Einige von Euch werden sich vielleicht an den Artikel erinnern, den ich im vergangenen Herbst bei Klartext, dem Online-Magazin von Xing, veröffentlicht habe. Der Titel lautet “Ich will nicht ‘feste Freie’ sein, sondern Unternehmerin” – den habe ich mir übrigens nicht selbst ausgedacht.

In diesem Beitrag beschreibe ich wie ich zur Selbstständigkeit gekommen bin und das für mich das Ende der Fahnenstange mit meiner derzeitigen Tätigkeit als Freiberuflerin noch lange nicht erreicht ist. Im Gegenteil.

Ich möchte meinen selbstständigen Weg weitergehen. Aber perspektivisch nach vorne eben nicht mehr als jemand der von anderen Stunden- oder Tageweise und projektbezogen eingekauft wird. Im Artikel spreche ich davon Solopreneurin zu werden.

Durch die zahlreichen Kommentare und Reaktionen unter dem zum Text, habe ich allerdings gemerkt, dass viele mit dieser Begrifflichkeit und dem dahinter verborgenen unternehmerischen Konzept nichts anfangen können.

So schrieb mir eine Bekannte Folgendes: “Was ist für Dich genau der Unterschied zwischen Freelancer und Solopreneurin? Das Du als Freelancer Deine Stunden verkaufst und keine eigenen Projekte und Produkte entwickeln kannst? Für mich sind das zwei Begriffe für ein und dieselbe Sache. Allerdings abhängig davon wie man sich selber begreift: Nämlich als Dienstleister oder als Unternehmer. Ich nenne mich Freelancer, bin aber in erster Linie Unternehmerin. Verkaufe meine Stunden oder Tage und entwickle gleichzeitig eigene Produkte und Angebote, die ich verkaufe. Das Eine schließt das Andere, für mich zumindest, nicht aus.”

Wo wir direkt beim Thema wären: Jeder Solopreneur ist ein Selbstständiger, aber nicht jeder Selbstständiger ist ein Solopreneur – auch wenn sich das einige wünschen.

Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, habe ich mir “Solopreneur”* von Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg geschnappt und erkläre Euch mit Hilfe des Buches das Konzept hinter dem Solopreneurship.

Das Solopreneurship

Womit meine Bekannte erst einmal nicht Unrecht hatte, ist, “Solopreneurship ist eine Haltung, eine innere Einstellung.” (S. 107)

“Solopreneur zu sein ist auf der einen Seite eine unternehmerische Technik, eine spezielle taktische – durchaus auch zahlenorientierte – Aufstellung. Auf der anderen Seite ist es auch die Suche nach der inneren Balance. Solopreneure bauen ihr Business um ihr Leben herum.” (S. 14)

Es geht als nicht mehr darum “Stunde um Stunde ihrer eigenen Zeit” zu verkaufen, “wie es Freelancer tun”, sondern Solopreneure “entwickeln eigene Produkte, Marken, Angebote.” Hinzu kommt: “Sie ‘skalieren’ online über schlanke Prozesse und steuern ihre smarten Geschäfte ortsunabhängig.” (S. 21)

Brigitte und Ehrenfried schreiben: “Das Geschäftsmodell ist Grundlage des eigenen Lebensmodells. Oder kürzer: Geschäftsmodell ist Lebensmodell.” (S. 14)

Das Ziel ist eine höhere Selbstbestimmung, nicht der “Aufbau eines klassischen Unternehmens.” (S.19) Denn der Solopreneur “arbeitet ohne Angestellte.” (S. 29) Was nicht bedeutet, dass er zwingend alleine ist. Outsourcen ist hier u. a. das Stichwort.

“Das trifft so zunächst auch auf viele Selbstständige zu”, sagen die Conta Grombergs. Was vielleicht auch zu der Verwirrung meiner Bekannten geführt hat. “Selbstständige haben in der Regel keine eigenen Produkte, sondern stecken über Aufträge in den Projekten anderer und sind damit fremdgesteuert.” (S. 29)

Aber was ist denn dann nun ein Solopreneur?

“Solopreneur ist eine Wortneuschöpfung aus den beiden Worten ‘solo’ und ‘Entrepreneurship’, die zunächst einmal schlicht besagt: Ein Entrepreneur, der sein Business alleine (solo) aufbaut.” (S. 28)

Dabei ist es wichtig, dass sie ihre Infrastruktur schlank halten. Solopreneure vermeiden einen “komplizierten Aufbau, Kredite und langlaufende Verträge”. Sie bleiben ortsunabhängig und vernetzen sich “mit flexiblen Komponenten so, dass ihre Prozesse optimal und schlank laufen.” (S. 17)

Solche schlanken Geschäftskonzepte nennen Brigitte und Ehrenfried Smart Business Concepts. Dazu haben sie auch ein Buch geschrieben. Falls Ihr mehr darüber erfahren wollt, schaut mal hier rein.

Viele Solopreneure haben mehrere smarte Konzepte parallel”, wissen die Conta Grombergs. (S. 30)

“Klassische Selbstständige arbeiten dagegen in Job-Strukturen und können ihr Leben zwischen ständig parallel laufenden Kundenprojekten kaum noch wahrnehmen. Sie müssen auf die Termine und Anforderungen der Kunden reagieren. (…) Das Konzept hinter freischaffender Arbeit ist ‘Arbeitszeit gegen Lohn’.” (S. 30f.)

Solopreneur

“Ein Solopreneur kehrt die Auftragslage um. Er wird zum Anbieter eines Produktes oder eines Programms, das viele Kunden buchen können. (…) Plötzlich ist es möglich, dass mehrere Kunden zeitgleich die Lösung in Anspruch nehmen.” (S. 32)

Solopreneur

Ein Beispiel.

Rosemary Stegmann von Rosy Green Wool ist eigentlich studierte Softwareentwicklerin und hat einen Doktor in Informatik. “Als es ihr nicht gelang, zum Stricken eine nichtkratzende Bioschafwolle zu kaufen, änderte sich ihr beruflicher Kurs schlagartig.” (S. 170)

“In ihrem Shop finden sich inzwischen weiche Merinowolle ‘garantiert Bio, fair und gut zum Schaf’ (…). Sie verkauft ihr Sortiment online im eigenen Shop und über ein Netz von Händlern, meist Läden, die der Handmade-Kultur nahe stehen (…).” (S. 170f.)

Anfänglich hat sie noch drei Tage parallel in ihrem alten Beruf gearbeitet, bevor sie den Sprung in die Vollzeitselbstständigkeit wagte.

“Im Moment arbeite ich in unserer Wohnung. Es läuft besser, als ich erwartet habe. (…) Ich möchte trotzdem keinen riesigen Betrieb daraus machen. (…) Es soll eine kleine feine Sache bleiben” wird Rosy von Brigitte und Ehrenfried zitiert.

Was macht Rosy zur Solopreneurin?

Rosy gehört zum Solopreneur-Typ des Produzenten – insgesamt gibt es 5 Typen, die ihr auch in meiner Rezension zu Smart Business Concepts nachlesen könnt.

“Der Maker produziert selbst. Oder lässt sein eigenes Produkt herstellen. Dazu baut er eine Produktionskette auf. Es geht bei Makern um physische Produkte aller Art: Vom elektrischen Gerät bis hin zur Baumwolle.” (S. 75)

“Häufig entwickeln Maker ihre Ideen in ihrem Home Offic oder ihrer Home-Werkstatt und gehen zur Erstellung des Prototypen in einen Maker Space (…).” (S. 76) Wichtig ist, dass der Produzent “sein Produkt skalieren möchte.” (S. 75) – und dabei u. a. auf Komponenten (wie z. B. Shopsysteme) setzt.

Aber, ein Solopreneurship “entsteht nicht durch die Verwendung einer bestimmten Hardware (…)” erläutern die Conta Grombergs. “Es entsteht, wenn folgende Dinge zusammenkommen:

  • ein Geschäftskonzept, das Ihnen ermöglicht zu skalieren
  • eine Tätigkeit, bei der Sie eine hohe Eigenmotivation haben
  • die Nutzung von smarter Technik
  • eine Selbstorganisation, in der Sie Arbeit gut und leicht schaffen
  • stabile Einkommensstränge, die Ihren Lebensstil tragen
  • ein Vermögenskonzept, das Ihnen Stück für Stück das Terrain absichert” (S. 97)

Womit wir wieder bei der Tatsache wären, dass das Geschäftsmodell eines Solopreneurs gleichzeitig das eigene Lebensmodell ist. “Sie wollen viel vom Leben, aber sie wollen es nicht mehr ‘gegen das Leben’.” (S. 19)

Und wie siehts bei Euch aus? Was wollt Ihr?

Vielleicht ebenso wie ich Solopreneurin sein? Dann schaut doch mal in das Buch “Solopreneur”* von Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg rein – auch um auf Ideen zu kommen, wie sich ein Solopreneurship aufbauen lässt.

Oder aber Ihr besucht am 18.11. den Solopreneur Day in Kassel.

*Noch ein kleiner Hinweis: Unsere Empfehlungen enthalten Affiliate-Links des Anbieters Amazon. Wenn Ihr über diese Links z. B. ein Buch kauft, erhalten wir eine kleine Provision.

4 Kommentare
  1. Melina sagt:

    Huhu Sandra! 🙂
    Ich fand das Buch auch sehr gut – habe es allerdings bis heute nicht komplett zuende gelesen. Inhaltlich top, aber ich fand es an vielen Stellen extrem verkopft und die Informationsdichte ist schon gewaltig. Was ich aber richtig gut finde, sind die vielen Case Studies, besonders die von den Gründern des Lederlabels KAVAJ fand ich interessant, weil wir die Produkte selbst hier haben.
    Liebe Grüße aus Lübeck! 🙂

    • Sandra sagt:

      Du hast Recht, im Gegensatz zu manch anderen Büchern wie z. B. auch Smart Business Concepts von den beiden, ist es nicht so flüssig zu lesen. Ich habe es auch mehrere Male aus der Hand gelegt. Da ich mir bei Fachbüchern grundsätzlich Notizen mache, kam ich aber immer wieder gut rein.

      KAVAJ kenne ich als Label nicht und habe auch keine Produkte von denen, da ich versuche Leder zu meiden, aber die Jungs werden sich ganz bestimmt über Deine Empfehlung freuen. 🙂

      Liebste Grüße in den noch höheren Norden! 😀

  2. Anna sagt:

    Hey Sandra, du hast einen tollen Blog!
    Das Buch klingt sehr interessant, das wort Solopreneuer ist mir vorher noch nicht begegnet, du hast mich aber neugierig gemacht. Ich werde das Buch auf jeden Fall lesen.
    Mach weiter so, liebe Grüße
    Anna

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Webseite verwendet Cookies. Stimme der Verwendung von Cookies zu, wenn Du die Webseite weiter nutzt. Mehr Informationen

Für eine uneingeschränkte Nutzung der FF&-Webseite werden Cookies benötigt. Einige dieser Cookies erfordern Deine ausdrückliche Zustimmung. Bitte stimme der Verwendung von Cookies zu, um alle Funktionen der Webseite nutzen zu können. Detaillierte Informationen über den Einsatz von Cookies auf dieser Webseite erhältst Du in unseren Datenschutzbestimmungen.

Schließen