Ist die Selbstständigkeit wirklich das Richtige für mich?

Frau mit Hut vor dem Gesicht auf Stuhl

Das ist jetzt ein bisschen ein Plädoyer in eigener Sache – soll aber auch all denen Mut zusprechen, denen es vielleicht ähnlich geht, wie es mir ging. Gleich als erstes: Ich bin nicht mehr selbstständig! Zwei Mal habe ich es in meinem Leben versucht und zweimal habe ich mich doch wieder dagegen entschieden. Beide Male nicht, weil der finanzielle oder gesellschaftliche Druck zu groß geworden wäre, sondern weil ich eben für mich gemerkt habe: Nein, die Selbstständigkeit ist nicht das Richtige für mich – zumindest nicht in der Form, wie ich sie diese zwei Male gelebt habe.

Warum schreibe ich diesen Artikel?

Dies ist doch ein Blog, das anderen Leuten Mut machen soll, sich selbstständig zu machen! Wieso stelle ich das Konzept dann jetzt in Frage? Die Antwort: Das tue ich gar nicht. Selbstständigkeit ist großartig! – Für einige Leute. Aber sie ist nicht für jeden der richtige Lebensentwurf, genauso wenig, wie 9-to-5 der richtige Lebensentwurf für jeden ist. Ich lese immer wieder Artikel, in denen es so dargestellt wird: Wer seine Träume verwirklichen will, der muss frei arbeiten. Wer sich in einen Bürojob zwängen lässt, der hat nur nicht genug Mut oder Durchhaltevermögen… Der gibt seine Wünsche auf… Gibt sich geschlagen vom System… Verrät sich, verkauft sich… Oder hat es eben nicht geschafft.

Als ich mich vor knapp einem Jahr wieder habe anstellen lassen, wurde ich von einer Tante ganz mitleidig angeschaut: „Naja, einen Versuch war’s ja wert“, sagte sie. „Zum Glück hast Du ja wieder einen Job gefunden. Da ist’s ja nicht schlimm, dass das mit der Selbstständigkeit nicht geklappt hat.“ Die Selbstständigkeit habe ich freiwillig an den Nagel gehängt, versuchte ich, sie zu beruhigen. Es habe gut geklappt. Tatsächlich würde ich in meiner Festanstellung ein bisschen weniger verdienen, als ich das als Freie getan habe. Ich sähe hier aber mehr Perspektiven. Sie nickte mitleidig. „Ja das ist doch schön. War ja auch von vornherein klar, dass Du Dir wieder einen neuen Job suchen kannst, wenn es nicht klappt. Hast ja auch immer gute Noten gehabt.“ Nach 20 Minuten habe ich aufgegeben, ihr erklären zu wollen, dass das „Experiment Selbstständigkeit“ nicht fehlgeschlagen war. Sie denkt jetzt, ich hätte es halt nicht gepackt. Von sowas muss man sich frei machen. Aber das ist schwer. Wenn ich Freunde oder ehemalige Kollegen nach längerer Zeit wiedersehe und ihnen erzähle, dass ich nicht mehr selbstständig bin, schwingt in solchen Gesprächen immer entweder Mitleid oder sogar Feindseligkeit mit: „Hast Dich doch wieder verkauft… Naja.“

Und während ich immer noch davon überzeugt bin, dass die Selbstständigkeit ein tolles Arbeitsmodell ist, dass sie viele Vorteile gegenüber einer Festanstellung hat, und obgleich ich mir auch vorstellen kann, in Zukunft einmal wieder selbstständig zu arbeiten, möchte ich hier doch denen etwas Mut zusprechen, die sich vielleicht mit ähnlichen Gedanken herumschlagen wie ich, die ähnliche Probleme mit ihrer Selbstständigkeit haben, wie ich sie hatte, und die dabei denken, sie würden vielleicht „aufgeben“. Denkt daran: Wie jeder Job muss auch Eure Selbstständigkeit bestimmte Kriterien erfüllen, sonst ist auch sie nicht der richtige Weg zur Verwirklichung Eurer Träume!

Kriterium 1: Wie wichtig ist mir Sicherheit?

Selbstständigkeit braucht Mut und das Aushalten von Mangel. Auch wenn sie gut läuft, ist man nie zu hundert Prozent sicher, woher im nächsten Monat oder in einem halben Jahr das Geld kommt. Kann man sich die etwas teurere Wohnung leisten? Kann ich in den Urlaub fahren und behalte trotzdem meine Auftraggeber? Diese Unsicherheit muss man aushalten können. Klar – gerade heutzutage ist auch eine Festanstellung für nix eine Garantie. Aber es gibt eine Kündigungsfrist – und eine Abfindung. Man sitzt nicht plötzlich von hundert auf null im Regen.

Auch wenn das häufig so verkauft und zitiert wird, die Unsicherheit, die die Selbstständigkeit mit sich bringt, nicht aushalten zu können, ist keine Charakterschwäche. Sicherlich stimmt es, dass es immer mit Mut und Risiko verbunden sein wird, wenn man etwas Neues, Aufregendes, Eigenes machen will. Viele Träume lassen sich nur so verwirklichen. Aber lasst Euch nicht einreden, dass Euer Leben weniger schön ist, wenn Ihr diese Risiken nicht eingeht. Risiken einzugehen fällt einigen Menschen schwerer als anderen. Manche müssen sich nur einen Ruck geben und dann läuft die Sache. Mein Handy-Bildschirm-Hintergrund ist das Zitat: „We have to continually be jumping off cliffs and developing our wings on the way down.“ (Ich glaube im Original von Kurt Vonnegut, mein Hintergrund ist ein Tweet von Moritz Bleibtreu). Ein schöner Gedanke. Aber nicht für jeden so umsetzbar.

Das Bild vom Klippenspringer bedeutet nicht für jede Freiheit. Manche können auch nach dem Sprung nicht loslassen. Ihnen wachsen keine Flügel, sie rudern panisch mit den Armen in der Luft. Sie machen sich ständig Sorgen ums Geld, schlafen nachts schlecht, nehmen keinen Urlaub und genießen nicht ihr Wochenende, aus Angst, dass plötzlich keine Aufträge mehr reinschneien. Das ist nicht Freiheit! Auch wenn man dabei „frei“ arbeitet, ist man gefangen in einem Käfig von Ängsten. Von diesen Ängsten muss man sich frei machen können, um in der Selbstständigkeit die Erfüllung zu finden. Überlege Dir also, ob Du ein Klippenspringer bist, oder nicht.

Extra-Bonus: Wenn Du Dir diese Frage bewusst stellst, wirst Du danach glücklicher sein, egal welche Entscheidung Du triffst. Entscheidest Du Dich fürs Springen, wird es Dir leichter fallen, Unsicherheit und Gegenwind auszuhalten, weil Du Dich für Werte wie z.B. Eigenständigkeit und Flexibilität entschieden hast. Entscheidest Du Dich dagegen, wirst Du Deinen Bürojob weniger belastend und einschränkend finden, weil Du Dich bewusst für Werte wie Sorgenfreiheit oder Sicherheit entschieden hast und diese dann anders genießen kannst. Und denke immer daran, beides ist völlig okay!

Kriterium 2: Tue ich das, was ich tun will?

Für mich war diese Frage damals der Knackpunkt. Denn nein, ich tat nicht das, was ich tun wollte. Bei beiden Versuchen mich selbstständig zu machen nicht. Das erste Mal war direkt nach dem Abi. Ich wollte zum Film! Meine ganze Schulzeit über wollte ich Regisseurin werden. In meiner Freizeit schrieb ich mit Freundinnen Drehbücher und plante Oscar-Dankesreden. Ich stand mit 19 ein Jahr lang unbezahlt an Filmsets und arbeitete mich hoch. Von der Set-Assistentin, die Türen zuhält, zur Produktionsassistentin, die im Büro ans Telefon geht, Drehbücher vorsortiert und Dispos verschickt, bis zur Script/Continuity, die neben dem Regisseur sitzt und aufpasst, dass der Darsteller in jeder Einstellung zur gleichen Zeit an der Zigarette zieht und dass die Kamera rechtzeitig die Filmrolle wechselt.

Ich habe es geliebt! Ich stand wochenlang jeden Tag fünfzehn Stunden am Set. Ich zerstritt mich mit Freunden, für die ich plötzlich keine Zeit mehr hatte. Ich stand mir zitternd Nacht um Nacht die Füße in den Bauch, um Passanten umzuleiten oder auf abgestellte Lampen aufzupassen. Und das alles für null Euro, weil ich das Glück hatte, dass meine Eltern mir das ein Jahr lang finanziert haben. Und dann habe ich mich doch dagegen entschieden und in einer Hals-über-Kopf-Aktion einen Tag vor Bewerbungsschluss meine Einschreibung für die Uni abgeschickt. Und warum? Vielleicht auch aus Angst. Das will ich gar nicht abstreiten. Aber auch, weil ich gemerkt habe: Regisseurin sein ist einfach nichts für mich. Es gibt zu wenige Sender, Produktionsfirmen und Förderungen, um all die Regisseure zu bezahlen, die tolle Filme machen wollen. Und es gibt zu wenig Publikum.

Der Großteil der Regisseure finanziert sich seinen Lebensunterhalt mit GZSZ oder Werbung. Das konnte ich nicht. Ich fand immer die Vorstellung angenehmer, irgendwo zu kellnern, als gelangweilt und unter Zeitdruck eine Standard-Einstellung nach der anderen für irgendeine Vorabend-Soap in den Kasten zu kloppen. Der Beruf Regisseur ist großartig! Aber er ist es eben nur für einen sehr kleinen Teil derer, die ihn ausführen. Den Teil, der sich über Jahre nach oben gekämpft hat, der beim Networking die richtigen Produzenten kennengelernt hat, der einen kompromisslosen künstlerischen Anspruch hat, der sich seiner Vision sicher ist – das war ich nicht.

Ich bin da ehrlich – ich bin kein Visionär. Ich habe keine atemberaubenden Bilder im Kopf, die ich schon mit acht à la Spielberg mit Mamas Digitalkamera im Garten umsetzen wollte. Ich kann auch nicht den Rest meines Lebens nicht mehr in den Urlaub fahren, weil ich immer auf Abruf bereitstehen muss. Ich kann auch nicht für den Rest meines Lebens GZSZ inszenieren – und mich freuen, weil das noch einer der besseren Jobs ist. Ich habe also studiert. Und dann ein Volo gemacht – in einer Online-Redaktion – eher zufällig.

Träume ich von der Selbstständigkeit?

Seit ich meinen Regie-Traum aufgegeben habe, habe ich ehrlich gesagt keinen neuen mehr gefunden. Ich gehe dorthin, wo sich das nächste Fenster öffnet. Als ich in meinem letzten Betrieb nicht mehr arbeiten wollte, habe ich gekündigt. Als mir daraufhin jemand anbot, als freie Redakteurin zu arbeiten, habe ich das Angebot angenommen. Die Selbstständigkeit hat mich gereizt. Ich fand die Vorstellung toll, zwei oder drei Tage in der Woche für einen Auftraggeber zu arbeiten, und in der restlichen Zeit eigene Ideen zu verwirklichen. Ich wollte ein Buch schreiben. Ich hängte mir ein großes Foto von Paris an die Wand, um meinen Schreibplatz so inspirierend und mondän wie möglich zu gestalten. Ich ersann mit anderen Freien tolle Ideen, die wir umsetzen wollten – dieses Blog zum Beispiel. Aber so wie ich mir das vorgestellt habe, kam es nicht.

Ich hatte neben dem einen festen Auftraggeber schnell einen zweiten. Und dann einen dritten – etwas kleineren. Und schon war meine Woche wieder voll. Voll mit Aufträgen, bei denen ich nur ausführende Kraft war. Ich schrieb Texte zu Themen, die mich so mittelmäßig interessierten, auf Basis von Briefings, die ich nicht entwickelt hatte. Ich war zu einer kleinen Textmaschine geworden – das, was ich nie wollte. Und gleichzeitig habe ich mich nicht getraut, einen der Aufträge abzusagen. Es waren immer nur Projektarbeiten. Was, wenn ich einen Auftrag absage und mir dann plötzlich vom anderen Auftraggeber gekündigt würde? Dann hätte ich zwar viel Zeit für Eigenes, aber kein Geld mehr.

Und ich habe mich auch verantwortlich gefühlt. Das Angebot kam damals mit der Bedingung, dass ich es mir nicht gleich wieder anders überlege. Da wollte ich niemanden hängen lassen. Ich gebe zu, hier hätte ich natürlich mutiger sein können. Aber man ist ja auch das Kind seiner Eltern. Mein Vater wollte immer, dass ich Bankkauffrau werde. Dagegen konnte ich mich zum Glück wehren. Aber so ganz habe ich mich nicht lösen können von der Vorstellung, dass man sparen muss, verantwortungsbewusst handeln muss, zuverlässig sein muss, für seine Zukunft planen muss.

Kann ich mich in der Selbstständigkeit weiterentwickeln?

Und dann bekam ich das Angebot, als Projektleiterin in einer Agentur anzufangen. Ich war sehr hin und her gerissen. Ich war immer noch etwas verliebt in die Vorstellung, ganz frei und selbstständig zu sein. Gleichzeitig merkte ich, dass mich meine Arbeit langweilte. Mit der neuen Anstellung kamen auch neue Herausforderungen auf mich zu. Ich musste wieder selbst Konzepte entwickeln. Ich musste lernen, Projekte zu kalkulieren. Ich musste Aufgaben delegieren und andere Abteilungen briefen. Ich musste mich in neue Kunden und neue Sparten einarbeiten. Das fand ich alles sehr spannend. Für mich war die Beendigung meiner Selbstständigkeit daher nicht die Entscheidung gegen das freie Arbeiten und für den sicheren 9-to-5-Job, für mich war es eine Entscheidung gegen den Stillstand, gegen die Monotonie, hin zu neuen Herausforderungen und mehr Verantwortung.

Ich bin bis heute glücklich mit dieser Entscheidung. Nicht nur wegen des breiteren Aufgabenfeldes. Das Büro-Umfeld tut mir gut. Umgeben zu sein von anderen arbeitenden Menschen, spornt mich an. Mich mit anderen Leuten auszutauschen, Fragen zu stellen, Ideen durchzusprechen, empfinde ich als sehr hilfreich und beflügelnd. Ich kann mir gut vorstellen, mich irgendwann wieder selbstständig zu machen. Allerdings nicht mehr als freie Redakteurin. Wenn ich mich noch einmal selbständig mache, dann im Team – mit einer Firmengründung. Mit einer eigenen Idee, einem klaren Projekt und einem Ziel, auf das ich hinarbeiten kann.

Mein Tipp daher: Überlegt Euch, ob Ihr in Eurer Selbstständigkeit wirklich das tut, was Ihr tun wollt. Habt Ihr tatsächlich Zeit für eigene Projekte? Machen Euch Eure Aufträge wirklich Spaß? Könnt Ihr Euch weiterentwickeln? Lernt Ihr noch Neues? Gibt es Zukunftsperspektiven und Dinge, auf die Ihr hinarbeiten könnt?

Kriterium 3: Arbeite ich wirklich „frei“?

Für viele ist es, glaube ich, das Hauptargument für die Selbstständigkeit: Dass sie sich ihre Zeit mehr oder weniger frei und flexibel einteilen können. Doch auch das will gelernt sein. Ich für meinen Teil war froh, als ich nach einem Jahr Magister-Arbeit und -Prüfungen in meinem ersten festen Job angefangen habe. Natürlich habe ich es vermisst, nachmittags Kaffee zu trinken, morgens einfach mal auszuschlafen, wenn mir der Schädel gebrummt hat einfach mal zum Sport oder um die Alster spazieren zu gehen. Aber ich fand es auch sehr angenehm, einen wirklichen Feierabend, ein wirkliches Wochenende und wirkliche Urlaubstage zu haben.

Ich konnte das zu den Zeiten, zu denen ich eigenständig gearbeitet habe – sei es im Studium oder später als Freie – selten richtig genießen. Es gab immer noch einen Text, den ich hätte lesen können, eine Seite, die ich hätte schreiben können, eine E-Mail, die ich hätte beantworten können, Steuern, Anträge etc., die auf mich warteten. Wie eine graue Wolke hing das oft über mir: Du kannst jetzt nicht im Park sitzen – Du musst doch noch arbeiten! Du kannst jetzt nicht ins Kino gehen – Du musst doch noch arbeiten! Einen Tag frei machen habe ich oft gegen das dadurch „verlorene“ Gehalt aufgerechnet. Das hat mir sehr viel Stress gemacht.

Ich weiß, dass es zum Beispiel Sophie nicht so geht. Und ich bewundere das. Und auch Gudrun hat einen guten Weg gefunden, sich diesen Stress nicht zu machen. Mir fällt das schwer. Ich habe das Gefühl, immer erreichbar und vor allem verfügbar sein zu müssen. Ihr braucht den Text bis Montag? Klar, kein Problem, als Freie hab ich ja kein offizielles Wochenende. Es wäre gut, wenn die Korrektur noch heute fertig würde? Dann mache ich das heute Abend zuhause – selbstverständlich. Das ist natürlich keine Einstellung, die nur etwas mit der Selbstständigkeit zu tun hat. Auch jetzt in der Agentur verschicke ich freitagabends vom Handy aus E-Mails. Nicht, weil mein Chef das erwartet, sondern weil ich weiß, dass ich damit dem Kunden einen Gefallen tue.

Kann ich mich frei machen?

Aber ich kann mich tatsächlich meistens davon frei machen. Ich bin schließlich nicht allein für alles verantwortlich. Ich bin Teil eines Teams. Die können auch mal was regeln, wenn ich im Urlaub bin. Als Freie hat man dieses Sicherheitsnetz nicht. Das muss man aushalten können. Man muss „Nein“ sagen können.

Dies ist wahrscheinlich der Punkt, der am wenigsten darüber entscheiden sollte, ob man sich selbstständig macht oder nicht. Denn er kann erlernt werden. Man kann das Nein-Sagen üben. Man kann sich dazu zwingen, am Wochenende nicht in seine Arbeits-Mails zu schauen. Ich glaube aber, dass man hier als Freie oder Selbstständige ehrlich mit sich sein und sich fragen muss: Kann ich das? Nehme ich mir meine Auszeiten? Und wenn nicht, aktiv dafür sorgen muss. Selbstständigkeit und Träume verfolgen schützen nicht vor dem Burnout.

Auch wenn man an Traumprojekten sitzt, muss man sich eingestehen, dass man Grenzen hat, und diese nicht überschreitet. Und man muss sich nicht als Versager fühlen, wenn man sich von der Selbstständigkeit überfordert fühlt. Ich kenne Freie, die sich durch die vielen „Wer seine Träume verwirklichen will, muss Opfer bringen“-Texte unter Druck gesetzt fühlen. „Ich muss das durchhalten, sonst gebe ich meinen Traum auf! Wenn ich es wirklich will, dann schaffe ich es auch! Andere machen das doch auch, dann muss ich es auch können/wollen.“ Nein! Nehmt Euch nicht andere als Maßstab. Überlegt Euch, was Ihr leisten könnt und was Euch glücklich macht. Ein Traum ist nur dann ein Traum, wenn er das Leben bereichert.

Und? Ist die Selbstständigkeit jetzt das richtige für mich?

Das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Aber genauso wenig, wie Ihr Euch von Euren Eltern oder „der Gesellschaft“ davon abhalten lassen solltet, solltet Ihr Euch von falschen Idealen dazu gedrängt fühlen, an einer Selbstständigkeit festzuhalten, die Euch nicht glücklich macht. Ein Bürojob ist nicht für jede erfüllend – aber auch die Selbstständigkeit ist keine Glücksgarantie. Lasst Euch nicht reinreden. Hinterfragt den Status quo kritisch – immer wieder – bis Ihr für Euch den richtigen Weg gefunden habt.

© Beitragsbild: Stella Blackmon | Death to the Stock Photo

9 Kommentare
  1. Barbara Huber sagt:

    Toller Text, der hoffentlich vielen Leuten Mut macht auf ihre eigene Stimme zu hören! Als Gründungsberaterin erzähle ich auch meinen Klienten von diesen ‚Begleiterscheinungen‘ – leider nicht immer mit Erfolg. Hut ab und alles Gute für dich!

    • Judith sagt:

      Hallo Barbara,

      vielen Dank für Deinen Kommentar und Deine Unterstützung! Soweit läuft alles gut 🙂 Auch Dir und Deinen „Schäfchen“ nur das Beste.

      Liebe Grüße,
      Judith

  2. Marion sagt:

    Danke für deinen Text, der sehr viel von dem sagt, was bei mir auch immer wieder auftaucht. Dieses Hin- und Hergerissen sein zwischen vermeindlicher Freiheit und den Sorgen, die sich damit auch einnisten. Und eben auch die Schwierigkeit, seine eigenen Perspektiven zu definieren und zu verfolgen, wenn man schon 45 Stunden plus die Woche für drei Auftraggeber arbeitet, die an einem zerren – und Urlaub nehmen immer ein vor allem innerer Kampf mit sich selbst ist… Mir ist schon oft der Begriff „Scheinselbständigkeit“ dazu eingefallen, anders als in der Definition vom Finanzamt, aber doch irgendwie nirgendwo so richtig fest sein und schon gar nicht „frei“. Für mich hat das bedeutet: halb zurückfahren, mit einem Teilzeitjob in Festanstellung mit Team und festen Strukturen, die mich auffangen – aber nicht nur aus Büroarbeit besteht. Und den Rest der Zeit redaktionell arbeiten als (feste) Freie, solange es mir Spaß macht. Ob das der Königsweg ist? Keine Ahnung – einen Versuch ist es wert.

    • Judith sagt:

      Hallo Marion, vielen Dank für Deinen Kommentar und dass Du Deine Erfahrungen mit uns teilst. Auch ich kann mir eine solche Variante sehr gut vorstellen – die festangestellte Wochenarbeitszeit reduzieren und dann auch wieder eigene Projekte umsetzen oder ein paar freie Aufträge annehmen. Wenn das Grundeinkommen gesichert ist, kann man sich wahrscheinlich auch bei freien Projekten besser von dem Gefühl lösen, immer verfügbar sein zu müssen. Halte uns gerne auf dem Laufenden, wie es sich bei Dir mit der 50/50-Lösung entwickelt. Ich würde mich freuen! 🙂

  3. Andreas sagt:

    Der Artikel ist auch für den Mann geeignet. Ich wollte vor kurzem einen Vertrag als Handelsvertreter eingehen.
    Als es dann um den Vertrag ging, merkte ich, dass ich unruhig geworden bin. Ich bat noch mal um Bedenkzeit. Am nächsten Tag sagte ich dann ab und suche weiter einen Job. Aber die innere Unruhe, die auch kleine Panikattacken hatten, war plötzlich vorbei.

    Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass ich für die Selbstständigkeit nicht geeignet bin. Man darf nicht vergessen, dass ja die Einnahmen nicht gleich Gewinn sind. Neben den Betriebsausgaben müssen auch Krankenversicherung und Altersvorsorge bezahlt werden.

    Das Lesen dieses Textes hat mich aber bestätigt, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe.

  4. Janine sagt:

    Ein wirklich sehr gelungener Artikel. Ich habe ihn sehr gerne gelesen. Gleichzeitig kann total nachvollziehen, was du schreibst. Ich bin in der glücklichen Lage, mich von Druck freimachen zu können, da ich einen überaus unterstützenden Partner habe. Das ist eine enorme Hilfe. Dennoch kenne ich natürlich auch Schattenseiten des Selbstständigen. Alles im Leben hat Vor- und Nachteile. Die Frage ist: Welcher Typ bist du?

    Liebe Grüße
    Janine

    • Sandra sagt:

      Da hast Du Recht, Janine. Judith (Autorin des Textes) wird sich sicher über Dein Feedback freuen. 🙂
      Liebe Grüße,
      Sandra

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