Vor drei Monaten, genau drei Tage vor Weihnachten, ist ganz plötzlich meine Schwester verstorben – das wussten bislang nur meine engsten Vertrauten. Sie wurde 16 Jahre alt. Meine Trauer hält bis heute an. Auch wenn man es mir äußerlich vielleicht nicht anmerken mag, ihr Verlust beschäftigt mich sehr. Aber wie heißt es so schön? Das Leben muss weitergehen.

Was aber, wenn es das nicht tut? Seit dem Tod meiner Schwester beschäftigt mich eine Frage: Was passiert, wenn ein Selbstständiger stirbt? Was wird aus seinem Business? Wer kümmert sich um alles, wenn es der Selbstständige selbst nicht mehr tun kann?

Dazu habe ich mich einmal informiert und Euch ein paar Dinge zusammengetragen. Wie auch schon bei meinem Artikel über Steuern für Soloselbstständige gilt: Ich bin keine Fachfrau. Die nachfolgenden Informationen sind ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit. Ich möchte Euch anregen über das Thema nachzudenken und ggf. entsprechende Vorkehrungen für ein unerwartetes Ausscheiden Eurerseits zu treffen – sei es durch einen Unfall, der Euch für eine unbestimmte Zeit ans Krankenbett fesselt, oder Euren Tod.

Darüber habe ich bis zum Tod meiner Schwester nie nachgedacht. Doch jetzt und durch den Beitrag von Elisabeth Oberndorfer, deren Vater im vergangenen Jahr Selbstmord begangen hat und sie dazu Zwang nach seinem Ableben die Auflösung seines Einzelunternehmens abzuwickeln, weiß ich, wie wichtig es ist, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen – für sich und seine Angehörigen. Auch das gehört dazu, wenn man selbstständig ist.

Was tun, wenn jemand stirbt?

Zuerst einmal finden sich im Internet viele Artikel dazu, was man ganz grundsätzlich tun sollte, wenn jemand gestorben ist. Mir war bislang z. B. nicht bekannt, dass man “spätestens am dritten Werktag nach dem Todesfall die Sterbeurkunde beantragen muss”. Schock – wie früh die Bürokratie einsetzt. Wo bleibt denn da die Zeit für Trauer?

Eine übersichtliche Checkliste findet Ihr hier.

Wenn man sich dann aber auf die Suche macht, was zu tun wäre, wenn es sich bei dem Verstorbenen um einen Selbstständigen handelt, findet man kaum passende Informationen. Was aber, wenn der Hinterbliebene bzw. die Hinterbliebenen kein unternehmerisches Verständnis mitbringen? Wo soll man anfangen?

Damit Deine Angehörigen am Ende nicht sprichwörtlich dastehen wie der Ochs vorm Berg, ist es umso wichtiger, dass Ihr entsprechende Maßnahmen trefft – auch zur (finanziellen) Absicherung Eurer Familie.

Nach dem Tod eines Einzelunternehmers

“Sie müssen dafür sorgen, dass der Betrieb weiterlaufen kann. Das ist bei jedem Einzelfall anders”, sagt Christian Wentrup auf impulse.de.

“Wenn Sie ein großes Unternehmen mit mehreren Geschäftsführern (…) haben, dann müssen Sie sich um die Vertretung unmittelbar keine Sorgen machen, selbst wenn Sie als tonangebender Unternehmer ausfallen. Wenn Ihr Unternehmen aber auf Sie als Person zugeschnitten ist und Sie auch nach außen allein auftreten, dann müssen Sie dafür Vorsorge treffen. (…) Oder zumindest in der Vorsorgevollmacht festlegen, dass die Bevollmächtigten Ersatz bestellen können”.

Das heißt, Ihr solltet einer Person Eures Vertrauens – Ehepartner, Lebensgefährte, Eltern- oder Geschwisterteil – eine Generalvollmacht erteilen, damit diese in der Lage ist, sowohl betriebliche als auch private vermögensrechtliche Angelegenheiten für Euch zu regeln.

Sucht dazu am besten das Gespräch mit der Person Eurer Wahl und bittet sie diese Aufgabe zu übernehmen. Erklärt warum die Vorsorgevollmacht so wichtig für Euch ist. Seid aber nicht sauer, wenn der- oder diejenige Euren Wunsch ausschlagen sollte. Ich glaube, dass nicht jeder diese Verantwortung übernehmen möchte und kann.

Hier habe ich einen entsprechenden Vordruck gefunden. Dieser muss am Ende von einem Notar beglaubigt werden.

Darüber hinaus ist es sinnvoll, ein Testament zu machen. Darin sollte vor allem geregelt werden, auf wen das Betriebsvermögen übergeht”, heißt es in einem älteren Artikel auf dem Portal für Steuerberater.

Nach dem Tod eines Gesellschafters

Dort steht weiter: “In einer oHG ist die Fortführung der Geschäfte normalerweise geregelt, da weitere Gesellschafter vorhanden sind. Der Unternehmer muss aber im Vorfeld entscheiden, ob die Firma mit oder ohne (…) Erben fortgeführt wird. Werden die Erben aus dem Unternehmen herausgehalten, sind Abfindungsregelungen zu treffen”.

Solltet Ihr also ein Business zu zweit, dritt oder gar mit noch mehr Personen führen, rate ich Euch, auch hier ein Gespräch mit Euren Geschäftspartnern zu führen und festzuhalten wie Dinge in Eurem – und deren – Todesfall geregelt werden sollen.

Zudem bietet es sich an einen Notfallplan auszuarbeiten und wichtige Dokumente und Informationen zum Unternehmen fortlaufend an einer zentralen Stelle zu sammeln, um sicherzustellen, dass das Unternehmen fortgeführt werden kann.

Letzteres gilt natürlich auch für Soloselbstständige. Haltet Eure Buchführung in Schuss und informiert die Person, die über die Vorsorgevollmacht verfügt, wo sie wichtige Unterlagen finden kann. Haltet sie auch über aktuelle Entwicklungen zu Eurem Business, wenn auch ganz grob, auf dem Laufenden.

Übrigens haben diese die Pflicht Eure steuerlichen Unterlagen auch nach Eurem Tod aufzubewahren. Eine Übersicht zu gesetzlichen Aufbewahrungsfristen findet Ihr hier.

Vor dem Tod ist nach dem Tod

Letztendlich musste ich bei meiner Recherche feststellen, dass es keine Blaupause dafür gibt, was zu tun ist, wenn ein angehöriger Selbstständiger verstorben ist. Da müssen sich die Hinterbliebenen bedauerlicherweise selbst rein fuchsen. Einrichtungen, die einem dabei Hilfestellung leisten, habe ich nicht gefunden. Aber ich kann mir vorstellen, dass Steuerberater, Rechtsanwälte und auch das Finanzamt helfen können.

Da Behördengänge anstrengend genug sind – mal abgesehen von dem Schmerz um den Verlust eines geliebten Menschen –, könnt Ihr Euren Angehörigen Last abnehmen, in dem Ihr oben beschriebene Vorkehrungen, die für Euer Business relevant sind, trefft. Auch wenn diese hoffentlich nie notwendig werden mögen!

© Beitragsbild: Blickpixel | Pixabay

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