich bin von Natur aus eine Macherin und so machte ich. Noch etwas wackelig auf den Beinen, aber immer sehr fokussiert und zielgerichtet entwickelte sich mein heutiges Geschäftsmodell. Anfangs noch Single konnte ich natürlich für mich alleine entscheiden und tätig sein. Meine Flexibilität war immens und so realisierte ich in ganz Deutschland interessante Projekte.

Heute, im elften Jahr nach der Gründung, bin ich seit sieben Jahren glücklich verheiratet und unser Sohn wird im Juni fünf Jahre alt. Dadurch bin ich nicht mehr so flexibel und mein Beratungsraum begrenzt sich auf das nördliche Deutschland. Durch die Gleitzeit meines Mannes können viele Lücken in der Betreuung geschlossen werden. Und wie in jeder Familie kommt es vor, dass wir bei Krankheit des Sohnes intensiv diskutieren wer nun wann zu Hause bleibt.

Ich liebe meinen Beruf und die Gastronomiebranche. Es gibt so viele Vorzüge, die man genießt, wenn man im Früh- oder Spätdienst arbeitet, unter der Woche frei hat und auch an Silvester oder Weihnachten arbeitet. Von daher ist es für mich überhaupt keine Frage, wenn heute Kunden an Wochenenden mal um einen Termin bitten, denn ich bin es gewohnt. Und zwischen den Beratungsgesprächen liebe ich es, mal wieder mit Turnschuhen bei meinen Kunden hinter den Tresen zu springen und einen Cappuccino zu machen, oder ein Bierchen zu zapfen.

Habt Ihr auch schon mal mit dem Gedanken gespielt, Euch in der Gastronomie selbstständig zu machen?

Was Ihr beachten solltet, sind unter anderem folgende Punkte:

1. Personality: Ihr seid die Visitenkarte Eures Unternehmens. Durch Eure Persönlichkeit lebt das Konzept, somit bindet Ihr Kunden und baut Euch einen der wichtigsten Pfeiler der Selbstständigkeit auf: Eure Stammkundschaft
2. Standort: Es ist einer der schwersten und auch einer der ausschlaggebendsten Parts in der Entwicklung Eurer Idee und deren Realisierung. Eine Idee kann noch so gut sein, jedoch ohne den für das Konzept perfekte Standort wird es nicht funktionieren.
3. Personal: In keiner Branche ist es so schwer, geeignetes Personal zu finden. Überlegt Euch gut, wie Ihr mit dem Personal langfristig zusammenarbeiten wollt. Werdet kreativ in der Belohnung.
4. Vanessa Kullmann sagte einmal zu mir: „Solange Ihr Euch vorstellen könnt, in der Bettwäsche Eures eigenen Unternehmens zu schlafen, ist alles gut und Ihr seid Eins mit Eurer Idee, Eurer Vision, Eurem Unternehmen“.

© Beitragsbild: Alyson McPhee | Unsplash

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