„Wir verdienen nicht mal 20% unserer alten Gehälter. Wir würden trotzdem nicht tauschen wollen“ – Nina & Ekaterina, Gründerinnen von What the Food!

What the food

Nachdem wir mit unserem Frühstück für selbstständige Frauen, Gründerinnen und Unternehmerinnen bereits in Leipzig bei Maike Steuer und in Berlin bei Ilona Troncoso zu Gast waren, geht es für uns im nächsten Monat nach Frankfurt am Main – denn daher kam ursprünglich die Anfrage, die den Stein ins Rollen gebracht hat. Danke Mélanie!

Sie hat uns auch direkt unsere Gastgeberinnen für den 22. Juli empfohlen: Nina Rümmele und Ekaterina Bozoukova von What the Food! Die beiden waren auf meine Anfrage nach einem Tisch und 20 Plätzen für unser Frühstück sofort dabei! Yeah – und danke!

Lasst sie uns nun kennen lernen.

Liebe Nina, liebe Ekaterina, Ihr habt vor drei Jahren Euer Unternehmen What the Food! gegründet. Ein Fast-Casual-Gastro-Konzept. Bitte erklärt uns, was sich dahinter verbirgt und wie Ihr auf die Idee gekommen seid Euer Business zu gründen.

Hinter What the Food! verbirgt sich ein Konzept, dass Wert auf leckere und gesunde Speisen legt, die in einem lockeren Umfeld serviert werden. Für uns ist es wichtig, dass sich der Gast bei uns wohl fühlt, schnell und unkompliziert etwas Gesundes essen kann und jegliche Ernährungswünsche berücksichtigt werden (vegan, mit viel Fleisch, laktosefrei, glutenfrei, etc.). Das Leben ist kompliziert genug – bei uns soll jede_r eine Auszeit vom stressigen Alltag haben!

Wir kommen selbst aus der Bürowelt und waren früher im Banking und der Unternehmensberatung tätig. Da ist uns aufgefallen, dass wir uns immer zwischen zwei Optionen entscheiden mussten: schnell, aber eher ungesund oder mit viel Zeit, dafür dann aber qualitativ hochwertig. Wir wollten ein Konzept schaffen, dass beides kann! Schnell UND gesund. Und dies zu einem akzeptablen Preis 😊.

Bis zur Eröffnung Eures ersten Ladens in Frankfurt sind acht Monaten vergangen. Manche mögen diesen Zeitraum als “lang” bezeichnen. Warum hat es fast ein dreiviertel Jahr gedauert, bis Ihr die Türen in der Nähe des Hauptbahnhofes eröffnet habt?

Das ging uns auch zu lange! Wir haben uns um die 45 Läden angeschaut bis wir endlich unseren Glücksgriff in der Kaiserstraße gefunden haben. Im Endeffekt war es die richtige Entscheidung für uns. Lieber etwas länger warten und dann aber die, in unseren Augen, ideale Location als den ersten Standort wählen. Gerade beim Ersten ist das super wichtig.

Erst kürzlich habt Ihr einen zweiten Laden angemietet. Ich habe gelesen, dass Ihr plant aus What the Food! ein Franchise-Konzept zu machen. Erzählt uns bitte mehr – auch wie Ihr bei dieser Expansion vorgehen wollt.

Das stimmt – es werde sogar 2 – 3 neue Läden, die in den nächsten Monaten auf uns zu kommen. Wir werden uns zunächst auf zwei Städte fokussieren und da regional wachsen. In Frankfurt und Hamburg. Im Endeffekt bestimmt der Immobilienmarkt die Expansion – vor allem, wenn man noch am Anfang steht und sich nicht die 1A-Lagen leisten kann. Daher sind es diese beiden Städte geworden, auch wenn sie weit auseinander liegen.

Zum Glück sind wir zu zweit und können uns räumlich etwas aufteilen. Die Aufgaben, für die wir verantwortlich sind, stehen schon seit einer Weile fest und daran wird sich vorerst nichts ändern. So können wir, in unseren Augen, strukturiert größer werden.

Damit die Expansion weiter vorangehen kann, brauchen wir außerdem gute und zuverlässige Restaurantleiter vor Ort und irgendwann sicher auch ein kleines Backoffice, dass uns hilft. Für den Moment schaffen wir das aber noch alleine.

Ihr werdet von den Heilbronner Food Angels als Investoren unterstützt. Wie habt Ihr zueinander gefunden?

Bei einer klassischen Matching-Veranstaltung. Wir präsentierten unser Konzept vor 25 – 30 Business Angels und darunter befand sich einer der Food Angels. Wie sich herausstellte: zum Glück!

Gibt es weitere Investoren an Eurer Seite?

Ja, wir haben auch andere Investoren. Generell sind wir sehr froh über den Mix in unserer Gesellschafter-Basis und haben untereinander ein sehr gutes Verhältnis. Wir haben operativ die Freiheiten, die wir brauchen, um schnell sein zu können und bekommen Rat, wenn wir danach fragen.

Seite an Seite…. Ihr habt Euch während des Masterstudium kennengelernt. Welche Vorteile hat es zu zweit zu gründen?

Sehr viele – wir sehen eigentlich nur die Vorteile. Im Endeffekt gibt man alles auf und startet nochmal komplett von null. Das sichere Gehalt und die klar definierten Rollen, die eindeutigen Karriereziele fallen weg. Die Anfangszeit von Gründer_Innen ist auch geprägt von Unsicherheit, existentiellen Entscheidungen, Extremen und Scheitern (hoffentlich nie so sehr, dass man komplett scheitert). Beide von uns würden diese Zeit ungern alleine durchmachen und freuen uns, dass es da noch eine gibt, die genauso mit drin hängt. Genauso schön ist es, dass wir Erfolge zu zweit feiern können.

Gibt es aus Nachteile?

Sehr wenige, aber klar gibt es auch Nachteile. Zwei Menschen, Geschmäcker und Meinungen sind selten gleich. Es ist also etwas diskussionsintensiver und manchmal auch anstrengender.

Für uns hatte das bis jetzt allerdings nur Vorteile: wenn man offen an die Sache rangeht und akzeptiert, dass Gegensätze, Unterschiede und Meinungsverschiedenheiten im Zweifel zum besten Ergebnis führen, dann nehmen wir den teilweise etwas anstrengenderen Weg zum Ziel gerne auf uns. Toleranz ist in einer Gründerpartnerschaft super wichtig.

Habt Ihr eine klare Aufgabenteilung oder macht jede von Euch von allem ein bisschen?

Nein, wir haben eine ganz klare Aufgabenteilung. Unsere Meinung nach ist das der beste Weg zu Arbeiten. Jede hat ihre Verantwortungsbereiche, einen Blick auf die eigenen To-do’s und die Mitarbeiter wissen, wen sie zu welchem Thema ansprechen können.

Vorher wart Ihr, Du Nina bei der Unternehmensberatung Roland Berger in Zürich tätig, und Du Ekaterina warst bei der Deutschen Bank in Frankfurt angestellt. Ich nehme an, dass Ihr dort nicht schlecht bezahlt wurdet. Wie viel Prozent Eures alten Gehalts steht Euch heute zur Verfügung? Ich nehme an Eure Gründung hat sich auch (negativ) in Euren Portemonnaies bemerkbar gemacht, oder?

Oh ja 😊. Wir verdienen jetzt nicht mal 20% unserer alten Gehälter. Klingt absurd, aber wir würden trotzdem nicht tauschen wollen. Irgendwann muss ein gewisser Lebensstandard trotzdem wieder möglich sein. Dass es die ersten Jahre wenig abwirft, war allerdings klar.

Wie viel Kapital habt Ihr für die Gründung von What the Food! benötigt?

Wir haben eine GmbH gegründet und brauchten daher erstmal die 25.000 Euro Startkapital. Für den Bau eines Ladens sollte man mit allem zwischen 200.000 und 400.000 Euro rechnen und dann ist ein operativer Puffer, vor allem beim ersten Laden, auf dem Konto kriegsentscheidend. Das sollte trotzdem jede_r für sich entscheiden. Es kommt sehr auf die Branche und das Konzept an.

Gab es Kosten, die Ihr anfänglich nicht auf dem Zettel hattet und die Euch unvorbereitet getroffen haben?

Klar, es gibt immer Dinge mit denen wir nicht gerechnet haben oder mit denen wir nicht rechnen konnten. Zum Glück waren das keine großen Kostenblöcke. Da wahrscheinlich jedes Start-up damit vertraut ist, sollte man immer einen Puffer von 20% einplanen. Shit happens, dann sollte man wenigstens vorbereitet sein 😉.

In der Vorbereitung auf das Interview habe ich irgendwo gelesen – ich weiß leider nicht mehr wo – das Ihr zur Eröffnung Eures Ladens auch die Health-Claims-Verordnung beachten musstet. Was verbirgt sich dahinter und ist die für Euer Business von Relevanz?

Ja, das ist für uns auf jeden Fall relevant. Wir arbeiten seit dem Beginn mit einer Ernährungsberaterin zusammen und sind so informiert was unsere Speisen angeht. Health Claims sind Aussagen, die man über seine eigenen Produkte treffen kann und, wie der Name schon sagt, Gesundheitsversprechen darstellen. Zum Verbraucherschutz werden diese „Versprechen“ streng reguliert. Wir dürften zum Beispiel keine heilende Beratung anbieten, sondern nur präventiv kommunizieren.

Ihr hattet von Anfang an Ernährungsberaterin mit an Bord. Warum war Euch das wichtig?

Es war uns vor allem wichtig, damit wir uns selber glauben und auch für unsere zukünftigen Gäste glaubwürdig erscheinen. Wir lesen zwar sehr viel über Ernährung und haben uns viel informiert, allerdings gibt es viele Mythen / falsche Information in den Medien. Daher war es uns so wichtig mit einer erfahrenen, ausgebildeten und zertifizierte Ernährungsberaterin zusammen zu arbeiten.

Sicher habt Ihr auch noch andere Hände, die Euch in Eurem Business unterstützen – wie z. B. im Verkauf. Wie findet Ihr Leute für Euer Team und worauf achtet Ihr bei der Auswahl Eurer Mitarbeiter?

Wir suchen unsere Mitarbeiter über die klassischen Portale. Seit kurzem haben wir Social Media für uns entdeckt und nutzen auch diesen Kanal für Mitarbeiter-Recruiting. Viel läuft aber auch durch Empfehlung oder Initiativbewerbung. Wir haben die besten Mitarbeiter durch Zufall gefunden 😊.

Welche Eigenschaften schätzt Ihr an der anderen?

Kati ist sehr eloquent, charmant und kann unsere Interessen bei unseren Partnern super durchsetzen. Nina ist die Analytische und dDurchdachte von uns beiden, die oft das Organisatorische übernimmt und alle im Zeitplan hält. Yin und Yan also – unterschiedlicher könnten wir wirklich nicht sein.

Gibt es etwas, das Euch an der anderen manchmal so richtig nervt?

Haha, das ist eine gemeine Frage.

In a nutshell: Kati handelt manchmal zu schnell und Nina ist öfter zu kritisch.

Welche Eigenschaften braucht ein_e Gründer_in Eurer Meinung nach unbedingt?

Das ist schwierig, da es auch auf die Branche ankommt. In unseren Augen benötigt es Offenheit, Neugier, Geduld, Durchsetzungsvermögen, einen nicht brechbaren Willen, Organisation und Motivation. Dazu noch das richtige Support-System und ein bisschen Glück. Aber vor allem muss man frau es einfach ausprobieren. Los geht’s!

Gibt es sonst noch etwas, dass Ihr Gründer_Innen mitgeben wollt? Jetzt ist Eure Chance.

Es muss viel mehr GründerINNEN geben. Wir glauben an Euch, tut es auch. Wenn Ihr mit der Idee spielt zu gründen, dann seid nicht zu kritisch mit Euch und testet die Idee einfach mit anderen. Im stillen Kämmerchen gründen funktioniert nicht und so schnell kann die Idee auch nicht geklaut werden 😊.

Und vor allem: kontaktiert uns, wir helfen gerne. Frauen müssen zusammenhalten!

Wenn Ihr noch mehr inspirierende Interviews mit Gründerinnen lesen wollt, schaut doch mal auf Pinterest vorbei!

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