Macht Selbstständigkeit glücklich?

Macht Selbstständigkeit glücklich?

Kennt Ihr dieses Gefühl, wenn Ihr schlecht geträumt habt und der Albtraum den ganzen Tag auf Eure Stimmung drückt? Genauso niedergeschlagen fühle ich mich, wenn ich an ein Gespräch zurückdenke, das ich vor einigen Wochen mit einer Selbstständigen geführt habe. Sie ist schätzungsweise Anfang bis Mitte 40 und seit ungefähr 15 Jahren selbstständig. Wir unterhielten uns über unsere Freiberuflichkeit. Während ich voller Begeisterung von meinem Freelancer-Dasein berichtete, sprach sie völlig emotionslos von ihrer Selbstständigkeit. Ich beobachtete sie genau. Stellte Fragen zu ihren derzeitigen Projekten. Nichts. Kein Funkeln in den Augen, kein Lächeln auf den Lippen. Das verunsicherte mich. Was war mit ihr los? Eins wird mir schnell klar: Zufriedenheit hört sich anders an. Sie scheint aber nicht die einzige Selbstständige zu sein, die über ihre berufliche Situation klagt. Auf Twitter musste ich der Tage zum wiederholten Male lesen, dass man als Freiberuflerin ja immer eine sieben Tage Woche hätte und nie mehr als fünf Stunden schlafen würde und… ich erspare Euch den Rest.

Selbst und ständig eben. Sophie hat ihre Gedanken zu diesem Thema im Artikel „Selbst ohne ständig“ verbloggt. Unter dem Artikel hat Wiebke wie ich finde einen treffenden Kommentar verfasst:

„Wer sich als „selbst“ und „ständig“ bezeichnet klingt für mich resigniert und nicht glücklich mit der eigenen Situation.“

Und sie hat Recht. Wenn ich von meiner Selbstständigkeit spreche, kann ich mich vor Begeisterung gar nicht mehr einkriegen. Meine Gedanken und Worte überschlagen sich. Ich blicke freudig auf das vergangene Jahr zurück und bin ganz von Euphorie beflügelt, wenn ich an die Zukunft denke. Ob es meiner Gesprächspartnerin auch mal so gegangen ist? Oder hat sie ihr Berufsleben schon immer so emotionslos betrachtet? Was hat dazu geführt, dass ihr die Freude abhandengekommen ist? Bringt langjährige Selbstständigkeit eine gewisse Ernüchterung mit sich?

Eine Antwort habe ich auf diese Frage nicht – dafür bin ich einfach noch nicht lange genug selbstständig. Aber es ist wohl eher so, dass die fehlende Begeisterung auf die Auswahl eines falschen beruflichen Weges zurückzuführen ist. Catharina Bruns schreibt in ihrem Buch Work is not a job*: “Leider können wir weder ein vollkommen glückliches Leben führen noch tatsächlich zeigen, was in uns steckt, wenn wir nur Arbeit ausführen, die uns nichts bedeutet.”

Mir bedeutet meine Selbstständigkeit viel und mich macht sie glücklich. Mag sein, dass das nicht immer so sein wird, schließlich wissen wir, nie was die Zukunft bringt. Aber ich weiß für mich, dass ich, wenn dieser Fall eintreten sollte, rechtzeitig reagieren und mich umorientieren werde. Denn wenn mir eins wichtig ist, dann ein zufriedenes (Arbeits-)Leben.

Was ist mit Euch? Macht Euch die Selbstständigkeit glücklich?

© Beitragsbild: Volkan Olmez | Unsplash

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10 Kommentare
  1. Cathy sagt:

    Sehr schöner Beitrag. Und ich sehe es ganz genauso.
    Es heißt nicht umsonst, dass man seines eigenen Glückes Schmied ist.
    Will man glücklich sein, muss man eben alles so machen, dass man auch glücklich ist. Leben, Liebe, Freizeit und eben auch Beruf – egal, ob selbstständig oder angestellt.

  2. Sandra sagt:

    Hallo, hier Sandra an Sandra 🙂 Ich bin seit mittlerweile fünf Jahren selbstständig, habe davor schon nebenberuflich frei gearbeitet – und ich liebe es jeden Tag mehr. Ich könnte es mir nicht mehr anders vorstellen und finde jeden, wirklich jeden Tag etwas, das mich meinen Job lieben lässt. Mal mehr, mal weniger, das ist klar; es gibt auch Rumpeltage. Trotzdem. Auch und gerade an Rumpeltagen bin ich froh, dass ich dann mal eben mit dem Hund raus kann, oder einfach Feierabend mache, oder, wenn eben was wirklich fertig werden muss, dann habe ich am nächsten Tag frei. Das ist wundervoll, und ich hoffe, ich sage das auch nach zehn, 15 und noch mehr Jahren Selbstständigkeit.

    • Sandra sagt:

      Liebe Sandra, ich bin ganz bei Dir! Ich habe mich mal ein bisschen auf Deinen Seiten rum getrieben und bin neugierig geworden. Würde Dich gerne mal für unseren Blog interviewen. Hast Du Lust? 🙂 Grüß mir den Fussel!

  3. Helke sagt:

    Hallo Sandra, der Titel deines Beitrags hat mich neugierig gemacht, da ich die Frage spontan und überzeugt mit „Ja“ beantworten kann. Ich bin seit 21,5 Jahren (das weiß mein XING-Profil so genau) als freiberufliche Fachübersetzerin im Home Office in Vollzeit selbstständig tätig und habe es noch nie bereut. Und ich kenne viele Frauen und sogar einige Männer (eine seltene Spezies unter Übersetzern und Dolmetschern), die seit mindestens 10 Jahren selbstständig und ebenfalls froh darüber sind. Aber es gibt auch die Fraktion, die du offensichtlich angetroffen hast: Selbstständige, die sich diese Arzt zu arbeiten und zu leben wohl nicht ausgesucht haben, sondern für die es das kleinere Übel war, wenn nicht sogar die einzige Alternative zur Arbeitslosigkeit. Wenn man die Freiräume einer selbstständigen Tätigkeit nicht genießen kann, sondern als ständig dräuende Entscheidungspflichten empfindet, ist man als Angestellte besser aufgehoben. Aber mach‘ dir keine Sorgen – wenn du das Freelance-Gen hast, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dir deine Selbstständigkeit auch noch nach vielen Jahren Spaß macht! 🙂

    • Sandra sagt:

      Liebe Heike, bitte entschuldige meine späte Rückmeldung. Ich befinde mich gerade mitten in Renovierungsarbeiten – mein erstes eigenes Büro. Ich freu mich! 🙂 Ich danke Dir für Deinen Kommentar! Es freut mich sehr zu hören, dass Du auch nach so langer Selbstständigkeit (Respekt!) noch nicht die Nase voll hast von der selbstständigen Arbeit. Sicher ermutigen Deine Worte nicht nur mich! Und ja, ich glaube auch, dass mir meine Selbstständigkeit noch nach Jahren Spaß machen wird. Das Freelance-Gen scheine ich wirklich zu haben! 😉 Hab eine schöne Woche!

  4. Christiane Mohr sagt:

    Hallo Sandra, ein sehr schöner Artikel… Ich kann diese Frage absolut mit Ja beantworten – im 12. Jahr meiner Selbständigkeit. Ich hatte immer mal wieder Projekte, bei denen ich viel beim Kunden vor Ort war (IT-Konzeption, Projektmanagement und Qualitätssicherung), und nach einiger Zeit musste ich da immer wieder raus, mehr Home Office, mehr Freiheitsgrade. Ich genieße das, und es soll noch mehr werden. Einige Ereignisse der letzten Jahre haben mich zu meinem Herzensanliegen geführt, so dass ich jetzt neben meiner langjährigen Selbständigkeit noch eine weitere habe, in einem völlig anderen Bereich, als Autorin und Coach für einen grundlegenden Wechsel im Lebensstil hin zu mehr Gesundheit, Glück, Zufriedenheit. Machmal bedeutet das „selbst“ und „ständig“, und dann kann es auch anstrengend werden. Aber erstens habe ich mir das ja selbst so ausgesucht und zweitens ist das nur eine neue Chance, am eigenen Lebensstil zu drehen, und wieder eine kleine Verschnaufpause einzulegen…
    Die meisten langjährig Selbständigen in meinem Umfeld würden sich nie freiwillig fest anstellen lassen, aber ich hatte auch Freunde, die sind nach relativ kurzer Zeit wieder in ein Angestelltenverhältnis gewechselt – und meist war das abzusehen an der Art, wie sie mit ihrer Selbständigkeit umgegangen sind. Meist waren sie auch nicht so wirklich glücklich, und machten sich nach dem Verlust eines Jobs selbständig. Ich stimme insofern Helke zu: Ich glaube, dass es den Typ Selbständigen gibt und den Typ Angestellter (sicher auch jede Menge Mischformen), und letztendlich muss man sich das Arbeitsumfeld so gestalten, dass man zu einem Großteil der Zeit glücklich und erfüllt ist, ansonsten wird es echt anstrengend…

    • Sandra sagt:

      Liebe Christiane, auch Dir lieben Dank für Deinen Kommentar! Ich glaube auch, dass es Menschen des Typs Selbstständiger und des Typs Angestellter gibt. Das sehe ich in meinem unmittelbaren Umfeld. Und das ist auch gut so. Was ich allerdings nicht verstehe ist, wenn Leute an einer beruflichen Situation festhalten -sei es aus Angst, Gewohnheit oder sonstigen „Gründen“- die sie unglücklich macht. Ich bin da voll bei Dir: Man muss sich sein Arbeitsumfeld so gestalten, dass man glücklich und zufrieden ist!

  5. Pingback: Glücklich selbständig? Das geht? | home-office-life.de

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