Vom Irrglauben eine Festanstellung wäre sicher und was das mit meinem gestohlen Fahrrad zu tun hat

Vom Irrglaube eine Festanstellung wäre sicher und was mein gestohlenes Fahrrad damit zu tun hat

Hamburg gehört zu den Hochburgen des Fahrraddiebstahls in Deutschland. Pro Jahr werden hier in der Hansestadt 15.000 Fahrräder gestohlen. Letzten Monat war meines dran. Seufz! Ich muss Euch vielleicht nicht erzählen, wie sehr mich das getroffen hat. Am helllichten Tag vor meiner eigenen Haustür – der Schmerz sitzt noch immer tief. Und auch am Tag des Geschehens habe ich Rotz und Wasser geheult. Mir will bis heute nicht in den Kopf gehen, warum jemand so etwas tut? (Merke: Meine Kriminelle Energie = 0!) Als ich abends so im Bett lag und darüber nachdachte und grübelte und grübelte, fand ich zwar keine Antwort auf diese Frage, aber mir kam folgender Gedanke: Mit Fahrrädern –sowie mit jeglichem anderen materiellen Besitz– verhält es sich so wie mit einer Festanstellung, sie kann Dir jederzeit weggenommen werden, ohne dass Du etwas dagegen tun kannst. Kurz: Fahrräder sind sinnbildlich wie ein fester Job – und ich gehe lieber zu Fuß!

Was haben ein Fahrrad und eine Festanstellung gemeinsam?

Mit dem Fahrrad könnt Ihr schnell oder langsam fahren. Ihr könnt auf ein gebrauchtes Rad zurückgreifen oder auf einer 1000-Euro-Deluxe-Variante durch die Welt radeln. Manchmal macht es Spaß, in die Pedale zu treten, ein anderes Mal ist, nicht nur sprichwörtlich, die Luft raus. Mit besten Grüßen, Euer Platten! Wenn Ihr Euren fahrbaren Untersatz nach solch einer hinterhältigen Aktion wieder lieb habt, könnt Ihr ihm etwas Gutes tun und ihn mit einem neuen Fahrradkorb oder einer LED-Lichtorgel für die Speichen beschenken.

Ratter. Ratter. Jetzt grübelt Ihr darüber nach, wo eine Verbindung zum Normalarbeitsverhältnis besteht – ich kann es hören! (Tsss, “Normalarbeitsverhältnis” was für ein Wort. Gerade auf Wikipedia gefunden. Dazu lass ich mich mal in einem anderen Artikel aus.) Jetzt erkläre ich Euch erst einmal, wo für mich die Gemeinsamkeiten liegen.

  • Mit dem Oldtimer zum Brötchenholen
    Es gibt Jobs, die dem reinen Broterwerb dienen und es gibt Tätigkeiten, in denen man in einem Jahr so viel erwirtschaften kann, wie andere in ihrem ganzen Leben verdienen. Auch bei Fahrrädern gibt es die unterschiedlichsten Modelle: Das Gebrauchte, das Mountainbike, das Rennrad. Ja, sogar Tandems.
  • Freihändig über Kopfsteinpflaster fahren
    Es gibt Jobs, die Spaß machen. Manchmal. Manchmal aber auch nicht. Und so ist es auch beim Radfahren: Im Sonnenschein bergab fahren bringt eindeutig mehr Freude, als im Regen bergauf.
  • Mit dem Rennrad ans Ziel
    In einer Festanstellung könnt Ihr langsam oder schnell an Euer Ziel gelangen. Stichwort: Karriereleiter. Auch für eine Fahrradtour gilt: Auf geraden, abschüssigen Strecken kommt Ihr schneller voran, als in kurvenreichem, unwegsamen Gelände.
  • Eine neue Klingel fürs alte Rad
    Ihr könnt Euch weiterbilden, an Konferenzen teilnehmen oder eine Gehaltserhöhung erhalten. Das soll jetzt kein Aufruf dazu sein, Eurem alten Drahtesel ein Facelift zu verpassen, aber ein bisschen Öl auf der Kette tut Euch beiden gut!

Auch Grünpflanzen, künstliches Tageslicht und ein Luftbefeuchter können die Arbeit in einer Festanstellung schöner und erträglicher machen, habe ich gehört. Aber sie schützen Euch nicht vor einem jähen Ende. Ihr könnt Euch noch so sehr anstrengen, pünktlich und zuverlässig sein, auch das verhindert eine Entlassung nicht. Euer Schloss aus Engagement und Gewissenhaftigkeit kann jederzeit geknackt werden. Ganz unverhofft und ohne, dass Ihr damit gerechnet habt. So wie es mir mit meinem Fahrrad ergangen ist. Schnief.

Selbstständig und gut zu Fuß

Wenn die Festanstellung einem Fahrrad gleichzusetzen ist, dann muss das Zufußgehen der Selbstständigkeit adäquat sein, denke ich mir. Man kommt überall hin, wenn auch deutlich langsamer als mit dem Rad. Außerdem muss man aufpassen, dass man sich nicht die Beine bricht und ins Straucheln gerät oder das falsche Schuhwerk an hat. Schmerzhafte Blasen sollten zu jedem Zeitpunkt vermieden werden! Wenn man schneller sein Ziel erreichen will, kann man den Bus oder die Bahn nehmen.

  • Auf dem Weg liegende Stolpersteine umgehen
    Der Weg in (und durch) die Selbstständigkeit ist nicht immer leicht und führt so manches Mal über Stock und Stein. Also: Augen auf! Sicher, man kann nicht auf alle Hindernisse gefasst sein und manchmal scheint der Weg endlos oder aber er ist abrupt zu Ende, weil sich vor einem ein reißender Fluss auftut. Aber auch das sollte Euch nicht davon abhalten weiter zu kommen. Schaut Euch um, es gibt bestimmt irgendwo eine Brücke. Ein schwimmender Untersatz tut’s auch.
    Besser wäre natürlich, Ihr habt eine grobe Vorstellung von dem Weg, den Ihr beschreiten werdet und dem Ziel, das Ihr erreichen möchtet (siehe nächster Punkt).
  • Mit festem Schuhwerk durch die Welt
    Gut sitzende Wanderstiefel, wetterfeste Kleidung sowie ausreichend Wasser und Essen sind für das Überleben wichtig, wenn Ihr Euch auf eine längere Wanderung begebt. Gute Planung ist auch für die Selbstständigkeit unabdingbar. Ein Businessplan kann zwar nicht verhindern, dass Ihr stolpert und hinfallt, aber die Wahrscheinlichkeit sinkt, denn damit habt Ihr Euer Konzept bereits auf Herz, Nieren und Machbarkeit geprüft.Es muss auch nicht immer gleich der Businessplan sein. Sich Ziele zu setzen reicht oft schon aus. Lies dazu hier mehr.
  • Schritt für Schritt ans Ziel
    Dieser Punkt Bedarf keiner weiterer Erklärung. 😉 Nur die Ergänzung, dass es nicht immer die Überholspur sein muss, um ans Ziel zu kommen.

Und dennoch mögen viele das Laufen nicht – 2014 haben sich 915.000 Leute selbstständig gemacht (darunter auch ich). Ja, schon klar, es ist deutlich anstrengender und langwieriger als das Fahrradfahren, aber es kann so schön sein. Deshalb ist dieser Artikel nicht nur der Versuch den Diebstahl meines geliebten Hollandrades zu verarbeiten, sondern auch die Bemühung meinerseits mit dem Irrglauben aufzuräumen, eine Festanstellung wäre sicher. Das ist sie nicht. Zu keiner Zeit. Das vergessen die meisten.

Solltet Ihr Euch derzeit noch in einem festen Job befinden, aber mit dem Gedanken spielen, Euch selbstständig zu machen, dann kann ich Euch zwei Artikel empfehlen. Für diejenigen, die sich langsam an die Selbstständigkeit herantasten wollen, eignet sich “Nebenberuflich selbstständig”. Alle anderen, die nur noch einen kleinen Arschtritt brauchen, um All-in zu gehen, sollten “Mut zur Kündigung – Toleriere nicht die Mittelmäßigkeit” lesen.

Auf viele weitere “geknackte Schlösser”! 😉

© Beitragsbild: Dave Meier | Picography.co

2 Kommentare
  1. Jessika sagt:

    Was für ein cooler Beitrag, Sandra. Hat sehr viel Spaß gemacht zu lesen und auch zum Nachdenken angeregt. Ein wirklich gewagter, aber irgendwie auch nachvollziehbarer Vergleich. Ich mach mich dann mal zu Fuß auf den Weg in die neue Woche 😉

    Liebe Grüße,
    Jessi

    • Sandra sagt:

      Hallo Jessi, lieben Dank für Deinen Kommentar! 😀 Der Artikel ist in der Tat gewagt und diskussionswürdig Ich hätte ihn noch mit einem konkreten, aber anonymisierten Beispiel belegen können. Jedoch habe ich mich bewusst entschieden ihn so offen zu lassen. Wie ich jetzt weiß, kann so manch einer meine Gedankengänge nachvollziehen. Auch ohne Beispiel. Das zeigt mir, dass meine Gedanken gar nicht so verschroben sind und an meiner „Theorie“ ein Fünkchen Wahrheit dran ist. 😉 hahahaha Liebe Grüße nach Erfurt!

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