Seit über 10 Jahren schreibt Yvonne Adamek als freie Autorin über Menschen, Länder, Fitness und Gefühle. Lesen kann man das in Zeitschriften für Frauen und Mütter. Seit 2012 halten sie neben der Schreiberei noch ihre beiden Söhne auf Trab und dabei scheitert Yvonne hin und wieder grandios bei dem Versuch Arbeit, Kinder und das Leben an sich unter einen Hut zu bringen.

Altersvorsorge klingt so unendlich langweilig, spießig und vor allem ewig weit weg. Trotzdem wird sie immer wichtiger. Gerade Selbstständige mit ihrem schwankenden Einkommen und meist freiwilligen Rentenbeiträgen sind von Altersarmut gefährdet.

Noch komplizierter wird es, wenn man Kinder hat, und zu der Elternzeit auch noch all die Monate hinzukommen, die es braucht, bis das eigene Business wieder brummt wie vor der Auszeit. Da liegt die private Vorsorge oft brach, bis wieder Kohle rein kommt.

Und auch später sparen sich die meisten lieber das Geld für jetzt.

Erschreckender Weise schaffen es viele meiner selbstständigen Bekannten oft noch nicht einmal das Geld für die jährliche Steuernachzahlung zurückzulegen – ganz egal, wie gut oder schlecht das Wirtschaftsjahr war.

Noch schwieriger wird es dann mit Kind.

Ich kenne viel zu viele Frauen, dich sich auf ihren Mann als Haupternährer verlassen und ihre Selbstständigkeit eher als eine Art Selbstverwirklichung denn als Beruf sehen. Solche unbedachte Sorglosigkeit macht mich immer ganz wuschig.

Deshalb möchte ich heute versuchen, allen selbstständigen Müttern zumindest einen groben Überblick über die Möglichkeiten zur Altersvorsorge zu geben, damit sie hinterher nicht ohne Geld dastehen. Vertrauen ist zwar gut, Kontrolle über die eigenen Finanzen aber noch viel besser!

Zuerst einmal sollte man als Gründerin, egal ob mit Kind oder ohne, klären lassen, ob man rentenversicherungspflichtig ist oder nicht.

Sollte dies der Fall sein, kann man in den ersten drei Jahren den halben Regelbeitrag bezahlen, bis das Einkommen eine gewisse Regelmäßigkeit hat.

Aber auch für alle, die nicht in diese Versicherungspflicht fallen, lohnt sich eine genaue Risiko-Vorsorge-Analyse. Das geht zusammen mit dem Steuerberater oder auch einem unabhängigen Finanzberater.

Aber auch viele Volkshochschulen und Familienbildungsstätten bieten Kurse zu Versicherungs- und Finanzthemen an.

Generell gilt: Je eher man vorsorgt, desto mehr Geld lässt sich für die Altersvorsorge zurücklegen.

Ob nun mit Immobilien, Fonds oder anderen Versicherungsformen hängt dabei ganz von den individuellen Vorlieben und natürlich auch Möglichkeiten ab.

Übrigens: Auch nicht Versicherungspflichtige können in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, ähnlich wie in einen Fond oder andere Versicherungen.

Nun aber zu uns Müttern.

Müssen wir uns vor der Elternzeit fürchten? Und was, wenn das Geschäft danach nur schleppend anläuft?

Keine Sorge! Es gibt fünf gute Nachrichten:

Nummer 1: Selbstständige werden für diese drei Jahre Pflichtmitglieder in der Rentenversicherung und bekommen die drei Entgeltpunkte pro Kind gutgeschrieben. Allerdings werden ihnen keine Kinderberücksichtigungszeiten gutgeschrieben, wenn sie keine Pflichtbeiträge entrichten.

Nummer 2: Für jedes Kind bekommt ein Elternteil drei Beitragsjahre und drei Entgeltpunkte gutgeschrieben. Das bedeutet, dass der erziehende Elternteil so gestellt wird, als würde er die ersten drei Jahre nach der Geburt so viel verdienen wie der Durchschnitt aller Arbeitnehmer in Deutschland. Nehmt ihr Euch also drei Jahre Elternzeit, zahlt in dieser Zeit der Bund Eure Beiträge. Diese Regel gilt für jedes Kind, ganz egal, in welchem Abstand der Nachwuchs geboren wurde.

Nummer 3: Wer gleichzeitig Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren erzieht, bekommt zusätzlich einen Bonus – pro Jahr gibt es einen Drittel Entgeltpunkt.

Nummer 4: Bis zum zehnten Geburtstag des Kindes bekommt der erziehende Elternteil sogenannte Kinderberücksichtigungszeiten gutgeschrieben. Diese Zeiten wirken zwar nicht direkt rentensteigernd, können aber bei den Anwartschaften auf eine Rente, beispielsweise eine Erwerbsminderungsrente oder eine vorzeitige Altersrente, eine Rolle spielen.

Nummer 5: Für die sechs Wochen, die eine schwangere Frau vor der Geburt im Mutterschutz ist, wird ihr für die Rente der Durchschnitt ihrer im Arbeitsleben erworbenen Entgeltpunkte gutgeschrieben. Die Kinderberücksichtigungszeiten erhöhen diesen Durchschnittswert.

Der Staat weiß unseren Einsatz Zuhause also durchaus zu schätzen.

Das gilt übrigens auch für Mütter, die vor Ablauf der möglichen drei Erziehungsjahre ihre Arbeit wieder aufnehmen. Auch wer berufstätig ist, bekommt die drei Entgeltpunkte. Sie werden zusätzlich zu den Entgeltpunkten gut geschrieben, die man durch die eigenen Beiträge zur Rentenversicherung erwirbt.

Allerdings gibt es eine Grenze: Mehr als 2,1 Entgeltpunkte im Jahr, also bis zur Bemessungsgrenze, kann man nicht bekommen.

Zusätzlich kommt, wer ein Kind erzieht, Teilzeit arbeitet und wenig verdient, in den Genuss einer Aufwertung der Rentenbeiträge um die Hälfte. Man wird aber nicht besser gestellt, als hätte man Beiträge im Wert eines Drittel-Entgeltpunktes eingezahlt.

Und man wird insgesamt nicht besser gestellt als ein Durchschnittsverdiener.

Das lohnt sich vor allem, wenn das eigene Geschäft erst wieder schleppend anläuft. Selbst, wenn die Pflichtbeiträge unterdurchschnittlich ausfallen, kann man über diese Regelung rentenrechtlich zu einem Durchschnittsverdiener werden.

Übrigens: Die Entgeltpunkte wandern nicht direkt auf das Rentenkonto von uns Müttern. Solltet ihr ein anderes Modell für euch gefunden haben, fallen die Punkte demjenigen zu, der das Kind überwiegend erzieht.

Zunächst einmal wird die Mutter des Neugeborenen von der Rentenversicherung angeschrieben. Wenn die jungen Eltern wollen, dass die Mutter die drei Entgeltpunkte für die Kindererziehung gut geschrieben bekommt, müssen sie nichts tun. Die Rentenversicherung schreibt der Mutter dann die Punkte gut.

Ich könnte noch ewig so weitermachen, aber weil die richtige Rentenvorsorge fast so individuell ist wie der ganz persönliche Ansatz zur Kindererziehung, möchte ich Euch allen an dieser Stelle noch einmal dringend raten: Geht zu einem vertrauensvollen Berater.

Denn auch, wenn Euch Eure Arbeit jetzt Spaß macht, stehen die Chancen nicht schlecht, dass ihr mit 70 lieber auf dem Sofa oder einem Liegestuhl in der Sonne liegen wollt, als immer noch Vollzeit zu arbeiten.

© Beitragdbild: Cristian Newman | Unsplash

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