Interview mit der freien Autorin und Redakteurin Alicia Metz

Alicia Metz

Für Träumer, Gründer und Selbermacher – das ist superwork. Eine Interviewreihe, ein Blog und ein persönlicher Workshop. Und meine liebste Anlaufstellen im Netz, wenn es um Ideen für die Gestaltung einer neuen Arbeitswelt geht. Heute möchte ich Euch eine der Autorinnen vorstellen: Alicia Metz. Ihr solltet Euch dieses Interview nicht entgehen lassen!

Vorletztes Wochenende haben Sophie, Judith und ich übrigens eine weitere Autorin des Blogs, Ricarda Kiel, zum Kaffee getroffen – es war großartigst! Danke Ricarda, dass Du Dir die Zeit genommen hast. Auf Ihr Interview könnt Ihr Euch auch schon freuen! Es folgt in Kürze.

Du bist seit über drei Jahren als freie Autorin und Redakteurin selbstständig. Davor warst Du in zwei Jobs in Teilzeit festangestellt. Auf superwork schreibst Du: “Ich habe gemerkt, dass ich eventuell nicht für eine Festanstellung geeignet bin”. Warum nicht? Und woran hast Du das gemerkt?

Puh, wo soll ich da anfangen? 🙂 Bei meiner ersten Festanstellung dachte ich noch, dass es einfach am Job liegt und an den äußeren Umständen. Aber bei meinem zweiten Job, der „eigentlich“ super war, habe ich gemerkt, dass ich mich einfach schlecht in fremdbestimmte Vorgaben einfügen kann. Das fängt bei Arbeitszeit und -ort an und hört bei bestimmten Aufgabenstellungen auf. Zudem arbeite ich sehr gerne in Ruhe und alleine, vor allem wenn ich schreibe. Es ist anstrengend für mich, von vielen Menschen umgeben zu sein und allein der Arbeitsweg und die Anwesenheit in einem Großraumbüro haben mir an manchen Tagen all meine Energie geraubt. Und die stecke ich einfach lieber in meine Texte. Seit ich selbst bestimme, wie ich arbeite, bin ich effizienter, produktiver und zufriedener.

Du schreibst des Weiteren: “Ich glaube nicht an ihre Werte und Versprechen, glaube nicht an Karriere oder Hierarchien”. Woran glaubst Du? Wie ist Dein Verständnis von Arbeit?

Das ist auch etwas, was ich während meiner Festanstellungen gemerkt habe: klassische Hierarchien sind nichts für mich. Ich verstehe sie nicht und möchte mich dort nicht eingliedern. Auch das, was gemeinhin als Karriere bezeichnet wird, ist mir nicht wichtig. Ich brauche keine Anerkennung von einem Vorgesetzten, keine Statussymbole oder viel Geld.

Woran ich glaube? An Liebe, an Freiheit und vor allem an das Leben. Das klingt ziemlich groß und pathetisch, aber darum geht es doch, oder? Wir haben nur dieses eine Leben und wenn man bedenkt, wie kurz es ist, sollte man doch versuchen, es jede Minute bewusst zu erleben. Das ist mein Antrieb. Meine Arbeit ist Teil meines Lebens, das kann man nicht trennen. Deswegen möchte ich nicht irgendwo meine Zeit „absitzen“ und dann nur in meiner Freizeit leben.

Und außerdem denke ich, dass wir ganz dringend neue Definitionen für so abgelutschte Begriffe wie „Karriere“, „Arbeit“ und „Erfolg“ brauchen.

Deshalb hast Du Deine Arbeit ganz nach Deinen Bedingungen und Vorstellungen gestaltet und kannst jetzt Deine Herzensprojekte umsetzen. “Durch diese Patchwork-Arbeit, die ich mir gebastelt habe, kann ich all meine Interessen ausleben”, schreibst Du auf superwork. Aber kannst Du davon auch leben?

Ja, ich kann von meiner Patchwork-Arbeit leben und das schon von Anfang an. Dazu muss ich aber sagen, dass ich mich bewusst dazu entschieden habe, nicht so viel zu arbeiten und dementsprechend auch weniger zu verdienen. Ich bin lieber frei und selbstbestimmt und habe weniger Geld. Das heißt, ich arbeite etwa Teilzeit für bezahlte Jobs. Dann kommen noch mein Blog, meine literarische Arbeit und andere Projekte dazu. Eigentlich unterscheide ich diese Dinge aber nicht, das gehört alles zu meiner Arbeit dazu.

Ich könnte natürlich auch mehr bezahlte Jobs annehmen, aber dafür ist mir z. B. mein Schreiben einfach zu wichtig. Zudem möchte ich auch immer die Freiheit haben, einfach mal einen Tag mit einer guten Freundin am See zu verbringen oder neue Rezepte auszuprobieren oder ein spannendes Buch in einem Rutsch durchzulesen und jetzt natürlich: ganz viel Zeit mit meiner Tochter zu verbringen.

Wenn ich mich mit Leuten über eben diese “Patchwork-Arbeit” unterhalte, bekomme ich immer wieder skeptische Blicke: “Das kann doch nicht funktionieren.” Oft sind diese Personen fest angestellt und aus meiner Sicht zu sehr in “alten” Arbeitsstrukturen und Denkweisen gefangen. Musst Du diese Diskussionen auch hin und wieder führen? Wenn ja, wie erklärst Du diesen Leuten, was Du beruflich machst?

Das musste ich glücklicherweise schon lange nicht mehr. Aber wenn ich es doch mal erklären muss, kommt es ein bisschen darauf an, wer mein Gegenüber ist. Wenn es schnell gehen soll und/oder wenig Offenheit vorhanden ist, sage ich nur, dass ich freie Redakteurin bin und verschiedene Projekte betreue. Wenn aber genug Zeit und Interesse da ist, erzähle ich von meinem „Modell“, von all meinen Tätigkeiten und Herzensprojekten.

Und was schreibst Du auf Deine Visitenkarte? Oder hast Du selber keine? In einem Beitrag, den Du auf Deinem Blog Herzscheiße geschrieben hast, steht: “Wir bekommen Visitenkarten, auf denen draufsteht, wer wird sind. Die Suche kann enden. Wir haben uns gefunden.” Scheint so, als ob Du nicht viel von den kleinen Kärtchen hältst…

Haha, eigentlich habe ich gar nichts gegen Visitenkarten und ich habe auch selbst welche. (Siehe Foto) In dem Beitrag meine ich eher Berufsbezeichnungen, die einem ein Arbeitgeber gibt und mit denen man sich dann gefälligst zu identifizieren hat. Viele definieren sich ja auch selbst darüber. Mir kamen diese Positionen und Stellenbezeichnungen manchmal wie erfunden vor. Dann bin ich Head of Herzscheiße und Senior Trotzkopf Manager.

Visitenkarte von Alicia Metz

Hast Du Dich selbst bereits gefunden? Wie sieht Dein beruflicher Plan für die nächsten Jahre aus?

Ob ich mich beruflich gefunden habe? Ich weiß gar nicht, ob ich das will. Ist Ankommen etwas gutes? Das ist ja auch das Schöne an der Selbstständigkeit und an der Patchwork-Arbeit, man kann sie immer wieder neu definieren, erfinden und erweitern. Letztes Jahr habe ich noch eine Ausbildung zum Ernährungscoach gemacht. Momentan arbeite ich an meiner neuen Homepage und mit dem Coaching möchte ich ab April so langsam starten. Außerdem haben wir noch viele tolle Pläne für superwork und es gibt noch unendlich viele Geschichten in meinem Kopf, die ich noch unbedingt aufschreiben muss. Ich finde das Leben unglaublich aufregend und spannend. Mal schauen, wo die Reise noch hingeht…

Hat die Geburt Deiner Tochter im August daran etwas geändert?

Nein. Und ja. An meinen Plänen hat sich nichts geändert, aber natürlich hat sich mein Alltag total verändert. Seit ich Mama bin, muss ich meine Arbeit anders organisieren, ich bin mehr auf Unterstützung angewiesen und ich habe gelernt, dass Pläne mit einem kleinen Kind zwar schön sind, aber selten funktionieren. 🙂 Momentan kann ich mich darauf noch voll und ganz einlassen und passe mich einfach dem Rhythmus meiner Tochter an. Das ist schön. Es ist eine langsame und seltsam zeitlose Zeit, manchmal weiß ich gar nicht, welcher Wochentag gerade ist. Ich arbeite dann immer abends oder wenn unsere Tochter gerade mit ihrem Papa unterwegs ist. Texte fallen mir auch oft beim Spazieren gehen ein und ich tippe sie dann schnell ins Handy. Ab August/September wird das dann alles wieder ein bisschen strukturierter, wenn Frida in die Krippe kommt.

Du bist seit wenigen Monaten selbstständige Mama. Welche Gedanken hattest Du während Deiner Schwangerschaft bezüglich Deiner Selbstständigkeit? Hattest Du auch Momente, in denen Du Dich gefragt hast, wie Du es schaffst, Familie und Arbeit zu vereinen?

Ehrlich gesagt, habe ich mir darüber sehr wenige Gedanken gemacht. Da war hauptsächlich die Freude auf meine Tochter und die Neugier auf diesen neuen Lebensabschnitt. Alles andere war für mich wahnsinnig weit entfernt. Und auch jetzt ist es so: Wir nehmen es, wie es kommt.

Welche bürokratischen Schritte musstest Du während der Schwangerschaft angehen? Es waren doch sicher einige Behördengänge nötig, oder? Wenn ja, welche? Und hast Du Tipps für selbstständige werdende Mütter?

Es war gar nicht so kompliziert, wie ich am Anfang dachte. Ich bin Mitglied in der Künstlersozialkasse und die fungiert in diesem Fall wie ein Arbeitgeber. Dadurch hatte ich auch Mutterschutz. Ansonsten musste ich mit meinen Auftraggebern sprechen und Elternzeit & -geld beantragen etc., aber das müssen festangestellte Schwangere ja auch.

Für mich war es wichtig, dass mein Partner und ich die Frage klären, wie wir die Elternzeit aufteilen. Das ist ein Tipp, den ich jeder Frau geben würde: Sprecht rechtzeitig mit euren Männern und traut euch, eine ganze eigene Variante zu „bauen“.

Außerdem habe ich viel mit meinen Freundinnen gesprochen, die schon Mamas sind. Der Austausch mit anderen Eltern, die in einer ähnlichen Situation sind, ist nämlich wirklich toll und sehr hilfreich. Vor allem dann, wenn man sich Sorgen macht oder zweifelt. Oft hört man nur negative Dinge, aber kaum einer erzählt einem, wie wunderschön es ist, Mama zu sein.

Ansonsten gibt es viele gute Mütter-Blogs, in denen man vieles nachlesen kann.
Um nur einige zu nennen: Mompreneurs, little years, Mummy Mag, Tinyjane und Glowbus. (Bei Glowbus gibt es übrigens auch noch ein paar Leseempfehlungen.)

Wie Du und Dein Partner das Leben jetzt nach der Geburt eurer Kleinen angehen, hast Du ausführlich in dem Artikel “Papa kann auch stillen” beschrieben. Machst Du Dir Sorgen, dass Du als Mompreneur zukünftig auf berufliche Schwierigkeiten stoßen könntest – Du z. B. irgendeinen Auftrag nicht bekommst, weil Du Mutter bist?

Nein, eigentlich nicht. Wenn ich wirklich einen Auftrag nicht bekommen sollte, weil ich Mutter bin, dann soll das wohl sein. Das hätte dann wahrscheinlich ohnehin nicht gepasst. Dadurch, dass ich mehrere Standbeine habe, gibt es auch immer die Möglichkeit, zu reagieren. Wenn ich also Schwierigkeiten mit Aufträgen bekommen sollte, würde ich mich mehr auf mein Coaching konzentrieren und umgekehrt.

Auf superwork schreibst Du, dass Du Deiner Tochter ein gutes Vorbild sein willst. Wer sind Deine Vorbilder?

Es gibt viele KünstlerInnen und SchriftstellerInnen, die ich super finde und verehre, aber als Vorbilder würde ich sie nicht bezeichnen.

Ich bin von unglaublich vielen wahnsinnig tollen Frauen umgeben: meine Mutter, meine Freundinnen, meine Mitgründerinnen – das sind wunderbare und starke Frauen, die alle ihr Ding machen und ihren Weg gehen. Das ist inspirierend und jede ist auf ihre Art ein Vorbild.

Welchen Rat möchtest Du Deiner Tochter für ihre berufliche Zukunft mitgeben?

So abgedroschen es klingen mag: sie soll einfach das machen, was sie glücklich macht. Und wenn sie in einer Festanstellung in einem großen Konzern glücklich wird, dann muss ich wohl damit leben. 😉

Und was vielleicht Frauen, die derzeit noch festangestellt sind, aber mit dem Gedanken spielen, sich selbstständig zu machen? Ich habe unter Deinem Artikel zu Deinem Werdegang die vielen Kommentare gesehen. Corinna schreibt z. B.: “Dein Bericht spricht mir aus der Seele”. Viele Frauen scheinen ihren Platz in der Arbeitswelt noch zu suchen. Hast Du ein paar ermutigende Worte für diejenigen, die noch auf der Suche sind?

Hört nicht auf zu suchen! Es lohnt sich!

Sucht euch Inspiration, umgebt euch mit Menschen, die euch auf eurem Weg unterstützen und fangt einfach an. Der erste Schritt ist meist der schwierigste. Wunderbarer Weise ergibt sich ganz viel fast von selbst, wenn man sich erst einmal auf den (richtigen) Weg gemacht hat. Der Austausch mit Gleichgesinnten ist auch immer gut. Mir geht es immer wieder mit unseren superwork-Interviews so: jeder Werdegang ist so einzigartig und spannend. Dadurch kann jeder eine Geschichte finden, die ihn persönlich inspiriert und motiviert.

Und zu guter Letzt: Macht unseren superworkshop 😉

Genau, das solltet Ihr in der Tat tun! Der superworkshop ist ein E-Workshop, mit dem man herausfinden kann, wie man sich seine Arbeit selbst gestaltet, ein Geschäftsmodell entwickelt und die eigene persönliche und berufliche Selbstständigkeit erfolgreich in Angriff nimmt. Danke Dir, Alicia!

Stundensatz-Rechner für selbstständige Frauen und Freiberufler

Du willst schnell & einfach dein Honorar berechnen?

Keine Sorge, mit diesem Stundensatz-Rechner ist das ist einfacher, als Du denkst!

Cool! Her damit

Diese Webseite verwendet Cookies. Stimme der Verwendung von Cookies zu, wenn Du die Webseite weiter nutzt. Mehr Informationen

Für eine uneingeschränkte Nutzung der FF&-Webseite werden Cookies benötigt. Einige dieser Cookies erfordern Deine ausdrückliche Zustimmung. Bitte stimme der Verwendung von Cookies zu, um alle Funktionen der Webseite nutzen zu können. Detaillierte Informationen über den Einsatz von Cookies auf dieser Webseite erhältst Du in unseren Datenschutzbestimmungen.

Schließen