„Selbstständig. Das heißt ‚selbst‘ und ‚ständig‘.“ 

Vor ein paar Tagen wurde mir dieser Spruch mal wieder irgendwo um die Ohren gehauen und ich kam ins Grübeln, wie viel Wahres da wohl dran sei. Klar – man muss sich plötzlich nicht nur um den Job kümmern, sondern auch um den Papierkram und die Kundenakquise. Trotzdem heißt bei mir selbstständig zwar ‚selbst‘, aber nicht ‚ständig‘. Und das war auch einer der Gründe, warum ich mich entschied, freiberuflich zu arbeiten: Um mir meine FREIzeit noch freier einteilen zu können. Und es klappt: Seitdem ich freiberuflich arbeite, habe ich mehr Zeit für coole Sachen (z. B. freie bzw. unbezahlte Projekte… bei anderen wäre es vielleicht Sport…), die mir Spaß machen. Aber klar, ich weiß, dass ich in dem Punkt nicht alle Selbstständigen über einen Kamm scheren kann. Wenn ich beispielsweise ein Café oder einen Laden eröffne, sieht das mit der Flexibilität (zumindest anfangs, bevor man sich Mitarbeiter leisten kann) ganz anders aus. Wenn ich ein eigenes Produkt ins Leben rufe, dann will ich natürlich alles reinbuttern und arbeite so hart und mit Leidenschaft dafür, dass ich die Welt um mich herum komplett ausschalte und nicht mitbekomme, dass ich eigentlich vor drei Stunden schon mal hätte Richtung Feierabend ziehen sollen.

Nichtsdestotrotz kenne ich genug Leute, die fest angestellt arbeiten und trotzdem rund um die Uhr buckeln. Wie viel man arbeitet, hat also nichts mit der Form der Beschäftigung zu tun, sondern mit einem selbst und den Freiheiten, die man sich nimmt.

In diesem Sinne hier ein paar meiner Methoden, um dem „Ständig“ einen Strich durch die Rechnung zu machen:

Feierabend

Das klingt jetzt platt, aber eine Ende zu finden und den Laptop zuzuklappen (und zuzulassen) ist ja meist schon eine Kunst. Ist man an der einen Ecke fertig, fällt einem an der anderen wieder was ein. Also kurz noch ein halbes Stündchen hier, ein halbes Stündchen da. Zwischendurch landet dann eine Mail im Eingang, die man ja auch noch schnell abhaken könnte. Und plötzlich ist es so spät, dass man eigentlich direkt ins Bett gehen kann.
Um das zu ändern, einfach eine Uhrzeit festlegen und dann abschalten – selber und den Laptop.

Genug Kohle verlangen

Etwas, dass ich auch relativ früh bemerkt habe: Das Honorar sollte natürlich ordentlich kalkuliert sein, damit man sich nicht total abrackern muss, um am Ende über die Runden zu kommen. Wenn man zu wenig verlangt, muss man natürlich auch viel mehr arbeiten, um das nötige Geld einzunehmen. Wie man seinen Satz ermittelt, haben wir Euch hier schon mal geschrieben. Also ran an den Speck 🙂

„Available“ rund um die Uhr

Ich bekomme meine Mails nicht aufs Handy und gehe zu bestimmten Uhrzeiten nicht ans Telefon. Das Witzige ist, dass die meisten Leute das so von mir gewohnt sind und sich deshalb nicht darüber beschweren.
Lernt man den Leuten allerdings erstmal, dass man immer rangeht und immer sofort antwortet, dann wird das auch erwartet und die Empörung ist groß, wenn man mal nicht „available“ ist. Man kann sich seine Kunden auch erziehen… Also direkt mal überlegen, wie am besten 🙂

Produktive Zeiten nutzen

Selbst wenn ich am Tag über die acht Stunden hinaus arbeiten könnte, würde mir das nichts bringen, da ich selbst weiß, dass ich so lange nicht produktiv sein kann. Das kommt natürlich darauf an, was genau man macht. Aber wenn es z. B. darum geht, kreativ zu werden und zu brainstormen, dann passiert da nach einer gewissen Zeit nichts mehr. Genauso ist es mit Dingen, die man einfach stupide abarbeiten kann. Mache ich manchmal ziemlich gerne, weil man den Kopf nicht wirklich braucht, aber nach ein paar Stunden fällt mir die Decke auf den Kopf. Ich nutze lieber meine fünf produktiven Stunde effektiv, als dass ich zehn Stunden arbeite, davon aber die Hälfte ohne Ergebnisse rumkleckere.

Ablenkung

Ich habe hier ja schon mal geschrieben, was mich alles so von der Arbeit abhalten kann. Wenn ich mich zwischendurch also immer wieder mal ausklinke, danach neu reinkommen muss, zieht sich der Tag wie ein Kaugummi in die Länge. Deshalb habe ich angefangen mir Limits zu setzen à la „Du guckst erst wieder aufs Handy, wenn du dieses und jenes geschafft hast“ (bis dahin wird das Handy in ein anderes Zimmer gepackt), „Raus geht es heute erst ab 15 Uhr“ usw. Man schafft einfach mehr und setzt sich ganz klar eine Zeit, zu der man abschalten „darf“ – eigentlich ein Belohnungsprinzip, bei dem ich mir selber die Drops zuschmeiße 😉

Ich würde mich natürlich auch freuen, wenn Ihr uns in den Kommentaren kurz schreibt, wie das bei Euch aussieht: Heißt „selbstständig” wirklich „selbst” und „ständig”?

© Beitragsbild: Pexels

4 Kommentare
  1. Wiebke sagt:

    Das „ständig“ in selbstständig kommt bei mir von auf eigenen Füßen „stehen“.
    Wer sich als „selbst“ & „ständig“ bezeichnet kling für mich resigniert & nicht glücklich mit der eigenen Situation.
    Ganz gruselig finde ich es, wenn ich diese Selbstbeschreibung in Twitter-Profilen oder auf xing sehe.
    Gute Tipps fürs die Balance hast du da zusammengestellt.

    • Sophie sagt:

      Liebe Wiebke. Sorry, dass ich erst jetzt auf deinen Kommentar antworte, aber ich war etwas unterwegs in den letzten Tagen. Ich finde deine Sicht auf den Begriff „selbstständig“ super! Das werde ich ab jetzt auch allen sagen, die mir mit diesem „selbst“ & „ständig“-Spruch kommen 😉 Also vielen Dank dafür!

  2. Jana sagt:

    Den Satz hab ich in meinem Leben auch schon oft von Selbstständigen gehört. Und ich finde ihn so falsch. Natürlich kommt es auf die Branche an, aber ich denke eben auch, dass man sich seine Kunden „erzieht“.
    Wer sich selbst weder Pausen, noch Feierabend oder Wochenende setzt, wird langfristig bestimmt nicht glücklich mit seiner Selbstständigkeit.
    Ich arbeite momentan neben meinem Studium als Freiberuflerin oder sehe schon da, wie wichtig es ist, Privat und Geschäftlich zu trennen. Auf E-Mails antworte ich deswegen auch nicht mehr mal eben zwischendurch, sondern nur, wenn der Timer läuft.

    Beste Grüße,
    Jana

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