Mutterschafts- und Elterngeld in der Selbstständigkeit

Mutterschafts- und Elterngeld in der Selbstständigkeit

Seit über 10 Jahren schreibt Yvonne Adamek als freie Autorin über Menschen, Länder, Fitness und Gefühle. Lesen kann man das in Zeitschriften für Frauen und Mütter. Seit 2012 halten sie neben der Schreiberei noch ihre beiden Söhne auf Trab und dabei scheitert Yvonne hin und wieder grandios bei dem Versuch Arbeit, Kinder und das Leben an sich unter einen Hut zu bringen.

 

Das Freelancerinnen-Leben bietet so einige Vorteile: flexible Arbeitszeiten, ausgedehnte Mittagspausen und keine Chefinnen und Chefs, die einem kritisch im Nacken sitzen. OK, das Einkommen läuft nicht immer ganz so sicher und regelmäßig wie in einem Angestelltinnenverhältnis, aber je länger frau in ihrem Bereich tätig ist, desto sicherer ist frau im Geschäft und desto regelmäßiger kommen Aufträge – sogar, wenn frau zwischendurch ein Kind bekommt.

Wer als Freelancerin schwanger wird, sollte sich zunächst einmal freuen: Kein Beruf bietet einem so viel Flexibilität, um nach der Geburt für sein Kind da zu sein. Auch vorher macht das Leben als Freie vieles leichter: Die Untersuchung beim Frauenarzt dauert heute mal länger? Kein Problem! Die Hebamme hat nur vormittags Zeit? Alles easy! Heute könntet Ihr den ganzen Tag auf dem Sofa liegen bleiben? Tut Euch keinen Zwang an! Keine unangenehmen Fragen von der Chefin oder dem Chef, keine neidischen Blicke von den Kolleg*innen – das ist schön und sorgt dafür, dass frau sich ein wenig mehr entspannen kann.
 

Anfang der Elternzeit

Mutterschaftsgeld für selbstständige Frauen in der Künstlersozialkasse

Was ebenfalls sehr entspannend ist, ist die Tatsache, dass die Sache mit dem Mutterschutz und Elterngeld in der Selbstständigkeit ähnlich abläuft wie bei festangestellten Frauen. Viele denken ja, dass frau als Freelancerin keinerlei Anrecht auf Mutterschafts- oder Elterngeld hat – das stimmt aber nicht ganz. Wer zum Beispiel als Kreative bei der Künstlersozialkasse pflichtversichert ist, hat einen ganz normalen Anspruch auf Mutterschaftsgeld, das über Eure Krankenversicherung läuft. Allerdings müsst Ihr dann auch wirklich sechs Wochen vor dem errechneten Termin aufhören zu arbeiten. Wenn Ihr bis zu den Wehen am Schreibtisch kleben bleibt, kann Euch auch die KSK nicht helfen.

Elterngeld für alle

Das Elterngeld selbst zahlt übrigens der Staat und nicht Euer/Eure Arbeitgeber*in. Deshalb ist es am Ende auch völlig Schnuppe, ob Ihr nun festangestellt oder selbstständig seid. Nur bei den Nachweisen wird es etwas kniffeliger, weil die Berechnungsgrundlage sich ein wenig von der einer Festangestellten unterscheidet. Bei meinen beiden Kindern wurde nicht das Einkommen der letzten 12 Monate als Grundlage für die Berechnung meines Elterngeldanspruchs genommen, sondern das letzte Geschäftsjahr.

Das heißt, als mein erster Sohn 2012 geboren wurde, musste ich eine Einkommensüberschussrechnung (und später dann die Einkommenssteuererklärung) aus dem Jahr 2011 vorlegen. Bei meinem zweiten Sohn, der 2015 auf die Welt kam, galt dann das Jahr 2014 als Berechnungsgrundlage. Wenn Ihr Eure Steuererklärung schon gemacht und auch wiederbekommen habt, entfällt die Einkommensüberschussrechnung und Ihr gebt einfach nur Euren Steuerbescheid ab.

Das klingt jetzt vielleicht erstmal kompliziert, ist es aber gar nicht. Schließlich muss frau ja sowieso jedes Jahr ihre Steuerklärung abgeben. Mehr steckt eigentlich auch nicht dahinter. Ich kann in diesem Zusammenhang nur dazu raten, sich eine Steuerberaterin zuzulegen. Die hat in der Regel mehr Erfahrungen, wie man all diese Anträge und Zettel ausfüllt und einen möglichst guten Elterngeldsatz beziehen kann. Ja, so eine Steuerberaterin kostet Geld, aber ich verspreche Euch: Sie ist jeden Cent wert. Meine Steuerberaterin ist eine meiner größten Heldinnen, ehrlich!

Bei mir hat übrigens alles sogar ohne größere Planungsaction super geklappt. Ich habe mich von meinen Schwangerschaften beide Male eher überraschen lassen und haben daher vorher nicht mehr, aber auch nicht weniger Jobs angenommen als sonst. Wer aber gerne intensiv in die Zukunft denkt, kann natürlich schauen, in dem Jahr vor einer Schwangerschaft, so viel Kohle wie möglich zu schäffeln.

Dabei gaaaanz wichtig: Immer ehrlich sein zur Künstlersozialkasse. Viele von uns schätzen Ihr Jahreseinkommen ja gerne eher konservativ ein, um am Ende eines Geschäftsjahres nicht viel zu viele Abgaben gezahlt zu haben. Aber wusstet Ihr, dass Ihr bis Ende Oktober nachjustieren könnt? Wenn Ihr also schwanger seid und irre gut verdient habt, solltet Ihr das unbedingt der KSK melden. Dann fällt Euer Mutterschaftsgeld nämlich dementsprechend höher aus. Das macht auch die höheren Abgaben wieder wett.
 

Ende der Elternzeit

Arbeiten in der Elternzeit

Was ich allerdings deutlich penibler geplant habe als meinen Ausstieg in die Elternzeit, war meine Rückkehr aus selbiger. Nach sechs Monaten habe ich jeweils wieder mit der Akquise begonnen. Außerdem habe ich meine viele freie Zeit (bei Kind Nummer 1 war es deutlich mehr als bei Kind Nummer 2) dafür genutzt mit alten Kontakten einen Kaffee trinken zu gehen oder mal bei möglichen neuen Kontakten vorbei zu schauen. Im normalen Arbeitsalltag fehlt mir diese Zeit meistens, was unheimlich nervt. Im Grunde bietet eine Elternzeit daher auch ungeahnte Möglichkeiten, um sich neu aufzustellen.

Selbstständige Einkünfte während der Elternzeit

Idealerweise nehmt Ihr schon ab dem 9. oder 10. Monat Elternzeit wieder erste Aufträge an, damit nach Ende des Elterngeldes schnell wieder die ersten Honorare fließen. Die ganze Elternzeit durchzuarbeiten würde ich übrigens nicht empfehlen, da Nebeneinkünfte mit dem Elterngeld verrechnet werden. Allerdings wird der Betrag nicht einfach abgezogen.

Bei Selbstständigen wird der Gewinn, den man sich während der Elternzeit erwirtschaftet, durch die Anzahl der Bezugsmonate geteilt. Erzielt eine Einzelunternehmerin beispielsweise nur in einem ihrer 6 Bezugsmonate Gewinn, während sie in den anderen Verlust erwirtschaftet, so werden zuerst die Gesamteinnahmen und Gesamtausgaben des sechsmonatigen Bezugszeitraumes ermittelt. Bleiben dann positive Gewinneinkünfte übrig, so wird der Betrag durch sechs geteilt und anteilig auf jeden Bezugsmonat angerechnet. Im schlimmsten Fall errechnet sich dann nur noch ein Anspruch auf den Mindestbetrag Elterngeld in Höhe von 300 Euro. Aber da muss frau schon sehr fleißig sein. Ich hatte in meinen beiden Elternzeiten nicht genug Zeit übrig – oder einfach nur die falschen Auftraggeber*innen. Mehr überaus praktische Infos und Rechenbeispiele findet Ihr übrigens auf elterngeld.net.

Im Großen und Ganzen gilt: Bloß nicht wuschig machen lassen. Genießt Eure Schwangerschaft und die ersten Monate zusammen mit Eurem Nachwuchs so gut es geht. Es mag abgeschmackt klingen, aber es stimmt: Die Zeit kommt nicht wieder. Verschwendet sie nicht mit Arbeit oder zu viel Gedanken an Kohle und zukünftige Aufträge.

Für mich war es nach dem zweiten Kind durch eine Verkettung ungünstiger Umstände (Redaktionsschließungen, Personalwechsel) ziemlich schwierig wieder Fuß zu fassen. Aber es hat geklappt. Wichtig ist, dass Ihr und Eure Partner*innen Euch darüber im Klaren seid, dass das Geld auch mal knapp werden kann. Aber das hält auf keinen Fall an. Zwingt Euch nicht zu Höchstleistungen, sondern legt die Füße hoch. Ihr seid Eure eigene Chefin, nutzt das aus!

© Beitragsbild: Unsplash | The Honest Company

1 Kommentar
  1. Katrin Mathis sagt:

    Schön, wenn das Elterngeld reicht, um tatsächlich eine Auszeit zu nehmen. Bei vielen Selbstständigen ist das leider nicht der Fall, da sie von dem gleichen Elterngeld wie Angestellte höhere Kosten (z.B. für die Krankenversicherung) tragen müssen. Wenn man dann noch das Pech hat, dass das Geschäftsjahr vor der Geburt des Kindes unterdurchschnittlich war, ist schnell die Existenz bedroht.

    Wer innerhalb der Elternzeit arbeitet, kann in bestimmten Lebensmonaten auf das Elterngeld verzichten und versuchen, Rechnungen so zu schreiben, dass die Einnahmen in diesem Zeitraum eingehen. Dann werden diese nicht auf das Elterngeld angerechnet. So hat man als Selbstständige wenigstens ein wenig Gestaltungsspielraum und verliert nicht ganz den Anschluss.

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