Janine Tychsen ist eine leidenschaftliche Kommunikatorin, was sich in ihrer über zwanzigjährigen Berufsbiografie in Wirtschaft und Wissenschaft widerspiegelt. Vor einem Jahr hat sie sich als systemische Kommunikationscoachin selbstständig gemacht und zeigt vor allem Frauen in Führungspositionen ihr reiches Kommunikationspotenzial auf und führt sie damit an die Spitze ihres beruflichen Erfolgs.

Ich erinnere mich noch ganz genau an diesen einen Moment im Frühjahr 2016.

Ein einziger kurzer Moment, in dem meine berufliche Zukunft zerplatzte, wie eine bunt-schillernde Seifenblase auf dem grauen Asphalt.

Lange und mit viel Einsatz hatte ich auf diese Zukunft hingearbeitet. Doch mein Arbeitgeber hatte andere Pläne.

Mein Ziel war es, eine weibliche Führungskraft mit Vorbildcharakter zu sein.

Das war ich auch eine sehr schöne Zeit lang.

Doch trotz intensiver Führungskräfteentwicklung, trotz großem Erfolg als Interims-Chefin für ein zwölf-köpfiges Team und herzzerreißend-schönen Abschiedsworten meiner damaligen MitarbeiterInnen, musste ich diesen Weg unterbrechen. Ich musste zurück in die zweite Reihe.

Entwicklungsmöglichkeiten? Zero, null, nada. Und ich musste Haltung bewahren, nichts überstürzen.

Die Stärke der Resilienz

Plan B musste her.

Immer stärker wurde der Wunsch, das Kapitel Festanstellung zuzuschlagen und meine Berufsbiografie umzuschreiben.

Ich wollte meine Erfahrungen mit Führung (und mit Führungskräften) weitergeben und anderen Menschen das Bewusstsein für eine erfolgreiche intuitive Kommunikation aufzeigen.

Lange Gespräche und Überlegungen folgten, bis klar war, dass es keine Alternative mehr gab: Ich musste in die Selbstständigkeit gehen mit dem, was ich am besten kann, was mich glücklich macht und was ich (hoffentlich) für den Rest meines Berufslebens ausüben und ausleben werde.

Aber sofort in den freien Fall? Das traute ich mir (noch) nicht zu.

So erschuf ich eine Parallelwelt und entschied mich, ab sofort zweigleisig zu fahren: selbstständig und festangestellt auf zwei unterschiedlichen Gebieten der Kommunikation.

Was kannst Du? Was willst Du?

Ich setzte mich also hin und schrieb folgendes auf:
Was kann ich? Was ich will? Was will ich überhaupt nicht?

Ich beantwortete die Fragen relativ zügig.

Ganz oben und in Großbuchstaben stand: KOMMUNIKATION! Das kann ich, das will ich, das ist meine Leidenschaft – schon immer! Das spiegelt sich auch in meinem gesamten Berufsleben wider.

Stolz richtete ich meinen Blick nach vorne:
„Aktiviere Deine Kompetenzen, justiere Dein Mindset, richte Dein Krönchen und fasse Dir ein Herz.“

DAS war mein persönliches Mantra.

Gesagt, getan. Tschakka!

Machen, machen, machen

Ich suchte mir Experten, die mich beim Start meiner Selbstständigkeit als Kommunikationscoach für vor allem weibliche Führungskräfte unterstützten.

Innerhalb eines halben Jahres baute ich meine Webseite auf, entwarf ein Logo, produzierte Visitenkarten und Flyer, besorgte mir eine Unternehmenssteuernummer, suchte mir eine Finanzberaterin, investierte Geld, Manpower und Zeit in mein online- und offline Selfmarketing, besuchte viele viele Netzwerkveranstaltungen, redete unentwegt mit Menschen über mein Thema, veröffentlichte Texte – und arbeitete weiter als Vollzeitangestellte.

Mein Doppelleben und ich verwuchsen immer mehr miteinander.

Eine Trennung zwischen der privaten Janine und der Geschäftsfrau gab es nicht mehr. Die enorme Anstrengung und das Tempo, in dem ich unterwegs war, nahm ich überhaupt nicht wahr. Doch dieses eine Jahr Doppelleben, meine gesamte Energie-Investition, zahlten sich aus.

Innerhalb kürzester Zeit klopften die ersten Klienten an die Tür und so wuchs und wächst mein kleines eigenes Unternehmen.

Das ist ganz wundervoll, aber auch enorm herausfordernd.

Ich hänge mich rein mit all meiner Kraft, meiner knappen Zeit, meinem Ehrgeiz und meinem enorm starken Willen.

Mir ist es ein so großes Herzensanliegen, Frauen in Führungs- und Leitungspositionen auf ihrem Erfolgsweg zu begleiten und sie mit ihrem ureigenen Kommunikationspotenzial an die Spitze ihrer Führungsqualitäten zu führen.

Diese Mission treibe ich mit „tychsen kommunikation“ in jeder freien Minute voran, in meiner gesamten Freizeit – sehr zum Leidwesen meiner lieben Mitmenschen, die mich eine Zeit lang kaum noch zu Gesicht bekamen.

Ich hatte vorher überhaupt keine Ahnung, dass mich meine Leidenschaft und die Verfolgung meines Ziels soo sehr beanspruchen würden.

Nun ist jedoch ein Punkt gekommen, der mir und meiner Umwelt sehr viel abverlangt. Denn so, in diesem Tempo und mit diesem Einsatz neben einem Vollzeitjob als Angestellte, kann es nicht weitergehen.

Wie sagte die Gründerin des Wonderwomen Circle Daniela Batista dos Santos in ihrem Interview mit Sandra zum Thema nebenberuflicher Selbstständigkeit: „(…) Doch ich habe ganz schnell gemerkt, dass ich mich für eines entscheiden muss. Für mich war es sehr schwierig nicht meine ganze Energie in mein Projekt reinstecken zu können.

Bähm!

Genauso geht es mir auch! Ich muss mich entscheiden, bald.

Meine Energie ist endlich…

Meine Herausforderungen als Doppel-Lebende

In den zurückliegenden mega-intensiven Monaten habe ich lernen müssen, dass Energie und Gesundheit endlich sind; dass Ehe, Familie, Freundschaften und Beziehungen DAS Fundament meines Erfolgs sind – denn ohne soziales Netz fällst Du wirklich tief.

Dieses Netz ist dehnbar, aber eben nicht unendlich.

Ich habe schmerzlich lernen müssen, dass ich nicht alles auf einmal machen kann, dass Prioritätensetzung, Fokussierung und Vorausplanungen durchaus Sinn machen und wichtig sind.

Meine größte Herausforderung ist gleichzeitig meine größte Chance: mein Mindset.

Als jemand, die es gern sicher, geregelt und organisiert hat, ist das Modell Selbstständigkeit eine enorme Herausforderung. Nichts ist mehr sicher – und sich an diesen Gedanken zu gewöhnen, fiel mir lange Zeit sehr schwer. Ich legte alles in eine Waagschale und schaute, was am schwersten wiegt.

Das Ergebnis war eindeutig: Die Sicherheit war zwar ein Thema, aber keines, das ich nicht in den Griff kriegen würde.

Viel eindeutiger positiv waren meine zwei Wünsche und mein starker Wille, diese umzusetzen:
1. andere Menschen auf ihrem beruflichen Erfolgsweg bis an die Führungsspitze begleiten, sie emotional und mit Handwerkszeug unterstützen
2. meine eigene Chefin sein und für mich und meine Aufgaben selbst verantwortlich sein

Das war glasklar. Ich arbeitete an meiner Einstellung und meinen Glaubenssätzen.

Spielt Ihr auch mit dem Gedanken der Selbstständigkeit?

Wenn auch Ihr schon immer mal wieder mit dem Gedanken der Selbstständigkeit gespielt habt, Ihr Euch aber noch nicht so recht traut – dann ist das Modell der Parallelwelt für eine gewisse Zeit vielleicht auch für Euch geeignet. Vorausgesetzt, Ihr könnt Eure Arbeitszeit halbwegs flexibel einteilen und habt keinen Job, der Euch 60 Stunden die Woche abverlangt.

Fangt erst einmal klein an, fühlt Euch hinein und startet Eure nebenberufliche Selbstständigkeit ganz sachte.

Ich bin froh, diesen Weg gegangen zu sein. Und ja, es tut auch weh.

Doch der Schmerz vergeht und es ist eine wirklich kluge Herangehensweise.

Ich lege Euch jedoch ans Herz, einige wichtige Spielregeln zu befolgen.

Spielregeln, die Ihr selbst aufstellt und an die Ihr Euch unbedingt halten müsst!

Vergesst dabei niemals, Euren Job als Festangestellte weiterhin ernst zu nehmen und pflichtbewusst auszufüllen.

Denn Ihr habt Euch und Eurem Arbeitgeber gegenüber eine Verpflichtung: Ihr leistet, Ihr verfolgt Ziele (für das Unternehmen und für Euch selbst), Ihr werdet bezahlt und Ihr habt eine Selbstverantwortung.

Meine eigenen Spielregeln

Um Burnout, Überforderung, Schlafmangel, soziale Isoliertheit und Geldnot zu vermeiden, möchte ich Euch einige Tipps mit auf Euren Weg geben.

Ich selbst habe extrem viel Gas gegeben. Zu viel, wie ich rückblickend feststellen musste.

Der Burnout klopfte schon ganz laut an die Tür, Schlaf wurde zum notwendigen Übel, mein über alles geliebtes Sozialleben lag fast brach.

Ich versuchte immer, alles unter einen Hut zu kriegen. Abstriche? Niemals! Doch ohne geht es nicht.

Ihr müsst für eine gewisse Zeit darben auf allen Ebenen – vor allem auf der emotionalen. Von nix kommt nix. Das kennt Ihr vielleicht auch: Wenn Ihr Eurer Leidenschaft nachgeht, fokussiert Ihr Euch nur noch auf Euer „Baby“.

Meine persönlichen Regeln habe ich aufgestellt, NACHDEM ich schmerzliche Erfahrungen mit der permanenten Überforderung gemacht habe. Ihr müsst nicht diese steinigen Erfahrungen sammeln. Gebt Euch Zeit und plant Eure Teilselbstständigkeit von Anfang an. Also – los geht´s!

Fünf Tipps für Eure Doppelschicht

Auch Ihr solltet von Anfang an Vollgas geben – vorausgesetzt, Ihr meint es wirklich ernst. Halbe Sachen bringen Euch nicht weiter. Ihr solltet aber alles gut durchdenken, Eure Energie- und Zeitressourcen gut einteilen.

Generell empfehle ich Euch: Seid Euch selbst und Eurer Umwelt absolut und zu jeder Zeit bewusst! Achtet immer auf Euch, denn Ihr braucht die Energie! Vor allem vertraut Euch Eurem Partner, engen Freunden oder Verwandten an. Ihr braucht sie, nutzt sie – bitte keinen falschen Stolz!

Tipp 1 – Setzt Euch realistische Ziele und reflektiert

Wenn Ihr zweigleisig fahrt mit Festanstellung und Selbstständigkeit, nehmt Euch an einem festen Tag der Woche Zeit zum Reflektieren. Ich mache das gern am Sonntag, wenn die Uhr sich etwas langsamer dreht.

Denkt über Eure realistische Zielsetzung für Euer Business nach und prüft sie immer und immer wieder!

Plant entsprechend Eure Woche und justiert.

Setzt Euch Teilziele, nicht das große Ganze!

Ich zeichne mir beispielsweise in mein Bullet Journal (ein Offline-Planer) einen Monatskalender und notiere dort handschriftlich meine Meilensteine und Ziele. So habe ich alles im Blick und komme nicht ins Schleudern.

Ob Online oder Offline – Ihr findet Eure eigene Art, zu planen und Eure eigenen Leitfragen, wie:
Wo stehe ich heute? Wo will ich Ende der Woche stehen?

Schreibt konkrete Zahlen auf (z. B. ich möchte diese Woche mindestens zehn neue Follower für meine Facebook-Seite erhalten; ich möchte drei neue Kunden akquirieren; ich möchte 500 Euro Umsatz machen; ich möchte einen Vortrag vor 1000 Leuten halten).

Je konkreter, desto verbindlicher! Dies erreicht Ihr, indem Eure Ziele messbar, realistisch und zeitlich terminiert sind.

Tipp 2 – Seid herrlich UN-perfektionistisch

Ich bin eine gnadenlose Perfektionistin und vom Ehrgeiz gebeutelt. Damit stoße ich immer wieder an meine Grenzen.

Gerade lerne ich, dass Perfektionismus und Ehrgeiz eher hinderlich sein können, wenn die Dinge vorangetrieben werden müssen.

Ihr habt einfach keine Zeit, alles hin- und herzuwälzen, nochmal und nochmal gegenzuchecken und auf den richtigen Zeitpunkt zu warten. Den gibt es sowieso nicht.

Also hängt den Perfektionismus an den Nagel!

Habt Mut zur Lücke.

Perfekt gibt es nicht, irgendwas ist immer.

Ihr werdet effizienter und seht schneller Erfolge.

Und Ihr werdet freier. Ich konnte es auch kaum glauben, aber es ist wirklich so!

Tipp 3 – Checkt Eure Einstellung

Alles im Leben ist Einstellungssache.

Eure Einstellung zu Eurer Arbeitsweise, zu Eurem Umgang mit Druck und Stress, die Einstellung zu Eurem Arbeitgeber, zu Euren Finanzen usw. Eure Einstellung dirigiert Euch und Eure Erfolgskurve.

Überdenkt sie und macht Euch frei von: Ich muss! Ich soll! Aber, wenn, vielleicht, mal sehen.

JUST DO IT!

Horcht in Euch hinein und lasst Euch von anderen nicht vorschreiben, was gut funktioniert und was nicht.

Findet Eure gesunde Einstellung.

Tipp 4 – Priorisiere und fokussiere Dich

Ihr habt gar keine andere Wahl, als zu priorisieren.

Mit zwei Jobs müsst Ihr einfach eine Rangliste der wichtigsten Dinge aufstellen, die gemacht werden müssen.

Konzentriert Euch auf die wichtigsten drei bis fünf.

Fokussierung ist enorm wichtig, denn schließlich habt Ihr einen Hauptjob, der Euch (noch) ernährt und den Ihr pflichtbewusst erfüllen möchtet.

Ihr könnt nicht alles parallel erledigen! Verabschiedet Euch davon.

Tipp 5 – Ordnet Eure Finanzen und investiert

Ich gehöre zu den Menschen, die sich gern in finanzieller Sicherheit wissen.

Keine gute Voraussetzung für eine Selbstständige, denkt Ihr? Oh doch!

Denn mit dieser Einstellung bin ich immer wachsam und gerate eben nicht in die finanzielle Abwärtsspirale.

Allerdings schicke ich voraus, dass Ihr nicht drum herum kommen werdet, anfangs sehr viel zu investieren: Energie, Zeit und auch Geld.

Die anfänglichen Investitionen sind Investitionen in Eure Zukunft. Spart also nicht daran – es wird alles zu Euch zurückkommen!

Ich empfehle Euch, Euch von Anfang an mit einem Menschen zusammenzusetzen, der sich mit Finanzplanung und Gründung auskennt.

So habt Ihr einerseits ein gutes Gefühl und andererseits einen hervorragenden Überblick über Eure Finanzen.

Engagiert zudem einen Steuerberater, dem Ihr vertraut.

Ich habe eine Finanzberaterin und einen Steuerberater – beide begleiten mich und zeigen mir auf, dass alles zu händeln ist. Das beruhigt mich ungemein.

Bonustipp

Zum Schluss lege ich Euch ans Herz: Überstürzt nichts!

Macht nicht die selbe schmerzliche beinahe-Burnout-Erfahrung, die ich gemacht habe.

Obwohl – am Ende hat sie mich mit voller Wucht auf meine Disbalance gestoßen, weshalb ich relativ schnell systematisch, geplant und bewusster agiert habe.

Sonst hätte ich wahrscheinlich einfach so weitergemacht.

Das heißt aber nicht, dass Ihr das auch so weit ausreizen solltet.

Auch wenn Ihr noch sooo sehr brennt für Euer selbstständiges Business: Geht in Eurem Hauptjob kein Risiko ein, macht Euch nicht angreifbar, trennt beide Bereiche sorgfältig.

Und dann, irgendwann: SPRINGT und LASST LOS!!!

Viel Erfolg und Glück dabei!
Janine

© Beitragsbild: Toa Heftiba | Unsplash

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