“Man ist immer zu mehr fähig, als man von sich denkt.” – Julia Muthig, Gründerin des nachhaltigen Labels Lillika Eden

Bild von Julia Muthig, Gründerin des nachhaltigen Modelabels Lillika Eden

Ab und an ist es auf Frau, frei & vielleicht schon durchgeklungen, dass ich vor allem von Unternehmerinnen und Selbstständigen begeistert bin, die einen sozialen oder nachhaltigen (im Sinne von “für eine gute Zukunft”) Gedanken verfolgen (zum Beispiel hier, hier oder hier).

Da ich mich privat und auch auf meiner Seite Helllaut viel mit dem Thema nachhaltiger und fairer Mode beschäftige, wird es also langsam Zeit, Euch hier eine Frau vorzustellen, die der Fast-Fashion-Branche mal die Stirn bietet und zeigt, wie das auch besser gehen kann. Also bitte Vorhang auf für Julia Muthig von Lillika Eden, der ich mit meinen neugierigen Fragen aufgelauert habe 😉

Julia ist in Frankfurt am Main geboren und aufgewachsen, bevor sie sich auf in die Schweiz machte, um dort Modedesign zu studieren. Nachdem sie das Diplom in der Tasche hatte, folgte Berlin, wo sie 2014 gemeinsam mit ihrem Mann Daniel das faire, vegane und nachhaltige Label Lillika Eden an den Start brachte.

Julia, wie kam es zur Selbstständigkeit?

Eigentlich war ich schon immer selbstständig – zwar nicht als Modedesignerin, aber als Freelancerin in verschiedenen Büros, um Geld zu verdienen. Es war allerdings schon immer mein Traum, ein eigenes Label aufzubauen. Irgendwann kam dann der Punkt, an dem ich den Start einfach gewagt habe – nach dem Motto: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Ich würde mal behaupten, dass das „Gründertum“ nicht sehr deutsch ist, da die meisten nach Sicherheit streben und diese Sicherheit mit einem festen Arbeitsplatz verbinden. Woher kommt es, dass Du da „anders“ bist und ein fester Job nicht in Frage kam? Haben Deine Eltern ihre Finger im Spiel? 😉

Meine Eltern sind zwar selbst keine Unternehmer, aber meine Mutter war immer schon eine sehr mutige Frau. Sie hat mich dazu erzogen und ermutigt, meinen eigenen Weg zu gehen und Dinge einfach zu probieren. So war ich z.B. als 17-Jährige für ein Jahr in Japan, bin dort zur High School gegangen und habe in einer Gastfamilie gelebt.
Außerdem merke ich immer wieder, dass es einfach nichts gibt, was einem dauerhaft Sicherheit verspricht.

Du und Dein Mann Daniel seid jetzt in Berlin. Welche Vorteile bietet die Hauptstadt jungen Gründern?

Berlin bietet zwar viele Möglichkeiten und eine hohe Lebensqualität, aber es gibt jetzt nicht unbedingt großartige Vorteile für Gründer eines Modeunternehmens. Zumal es leider immer schwieriger wird, bezahlbare Gewerbeflächen zu finden.

Was sind eigentlich die Vorteile, wenn man als Paar gründet? In welchen Situationen wird das aber auch mal schwierig?

Ich wurde schon sehr oft gefragt, ob es Nachteile gäbe, wenn man mit seinem Partner zusammen ein Unternehmen aufbaut. Das ist aber nicht der Fall. Das Beste daran ist, dass man mit allen Problemen direkt und offen zu dem Anderen gehen und gemeinsam an Lösungen arbeiten kann. Für mich ist es sehr erfüllend, gemeinsam für einen Traum zu arbeiten.

Fair, vegan und nachhaltig – Lillika Eden macht ja alles richtig. Wie genau setzt Ihr das um?

Wir verwenden ausschließlich nachhaltig hergestellte Stoffe, also Bio-Baumwolle, Bio-Leinen etc. Beim Anbau werden keine gentechnisch veränderten Samen verwendet und keine Pestizide versprüht. Unsere Stoffe werden in Europa angebaut und weiter verarbeitet. Zwei Drittel davon werden sogar direkt in Deutschland gewebt und gefärbt. Unsere gesamte Produktion findet zudem in Deutschland statt, in Sachsen, um genau zu sein. Alle Schritte in der Herstellung unserer Kleidung sind somit fair, sozial und nachhaltig. Wir verwenden für unsere Kollektionen natürlich kein Leder, Pelz, Wolle oder sonstige tierische Bestandteile.

Gab es einen speziellen Auslöser, durch den es bei Dir geklickt hat und Du wusstest, dass Du etwas ändern möchtest?

Ja, das war ziemlich am Anfang meines Modedesign-Studiums, noch bevor ich von den Produktionsbedingungen der Nähereien im Ausland erfahren habe. Man brachte uns bei, wie Seide hergestellt wird, dass dabei die Seidenraupen im Kokon getötet werden, damit sie nicht als Schmetterling ausschlüpfen und den Endlos-Seidenfaden durchbrechen können. Da war für mich schon mal klar, keine konventionelle Seide zu benutzen und generell darauf zu achten, dass weder Mensch noch Tier und Umwelt für die Herstellung meiner Mode zu Schaden kommen.

Warum fällt es eigentlich den großen Modeketten so schwer, umzustellen? Von außen denkt man ja immer, dass das ja wohl nicht wahr sein darf, dass es bei „den Großen“ immernoch keinen Richtungswechsel gibt.

„Das darf ja wohl nicht wahr sein“ trifft es ganz gut. Gerade große Konzerne sind sehr schwerfällige Konstrukte, in denen sich oft keiner verantwortlich fühlt, eine Veränderung in Gang zu bringen. Die Angst vor Gewinnminderungen wird wohl auch eine starke Gegenmotivation sein. Die „Großen“ warten lieber ab, bis die Bevölkerung einen Massenaufstand veranstaltet und wälzen damit die Verantwortung auf die Kunden ab, statt von sich aus ihre Richtung zu ändern.

Könnt Ihr denn nach knapp zwei Jahren schon vom Label leben?

Wir können von unserem Label leben, ja. Allerdings gab es in der Anfangszeit auch Monate, wo es am Ende nur noch Nudeln mit Ketchup gab 😉

Zu Beginn haben wir Lillika Eden mit unseren eigenen Mitteln finanziert. Seit diesem Jahr haben wir zwei starke Investoren an unserer Seite.

Was ist ganz anders gekommen, als Du gedacht hast?

Ich dachte, dass es mehr deutsche Einkäufer geben würde, die Lust auf unsere Kollektionen haben. Dem war aber leider nicht so. Stattdessen haben wir mehr an Läden im Ausland verkauft. Gerade in Norwegen und Schweden ist man irgendwie schon weiter, was Nachhaltigkeit angeht. Die ist die Nachfrage nach Mode wie unserer einfach stärker.

Gibt es etwas, von dem Du Dir wünschst, Du hättest es vorher gewusst?

Ja, das passiert mir immer wieder! Ich hätte zum Beispiel nicht gedacht, dass es so schwierig werden würde, passende Mitarbeiter zu finden. Was für eine zeitaufwendige Angelegenheit, wenn man möchte, dass sie ähnliche Werte haben und sich für Nachhaltigkeit genauso stark begeistern wie wir.

Was hast Du während Deiner Zeit als Unternehmerin gelernt?

Geduld und nochmals Geduld 🙂 Und dass man immer zu mehr fähig ist, als man am Anfang von sich denkt.

Oha, das macht Mut! Liebe Julia, vielen Dank fürs Rede-und-Antwort-Stehen und natürlich weiterhin ganz viel Erfolg mit Lillika Eden und dass endlich auch deutsche Läden auf den Trichter nachhaltiger Mode kommen 🙂

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