„Das Schöne am »frei« sein ist ja, dass man so vielseitig sein kann“ – Autorin Yvonne Adamek

Yvonne Adamek

Am Montag haben wir den Artikel „Geheimniskrämerei: Müssen Mütter die eigenen Kinder verheimlichen, wenn sie selbstständig erfolgreich sein wollen?“ von unserer Gastautorin Yvonne Adamek veröffentlicht, die seit Ende des Jahres bei uns auf dem Blog mitschreibt.

Yvonne hat sich auf unseren Aufruf bei Facebook gemeldet, in dem wir Gastautorinnen für die Rubrik „Selbstständigkeit mit Kind“ gesucht haben. Witzigerweise kommt Yvonne auch aus der Hansestadt und war sogar vorher schon mit Judith bekannt. Zufälle…

Bevor wir zum Interview kommen noch die Aufforderung an Euch, Euch bei uns zu melden, wenn Ihr Mompreneurinnen seid, Ihr ein Thema habt das Euch auf der Seele brennt und das Ihr in einem Gastartikel verarbeiten wollt! 🙂

Liebe Yvonne, Du bist seit über 10 Jahren als freie Autorin selbstständig. Wie kam es zu Deiner Selbstständigkeit?

Ich war mit meinem Job als Redakteurin in einer Frauenzeitschriftenredaktion nicht mehr glücklich. Die Strukturen waren mir zu fest gefahren und alle Themen schienen sich ständig zu wiederholen. In meinem Kopf spielte ich diverse Möglichkeiten durch, was ich mit meinem Leben sonst noch anfangen könnte. Als dann die Chefredaktion wechselte und mit ihr einige Mitarbeiter die Redaktion verlassen mussten, war ich auch dabei. Ich war so froh! Man hatte mir meine Entscheidung abgenommen und ich konnte mich endlich neuen Dingen widmen. Ich weiß nicht, ob sich jemand über ein Kündigungsgespräch jemals mehr gefreut hat als ich.

Du sagtest mal, dass Du gerne “über Menschen, Länder, Fitness und Gefühle” schreibst. Welches ist Dein liebstes Thema? Und: Warum?

Das ist schwer zu sagen. Das Schöne am „frei“ sein ist ja, dass man so vielseitig sein kann. Aber ich glaube, am liebsten mache ich Geschichten mit Menschen – echten Menschen, keinen Promis. Irgendwie trägt jeder mindestens eine schöne Geschichte mit sich herum und ich finde es toll anderen zuzuhören, wenn sie von ihren ganz persönlichen Erlebnissen erzählen. Sehr beeindruckt hat mich zum Beispiel eine norddeutsche Hausfrau, die ganz ohne Vorkenntnisse und Kontakte nur aus reinem Mitgefühl heraus einen Hilfsverein für Waisenkinder in China gegründet hat. Diese Energie und dieser Wille zu helfen waren unheimlich inspirierend.

Wie bist Du zum Schreiben gekommen? Hast Du eine klassische journalistische Ausbildung hinter Dir?

Ich war schon immer ein Zeitschriftenfan. Meine Mama auch. In unserem Wohnzimmer stapelten sich die Magazine. So ungefähr in der 10. Klasse wusste ich dann, dass ich Schreiben gerne zu meinem Beruf machen möchte! Von da an habe ich gezielt auf meinen Berufswunsch hingearbeitet: Unzählige Praktika, Studium und schließlich Volontariat.

Du schreibst hauptsächlich für Zeitschriften und Online-Magazine, richtig? Wie steht’s um ein eigenes Buch – würdest Du das gerne irgendwann einmal in Deinen Händen halten?

Klar! Ich glaube, davon träumen alle Autoren. Ich habe auch schon ein paar Ideen gesammelt und mit den ersten Exposés angefangen. Leider fehlt mir mit zwei Kindern und dem Job immer die Zeit, um alles wirklich vernünftig auszuarbeiten und es endlich mal an den ein oder anderen Verlag schicken zu können.

Wie kommst Du eigentlich an neue Aufträge? Finden Kunden Dich oder Du die Kunden?

Das ist unterschiedlich. Viel läuft über Mundpropaganda. Jemand fragt jemanden, ob er nicht jemanden kennt, der dies oder das schreiben könnte. Manchmal landen solche Anfragen dann bei mir. Zusätzlich betreibe ich regelmäßig Akquise. Das heißt, ich überlege mir Themen, die gut zu bestimmten Zeitschriften passen könnten und kontaktiere damit dann den jeweiligen Ressortleiter. Mit etwas Glück und dem richtigen Timing, komme ich dann immer wieder in verschiedenen Heften unter. Wenn es dann gut läuft, werde ich auch immer wieder von Redaktionen angerufen, wenn sie Geschichten haben, die ich für sie schreiben soll.

Eine Website hast Du nicht. Bewusste Entscheidung oder ein Punkt an dem Du nachbessern musst? Braucht es die als Autorin überhaupt?

Ich habe sie im letzten Jahr eingestampft, weil ich einfach keine Zeit hatte sie zu pflegen. Ich hatte Fotos und Texte seit sieben Jahren nicht geändert. Das war eher Negativwerbung für mich. Bislang hat sich auch noch kein Kunde beklagt, dass es keine Homepage von mir gibt. Es erscheinen ja ein paar Artikel, wenn man mich googelt und ansonsten schicke ich bei potentiellen Neukunden auch immer gleich die aktuellsten Arbeitsproben mit.

Welche Rolle spielen für Dich die sozialen Netzwerke?

Sie sind für mich sehr wichtig, um neue Themen zu generieren. Außerdem findet man über Instagram und Facebook auch häufig super Leute für die persönlichen Porträts, die ich so gerne mag.

“Seit 2012 halten mich neben der Schreiberei noch meine beiden Söhne auf Trab (…)” schreibst Du auf unserer “Über-uns-Seite”. Hatte die Geburt Deiner Söhne Einfluss auf Deine Selbstständigkeit? Wenn ja, wie?

Nach meinem zweiten Sohn hat sich viel geändert. Ich muss mich noch besser organisieren, um alles hinzubekommen. Manchmal merke ich leider auch, dass mir manche Menschen durch meine beiden Kinder professionell weniger zutrauen. Das ärgert mich dann immer sehr. Gleichzeitig sind meine Kinder aber auch eine unendliche Quelle der Inspiration, wenn es um neue Geschichten geht. Grundsätzlich ist die Selbstständigkeit für mich als Mutter jedoch die perfekte Arbeitsform: Ich kann meine Zeit frei einteilen und habe auch noch genug für meine Kinder übrig. Zur Zeit versuche ich außerdem, mich vermehrt auf Familienthemen zu konzentrieren. Das ist die perfekte Kombination aus Beruf und Privatleben.

Ich darf Dich noch einmal zitieren: “(…) dabei scheitere ich hin und wieder grandios bei dem Versuch Arbeit, Kinder und das Leben an sich unter einen Hut zu bringen”. Mit welchen Herausforderungen siehst Du Dich als selbstständige Zweifach-Mama alltäglich konfrontiert?

Nicht durchzudrehen, wenn es mal wieder stressig wird.

Welchen positiven Einfluss hat Dein Mutter-Dasein auf Dich und Deine Selbstständigkeit genommen?

Dass ich jetzt auch endlich glaubwürdig für Elternmagazine schreiben kann. Und ich bin gelassener geworden. Früher war es mir immer sehr wichtig, für welches Medium ich arbeite. Heute geht es mir mehr darum, dass ich mich mit meinen Jobs wohlfühle. Ich sage schneller ‚Nein’, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen.

Mich als noch kinderlose Selbstständige von fast 30 Jahren interessiert natürlich auch, wie Du die ganze Bürokratie um Deine Kinder herum organisiert hast? Also, wie bist Du versichert; wie Deine Kinder?

Das ist tatsächlich ganz easy. Ich habe mich am Anfang meiner Selbstständigkeit für eine gesetzliche Versicherung entschieden. Da muss man einfach nur die Krankenkasse anrufen, sobald man ein Kind erwartet. Dann füllt man nach der Geburt noch ein paar Formulare aus und schon ist das Kind ohne Extrakosten mitversichert.

Und wie läuft das mit der Elternzeit, dem Kinder- und Elterngeld?

Das läuft in meinem Fall genau wie bei Festangestellten. Die Höhe des Elterngeldes berechnet sich nach meinem Einkommen aus dem Geschäftsjahr vor der Geburt. Dazu muss ich praktisch nur meine finale Steuerabrechnung vorlegen. Sollte die bis zur Geburt noch nicht da sein, reicht auch zur vorläufigen Berechnung eine einfache Einkommens-Verlust-Rechnung.

Nochmal zurück zu Deiner Tätigkeit als Autorin: Welche Eigenschaften muss man mitbringen, wenn man mit dem Schreiben Geld verdienen will?

Flexibilität und möglichst wenig Eitelkeiten. Von festangestellten Redakteuren weiß ich, dass sie viel lieber jemanden buchen, der pünktlich und vernünftig abliefert, als irgendwelche egozentrischen Edelfedern zu engagieren, die sich über jede noch so kleine Änderung in ihrem Text aufregen. Natürlich ist eine gute Schreibe wichtig. Aber viel wichtiger ist es, auf die Wünsche der jeweiligen Redaktionen eingehen zu können. Dazu gehört es auch, dass man seinen Text nochmal umschreibt, wenn er nicht so gut angekommen ist. Auch dann, wenn man die Änderungswünsche nicht immer nachvollziehen kann.

Stichwort Geld: Wie schlimm steht es wirklich um Deine Branche? Ich höre immer wieder, dass Journalisten, Autoren und Texter schlecht bezahlt werden. Stimmt das?

Lieder stimmt das. Es wird immer schwieriger damit Geld zu verdienen. Es wird an allem gespart. Nicht nur an den Honoraren. Viele Redaktionen dürfen wegen der Extrakosten kaum noch Geschichten an Freie rausgeben. Deshalb versuche ich mittlerweile immer mehr, auch abseits der typischen Publikumszeitschriften neue Aufgabenfelder zu generieren.

Und noch eine Frage zum lieben Geld: Woher wusstest Du, welchen Satz Du pro Wort, Text, Stunde oder Tag nehmen kannst? Es scheint vielen schwer zu fallen, sich diesbezüglich festzulegen…

Da lassen einem die Redaktionen meistens gar nicht so viel Spielraum. Bei den meisten gilt die Faustregel 100 Euro pro 1000 Zeichen. Ansonsten sagen sie meistens schon beim Erstgespräch, wie viel sie für die Geschichte zahlen können. Das kann man dann annehmen oder nicht. Bei Kundenmagazinen ist das anders. Da habe ich vor den ersten Honorarverhandlungen einfach Kollegen gefragt, die sich in dem Metier auskennen.

Hast Du abschließend noch einen Tipp für Frauen, die sich als Autorin selbstständig machen wollen? Gibt es etwas, das Du ihnen gerne mitgeben möchtest?

Hm, schwierig… Macht lieber was Anständiges! Ne, Quatsch! Vielleicht, dass man nicht so viel auf Prestige geben soll. Je bekannter das Heft, desto schlechter ist oft auch das Honorar, da man in unserer Branche auch gerne mit dem guten Ruf bezahlt. Ansonsten einfach „dran bleiben“.

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