Mitte des letzten Jahres ist eine Studie der Universität Mannheim erschienen, in der die Professorin Alexandra Niessen-Rünzi dem Verhältnis von Frauen zur Karriere nachgegangen ist. Das Ergebnis ihrer Studie: Vorbilder stärken Frauen. Zwar wurde die Studie primär mit dem Hintergrund von Frauen in Führungspositionen (in einer Festanstellung) durchgeführt, dennoch bleibt die Aussage dieselbe und wird auch von anderen wissenschaftlichen Untersuchungen gestützt.

Die Menschen glauben den Augen mehr, als den Ohren. Lehren sind ein langweiliger Weg, Vorbilder ein kurzer, der schnell zum Ziel führt“, sagte einst der römische Philosoph Lucius Annaeus Seneca. Er hat Recht. Auch ich lasse mich gerne von anderen, selbstständigen Frauen und ihren Geschichten inspirieren – und motivieren.

Stephanie Feyerabend geht es genauso: „Die Erlebnisse der Unternehmerinnen haben mir (…) Mut gemacht (…)“. Und zwar dann, als es in ihrer Selbstständigkeit nicht so gut lief. „Ich sah: (…) Ich stehe nicht alleine da mit meinen Sorgen und Nöten. Nein, auch anderen geht es so!“

Ein Beweggrund ihr Buch „Alles geben – nur nicht auf! Mutmach-Geschichten von Unternehmerinnen für Unternehmerinnen“* herauszugeben. „Es gibt so viele von uns – Wir reiben uns auf und geben alles und das wird alles nicht gesehen“, schreibt Stephanie. „Diese Buch will zeigen, was wir Unternehmerinnen alles erschaffen, unter dem Motto: ‚Schaut euch das mal an! So – jetzt wisst ihr Bescheid‘.“

Deshalb hat sie 27 selbstständige Frauen gebeten ihre Geschichte aufzuschreiben – ganz mutig und uneitel; zu gemachten Fehlern stehend. Alle Autorinnen zeigen sich mal nicht nur von der Schokoladenseite, sondern lassen die Leser*innen an ihren Erfahrungen teilhaben und geben „wertvolle Informationen, Anregungen, Empfehlungen und auch Warnungen mit auf den Weg“. Ein Grund warum ich dieses Buch so schätze.

Es sind ehrliche Erfahrungsberichte; Geschichten vom Hinfallen und wieder aufstehen. Getreu dem Motto: „Wenn Dir das Leben eine Zitrone gibt, mach Limonade draus“ – dieser Spruch war offenbar auch Inspiration für die Gestaltung des Buchcovers.

Um Euch einen besseren Eindruck vom Buch zu geben, dessen Lektüre ich Euch ans Herz lege, habe ich fünf Frauen ausgewählt, deren Geschichte ich Euch nun vorstelle – wie im Buch alphabetisch nach Nachnamen geordnet. Es sind die Stories, die mich am meisten berührt haben, mit denen ich mich identifizieren und aus welchen ich am meisten lernen konnte.

Beginnen werde ich mit der Herausgeberin des Buches.

Stephanie Feyerabend

Stephanie Freytag in "Alles geben – nur nicht auf!"
Stephanie war DTP-Setzerin in einem Vorstufenbetrieb, als sie sich für die Ausbildung zur Druck- und Medientechnikerin in Stuttgart entschied. Diese schloss sie 2002 erfolgreich ab und erhielt im Nachgang eine gut bezahlte Stelle als Teamleiterin. Nicht lange, denn nach einem dreiviertel Jahr wurden alle Teamleiter entlassen. „Auf der erfolglosen Suche nach einer neuen Anstellung reifte mein Plan, mich selbstständig zu machen“, so Stephanie. Dafür ging sie zurück nach NRW, um an einem Existenzgründerseminar für Arbeitslose teilzunehmen. Parallel begab sie sich auf Wohnungssuche für sich und ihren ersten Mann. „Denn sobald er in einem Jahr seine Technikerschule abgeschlossen hätte, wollten wir gemeinsam in Nordrhein-Westfalen wieder Fuß fassen“, berichtet Stephanie. Soweit kam es nie, denn wie sich herausstellte hatte dieser eine Geliebte – und kein Interesse an einer gemeinsamen Zukunft. „Ich schüttelte mich, raffte mich auf und führte mein Existenzgründerseminar zu Ende. Ich nahm Kontakt zu einem früheren Arbeitgeber auf und bekam dort meine ersten Aufträge als Freelancer“.

Drei Jahre später, brachen die Umsätze ein. „Der Anruf eines früheren Kollegen kam daher gerade recht. Ein Verlag (…) suchte einen Hersteller. Natürlich nahm ich den Job an (…)“, so Stephanie. Da der Verlag aber 50km von ihrem Zuhause entfernt lag, stieß sie schnell an ihre Grenzen. Als sie dann von einer Druckerei eine Halbtagsstelle angeboten bekam, griff Stephanie zu. „Leider entpuppte sich auch diese Entscheidung als doch nicht so perfekt. Die Geschäftsführung machte viele Fehler (…) und musste schlussendlich Insolvenz anmelden“. Nach weiteren beruflichen Irrwegen landete Stephanie dort, wo sie nun ist. „Ich kämpfte weiter (…)“ und bin „seit dem ersten Oktober 2015 stolze Inhabern des Unternehmens. Ich verkaufe hochwertiges Werbe- und Marketingmaterial an aktive Bestattungsunternehmen“. Und sie macht noch vieles mehr, wie z. B. Mutmach-Geschichten veröffentlichen. 😉

Ajana Holz

Ajana Holz in "Alles geben – nur nicht auf!"

Die Idee für ihr jetziges Unternehmen kam Ajana 1995, im Garten ihrer Freundin und späteren Mitgründerin Brigitte. „Ich war sofort Feuer und Flamme und wusste tief im Innersten schon damals: ‚Das ist meine Bestimmung, meine Aufgabe hier‘“, blickt Ajana zurück. Doch es kam erst einmal alles anders. Denn Ajana wurde schwer krank und konnte dem Tod gerade noch von der Schippe springen. Nachdem sie sich von diesem schweren Schicksalsschlag erholt und einige Dinge in ihrem Privatleben geklärt und neustrukturiert hatte, ging es an die Umsetzung ihrer Idee – „Hebammenarbeit“ für die Toten. 4 Jahre lang sollte es bis zur Gründung dauern. Nach dem Praktika bei einer Bestatterin, einer Existenzgründungsberatung und viel Recherchearbeit wurde DIE BARKE am 31. Oktober 1999 gegründet.

„Seitdem fahren wir – wirklich! – überallhin in Deutschland, um zu begleiten und die gesamte Bestattung ganz individuell zu organisieren. Wir sind das einzig mobile Bestattungsunternehmen in Deutschland (…)“, schreibt Ajana. „Nach fünf Jahren war der Bankkredit vollständig zurückbezahlt und in den darauffolgenden Jahren auch alle Privatdarlehen. (…) Nach den ersten drei Jahren hat meine damalige Partnerin einen neuen Lebensweg gewählt. Das war noch einmal besonders hart, denn nun war ich einige Jahre allein verantwortliche Geschäftsinhaberin.“ Aber auch diese Herausforderung hat Ajana gemeistert. Seit 2009 hat sie eine neue Geschäftspartnerin. „Mittlerweile arbeiten drei Frauen hauptberuflich in der BARKE und können davon leben. (…) Daneben gibt es noch unsere langjährige Buchhalterin und einige freie Mitarbeiterinnen“, so Ajana.

Ute Nimsgarn

Uta Nimsgarn in "Alles geben – nur nicht auf!"

Uta erzählt: „Ich war bei einer Bank angestellt, seit viele Jahren in Teilzeit, hatte im In- und Ausland gearbeitet, hatte dort wirklich interessante Kunden, liebte alles was mit Geld zu tun hatte (…)“ – und dennoch war sie unglücklich. Weshalb die Idee zu einem zweiten Standbein, dem Verkauf von Kosmetik, entstand. Daraus wurde allerdings nichts. Stattdessen machte Uta eine Coaching-Ausbildung. „Ich hatte zu der Zeit einen großen Bauchladen mit Themen, weil ich noch keine Ahnung hatte, was wirklich mein inneres Licht ist, was mich besonders macht. Beziehungstraining. Kommunikation zwischen Mann und Frau. Glückstraining für Frauen…“, so Uta.

Uta suchte sich Hilfe, ließ sich coachen und fand ihr inneres Licht: „Frauen darin zu unterstützen, dass sie mehr Geld verdienen. Frauen aus ihrem Mangelbewusstsein herauszuholen, damit sie wirklich strahlen können.“ Heute ist Uta als Geld-Coachin erfolgreich.

Und wo ist das große Scheitern, fragt Ihr Euch?

Ein ähnlich einschneidendes Erlebnis wie bei Ajana gibt es nicht, allerdings ist Uta ein ums andere Mal an ihren Glaubenssätzen gescheitert bzw. haben diese sie aufgehalten. Weshalb sie ihre Geschichte anhand dieser im Buch erzählt:

  • Alle kennen ihren Lebenssinn und ihre besondere Gabe. Nur ich nicht.
  • Hilfe, was ist, wenn mich jemand sieht?
  • Erst wenn ich genug mit meiner Selbstständigkeit verdiene, kündige ich.
  • Dafür bezahlt mich doch keiner. Das weiß doch jeder…
  • Wenn ich nicht perfekt bin, kann ich es doch niemandem beibringen.

Na, wem kommen diese Gedanken bekannt vor?

Gudrun Queitsch

Gudrun Queitsch in "Alles geben – nur nicht auf!&quot

„Ich arbeitete zuletzt fest angestellt in einem Betrieb für berufliche Rehabilitation und war dort nicht unglücklich“, erzählt Gudrun, „Aber es war auch klar, dass irgendwann eine richtig große Veränderung anstehen würde. Eine gewisse Unruhe breite sich in mir aus (…). Ich beschloss, mir Zeit für Klärungen zu schenken. Alleine startete ich zu einer zehntägigen Wanderung quer durch die Dolomiten“. Eine Pilgerreise zu ihren Träumen, wie es Gudrun rückblickend beschreibt. „Nur wenige Monate nach meiner Wanderschaft war mir klar, dass ich mich als Reiseveranstalterin für Wanderreisen selbstständig machen und versuchen wollte, meine Leidenschaft für das Trekking mehr nachzugehen.“

Gudrun stieg aus ihrem alten Job aus, arbeitete für die Übergangszeit in ihrem ursprünglichen Beruf als Erziehungswissenschaftlerin, bis sie die Idee hatte, ihr Reiseangebot exklusiv für Frauen auszuschreiben. „Zu oft hatte ich erlebt, dass Frauen in den Bergen nur hinterherlaufen und sich dem Stil der Bergpartner anpassen“, erklärt Gudrun. Deshalb gründete sie gemeinsam mit ihrer Freundin Angela Alpinkreativ. Auch wenn einige an ihrem Konzept zweifelten, war die Pilot-Reise schnell ausverkauft. Und dennoch war der Anfang schwer. „Angela hatte bereits nach zwei Wander-Sommern entschieden, in ihrem Ursprungsberuf zu bleiben (…) und zog sich von unserem Reiseunternehmen zurück. So wurde ich ganz schnell zur Einzelunternehmerin“.

Gudrun machte weiter, in kleinen Schritten. Heute hat sie ihre Nebentätigkeit gekündigt und bietet nicht nur Wandertouren in die Alpen an, sondern auch in fernere Länder wie die Türkei oder Nepal.

Petra van Laak

Petra van Laak in "Alles geben – nur nicht auf!"

„Stellen Sie sich vor, Sie stehen plötzlich mit vier kleinen Kindern alleine da: ohne Mann, ohne Geld, ohne Job, ohne Obdach, ohne Kreditkarte“, so beginnt die Geschichte von Petra. „So ging es mir vor zwölf Jahren, und ich dachte ich bin im falschen Film“ – keinen Film, sondern das Buch „1 Frau, 4 Kinder, 0 Euro“* schrieb Petra darüber. Sie verzagte nicht und bewarb sich als Geisteswissenschaftlerin mit ein paar Jahren Berufserfahrung auf Teilzeitstellen. Ohne Erfolg. „Allen Widrigkeiten zum Trotz beschloss ich, mich selbstständig zu machen. Ich konnte gut schreiben, also wollte ich mich als Texterin versuchen“, so Petra.

Ich startete bescheiden mit einem Home Office, Laptop auf dem Küchentisch, Fax neben dem Kopfkissen und vier lebendige Kinder, die durch die Wohnung tobten.“ Es funktionierte. „Am Anfang war ich dankbar für jeden noch so kleinen Auftrag (…). Die Aufträge nahmen bald nicht nur zahlenmäßig zu, sondern auch in ihrem Volumen.“ Mittlerweile hat Petra zwei Mitarbeiter in Teilzeit eingestellt, die ihr in ihrem Business zur Seite stehen. Und sie hat ein weiteres Buch geschrieben: „Auf eigenen Beinen. Eine vierfache Mutter startet in die Selbstständigkeit.“*

Direkt neuer Lesestoff, wenn Ihr erst einmal „Alles geben – nur nicht auf!„* gelesen habt.

Ich hoffe, Ihr habt Lust auf das Buch bekommen… es warten noch 22 weitere Frauen mit ihren Mutmach-Geschichten auf Euch. 🙂

Und falls Ihr auf der Suche nach noch mehr Büchern seid, schaut auch mal auf Pinterest vorbei! Dort habe ich eine Sammlung von Büchern für Gründerinnen und Selbstständige zusammengetragen.

*Noch ein kleiner Hinweis: Meine Empfehlungen enthalten Affiliate-Links des Anbieters Amazon. Wenn Ihr über diese Links z. B. ein Buch kauft, erhalte ich eine kleine Provision.

3 Kommentare
  1. Melina sagt:

    Solche Bücher kann es gar nicht genug geben! Shop Girls, Sugar Girls, Female Founders Book, Good Night Stories for Rebel Girls – und ich hoffe da kommt noch viel mehr. 🙂
    Danke für den Tipp!

  2. Sabine sagt:

    Liebe Sandra,
    vielen Dank für diesen tollen Buchtipp! Ich finde es so wichtig Vorbilder zu haben und zu sehen, ich bin nicht alleine mit meinen Problemen und Zweifeln. Besonders die Glaubenssätze von Ute Nimsgarn kommen mir irgendwie bekannt vor.
    In diesem Sinne: Alles geben, nur nicht auf 🙂
    Liebe Grüße,
    Sabine

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