Selbstständig in Teilzeit: 4 Frauen berichten von ihrer nebenberuflichen Selbstständigkeit

Nebenberuflich selbstständig -  4 Frauen berichten

Ich muss zugeben, ganz am Anfang meiner eigenen Selbstständigkeit, dachte ich, dass frau nur „richtig“ selbstständig ist, wenn frau sich ihrer Aufgaben zu 100% widmet. Jede, die sich „nur“ nebenberuflich um das eigene Business kümmert, war in meinen Augen, nicht ernst zunehmen. Ja, ich hielt mich für was Besseres. Traurig, ich weiß – und: Schwarz-Weiß-Denken par excellence.

Zum Glück denke ich darüber mittlerweile anders; bin weiser geworden – und die Farbe Grau hat Einzug in meinen Kopf gehalten. Denn jede Form der Selbstständigkeit ist richtig und keine weniger wert, als die andere. Freelancer*innen sind genauso respektabel wie Frauen, die ein Unternehmen mit 50 Mitarbeiter*innen leiten. Businesses, um die sich Frau 20 bis 30 Stunden kümmert, sind genauso vollwertig, wie Businesses, in die 40 bis 60 Stunden Arbeitszeit fließt.

Heutzutage weiß ich eine nebenberufliche Selbstständigkeit sehr zu schätzen, bringt sie doch einige Vorteile mit sich. Welche, zeigen vier Frauen auf, die diese Form leben: Katrin Dixius, Julia Fremder, Kerstin Fuhrmann und Sabine Sikorski. Sie gehen auch auf die Nachteile einer Selbstständigkeit in Teilzeit ein.

 

Katrin Dixius

Katrin Dixius

„Zum Vertrieb kam ich vor 2 ½ Jahren wie die Jungfrau zum Kind. Ich war auf einer Präsentation von ProWIN bei einer Freundin zuhause und habe die Produkte kennengelernt. Damit war ich Kundin – und bald eine überzeugte dazu. Irgendwann kam die Frage meiner Beraterin: Kannst Du Dir vorstellen, selbst diese Produkte zu vertreiben? Erst dachte ich: „Nein – ich und verkaufen – da treffen zwei Welten aufeinander“. Nach einigem Überlegen und ausgiebigen Informationen sagte ich mir dann: „Als Nebenjob quasi ohne finanzielles Risiko, mit der Möglichkeit, die Produkte günstiger zu erwerben und völliger Freiheit der Ausgestaltung – Warum nicht!“

Jetzt macht mir dieser Job richtig viel Spaß. Wenn ich auf den Präsentationen die Produkte erkläre und mit meinen Kund*innen ihren Bedarf ermittle, fühlt sich das überhaupt nicht wie Arbeit an. Eher wie ein Treffen mit Freunden, bei dem Wissen und Erfahrungen ausgetauscht werden. Zudem kann ich meiner selbst gestellten Aufgabe, mich für den Schutz der Natur und Nachhaltigkeit einzusetzen, nachkommen und damit in fairer Weise als Umweltbotschafterin auch noch Geld verdienen.

Und ich bin selbstbestimmt: Wann ich tätig bin, wie viel Zeit ich investiere und letztendlich auch, mit wem ich zusammen arbeite. Die Unterstützung durch mein Team ist großartig. Ich bekomme ganz viel Motivation und jede Hilfe, die ich möchte und keinen Druck in Hinsicht auf die Ergebnisse.

Das ist dann auch gleichzeitig die Achillesferse dabei: Ich bin allein verantwortlich für meine Ziele und die Wege dahin. Struktur, Konsequenz und Disziplin sind gefragt. Nicht immer ganz einfach, wenn ein fester Rahmen für das „Was“ und das „Wann“ fehlt. Wenn es gut läuft, ist das ganz wunderbar. Bei Durchhängern ist es dafür immer wieder herausfordernd, dran zu bleiben.

Ich lerne jeden Tag Neues, ob es um die Produkte geht, die Kundenpflege per Telefon, das Online Marketing, die Akquise oder die eigene Organisation. Es wird nie langweilig.

Insgesamt bin ich froh, diesen Weg zu gehen und viel Spielraum für die Gestaltung und jede Menge Freude zu erleben. Im meist engen Korsett einer Festanstellung ist das nur ganz selten möglich. Ich finde es spannend, beides zu kennen.

Zur Zeit stehe ich vor der Entscheidung, mich ganz auf ProWIN zu konzentrieren und weitere Vertriebspartner*innen zu finden, die mit mir gemeinsam Erfolge feiern möchten. Mal sehen, wohin die Reise geht…

Wenn Ihr überlegt, Euch selbständig zu machen, aber das finanzielle Risiko scheut, ist dieser Weg im Nebenberuf eine gute Lösung, um Euch auszuprobieren.“

 

Julia Fremder

Julia Fremder

„Seit mehreren Jahren arbeite ich sehr glücklich in der Kombination aus Teilzeitjob und Freiberuflichkeit. Nach meinem Abschluss 2007 als Diplom-Kommunikatiosndesignerin (mit Schwerpunkt Illustration und Printmedien) bin ich sehr zügig in meine erste Vollzeitanstellung als Grafikdesignerin in Berlin eingestiegen. Die Strukturen in dieser Firma waren sehr fest und ich merkte schnell, dass mir diese starren Zeiten & Regeln nicht liegen. Zudem wollte ich mich wieder mehr der Illustration widmen, die mir am Herzen lag. Als Konsequenz kündigte ich nach drei Jahren meine sichere Festanstellung, zog von Berlin nach Hamburg, nahm dort das Masterstudium für Illustration an der HAW an und begann einen Teilzeitjob als Grafikerin.

Ich arbeite demnach als Designerin in Festanstellung (Teilzeit) und nehme nebenberuflich Aufträge als Illustratorin an. Vor knapp zwei Jahren gründete ich zudem mein Label JILLA, das die Bereiche Illustration und FairFashion vereint. Es bietet handgefertigte Unikate mit persönlichen Illustrationen, die ethisch, fair und tierfreundlich sind. Da ich mich als Illustratorin & Designerin noch mehr im sozialen Bereich engagieren wollte, gründete ich 2018 die Plattform ZEICHNE DICH FREI. Ich selbst habe durch viele familiäre Verluste & Krisen die Erfahrung gemacht, wie wertvoll kreatives Schaffen für die Rehabilitation und Stärkung von Körper & Seele ist. Mit ZEICHNE DICH FREI helfe ich Menschen, über Zeichnen & Kreativität zu mehr Balance, Frieden und Entspannung im Leben zu finden.

Ich bin ein großer Fan von dieser Kombination, weil sie Sicherheit und Freiheit zugleich bietet. Zum einen genießt man die Vorteile einer Festanstellung wie eine geregelte Einkommenssumme, das Abdecken der Krankenkasse und Arbeitslosenversicherung, das Arbeiten im Team und auch das Wissen & Know-how, das ein Unternehmen zu bieten hat. Zudem hat man bei einer Teilzeitanstellung auch eine finanzielle Abdeckung an Krankheits- und Urlaubstagen und zahlt stetig in die Rentenkasse ein. Zum anderen hat man die Freiheit, seine Zeit freier einzuteilen, Aufträge nach seinen Maßstäben anzunehmen und seine Kraft in Projekte zu investieren, die einem persönlich wirklich wichtig sind. Der Vorteil an dieser Kombination ist zudem, dass man als Freiberufler*in nicht jeden Auftrag annehmen muss, um finanziell überleben zu können, sondern besser & gezielter auswählen kann, da man eine finanzielle Sicherheit im Monat hat.

Nachteilig an dieser Kombination an Teilzeit und Freiberuflichkeit ist natürlich die Zeitknappheit, die man zwangsläufig im freiberuflichen Bereich hat. Wenn gerade dort das Herzblut steckt und man schnell mit seinem eigenen Business voran kommen möchte, kann es manchmal frustrierend sein, nicht fünf Tage die Woche am Stück an seinem Business arbeiten zu können. An dieser Stelle braucht man Geduld und sicherlich auch die Fähigkeit, seine Zeit gut einzuteilen und den Zeitrahmen, den man für seine Freiberuflichkeit hat, effektiv zu nutzen. Aber auch das ist trainierbar. Ich selbst finde es spannend, zwischen beiden Bereichen zu pendeln und meine Organisation immer wieder zu optimieren. Welchen Aspekt ich ebenfalls sehr schön finde, ist, dass das eigene Business immer von dem Wissen profitieren kann, dass man in Firmen und von der Arbeit im Team gelernt hat. Die Erfahrungen und Kontakte, die man erhält, sind sehr hilfreich und unbezahlbar. Natürlich wird eines Tages der Punkt kommen, an dem man sich entscheiden muss – gerade wenn das Business oder die eigene Selbständigkeit rapide wächst.“

 

Kerstin Fuhrmann

Kerstin Fuhrmann

„Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man im Hamsterrad schnell die Lebensqualität und sich selbst verlieren kann. Während einer Auszeit vom Management-Job im Konzern überlegte ich mir ausgiebig was mich im Leben glücklich macht und was ich tun würde, wenn alles möglich wäre. Schnell kam mir der Gedanke der nebenberuflichen Selbstständigkeit und gründete Kerstin Fuhrmann Coaching und Beratung. In diesem Set-up kann ich Vorteile kombinieren: ich habe mehr Zeit für meine Herzensprojekte und kann mich in der Selbstständigkeit und meinem Business ohne Rücksprache immer wieder neu erfinden und flexibel arbeiten. Ebenfalls entfällt der finanzielle Druck, denn meine Anstellung bietet mir ein geregeltes Einkommen. Im Konzern arbeite ich im Team, wir lachen gerne, arbeiten gemeinschaftlich für das Ergebnis – und das tut gut. Durch das Arbeiten in beiden Welten trage ich viel Gewinnbringendes in die jeweils andere Welt. Dies ist mein aktuelles Ideal-Szenario und das ist das Wichtigste: es muss für Euch passen! Überlegt Euch was Euch Wichtig ist, und macht Euch die Welt, wie sie Euch gefällt!“

 

Sabine Sikorski

Sabine Sikorski
© Raimund Verspohl

„Selbständig zu sein war nie mein Traum. Weder ganz noch nebenher. Nebenher gearbeitet habe ich trotzdem schon immer, aber ehrenamtlich. An meinem Foodblog Pastamaniac. An Events wie dem Social Media Club oder der Epic Fail Night. Manchmal auch an mir.

Wie kam es also, dass ich jetzt trotzdem nebenbei selbständig bin? Nun, dem Ganzen ging ein weniger schönes Ereignis voraus. Ich hatte gerade in einem Start-up angefangen, zwar schnell gemerkt, dass der Job und die Kolleg*innen eigentlich nichts für mich sind, war mir aber sicher, das wird noch. Wurde es aber nicht. Nach zweieinhalb Monaten erwies sich meine Stelle als entbehrlich, und ich stand auf der Straße. Abgesichert zwar, aber erstmal voller Zweifel und der Frage: Was jetzt?

Also habe ich mich selbständig gemacht. Dachte mir, versuch es einfach. Keine nervigen Chef*innen mehr, mein eigenes Ding machen, nach meinem Rhythmus arbeiten. Hat auch funktioniert: Dank meines Netzwerks kamen die Jobs. Ich hatte Spaß, habe viel gelernt und mir ganz bewusst ein Jahr gesetzt, um mich auszuprobieren. Zu schauen, was und wohin ich eigentlich möchte.

Als das Jahr sich seinem Ende näherte, und ich immer noch nicht wusste, was ich eigentlich genau möchte, habe ich angefangen, wieder an mir zu arbeiten. Ein Coaching hat mir gezeigt, wo meine inneren Blockaden sind. Ein weiteres, wie ich arbeiten möchte. Nämlich möglichst frei. Mit möglichst viel Veränderung. Also blieb ich selbständig.

Dann kam der Anruf. Eine gute Bekannte fragte mich, ob ich sie als Freie unterstützen wolle. Das hieß: Zurück in den alten Job. Zurück in eine Agentur und in eine Tätigkeit, die ich eigentlich nicht mehr hatte machen wollen. Warum ich es trotzdem gemacht habe? Leichtverdientes Geld in einer Branche, in der ich mich auskenne. Sachen mache, die ich kann. Und war ja nur ein Projekt.

Mittlerweile bin ich seit fast zwei Jahren in der Agentur. Sie wollten mich, das fühlt sich gut an. Sie sind auf meine Bedingungen eingegangen – nämlich Halbzeit zu arbeiten und nebenher weiter selbständig zu sein. Ich darf lauter Sachen machen, die mir Spaß machen: Digitalthemen. Und ich habe wieder Sicherheit. Ich weiß, dass ich meine Miete bezahlen kann. Mein Essen. Ich habe wieder Kolleg*innen und Austausch.

Am wichtigsten: Ich habe immer noch meine Freiheit und kann nebenher an eigenen Projekten arbeiten wie der Bloggerkonferenz Blog Big.

So viel zu meiner Geschichte. Noch ein paar Tipps, die ich allen mit auf den Weg geben möchte:

    1. Sucht Euch eine*n Steuerberater*in.
    2. Seid immer in time, wenn es um das Finanzamt geht. Macht echt keinen Spaß, wenn die munter hohe Beträge von Eurem Konto abbuchen, weil Ihr die Umsatzsteuervoranmeldung nicht rechtzeitig auf die Reihe bekommt. Den fünften Monat in Folge.
    3. Tauscht Euch mit anderen Selbständigen aus. Geht zu Netzwerktreffen, gründet eine Mastermindgruppe.
    4. Seid diszipliniert. Freie Zeiteinteilung ist was Tolles. Noch schöner sind freie Wochenenden.
    5. Geht raus, auch zum Arbeiten. Sucht Euch ein Büro, geht in Coworking Spaces. Sonst hockt Ihr abends immer noch in Jogginghose auf dem Sofa, den Rechner auf den Knien, die Haare ungewaschen. Den dritten Tag in Folge.
    6. Bildet Euch stetig weiter. Es gibt so viel tolle Leute, die Ihr Wissen in diesem Internet teilen – kostenlos. Empfehlen kann ich auch LinkedIn Learning.
    7. Macht Coachings, wenn Ihr nicht mehr weiter wisst oder einfach Klarheit braucht. Ich dachte immer, das brauche ich nicht. Aber es war das Beste, was ich je selbst für mich und mein Berufsleben gemacht habe.

    Und der wichtigste Tipp: Macht!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Webseite verwendet Cookies. Stimme der Verwendung von Cookies zu, wenn Du die Webseite weiter nutzt. Mehr Informationen

Für eine uneingeschränkte Nutzung der FF&-Webseite werden Cookies benötigt. Einige dieser Cookies erfordern Deine ausdrückliche Zustimmung. Bitte stimme der Verwendung von Cookies zu, um alle Funktionen der Webseite nutzen zu können. Detaillierte Informationen über den Einsatz von Cookies auf dieser Webseite erhältst Du in unseren Datenschutzbestimmungen.

Schließen