Im vergangenen Herbst habe ich Euch das Buch “Sugar Girls – 20 Frauen und ihr Traum vom eigenen Café” vorgestellt, von dem ich so begeistert war – sowohl inhaltlich, als auch gestalterisch.

Anfang März ist nun ein thematisch ähnliches Werk im Callwey Verlag erschienen, das mir auch dieses Mal wieder als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt wurde. Yippie und D-A-N-K-E! 🙂 Auch an Yvonne, die mich darauf gestoßen hat.

Die Rede ist von “Shop Girls – 28 Frauen und ihr Traum vom eigenen Laden”*. “Ob Concept Store, Blumenladen, Papeterie oder Buchhandlung”, in diesem Buch werdet Ihr viele unterschiedliche Ladengeschäfte, Geschäftskonzepte und Gründerinnen kennen lernen.

Ebenso wie in Sugar Girls gibt es auch in diesem Buch “neben den Erfolgsgeschichten (…) jede Menge Praktisches”.

Einmal: “Stilgeheimnisse, schnelle Partyrezepte und DIYs für Zuhause”.

Aber auch – und dieser Teil ist für Frauen, die mit dem Gedanken spielen, einen eigenen Laden zu eröffnen, besonders spannend: “einen umfangreichen Extrateil (…). Dort verraten unsere Shop Girls die nachhaltigsten Erfolgsgeheimnisse (…)”.

Bevor ich Euch fünf Läden und ihre Gründerinnen vorstelle, ein Lob an die beiden kreativen Köpfe hinter dem Buch, Autorin Tina Schneider-Rading und Fotografin Ulrike Schacht. Auch in Shop Girls steckt wieder viel Liebe zum Detail – in Bild und in Schrift.

Allerdings ist mir auch ein kleiner Unterschied aufgefallen: In den einzelnen Geschichte zu den Gründerinnen liegt der Schwerpunkt diesmal nicht so stark auf dem Thema Selbstständigkeit wie in Sugar Girls, weshalb ich Euch fünf Stories rausgesucht habe, aus denen man am meisten diesbezüglich mitnehmen kann – meine Lieblingsläden sind andere, aber dazu später mehr…

Über das gesamte Buch hinweg, gibt es aber ausreichend darüber zu lernen, was es heißt eine Ladenbesitzerin zu sein.

Diana & Janina Böhm, Besitzerinnen des “Unser Onkel Store” in Karlsruhe

Diana und Janina Böhm

Unser Onkel Store

Das besondere an Diana und Janina? Sie sind Mutter und Tochter und führen gemeinsam ihren Concept Store. “Mit meiner Tochter ein Geschäft zu führen, fühlt sich perfekt an. Wir stehen uns sehr nahe, haben ähnliche Interessen und setzen volles Vertrauen ineinander. Eine bessere Basis kann es gar nicht geben”, sagt Diana.

“Ich bin Grafikdesignerin und hatte jahrelang eine eigene Werbeagentur. Dann gab es nach fast zehn Jahren gemeinsamen Arbeitens Meinungsverschiedenheiten, die zur Trennung von meiner damaligen Geschäftspartnerin führten. Der Neustart mit fast Mitte fünfzig war meine größte Herausforderung”, erzählt sie weiter.

Janina studierte Illustration und Animation; außerdem hat sie 2011 das umweltfreundliche Papeterie-Label Mosaiq gegründet.

Über ihren gemeinsamen Laden sagen sie: “Tatsächlich ist unser Laden nicht in drei Worten zu beschreiben. (…) Die Leute finden hier Dinge, die es sonst nirgendwo gibt.”

Stefanie Marthold, Besitzerin des Edi M. in Nürnberg

Stefanie Marthold

Edi M.

Auch Stefanie ist Inhaberin eines Concept Stores. Auch sie ist nicht allein. Gesellschaft leistet ihr ihre Hündin Edi, nach der auch ihr Laden benannt. ist. Bis es zu dessen Gründung kam, dauerte es allerdings eine Weile.

Die Idee zum Laden hatte ich schon vor fünf Jahren”, verrät Stefanie. “Ich erzählte meinem Vater von meiner Idee (…). Mein Vater ist selbst Unternehmer und weiß, wie hart das Leben als Selbstständiger sein kann, wenn man keinen guten Plan hat. Er machte meine Idee mit drei Sätzen zunichte.”

Stefanie begann daraufhin erst einmal als Store Managerin bei einer amerikanischen Modekette zu arbeiten. “Oft arbeite ich 70 Stunden die Woche (…)” und dennoch blieb genug Raum an den eigenen Laden zu denken. “Ich liebe es frei zu sein (…)” und “auch frei in meinen Entscheidungen” zu sein.

Weshalb sie dann doch noch ihren eigenen Laden eröffnete. “Ich habe in den Jahren bei der Modekette so hart gearbeitet und keinen Urlaub gemacht, dass ich genug Geld für den Start auf der hohen Kante hatte”.

“Für meinen Traum war es Zeit, in Erfüllung zu gehen: Ich schenkte mir zum 30. Geburtstag die Selbstständigkeit” sagt Stefanie.

Als sie ihrem Vater von dem Laden erzählt, war der Mietvertrag längst unterschrieben. “Er sah mich lange an. Dann lächelte er und holte, einen großen, schweren Pappkarton, die jetzt auf meinem Tresen steht” – die hatte Stefanies Vater übrigens schon vor fünf Jahren gekauft. Er hat immer an sie geglaubt.

Yvonne Kuhnert & Jasmin Di Caro, Besitzerinnen von Lilli & Luuk in Soest

Yvonne Kuhnert & Jasmin Di Caro

Lilli & Luuk

Auch bei Yvonne und Jasmin handelt es sich um ein Zweiergespann, dass sich durch ihre etwa gleichaltrigen Söhne kennengelernt haben.

“Ein eigener Laden – mit dem Gedanken habe ich schon lange gespielt. Nur ich war frisch alleinerziehend, mir fehlte das Geld, die Zeit und der Mut”, erzählt Yvonne. Und doch war sie dabei, als ihr Jasmin vorschlug einen Laden zu eröffnen.

Zuerst kritzelten wir unsere Gründungsidee auf einen Zettel, dann reifte das ganze zum eigenen Konzept”, berichtet Yvonne weiter. Als dann ein Ladenlokal in der Altstadt frei wurde, war ihr Schicksal besiegelt.

“Unser Mietvertrag war schnell unterschrieben – und erst danach haben wir es allen erzählt. Wir wollten uns von außen einfach nicht bremsen lassen. Fürs Startkapital legten wir zusammen”.

Was ich so besonders an Yvonnes und Jasmins Geschäftskonzept finde, ist nicht der Verkauf von Produkte für Kinder, sondern die Tatsache, dass beide ihren Laden nur in Teilzeit betreuen. “(…) Im Moment ist der Laden, leger gesagt, nur ein intensives Hobby für uns. (…) Durch unsere Teilzeitjobs bleiben wir sozialversichert, die Verkaufstage teilen wir uns auf, einmal pro Woche kommt eine Aushilfe”.

Sonja Völker, Besitzerin der Herzilein Papeterie in Wien

Sonja Völkel

Herzilein Papeterie

Bevor sie sich Sonja selbstständig machte, arbeitete sie 15 Jahre als Grundschullehrerin. “Nach meinem zweiten Kind machte ich 2005 Schluss mit dem Leben nach Stundenplan” und “zog das Kindermodelabel Herzilein auf”.

Ich eröffnete ohne großes Nachdenken meinen ersten Laden in Wien, dann schnell einen weiteren”, erzählt Sonja. “Alles lief wie am Schnürchen. Zu routiniert, nach meinem Geschmack”. Deshalb eröffnete sie ihre eigene Papeterie. Ein Kinderladen musste weichen.

Dann schloss ein altes Jagdmodengeschäft. “Ich hatte Jahre lang ein Auge drauf geworfen und war überzeugt: Den Laden übernehme ich irgendwann! (…) Er ist einfach wie gemacht für eine zweite Papeterie”.

“Sicher, ich gehe mit den Papeterien ein Risiko ein” sagt Sonja. “Meine Gewinnspanne bleibt überschaubar, auch bei derart hochwertigen Artikeln”. Und dennoch: “Wenn jemand mit einer knallroten Herzilein-Tüte über die Straße rennt (…) rührt mich” das “wahnsinnig. Und gleichzeitig macht es mich unglaublich stolz: Da sehe ich bin erfolgreich. (…) ich habe alles richtig gemacht„.

Valeria Popov & Sarah Neuendorf, Besitzerinnen des Monkind x Greats Schwester Studiostore in Berlin

Valeria Popov und Sarah Neuendorf

Monkind x Gretas Schwester Studiostore

Ganz allein einen Laden zu eröffnen, das wäre für mich keine Option gewesen”, sagt Sarah. Wie gut, dass manchmal der Zufall ins Spiel kommt. “Ich bin freie Illustratorin und schaute mit meinen Glückwunschkarten und Notizbüchern in Valerias Kindermodeladen vorbei”, berichtet Sarah weiter.

Die beiden verstanden sich auf Anhieb. Als Valeria und ihr Mann Stewart dann auf der Suche nach einem Lager waren und Sarah nach Kollegen, auf der Flucht vor dem einsamen Schreibtisch, taten sie sich zusammen.

Allerdings ist so eine Verbindung wie die unsere rechtlich schwierig und eigentlich gar nicht vorgesehen: Valeria und Stewart sind eine ‘Gesellschaft bürgerlichen Rechts’, ich bin selbstständig. Wir saßen vor den Formblättern und dachten: ‘Wir lassen es lieber’”.

Haben sie am Ende zum Glück nicht.

Und weil ich es eingangs versprochen habe, hier noch der Hinweis auf meine beiden Lieblingsläden aus dem Buch – die sich durch meine Vorliebe für Bücher und Blumen begründen lässt.

Das wäre einmal der Blumenladen Goldregen Floral Design von Nina Kleinz in Köln und der Buchladen herr holgersson von Elisabeth Windfelder und Jasmin Marschall in Gau-Algesheim.

Das Besondere an Letzterem: 120 Quadratmeter gestaltet wie eine “individuelle, offene Wohnung für Leseratten (…) mit Wohnbereich, Kinderzimmer, Küchenzeile und großem Esstisch”. Für das Konzept wurden die beiden Inhaberinnen mit dem Deutschen Buchhandelspreis ausgezeichnet.

Lieblingszitate und -tipps

Wo wir gerade bei Lieblingen sind, möchte ich meine Buchempfehlung diesmal auf besondere Weise abschließen. Nämlich mit Zitaten der Gründerinnen, die mir im Gedächtnis geblieben sind, und mit Tipps, die ich besonders wichtig in Bezug auf die Eröffnung eines Ladens finde.

  • “Ich kündigte – und war erleichtert, dieses Korsett endlich los zu sein. Als ich ging, fühlte ich mich, als würde ich losfliegen”. (Franziska Fuchs, Fuchs & Bente)
  • “Eine sehr liebe Beraterin im Arbeitsamt hat mir den Traum vom eigenen Laden, überhaupt von mehr Selbstständigkeit, entlockt. Ich war gerade meinen Teilzeitjob losgeworden”. (Barbara von der Preuss, Lille Dromme)
  • “Als Inhaberin eines Ladens ist man am Anfang gefühlte 24 Stunden im Dienst. (…) Man ist plötzlich alles in einem: Verkäuferin, Beraterin, Stylistin, Managerin, Buchhalterin, Einkäuferin, Reinigungskraft etc.”. (Alexa Müller, 69m²)
  • “Wir sahen keinen Sinn darin, in der gut frequentierten Schanzanlage den Laden einen Tag geschlossen zu lassen. Wir finden es sehr wichtig, uns auch Ruhepausen zu gönnen, um kreativ zu bleiben. Deshalb arbeiten in beiden Läden zwei Tage Aushilfen im Verkauf”. (Coco Turtureanu und Lily Sielaff, Jewelberry)
  • “Schau, dass du dich nicht in der Arbeit verlierst. Gönn dir Ruhe und sei nicht zu hart zu dir selbst. Wenn du Kinder hast, weißt du ohnehin, dass nicht jeder Tag so endet wie du ihn geplant hast”. (Carolin Akstinat und Kathrin Radermacher, Grünblaugrau Intérieur)
  • “Sieh zu, dass du im Oktober eröffnest. Dann ist die Sommerflaute vorbei und du hast genug Zeit, fürs Weihnachtsgeschäft zu trainieren. Denn der Monat Dezember ist im Einzelhandel Hardcore für alle”. (Bente Oelkers, Fuchs & Bente)
  • “Was ich in letzter Zeit oft vermisse, ist Wertschätzung: Kaum jemand ist bewusst, wie viel Arbeit und wie viel Herzblut in so einem Dirndl steckt”. (Christina Kronawinter, Mein Herzblut) Fehlende Wertschätzung ist ein Problem, dass sich nicht nur auf die Herstellung von Dirndl bezieht, sondern sich auch auf andere Bereiche erstreckt.

Falls Euch das Thema Gründen interessiert, schaut doch mal auf Pinterest vorbei!

*Noch ein kleiner Hinweis: Meine Empfehlungen enthalten Affiliate-Links des Anbieters Amazon. Wenn Ihr über diese Links z. B. ein Buch kauft, erhalte ich eine kleine Provision.

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