Nebenberuflich selbstständig – Jaime Bogardy über wenig Schlaf und viel Stolz

Seit zehn Jahren klettert Jaime, seit fünf Jahren führt sie nebenberuflich selbstständig ihren eigenen Shop für Kletter-Accessoires. Obwohl Sicherheit bei der Kletterausrüstung an erster Stelle steht, darf für Jaime der Spaß nicht fehlen. Über ihre Firma Crimp Chimps vertreibt sie handgemachte Chalk Bags (in den Magnesiabeuteln tragen Kletterer Magnesiumpulver, um sich an Fels- und Kletterwänden besser festhalten zu können) aus Kuscheltieren.

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Jaime, erzähl mal, wie Du Dein Business gestartet hast. Woher kam die Idee?

Ich habe vor zehn Jahren mit dem Klettern angefangen. Als ich meine Ausrüstung kaufen wollte, fand ich alles sehr langweilig. Ich wusste, dass ich das richtige Sicherheits-Equipment kaufen muss, aber meinen Magnesiabeutel konnte ich selbst machen. Ich habe mir einen aus einem Kuscheltier-Affen gebastelt. Ich bin auf der ganzen Welt damit geklettert und dauernd sind Leute auf mich zugekommen und fragten, woher ich ihn hätte. Seit Jahren haben Leute mich dazu ermuntert, eine eigene Firma zu gründen und Magnesiabeutel herzustellen. Ich habe damals in einer Kletterhalle gearbeitet und Kinder, zum Beispiel auf Geburtstagspartys, gesichert. Da bekam ich öfters etwas Trinkgeld. Ich habe jeden Cent in einem Glas gesammelt und als ich endlich mein Business gegründet habe, eröffnete ich mit 170 Dollar das Geschäftskonto.

Neben Deinem eigenen Business bist Du noch hauptberuflich als Direktorin der jährlichen REEL ROCK Film Tour angestellt. Wie kombinierst Du diese beiden Berufe? Kannst Du von Deinen REEL-ROCK-Connections für Dein eigenes Geschäft profitieren?

Ich versuche eigentlich, es bei REEL ROCK nicht so an die große Glocke zu hängen, dass ich nebenbei noch ein eigenes Geschäft habe. Ich will, dass meine Kollegen wissen, dass ich für meinen Beruf alles gebe und mich durch nichts ablenken lasse. Darum ist meine Firma wirklich ein Nebenberuf für mich. Ich könnte von dem Geschäft nicht leben, nicht einmal jetzt nach fünf Jahren. Aber es ist ein netter Nebenverdienst.

Wie haben Deine Freunde und Familie reagiert, als Du ihnen gesagt hast, dass Du Dich selbstständig machen willst? Haben sie Dich in Deiner Entscheidung unterstützt?

Sie haben gefragt, warum ich so lang gewartet hab. Ich wollte mein Business eigentlich schon zwei Jahre früher gründen. Stattdessen habe ich erst ein Aufbaustudium gemacht. Sobald ich damit fertig war – wirklich zwei Wochen nachdem ich mein Abschlusszeugnis bekam – habe ich ein Geschäftskonto eröffnet und losgelegt.

Wann wurde Dir klar: „Ich schaffe das. Es funktioniert.“?

Ha… Die Selbständigkeit ist eine andauernde Achterbahnfahrt zwischen Erfolg und Scheitern. Meistens bin ich zuversichtlich. Aber manchmal, selbst Jahre nach der Gründung, wenn eigentlich alles gut lief, gab es Momente, in denen ich dachte, ich müsste alles hinschmeißen. Es ist mit das schwerste, was ich in meinem Leben getan habe, aber auch mit das erfüllendste.

Was war die größte Hürde, die Du auf diesem Weg überkommen musstest, und wie hast Du sie gemeistert?

Meine größte Hürde habe ich noch gar nicht gemeistert, und zwar das ganze Geschäft allein zu betreuen. Nach und nach habe ich über die letzten fünf Jahre einzelne Aspekte des Business abgegeben, aber den Großteil mache ich immer noch selbst. Nach zwei Jahren war klar, dass ich nicht die komplette Herstellung, den Versand und das Marketing würde alleine machen können. Außerdem muss ja auch jemand neue Styles designen und sich um die Beschaffung des Materials kümmern und es wurde einfach zu viel. Inzwischen habe ich zum Glück die gesamte Herstellung abgegeben. Das sind sicher 60 Prozent der Arbeit. Bei uns ist alles Handarbeit. Die meisten Firmen produzieren im Ausland, aber meine Produkte werden in Colorado, 20 Kilometer von meinem Haus entfernt, hergestellt.

Crimp Chimps
(c) Instagram / @crimpchimps

Was ist für Dich das Beste an der Selbstständigkeit?

Dass ich Leuten erzählen kann, ich habe mein eigenes Business. Das klingt so cool.

Und was ist das Schwierigste?

Dass mir so viel an meinem Geschäft und meinem Produkt liegt und ich will, dass meine Kunden glücklich sind. Nichts ist mir wichtiger als dass die Menschen zufrieden sind mit dem, was ich ihnen verkaufe. Negatives Feedback nehme ich sehr ernst und manchmal auch persönlich. Ich glaube viele Geschäftsinhaber geben viel Kontrolle über ihr Produkt ab und können nicht überprüfen, dass ihre Produkte so an den Kunden gehen, wie sie das gerne hätten. Ich will sichergehen, dass alles, was ich in die Welt hinausschicke, perfekt ist. Das ist viel Arbeit.

Was sind Deiner Meinung nach elementare Eigenschaften, die ein Gründer haben muss? Kann das jeder?

Ich glaube jeder kann gründen. Aber nicht jeder wird unbedingt erfolgreich sein. Ich bin die erste, die Dir erzählt, dass ich keine perfekte Geschäftsfrau bin. Ich glaube Bescheidenheit ist eine Eigenschaft, die ein guter Gründer haben sollte. Dann ist man offener für Kritik. Ich glaube ein guter Gründer muss außerdem sowohl Morgenmensch als auch Nachteule sein. Besonders, wenn man noch einen anderen Job hat. Ich kümmere mich um mein Geschäft, wenn ich nicht für meine Hauptarbeit im Büro sitze. Das ist meistens früh morgens oder bis spät in die Nacht… und zwar ständig.

Wie ist die Geschäftslandschaft in den USA für Gründer?

Es gibt hier viele Ressourcen für Start-ups. Digitale Ressourcen, aber auch Center für Wirtschaftsförderung, in denen kostenlose Meetings mit Anwälten, Beratern und so angeboten werden. Wir haben auch Coworking Spaces, in denen man ohne ein eigenes Büro oder Ladengeschäft in einer Business-Atmosphäre arbeiten kann.

Hast Du die Erfahrung gemacht, dass Du anders behandelt wirst, weil Du eine weibliche Gründerin bist?

Ja. Es ist oft ein großes Problem, wenn ich mit Händlern Verkaufsgespräche führe. Auch mit Herstellern oder Lieferanten gibt es oft Probleme, wenn Verhandlungen persönlich oder am Telefon geführt werden müssen. Zum Glück könnte mein Name auch ein Männername sein, also versuche ich einen Großteil meiner Geschäfte per Mail abzuwickeln. Ich erlebe aber auch das Gegenteil. Wenn ich mit einem meiner Beutel klettere und darauf angesprochen werde, bekomme ich immer tolle Komplimente, wenn die Leute erfahren, dass ich mein eigenes Business gegründet habe. Besonders die Leute in der Klettergemeinschaft unterstützen starke Frauen in jeder Hinsicht. Körperlich starke Frauen, aber auch mental starke Frauen. Es macht mich sehr stolz, in dieser Umgebung eine weibliche Gründerin zu sein.

Wenn Du anderen Gründerinnen einen Rat geben könntest, was wäre das?

Ich würde sagen, wenn Du nur ein Geschäft gründest, um damit Geld zu machen, tust Du es aus den falschen Gründen. Tu es, weil es etwas ist, was Du liebst und was Dich begeistert. Sonst wird es Dir Deine ganze Energie rauben. Wenn Leute Dich fragen, wie es mit Deinem Business läuft, sag nicht, dass es „stressig“ oder „schwierig“ ist. Auch wenn das fast immer der Fall sein wird. Sorge dafür, dass Du auf die Frage, wie es läuft, immer antworten kannst: Ich find’s fantastisch!

English:

Jaime has been climbing for ten years and been at the helm of her own business for five. She manufactures and sells chalk bags made from stuffed animals, adding a little fun to the climbing experience.

So Jaime, tell me how you got started on your business. Where did the idea come from and when did you decide to start your own company?

I started climbing ten years ago and when I went to buy my very own gear, it was all incredibly boring. I knew I had to buy the right safety equipment but that I could make my own chalk bag. So I made my own out of a stuffed monkey. I climbed with it all around the world and people constantly came up to me asking where I got it. For years, people told me I should start a company making them. I worked at a climbing gym and belayed kids during birthday parties and often received tips. I saved every tip in a jar and when the time finally came to start the business, I opened the company bank account with $170.

In addition to your business you’re also the director of the annual REEL ROCK film tour. How do you combine your two jobs? Do your REEL ROCK connections help you with your own business?

I try to keep it quiet in the REEL ROCK world that I also run a side business. I want to make sure the people I work with know that I am hard-working at my day-job and that I’m not distracted by another business. So Crimp Chimps is a side job for me. I would not be able to live off the business even after five years, but it’s a nice little supplement to my annual earnings that make it worth it.

How did your friends, family, colleagues etc. react when you told them you wanted to start your own business? Was everyone supportive?

I was asked why I waited so long! I wanted to start my business two years before I did, but I went to graduate school instead. As soon as I graduated – literally two weeks after I received my diploma – I opened a bank account and got it going.

When was the moment you realized: “I can do this! This is working!”?

Ha…entrepreneurship is an ever-changing rollercoaster of success and failure. I feel positive most of the time but even years in when things were mostly going great, I thought I might have to call it quits. It’s one of the hardest things I’ve ever done and also one of the most rewarding things I’ve ever done.

What was the biggest obstacle you had to overcome and how did you overcome it?

This is an obstacle I’m still dealing with, which is handling the entire business alone. I have been giving up parts of the way the business is run little by little over the last five years, but it’s still mostly me. After two years, it became obvious that I couldn’t do all the manufacturing, marketing, and packaging alone. Plus, someone has to design new styles and shop for materials and it just became too much. At least now I don’t do any of the manufacturing, which was probably 60% of the work. All of my chalk bags are made by hand. Most businesses outsource to other countries – my product is made 14 miles away from where I live in Colorado.

For you – what is the best thing about being an entrepreneur?

Telling people that I’m a business owner. It makes me sound like a total bad-ass.

And what is the worst?

Caring about my business and the product I produce and making sure my customers are happy. I am 100% dedicated to making sure people are happy with what I sell to them. I take negative feedback very seriously (and sometimes personally) and I go to great lengths to make sure customers have a great experience. I think a lot of business owners give up a lot of control and they don’t see that their products are as they want them to be in their final, sellable stages. I make sure everything I put out into the world is perfect, which is a lot of work.

What would you say are essential qualities an entrepreneur must have? Can anyone do it?

I think anyone can be an entrepreneur but not everyone will be good at it. I’ll be the first person to tell you that I’m not the perfect business owner, but perhaps that humility is a quality a good entrepreneur must have. It makes me receptive to feedback and accepting of both praise and criticism. I also think that a good entrepreneur has to be both a morning AND a night person, especially when working another job. I run my business when I’m not working at my full-time job, and that happens early in the morning and late into the night…ALL the time.

What’s the business landscape like in the US for young entrepreneurs?

There are a lot of resources for start-up businesses here – from digital resources to business development centers that offer free meetings with local lawyers, consultants, etc. There are even large shared office spaces that allow small business owners who don’t yet have their own office or store-front to work in an entrepreneurial atmosphere.

Do you feel like you were or are being treated differently because you’re a female entrepreneur?

Yes, it’s often been hard on the sales side as a female. It’s also been challenging to make deals with manufacturers and suppliers over the phone or in person. Fortunately, my name can also be assigned to a man, so I try to do a lot of my dealing over the internet so no one knows which gender I am! On the other hand, when I use my own product and get compliments, then tell people I’m the business owner, I get huge praise. People in the climbing community are extremely supportive of strong females, both physically and mentally, and I feel a huge sense of pride being a female entrepreneur in that environment.

If you could give young entrepreneurs one word of advice, what would it be?

If you’re just starting a business to make money, you’re not doing it for the right reason. Do it because it’s something you love and feel passionate about because otherwise, it will suck the life out of you. When people ask you how your business is going, never say things are „busy“ or „hard,“ even though it will almost always be true. Even non-business owners could guess that entrepreneurship is a lot of work. Make sure that when you’re asked how it’s going, you can say that it’s „freaking awesome!“

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