Seit über 10 Jahren schreibt Yvonne Adamek als freie Autorin über Menschen, Länder, Fitness und Gefühle. Lesen kann man das in Zeitschriften für Frauen und Mütter. Seit 2012 halten sie neben der Schreiberei noch ihre beiden Söhne auf Trab und dabei scheitert Yvonne hin und wieder grandios bei dem Versuch Arbeit, Kinder und das Leben an sich unter einen Hut zu bringen.

Vor kurzem wurde ich von der Chefredaktion eines kleinen Verlages angesprochen, ob ich nicht als freie Redaktionsleitung ein Magazin betreuen wolle, das alle drei Monate auf den Markt kommt. Klar wollte ich! Also schickte ich brav alle meine Unterlagen rüber und wartete auf die Antwort der beiden männlichen Verlagsinhaber.

Absage! Zwar sei ich mit meiner Vita perfekt für den Job geeignet, sagten sie, nur leider habe ich zwei Kinder. Und was, wenn davon mal eins krank wird? Oder gar beide? Und überhaupt, ob man als junge Mutter so einer Herausforderung gewachsen sei? Kann ja ganz schön stressig werden…

Ich weiß auch nicht, wie ich nur auf diese wahnsinnige Idee gekommen bin?! Arbeiten mit Kind und dann auch noch was mit Verantwortung! Was für ein Quatsch!

Es ist schwer, alle Gefühle, die mir in dem Moment durch den Kopf gingen zu beschreiben. Von Enttäuschung, Wut, Hass und absoluter Verständnislosigkeit war so ziemlich alles dabei.

Blöder Weise war es nicht das erste Mal, dass ich so ein Gespräch führen musste. Seit ich Kinder habe, ist es mit den Jobs deutlich komplizierter geworden. Und damit meine ich nicht das Organisatorische von meiner Seite aus. Das habe ich zu 90 Prozent im Griff. Es sind vielmehr einige Menschen (erstaunlicher Weise sogar überwiegend Frauen), die mir meine Kinder als eindeutigen Wettbewerbsnachteil auslegen.

Zum ersten Mal begegnete ich dieser Art von Vorbehalten, als ich ab und zu als Pauschallistin für eine Redaktion arbeitete. Dort war es gefühlt schon ein Fehler, seine Kinder in irgendeiner Form auch nur zu erwähnen.

Zwar wälzten um mich herum ständig alle ihre Beziehungsprobleme, spionierten ihrem Ex auf Facebook oder kamen mit ’nem Kater ins Büro, weil der letzte Pressevent zu lange gedauert hatte, gestört hat das allerdings keinen. Schließlich waren alle ja super locker drauf und mindestens noch genau so cool wie mit 20!

Die Coolness endschwand jedoch aus den Gesichtern, musste man mal eher, oder einfach nur pünktlich los, weil ein Kind krank war oder schlicht aus der Kita abgeholt werden musste, bevor die Erzieherinnen Feierabend hatten. Diese schockierten Blicke! Unfassbar!

Meine Arbeitstage wurden zu einem einzigen Tanz auf rohen Eiern. Denn wer auch immer offen zugab, dass das Kind krank war, konnte sicher sein zum Lästermittelpunkt der nächsten Mittagsrunde zu werden.

Seitdem habe ich mir bei vielen Kunden angewöhnt zu sagen, dass ich von 14 bis 18 Uhr in einem Termin sei, um eine Entschuldigung zu haben, wenn ich nicht gleich ans Telefon gehen kann oder Mails erst mit Verzögerung beantworte. Ich traue mich einfach nicht zu sagen, dass ich in dieser Zeit auf meine Kinder aufpasse. Ich befürchte dann eine gewisse Inkompetenz vermitteln zu können. Und das ärgert mich!

Mich ärgert es, dass ich mich fremden Meinungen unterwerfe und meine Kinder verleugne! Und noch mehr ärgert es mich, wenn ich sehe, wie einige Kolleginnen mit den Augen rollen, wenn ich meine Kinder nur einmal kurz am Rande erwähne. So als würde ich erzählen, dass mich gestern ein fahrradfahrender Bär im Tutu auf eine Tasse Kaffee eingeladen hätte. Ich möchte das nicht! Ich möchte ich selbst sein können! Und meine Kinder gehören nun mal dazu.

Dabei will ich gar nicht jeden mit Kindergeschichten volllabern. Ich möchte nur offen sagen können, dass ich Mutter bin, ohne dass man mich für eine inkompetente Spinnerin hält, die ihrem Job nicht gewachsen ist, weil sie nicht regelmäßig bis 22 Uhr im Büro rumhängt. Aber dieser „Auf-Krampf-bis-in-die-Puppen-im-Büro-sitzenbleiben-Unsinn“ ist nochmal eine eigene Geschichte wert.

Ich frage mich nur, woran es liegt, dass man in unserer Gesellschaft Müttern so wenig zutraut. Man muss bei der Geburt schließlich keine seiner Gehirnzellen an seine Kinder abtreten. Behandelt wird man allerdings so.

Ich dachte, dass ich das Problem als Selbstständige besser umschiffen könnte, aber Sturrköpfe sitzen leider überall. Und da sich die generell nur schwer zufrieden stellen lassen, versuche ich es seit Neustem wieder mit Ehrlichkeit.

Wenn ich mich um meine Kinder kümmern muss, sage ich das, und schiebe keine Fantasiemeetings mehr vor. Zu meiner Überraschung bin ich damit bislang sogar ganz gut gefahren. Viel mehr noch: Wie sich herausgestellt hat, sind zwei meiner besten Kontakte selber Väter. Und beide freuen sich immer riesig, wenn sie zwischen Themenbesprechungen und Honorarverhandlungen auch mal einen Schwank aus ihrem Privatleben erzählen können. Man darf also optimistisch bleiben…

© Beitragsbild: alphalight1 | Pixabay

2 Kommentare
  1. Luisa-Charlotte sagt:

    Toller Text! Leider trifft das immer wieder zu. Ich musste leider selber die Erdahrung bei einem renommierten deutschem Verlag machen. Es wird Zeit, dass Deutschland familien- und v.a. kinderfreundlicher wird.

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