Steuererklärung – Abgabefristen und rechtliche Hinweise

Steuererklärung Abgabefristen

Agnes Musfeldt ist seit Juli 2016 als selbständige Steuerberaterin in Hamburg tätig. Das ist ihre Leidenschaft, die sie seit 2003 zunächst fest angestellt in verschiedenen Steuerberatungsgesellschaften Hamburgs auslebte. Die Energie dazu holt sie sich beim täglichen Yoga und grünem Tee. Mit der Selbständigkeit ist es nun soweit die gesammelten Erfahrungen in einer eigenen Kanzlei einzubringen. Agnes berät nicht nur die Mandanten, sondern sorgt für Klarheit auf den Unwägbarkeiten des Steuerrechts.

2016 ist zu Ende – und die Steuererklärung für das vergangene Jahr steht vor der Tür. Manche haben 2015 oder frühere Jahre noch nicht beim Finanzamt eingereicht und sind jetzt ordentlich im Stress. Doch bis wann muss eigentlich die Steuererklärung eingereicht werden? Was passiert, wenn ich die Steuererklärung zu spät abgebe und bis wann bzw. für welche Jahre kann ich überhaupt noch Steuererklärungen abgeben?

Viele von Euch machen sich jetzt am Anfang des Jahres Gedanken und möchten die Steuererklärung so schnell wie möglich vom Tisch haben. Entweder weil Ihr ein Guthaben erwartet oder dieses unliebsame Thema hinter Euch bringen möchtet, um aufgeräumt in das neue Jahr zu starten.

Und da wären wir bei meinem heutigen Thema:

Abgabefristen für die Steuererklärung

Diese sind natürlich gesetzlich geregelt, wie es im Steuerrecht auch nicht anders zu erwarten ist. 😉

Die Steuererklärungen 2016 (Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Körperschaftsteuer, Feststellungserklärungen) sind grundsätzlich bis zum 31.05.2017 beim Finanzamt einzureichen.

Wird die Erklärung von einem Steuerberater erstellt, wird die Frist bis zum 31.12.2017 verlängert, in Hessen sogar bis zum 28.02.2018.

Eine Fristverlängerung über das oben genannte Datum kann nur in Einzelfällen mit Begründung gewährt werden. Ansonsten hat eine Fristverlängerung keine Aussicht auf Erfolg und wird häufig abgewiesen.

Was passiert, wenn man die Steuererklärung nicht rechtzeitig abgibt?

Wird die Steuererklärung nicht bis zum 31.05. bzw. 31.12. eingereicht, fordert das Finanzamt zunächst in der Regel die Steuererklärung durch eine gesonderte Aufforderung die so genannte „Erinnerung zur Abgabe der Steuererklärung“ an.

Wird der Erinnerung immer noch nicht nachgekommen, folgt entweder eine Zwangsgeldandrohung oder die Besteuerungsgrundlagen werden geschätzt – der so genannte Schätzbescheid ist die Folge. Gleichzeitig kann das Finanzamt einen Verspätungszuschlag festsetzen, dieser darf 10% der festgesetzten Steuer nicht überschreiten und höchstens € 25.000 betragen.

Auf jeden Fall kann es unnötig sehr teuer werden und auch weitere schlimmere Konsequenzen mit sich bringen.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Finanzamt aber auch die Steuererklärung vorzeitig, jedoch nicht vor dem 31.05. anfordern. Das wäre z.B. der Fall wenn,

• die Steuererklärung bereits in den Vorjahren nicht, oder verspätet abgegeben wurde,
• sich für das Jahr eine hohe Abschlusszahlung ergeben wird,
• oder auch die Arbeitslage der Finanzämter das erfordert.

Änderung der Gesetzeslage für die Steuererklärung 2017

Die Rechtslage zu den vorgenannten Abgabefristen gilt jedoch nur noch für das Jahr 2016. Für die Steuererklärung 2017 hat sich überraschenderweise 😉 die Gesetzeslage geändert und somit auch die Abgabefristen. Ich persönlich halte die Veränderung für positiv, da nun klarer im Gesetz geregelt ist, welche Konsequenzen aus der verspäteten Abgabe der Steuererklärung folgen.

Grundsätzlich wird man zukünftig zur Abgabe der Steuererklärung länger Zeit bekommen, im Gegenzug wird jedoch bei verspäteter Abgabe aus dem „kann ein Verspätungszuschlag vom Finanzamt festgesetzt werden“ ein „muss ein Verspätungszuschlag vom Finanzamt festgesetzt werden“.

Über die Änderungen ab 2017 werde ich ggf. einen gesonderten Artikel verfassen und wünsche Euch zunächst viel Erfolg mit Euren Steuererklärungen, egal ob zum 31.05. oder 31.12. fällig! 🙂

Diese Übersicht ist vereinfacht dargestellt, insbesondere die neue Rechtsprechung, und ersetzt nicht die Beratung im Einzelfall.

© Beitragsbild: webandi | Pixabay.com

9 Kommentare
  1. Louise sagt:

    Fristverlängerungen wurden auch bei meinen Steuererklärungen bereits häufig abgewiesen. Manchmal macht man bei dem Finanzamt aber ausnahmen. Sicher, die Steuererklärung muss in jedem Jahr etwa zur gleichen Zeit abgegeben werden, letztlich kommt es dann aber doch sehr überraschend.

  2. Jo sagt:

    Danke für den informativen Artikel. Im Freundeskreis haben wir neulich gerade diskutiert, was eigentlich bei einer verspäteten Steuererklärung passiert. Ist die Erinnerung an die Abgabe seitens des Finanzamts eigentlich obligatorisch?

    • Sandra sagt:

      Hallo Jo, ich bin keine Fachfrau – weshalb meine Antwort auch nicht bindend ist -, aber nach meinem Wissen ist eine Erinnerung nicht üblich. Wenn Du selbst nicht an Abgabefristen denkst oder die Abgabe durch eine Fristverlängerung schriftlich beantragst, kann es sein, dass das Finanzamt direkt einen Versäumniszuschlag (max. 10% der festgesetzten Steuer und höchstens 25.000 Euro) festsetzt. Das liegt im Ermessen des Finanzamts. Die Festsetzung eines Zuschlags darf nicht erfolgen, wenn die Verspätung erschuldbar erscheint.

    • Sandra sagt:

      Hallo Jasmin, die Steuererklärung für 2017 hätte – nach meinem Wissen – bis zum 31. Mai 2018 abgegeben werden müssen. Es sei denn Du hast schriftlich um eine Fristverlängerung gebeten oder ein Steuerberater kümmert sich darum. Wenn letzteres zu trifft, hast Du bis Ende des Jahres Zeit (31. Dezemeber 2018). Die längere Abgabefrist bis zum 31. Juli des Folgejahres, auf die Du vielleicht in Deiner Frage anspielst, gilt erstmals für Steuererklärungen ab diesem Jahr.

  3. Emmi sagt:

    Die Steuererklärung wird jedes Jahr wieder ein Problem, weil man die Info bekommt, wenn man gerade keine Zeit hat. Allerdings könnte man sich auch eher damit beschäftigen, aber es ist wie mit dem Hausaufgaben machen. Man schiebt sie vor sich her und ärgert sich einen Tag vor der Fälligkeit. Man versucht ja sich zu bessern. Ich ärgere mich immer wieder, wenn ich Post vom Finanzamt bekomme und bin froh, dass sich mein Steuerberater darum kümmert.

  4. Mira Darnow sagt:

    Hallo,
    jedes Jahr das gleiche Dilemma mit der Steuererklärung. Hier wurde bereits über die Abgabefristen diskutiert und gefragt. Aber ist es nicht so, dass nur Selbständige und Verheiratete zur fristgerechten Abgabe der Steuererklärung verpflichtet sind? Ich habe diesbezügliche Erklärungen jedenfalls so in Erinnerung.

    • Sandra sagt:

      Das kann schon sein. FF& richtet sich an selbstständige Frauen und Gründerinnen richtet. Für sie ist es wichtig die Abgabefristen zu kennen. 😉

  5. Kyra sagt:

    Ich finde es verwirrend, dass die Einkommenssteuererklärung jedes Jahr unterschiedliche Abgabefristen hat. Ich bin ohnehin schon nervös genug deswegen. Zum Glück habe ich eine tolle Steuerberaterin.

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