Vor nicht allzu langer Zeit habe ich hier auf dem Blog eine Rezension zu “Sugar Girls – 20 Frauen und ihr Traum vom eigenen Café” geschrieben – und mich mit der Co-Autorin Jana Henschel auf einen Kaffee in der Mittagspause getroffen, um noch ihre Stimme zum Projekt einzuholen.

Kürzlich dann, wurde ich auf ein weiteres Buch aufmerksam, dass inhaltlich in eine ähnliche Richtung geht: Ran an die Buletten!* von Bettina Sturm.

In Ran an die Buletten! erzählen zehn Existenzgründer aus dem Food-, Beverage- und Gastrobereich “ihre Erfolgsgeschichte und wie sie aus ihrer Begeisterung für das Essen und Trinken ein erfolgreiches Business gestartet haben”. Alle haben eins gemeinsam: sie sind Quereinsteiger, die vorher in anderen Berufen tätig waren.

“Die zehn Münchner Gründer haben in unterschiedlichen Lebensphasen gegründet: Manche im Studium oder nach dem Abschluss ihres Studiums. Andere nach einigen Jahren der Berufserfahrung”. (S. 13)

Solche (Lebens-)Geschichten mag ich besonders gern, weshalb ich Bettina um ein Rezensionsexemplar gebeten habe.

Sie schickte es mir postwendend zu – mit einer süßen Widmung: “Liebe Sandra, ich hoffe, mein Herzensprojekt gefällt Dir (…) Auf dass der Mutmacher wirkt!” Denn das soll das Buch sein: ein “Geschenk für zukünftige Gründer” wie Stefanie Rothenhöfer, Gründerin des Food Entrepreneur Clubs in Berlin, in ihrem Vorwort bemerkt.

Bettina selbst sagt, dass sie den Leser mit ihrem Buch “ermutigen möchte, die eigene Liebe für das Essen und Trinken wichtig zu nehmen”. (S. 9) Sie möchte Einblick geben, “was es für unterschiedliche Businessmodelle in diesen Branchen gibt und was bei der Gründung so alles auf einen zukommt”. (S. 13)

Neben den Gründerinterviews geben “erfahrene Berater aus dem Food- und Gastro-Business” im zweiten Teil des Buches “Tipps zu Knackpunkten bei der Existenzgründung” (S. 109). Hier werden Themen wie die Unternehmerpersönlichkeit, die Geschäftsidee, die Finanzierung und das Marketing angerissen.

Diese Seiten könnten für meinen Geschmack praxisorientierter sein. Die Tipps, die ich dazu im Vergleich in Sugar Girls bekomme, sind handfester – und sind für angehende Gründer aus meiner Sicht hilfreicher. Deshalb spare ich diesen Part in meiner Rezension aus und konzentriere mich ganz auf die Interviews. Wobei zu sagen ist, dass der Abschnitt über das Crowdfunding durchaus lesenswert ist.

Die zehn interviewten Existenzgründer berichten “von ihrem Magic Moment über Meilensteine, Finanzierung und Turbulenzen bis hin zu ihren Zukunftsplänen. Sie zeigen, was die größte Herausforderung auf dem Weg zum Ziel waren und wie sie diese meisterten”. (S. 9)

Bettina hat sowohl Gründer, als auch Gründerinnen interviewt; sie hat mit Gründer-Teams und Einzelunternehmern gesprochen und dabei darauf geachtet, dass wirklich die unterschiedlichsten Geschäftsmodelle vorgestellt werden – von der Kaffeerösterei über einen Gourmet-Online-Versand bis hin zur Tagesbar.

Ich habe mir exemplarisch drei Interviews rausgesucht – natürlich mit Gründerinnen. 😉

Isabelle Heuer, “Die intolerante Isi

"Die Intolerante Isi" in Ran an die Buletten

Isabelle ist Mediendesignerin und ausgebildete Kauffrau für Marketingkommunikation. Nach einer berufliche Auszeit Anfang 2013 kündigte sie zum Ende des Jahres ihren Job und machte sich mit einem Foodtruck, in dem sie Essen für Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie Laktose- und Glutenintoleranz anbietet, selbstständig.

Wenn ich scheitere, kann ich immer noch wieder zurück in meinen Ausbildungsberuf gehen”, sagt Isabelle. (S. 21) Und weiter: “Ich kündigte meinen Agenturjob zum Jahresende 2013. Ich wollte nicht noch weitere 30 Jahre arbeiten und dann denken: Ach, hätte ich das damals doch gemacht”. (S. 23)

An der Idee zu ihrem Foodtruck-Business feilte Isabelle schon während ihrer Festanstellung. Doch auch alle Vorbereitung und Planung half nicht immer. So musste sie schnell feststellen: “In Deutschland kannst du dich nicht einfach irgendwo hinstellen mit deinem Truck. Du brauchst entweder eine Sondergenehmigung der Stadt (…) oder eine Genehmigung der Firma, bei der du den Truck platzieren willst”. (S. 23) Auch der Verkauf von süßen Köstlichkeiten war nicht ohne weiteres möglich: “Wer im öffentlichen Raum Backwaren verkaufen will, der muss eine Konditorenprüfung ablegen”. (S. 24) Diese Ausbildung dauert normalerweise drei Jahre und kostet mehr als 1.000€ – im Interview findet sich der Hinweis, dass man als anerkannter Härtefall die Ausbildungszeit verkürzen kann.

Nicht jeder in Isabelles Umfeld war von ihrem Vorhaben einen Foodtruck zu besitzen überzeugt. So musste sie sich mit Fragen wie “Wieso gehst du von deinem tollen Bürojob jetzt in die Küche?” auseinandersetzen.

Das war hart für Isabelle, weshalb ihr erster Tipp an angehende Gründer ist, sich Rückhalt zu suchen. “Denn ohne Familie und Freunde, die hinter einem stehen, geht es nicht!” (S. 26) Ihr zweiter Tipp lautet: Dem eigenen Konzept treu zu bleiben, aber dabei offen für Veränderungen zu sein. Außerdem rät sie Mut und Durchhaltevermögen zu haben. “Wer sich was aufbauen will, muss dranbleiben”, so Isabelle. (S. 26)

Katharina Mayer und Katrin Blaschke, “.kuchentratsch

".kuchentratsch" in Ran an die Buletten

Leser der ersten Stunde unseres Blogs werden diese beiden Frauen bekannt vorkommen, zählen Katharina und Katrin von .kuchentratsch doch zu unseren ersten Interviewpartnerinnen auf diesem Blog. Auch Bettina haben sie in einem Interview Rede und Antwort gestanden. Das Besondere an ihrem Unternehmen: “Wir sind ein Social-Startup. Der Kunde bekommt einen leckeren, mit nachhaltigen Zutaten gebackenen Kuchen und trägt dazu bei, dass sich die Senioren etwas zur Rente dazuverdienen können”. (S. 30)

Wir wollen zeigen, dass sich ein soziales gesellschaftliches Problem mit einem wirtschaftlich funktionierenden Unternehmen lösen lässt”. (S. 34) Der Erfolg gibt den beiden Recht. “Für ihr tolles Konzept haben die zwei inzwischen schon mehrere Preise gewonnen, zuletzt den Sonderpreis der Stadtsparkasse München”, schreibt Bettina. (S. 34)

Aber auch der Start von Katharina und Katrin in die Selbstständigkeit gestaltete sich nicht ohne Probleme. So wurde den beiden ein Bankkredit wegen fehlendem Eigenkapital abgelehnt (S. 31f.) Auch die Konditorenprüfung musste abgelegt werden. “Wer öffentlich Kuchen herstellen und verkaufen will, benötigt als Betreiber die Konditorenprüfung. Wir beantragten eine Ausnahmegenehmigung bei der Konditoreninnung für eine verkürzte Ausbildung. Wir bekamen grünes Licht und Katrin legte diese Prüfung ab”. (S. 31)

Sie handelten getreu ihres ersten Tipps an angehende Gründer: “Durchhalten und weitermachen, denn es gibt immer Momente, wo du das Gefühl hast es geht nicht voran”. (S. 34) Des weiteren betonen sie, dass man Spaß an dem haben sollte, was man macht. “Du solltest jeden Morgen gerne aufstehen, um an deiner Idee weiterzuarbeiten”. (S. 35) Und ein weiterer Tipp der beiden lautet – der erscheint mir von besonderer Wichtigkeit: “(…) im Gastrobereich gibt es einige Vorschriften, die du gewissenhaft und sorgfältig einhalten solltest”. Nichts für schludrige Menschen.

Davina Goldammer-Utz, “True & 12

"True & 12" in Ran an die Buletten

Davina ist in Australien geboren, studierte Soziologie und Ethik in den USA und machte ihren Master in Internationalen Beziehungen in England. Bevor sie im Jahr 2014 mit ihrem Mann nach München kam, um ihre Eismanufaktur zu eröffnen, arbeite sie in Zürich als Program Managerin für eine Business School.

Sich als Ausländer in Deutschland selbstständig zu machen war nicht immer nur ein “Eisschlecken”. Die beiden erlebten heftige Turbulenzen, kriegten die Kurve und heben jetzt mit ihrem ehrlichen Eis ab”, schreibt Bettina in der Einleitung zum Interview mit Davina und ihrem Mann Rony, der übrigens Südamerikaner ist. (S. 89)

Sowohl die Finanzierung ihrer Eismanufaktur (“Als Ausländer ohne eine Kredithistorie bekommst du von keiner Bank in Deutschland ein Darlehen”, S. 93), als auch die passende Location zu finden, gestalteten sich schwierig. “Die meisten Immobilienmakler nahmen uns und unser Konzept nicht ernst”. (S. 91)

Davon ließen sich Davina und Rony aber nicht aufhalten. “Im Mai 2014 eröffneten sie ihre Eismanufaktur True & 12” (S. 89), in der sie nun handgemachte Eiscreme verkaufen. Jeden Tag 12 Sorten – daher auch der Name. Mittlerweile gehören sie zu den Top-10-Eisdielen in München.

Ihr Rat an Gründer: “Wenn du dich in der Gastronomie selbstständig machen willst, stelle dich auf heftigen Gegenwind aus deinem Freundes- und Bekanntenkreis ein. Sie werden dich für verrückt halten. Dich fragen, ob du in einer Midlife-Crisis steckst. (…) Halte die immer vor Augen, warum du das machst. Denn: “Doubt kills more dreams than failure ever will”. (S. 95) Und: “Mache mindestens ein bis zwei Stunden täglich etwas für dich. Denn du bist das wichtigste Kapital für dein Business”. (S. 96)

In den (anderen) Interviews findet Ihr viele weitere hilfreiche Tipps – auch zwischen den Zeilen. Meine Top-10-Learnings, die übrigens nicht ausschließlich für Food-, Beverage- und Gastro-Gründer relevant sind, habe ich Euch nachfolgend zusammengestellt:

  • Man sollte im Gründungsprozess das Geld zusammenhalten, da es zu unverhofften Ausgaben kommen kann. Aber: Spart nicht am falschen Ende!
  • Es gibt viele Möglichkeiten seine Idee zu finanzieren. Wenn eine nicht klappt, lasst Euch davon nicht abbringen, versucht über andere Wege an das benötigte Startkapital zu kommen.
  • Ein Gastro-Business ist nur schwer planbar. “Ich mache zehn Sandwiches: Vielleicht gehen die raus, vielleicht schmeiße ich abends auch acht weg” – Katrin Große und Dr. Tatjana Reichhart von Kitchen2Soul
  • Habt einen Backup-Plan, sowohl für die Umsetzung Eurer Idee als auch in Bezug auf Eure Personalplanung. “Personalengpässe sind ein Dauerthema. Eine konstante Personalplanung ist einfach schwierig zu erreichen” – Melanie Schüle, Mels Feine Kost
    Denk daran, auch Ihr seid nicht vor Krankheiten gewappnet.
  • Nicht jeder unterstützt Eure Idee.
  • Lerne von den Profis. “Kein Quereinstieg ohne vorherige Berufserfahrung in dem Bereich und unbedingt bei den Profis lernen” – Melanie Schüle, Mels Feine Kost
  • Und: Fragt andere, insbesondere Leute, die in Eurer Branche bereits erfolgreich sind, nach ihre Tipps und Learnings.
  • Ihr müsst sehr viel Zeit in den Aufbau Eures Business investieren. “Und dann wissen wir auch, wofür wir 15 Stunden am Tag arbeiten” – Davina Goldammer-Utz, True & 12
  • “Pacht mal acht gleich Umsatz; innerhalb von drei Tagen den Umsatz machen, der die Monatsmiete zahlt” – Peter Schlögl, Mahlefitz
  • Medienpräsenz ist wichtig und sollte als Erfolgsfaktor nicht unterschätzt werden. “Ohne Medienpräsenz ist es schwieriger. Dann brauche ich andere Maßnahmen, um meine Sichtbarkeit zu steigern” – Benedikt Müller, Ehrlich & Fein

Wenn man bedenkt, dass “10% aller Gastronomie-Gründungen scheitern” und rund “70% aller Gastronomie-Startups nach zwei Jahren schließen” (S. 129), sind die Tipps, die sich in Bettinas Buch Ran an die Buletten! finden Gold wert.

Wenn auch Ihr ein Café oder Restaurant eröffnen wollt, ein Bier brauen oder einen Likör produzieren wollt, empfehle ich Euch in jedem Fall ein Blick ins Buch – es lohnt sich! Oder um es mit Bettinas Worten abschließend zu sagen: “Lass dich inspirieren und: Mach auch du deinen Traum wahr!”

*Noch ein kleiner Hinweis: Meine Empfehlungen enthalten Affiliate-Links des Anbieters Amazon. Wenn Ihr über diese Links z. B. ein Buch kauft, erhalte ich eine kleine Provision.

2 Kommentare
  1. Kristin sagt:

    Super interessante Tipps, danke! Auch wenn ich nicht im Food-Bereich gründen will lässt sich davon doch sehr vieles auf andere Branchen ableiten.
    Vielen Dank für so eine umfangreiche Rezension mit interessanten Fraunen und so tollem Mehrwert <3
    Liebste Grüße, Kristin

    • Sandra sagt:

      Freut mich, dass Dir die Rezension einen Mehrwert bringt – im Buch verstecken sich noch allerhand weitere Tipps! 🙂 Liebe Grüße, Sandra

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