Diesen Monat habe ich was zu feiern – ich gehe bereits ins dritte Jahr meiner Selbstständigkeit. Cheers to that! Ich kann es noch immer nicht fassen, dass es bereits zwei Jahre her ist, seitdem ich den Schritt, Freelancer zu werden, gewagt habe. Was anfangs als Mittel zum Zweck dienen sollte (wie Ihr hier genauer nachlesen könnt), ist für mich heute gar nicht mehr anders denkbar.

Wenn mich jemand fragt, warum ist selbstständig arbeite, antworte ich: “Weil ich mein Leben selbst bestimmen möchte”. Dazu gehört für mich auch die Zeit, die ich damit verbringe, Geld zu verdienen. Meiner Arbeit möchte ich nicht in einem herkömmlichen 9-to-5-Job nachgehen, sondern frei entscheiden, wann und wo ich arbeite. Ortsunabhäniges Arbeiten nennt sich das. Oder auch Multilokalität. Beide Begrifflichkeiten beschreiben das “Phänomen, dass Menschen ihren tätigen Lebensalltag in seiner Gesamtheit auf mehrere Orte verteilen”.

Das ortsunabhängige Arbeiten erfährt heutzutage insbesondere durch das Digitale Nomadentum Aufmerksamkeit. Digitale Nomaden sind “Unternehmer oder auch Arbeitnehmer, die fast ausschließlich digitale Technologien anwenden, um ihre Arbeit zu verrichten und zugleich ein eher ortsunabhängiges Leben führen”. Diese Ortsunabhängigkeit kann sowohl lokal als auch global ausgelebt werden. Wobei insbesondere die Digital Nomaden im Fokus der Öffentlichkeit stehen, die sich entscheiden im Ausland zu leben und zu arbeiten. Einige der bekanntesten deutschen Vertreterinnen sind Conni Biesalski, Felicia Hargarten und Carina Herrmann – die wir auch schon für Frau, frei & interviewt haben. 🙂

Ich selbst l(i)ebe das lokale Nomadentum und arbeite mal im Home Office, mal im Coworking Space oder im Café um die Ecke. Alle Orte haben ihre Vor- und Nachteile für mich als Selbstständige, die ich Euch nachfolgend gerne aufzeigen möchte.

Arbeiten im Home Office

Das Arbeiten im heimischen Büro funktioniert für mich bislang noch nicht optimal. Ich stehe morgens auf, mache mir Frühstück und einen Latte Macchiato und setze mich dann vor meinen Laptop. Vorher Laufen zu gehen, wie ich es mir schon lange vorgenommen habe, schaffe ich nur selten, da ich das Gefühl nicht los werde, dadurch zu viel Zeit zu verlieren.Totaler Quatsch, ich weiß. Zumal ich ja auch in mich selbst investieren und dafür sorge, dass ich fit und gesund bleibe. Nun gut, das Teufelchen muss ich wohl noch bekämpfen!

Oft schaffe ich es mehrere Stunden (4-5h) am Stück konzentriert zu arbeiten. Doch wenn es dann Mittag wird, wird es für mich brenzlig. In den vergangenen Woche hat es sich eingeschlichen, dass ich mir schon gegen 10 Uhr Essen beim Chinesen vorbestelle. Eine Tom Kha Gei mit Extra-Reis und Frühlingsrollen. Diese werden meist pünktlich um halb eins geliefert. Bewaffnet mit Löffel und Essen mache ich es mir dann auf dem Sofa bequem – es ist ja nicht gut am Arbeitsplatz vor dem Computer zu essen. Den sehe ich in der Regel auch nicht wieder. Sitze ich einmal auf der Couch, komme ich dort nicht mehr weg. Es laufen schließlich irgendwelche sinnlosen Sendungen im TV, die geschaut werden müssen. Ach, und ein Nickerchen tut mir bestimmt auch gut. Und schwups, ist es Abend und ich habe keinen Finger mehr krumm gemacht.

Ich hoffe, dass das Home Office für Euch besser funktioniert als für mich, aber nehmt Euch in Acht, es lauern dort viele Gefahren, wie Sophie schon mal an dieser Stelle erörtert hat. Vorteil ist natürlich, dass man sich den Weg zum Arbeitsplatz spart und auch keine Miete für Extra-Räumlichkeiten zu bezahlen hat. Ein wichtiger Faktor für diejenigen, die noch ganz am Anfang ihrer Selbstständigkeit stehen und sich keine großen Ausgaben leisten können.

Arbeiten im Coworking Space

Ich liebe es im Coworking Space zu arbeiten. In der Regel tue ich das im Places (Meßberg, unmittelbar der U1 gelegen). Es gibt aber auch andere Plätze in Hamburg, in denen man coworken kann. So z. B. im Shhared, dem Betahaus oder dem Mindspace. Ich habe gehört, dass auch bald das Beehive einen Standort in Hamburg eröffnen soll.

Das Shhared ist eine super nette Location in Ottensen, in der man gut arbeiten kann, allerdings ist es für mich umständlich zu erreichen. Das Betahaus (Schanze) ist der Treffpunkt der Startup-Szene in Hamburg und ja, auch ich sollte mich da mal blicken lassen. Allerdings ist das Betahaus oft sehr überlaufen, was natürlich super gut zum Netzwerken, aber für mich einfach zu voll ist. Ich bevorzuge kleine, stille Örtchen. Auf Konzerten stehe ich auch lieber am Rand, als direkt vor der Bühne. Aber: Die zahlreichen Veranstaltungen, die regelmäßig im betahaus stattfinden, sind ein klarer Pluspunkt für diesen Coworking Space. Das Mindspace (Rödingsmarkt, direkt an der U3) hat super schöne Räumlichkeiten, richtet sich aber nicht an Soloselbstständige, was sich in den sehr hohen monatlichen Fees bemerkbar macht.

Im Places bezahle ich pro Tag 20 Euro. Dort einen halben Tag zu arbeiten kostet 12 Euro. Auch 5er oder 10er-Karten sowie monatliche Arbeitsplatzbuchungen sind möglich. Ja, auch das ist sicherlich nicht billig. Bedenkt man, dass man sich vor Ort oft noch einen Kaffee und Mittagessen gönnt, ist man schnell bei 30 Euro am Tag – und wäre auch für mich auf Dauer zu teuer.

Diesen “Luxus” leiste ich mir ein bis zwei Mal im Monat, z. B. um (potentielle) Kunden zu treffen. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich im Coworking Space besonders produktiv bin. Wenn ich schon 20 Euro bezahle, möchte ich auch einen vernünftigen Return on Invest. Da spricht der Marketeer aus mir.

Arbeiten im Café um die Ecke

Wenn ich von dem Café um die Ecke spreche, meine ich eigentlich den Starbucks in Eppendorf. An anderen Cafés habe ich ehrlicherweise erst ein weiteres ausprobiert und zwar die Campus Suite, ebenfalls in Eppendorf. Das hat für mich allerdings nicht funktioniert, weil sie einen entscheidenden Nachteil gegenüber der Kette mit der Sirene im Logo haben, nämlich fehlendes W-Lan. Sorry, aber für mich als Selbstständige in der Digitalwirtschaft funktioniert das nicht.

Den Vorteil, den das Café mit W-Lan um die Ecke gegenüber einem Coworking Space hat ist natürlich, dass man dort für den Arbeitsplatz nicht zahlen muss. Hier schlagen lediglich ein oder zwei Latte Macchiatos zu Buche. Der Nachteil ist, dass auch andere Gäste da sind – und die haben sich meist viel zu erzählen. Ich ertappe mich so manches Mal, wie ich die Gespräche am Nebentisch belausche und spannender finde, als die Aufgabe, die auf meinem Laptop wartet bearbeitet zu werden.

Allerdings kenne ich mich mittlerweile gut genug, um nur dann ins Café zu gehen, wenn ich keine wichtige Deadline zu halten habe. Ins Starbucks nehme ich mir nur “leichte” Aufgaben mit, wie das Beantworten von E-Mails oder das Planen von Social-Media-Beiträgen für den Blog. Meist bleibe ich im Café auch keinen ganzen Tag, sondern lediglich zwei bis drei Stunden. Oft verbinde ich meinen Aufenthalt vor Ort damit eine Freundin auf einen Kaffee zu treffen.

Es gibt auch noch andere Orte an denen ich hin und wieder arbeite. Dieser Artikel entsteht z. B gerade in der Bahn von Berlin zurück nach Hamburg, wo ich auf dem Gründerbarcamp war. Die Tage zuvor war ich zu Besuch bei meinen Eltern, die im Umland von Berlin wohnen. Dort habe ich an Muddis Küchentisch mit meinem Hund auf dem Schoß gearbeitet. Und das ist das Schöne am ortsunabhängigen Arbeiten: Ich entscheide selbst, unter welchen Bedingungen ich meine Aufgaben erledige.

Das derzeit aber alles noch lokal. Bislang habe ich noch nicht herausgefunden, ob auch das Arbeiten in fremden Städten und Ländern etwas für mich wäre. Vielleicht gibt die DNX, die Digitale-Nomanden-Konferenz, die kommendes Wochenende in Berlin stattfindet dazu Aufschluss!

Wenn ja, erfahrt Ihr es als erste auf dem Blog! 😉

Und falls Ihr noch mehr Artikel zu den Themen „Digitales Nomadentum“ und „Ortsunabhängiges Arbeiten“ sucht, dann schaut doch mal auf meinem Pinterest-Account vorbei. Dort habe ich eine Sammlung mit themenspezifischen Artikeln zusammengestellt.

© Beitragsbild: startupstockphotos.com

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