Ich will nicht ‘feste Freie’ sein, sondern Unternehmerin”, so lautet der Titel des Artikels den ich im vergangenen Jahr bei Klartext, dem Online-Magazin von Xing, veröffentlicht habe. Darin beschreibe ich zum Einen meinen Weg in die Selbstständigkeit und zum Anderen wie ich mir meine berufliche Zukunft vorstelle.

Dass ich diese nicht in der Freiberuflichkeit sehe, habe ich schon in einem anderen Beitrag hier auf dem Blog – Endlich frei! Oder nicht? Mein Weg aus der Freelancer-Falle – anklingen lassen. Und auch in dem Xing-Artikel sage ich dazu: “Plötzlich war ich freiberuflich tätig und fand Gefallen daran, auch wenn ich schnell merkte, dass diese Form der Selbstständigkeit mich nicht befriedigte”.

Stattdessen möchte ich unternehmerisch tätig sein – aber nicht im klassischen Sinne. “Solopreneurin möchte ich werden – das ist mir nach zwei Jahren freier Mitarbeit inzwischen klar geworden.”

Diese Form der Selbstständigkeit scheint vielen aber nicht geläufig zu sein, wie die zahlreichen bevormundenden und wertenden Kommentare unter meinem Xing-Artikel zeigen. Am besten gefällt mir übrigens folgende Wortmeldung: “Erst wenn die „jungen Wilden“ (…) eine Kehrtwende machen und das banale Leben wieder annehmen, wird auch Unternehmertum wieder zu einem machbaren Konzept …”

Offensichtlich bin nicht ich es die Aufklärung bedarf, sondern meine Kritiker. Deshalb möchte ich Euch heute gerne ein Buch vorstellen, dass die Selbstständigkeit sehr gut beschreibt, von der ich spreche: Smart Business Concepts* von Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg.

Smart Business Concepts sind Geschäftskonzepte, die die eigene Freiheit erhalten.” (S. 12) “Es geht bei einem Smart Business Concept nicht einfach darum Geld zu verdienen, sondern darum, Geld zu verdienen, dass sich Ihr leben unabhängiger und freier gestaltet.” (S. 24) Oh, Nachtigall ick hör’ dir trapsen: eine “über-romantische Vorstellung” sei das. Dem kann ich entgegenbringen: nur in kleinen undifferenzierten Hirnen.

Leider ist es aber immer noch so, dass Selbstständige, die sich dazu entscheiden “solo zu sein”, oft belächelt werden. “Andere bewerten einen nach den Insignien Firma: Gebäude, Mitarbeiter, Dienstwagen oder in der Start-up-Szene nach der Größe des Teams oder der Höhe der Investorengelder.” (S. 13) Dabei ist das Solopreneurship nur eine andere, neue Form der Selbstständigkeit, die von Brigitte und Ehrenfried nun erstmalig umfassend beschrieben wird. “Das Phänomen dieser neuen Geschäftskonzepte hat vor uns niemand als eigenen Geschäftstyp benannt.” (S. 12)

Smart Business Concepts

Der Appell von den Conta Grombergs lautet deshalb: “Verabschieden Sie sich von alten Bildern. Gerade in Deutschland wachsen wir mit starren Berufsbildern auf: Andere sagen uns, wann wir etwas dürfen. Klassische Berufsbilder verhindern oft, ein Business unkonventionell einfach aufzusetzen.” (S. 43)

Denken Sie anders. Lernen Sie Geschäfte so aufzubauen, dass Sie Prozesse optimal steuern oder aus der Hand geben können. Ihr Business sind die Prozesse, die Sie in Gang setzen.” (S. 55)

Smart Business Concepts

Weiter heißt es: “Wenn Sie ein Smart Business Concept wollen, müssen Sie Prozesse gestalten und dürfen nicht in die Schublade klassischer Lösungen greifen.” (S. 55) Und dabei helfen Brigitte und Ehrenfried in ihrem Buch. Es geht ihnen darum den Leser dazu zu befähigen umsetzbare, smarte Ideen zu entwickeln und erfolgreich zu machen, um damit die eigenen Lebensziele zu erreichen. (S. 18)

Das schaffen sie, indem sie die unterschiedlichen smarten Geschäftsmodelle vorstellen und die Ziele eines Smart Business Concepts herausarbeiten.

Demnach gibt es fünf unterschiedliche Geschäftsmodelle (Produkt-Modell, Sortiments-Modell, Experten-Modell, Service-Modell und Erlebnis-Modell) aus denen sich wiederum unterschiedliche Entrepreneur-Typen ableiten lassen – an manchen Stellen ist die Beschreibung sehr abstrakt, weshalb ich mir mehr konkretere Beispiele zur Veranschaulichung wünschen würde, wie z. B. das eingangs im Buch erwähnte Smart Business Concept von Hasenfarm.

Es geht beim Smart Business Concept um neue Geschäftsmodelle, dabei aber nicht darum, unbedingt eine Branche zu verändern oder innovativ zu sein”, sondern darum “mehr Erfolg zu haben bei gleichzeitig sinkender Arbeitslast. Automatisierte Prozesse sind ein Schlüssel” dazu. (S. 77)

Produkt-Modelle

Dieses Geschäftsmodell sieht vor ein klares, skalierbares Produkt auf den Markt zu bringen.

Hierbei gibt es drei unterschiedliche Varianten: Entweder man vermarktet ein Produkt mit einem klaren Alleinstellungsmerkmal (z. B. die Ärmeldecke The Snuggie) oder man bringt ein Produkt ausschließlich in Großpackungen auf den Markt (z. B. Ratio Drink) oder aber man produziert ein Produkt, das nur halbfertig ist. Dieses White Label können andere dann übernehmen, ggf. anpassen und unter ihrem eigenen Namen verkaufen. (S. 106f)

Sortiments-Modelle

Ziel hierbei ist es “ein hochwertiges, kompaktes Sortiment zusammenzustellen, das in der Zusammenstellung die Mitbewerber schlägt.” (S. 110)

Experten-Modelle

Die Idee hinter den Experten-Geschäftsmodellen ist es, “Wissen skalierbar auf den Markt zu bringen.” (S. 117) Das kann auf fünf unterschiedliche Weisen passieren. Brigitte und Ehrenfried beschreiben die Variante “sich auf ein Fachthema zu spezialisieren und darin zu publizieren” als “einfachsten Weg, Wissensprodukte zu schaffen.” (S. 117) Eine weitere Möglichkeit ist es, als Trainer ein eigenes Programm mit eigenen Materialien zu entwickeln. Achtung: “Wer individuell berät, kann nicht skalieren.” (S. 117)

“Eine in unseren Augen hochinteressante Form, sein Wissen im Internet zu vermarkten, ist das Membership-Portal. (…) Die Programm-Einheiten stehen in der Regel als Video-Clips zur Verfügung, ergänzt mit Download-Angeboten von Checklisten und weiterführenden Links.” (S. 118). Internet – gutes Stichwort. Dadurch ergibt sich eine weitere Geschäftsmöglichkeit, nämlich die des Bloggens. Bis sich diese Form der Selbstständigkeit allerdings finanziell trägt, geht im Normalfall viel Zeit und harte Arbeit ins Land. *hust*

Option Nummer fünf wird wie folgt beschrieben: “Sie erstellen monatlich oder in einer anderen Frequenz einen Report, der so hochwertig ist, dass andere dafür pro Ausgabe bezahlen. In der Regel ist dies ein Branchen-Report.” (S. 119)

Die fünf vorgestellten Experten-Modelle lassen sich laut Brigitte und Ehrenfried untereinander gut kombinieren.

Service-Modelle

Dieses Geschäftsmodell sieht vor, dass man einen gleichförmigen Service skalierbar aufstellt. (S. 120). Als Beispiel werden hier die (Online-)Reisebüros genannt. “Dienstleister sagen, dass es schwer ist, ihre Erfahrung und ihr Fingerspitzengefühl kopierbar zu machen. Spätestens bei den Reisebüros sollte aufgefallen sein, dass viele Vorgänge sehr wohl im Internet automatisiert wurden. Auch in vielen anderen Bereichen ist dies möglich.” (S. 120)

Erlebnis-Modelle

Es gibt drei Varianten an Erlebnis-Modellen, alle eint, dass man “für andere eine gute Atmosphäre, Spannung oder Entspannung” erzeugt. (S. 124) Ein Smart Business Concept ist der Autor. “Als Autor schreiben Sie ein Buch und fesseln damit Ihre Leser.” (S. 124) Ja, der Buchmarkt ist umkämpft. Das räumen auch Brigitte und Ehrenfried ein. Nichtsdestotrotz kann man auch heutzutage durch neue Technologien (E-Books) und die Möglichkeit des Selfpublishing in diesem Bereich erfolgreich sein. Ein Positiv-Beispiel: “Ran an die Buletten!” von Bettina Sturm.

Geschäftsmöglichkeit zwei ist die Erschaffung eines Erlebnisses, wie z. B. das im Buch vorgestellte Heavy-Metal-Festival “70.000 Tons of Metal”. Der Luxusliner Majesty of the Seas wird für mehrere Tage die Bühne für über 40 Heavy Metal Bands und damit Anlaufstelle für mehrere Tausend Fans. Das Event “wird jährlich wiederholt. Es braucht keine eigene Infrastruktur (genutzt wird der Cruiser). Es ist skalierbar: Mit Barge to Hell startete Andy Piller 2012 parallel ‘die härteste Kreuzfahrt der Welt’.” (S. 126)

Statt einem Event, kann man aber auch einen magischen Ort schaffen. Wichtig hierbei ist, bei dem Erlebnis nicht anwesend sein zu müssen. “Der einfachste Weg ist, über magische Orte zu berichten. Das tun Reiseblogger (…)” oder man schafft diesen “magisch schönen Ort” selbst. (S. 127) Brigitte und Ehrenfried schreiben: “Bekannt von uns haben sich in Italien (Ligurien) ein Ferienhaus in bester Lage inmitten hügeliger Olivenhaine gebaut. Zum einen nutzen sie dieses Haus selbst. Den Rest verbuchen sie es online und refinanzieren es damit.” (S. 127)

Sie räumen aber ein, das magische Orte nichts für Anfänger sind. “Wer daran denkt, im Ausland selbst Immobilien zu erwerben, muss Fachwissen mitbringen” (S. 127) Und geben noch den Tipp mit: “Denken Sie beim magischen Ort nicht nur an ‘Reise’. Auch ein Kino kann ein magischer Ort sein. Oder ein Pop-up Café, Pop-up Store oder vielleicht nur ein schöner Garten…” (S. 127)

Ihr seht, es gibt inzwischen zahlreiche Möglichkeiten selbstständig sein Geld zu verdienen – und keine davon entspricht einer “klassischen” Selbstständigkeit.

Meiner Meinung nach ist Vielfalt wichtig. Auch in der Selbstständigkeit. Das ist fast wie mit der Diversität: Jeder nach seiner Façon. Das bringt Bewegung in die gesamte Gesellschaft. Und in der neuen Arbeitswelt brauchen wir die”, schreibt auch Nicole Willnow in ihrem Artikel “Fester Freier, Freelancer, Unternehmer? Egal, Hauptsache selbstständig!

Ich für meinen Teil strebe eine smarte Selbstständigkeit aus mehreren Experten-Modellen an – vielleicht mische ich auch noch ein Erlebnis-Modell drunter. Wie genau meine Selbstständigkeit am Ende aussehen wird, weiß ich auch noch nicht ganz genau. Ihr könnt meinen Weg auf dem Blog aber mitverfolgen. Ich werde Euch auf dem Laufenden halten!

Aber zuvor werft doch mal einen Blick in Smart Business Concepts, nicht nur um einen umfassenden Blick über “neue” Formen der Selbstständigkeit zu gewinnen, sondern auch, um Euch einige Tipps anzuholen. Denn diese finden sich auch im Buch z. B. zu Positionierung und Marketing (ab S. 157), Finanzierung (ab S. 173) oder Zeitmanagement (ab S. 191).

Oder auf Pinterest – in weiteren Buchempfehlungen.

*Noch ein kleiner Hinweis: Meine Empfehlungen enthalten Affiliate-Links des Anbieters Amazon. Wenn Ihr über diese Links z. B. ein Buch kauft, erhalte ich eine kleine Provision.

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