„Wir versprechen keine Wunder, bieten aber die perfekte Plattform um gemeinsam noch erfolgreicher zu werden“ – Tina Langheinrich, Projektin und Schaffensschwestern

Tina Langheinrich

Als mich Sabine Sikorski von der Blog Big, einer Bloggerkonferenz in München, zuhause besuchte, um mit mir eine Folge für ihren Podcast aufzunehmen – die Ihr übrigens hier anhören könnt –, erzählte sie mir im Interview von einer Konferenz für selbstständige Frauen. Es war die Rede von Projektin.

Ich hatte schon vorher davon gehört. Nahm aber das Gespräch zum Anlass, um mich mal bei Tina Langheinrich, einer der Gründerinnen der Konferenz zu melden. Daraus entstand erster telefonischer Kontakt, dann ein persönliches Treffen auf der herCAREER von Natascha Hoffner und dieses Interview hier. 🙂

In dem sie uns nicht nur mehr über die Konferenz, sondern auch ihr Business Schaffensschwestern verraten wird.

Liebe Tina, Du bist die Gründerin der Schaffensschwestern, wo Du „Mit Hand und Herz“ vegane Cookies und andere Köstlichkeiten wie z. B. Backmischungen und Chutneys herstellst. Begonnen hat alles mit der Eröffnung eines Cafés vor fünf Jahren. Aber erzähl doch bitte selbst, Deine Geschichte.

In die Selbstständigkeit bin ich 2012 tatsächlich mit meinem Café in Nürnberg gestartet, zusammen mit einer Freundin. Nach dem Ausstieg meiner Freundin 2013, habe ich das Café dann alleine geführt. Irgendwie kam bei mir immer alles anders, als ich eigentlich für mich geplant hatte.

Was war der Grund für die Schließung Deines Cafés im Herbst 2014?

Ich hatte Probleme, das passende Personal zu finden. Als ich „meinem“ Bäcker, der mich täglich mit Brot versorgte, mal wieder mein Leid klagte, fragte er mich, ob ich denn nicht Lust hätte nur noch zu backen und bot mir an, dass ich Untermieterin in seiner Backstube werden könnte. Ich hatte damals angefangen, mich auf Cookies zu spezialisieren und auch mit veganem Gebäck erste Erfolge. Ich habe nicht lange gefackelt und beschlossen, dass Café zu schließen und den Schaffensschwestern eine neue Richtung zu geben.

Im Interview mit dem nomyblog räumst Du ein, dass Du als Café-Besitzerin gemerkt hast, dass Du nicht so gut mit Mitarbeitern kannst. Worin liegt, in Deinen Augen, die größte Schwierigkeit in der Mitarbeiterführung?

Bei mir sicher an meiner sehr fordernden Art. Ich bin sehr leistungsorientiert und erwarte viel von mir. Und dann natürlich auch von anderen. Jeder hat seine Stärken, meine ist definitiv nicht die Personalführung. Zu dem Zeitpunkt hatte ich keine Zeit und Energie daran zu arbeiten und habe dann beschlossen, den Weg ohne Mitarbeiter zu gehen.

Apropos Schwierigkeiten… wie ich beobachten konnte, stellen sich viele Frauen, die davon träumen ein Café zu eröffnen, die ganze Angelegenheit sehr idealistisch vor. Was war für Dich die größte Herausforderung als Café-Besitzerin?

Mit einem Café den Lebensunterhalt zu bestreiten ist sehr, sehr schwer. Man sollte sich immer vor Augen führen, wie viele Kaffee über die Theke gehen müssen, damit ein Monatsgehalt dabei rum kommt. Und die Anzahl dann mindestens mal 6 nehmen – denn es kommen eine Menge Ausgaben auf einen Selbstständigen zu, neben den offensichtlichen Kosten wie Miete und Kaffeebohnen.

Deine Cookies bäckst Du mittlerweile bei Johannes Schwarz in der Backstube von Hildes Backwut. Wie habt Ihr beide zueinander gefunden?

Johannes war mein Lieferant und hat mein Café täglich mit frischem Brot versorgt. Er wollte gerne sein veganes Sortiment ausbauen und da kam ich ihm ganz recht!

Angefangen hat ja alles mit veganen Cookies. Wie bist Du auf die Idee zur Sortimentserweiterung gekommen und woher wusstest Du, was Du zusätzlich anbieten sollst?

Es gab keinen Bäcker, der überhaupt Cookies im Sortiment hatte und Cafés damit beliefert hat – dabei ist das so ein tolles Produkt für Cafés! Denn im Gegensatz zu Kuchen sind die Teile lange haltbar. Man kann sie also nicht nur 3 Tage, sondern gleich ein paar Wochen lang verkaufen. Mein Sortiment habe ich immer wieder angepasst, erweitert, verkleinert,… Je nachdem, was gut ankam und natürlich auch, wie lohnenswert das für mich ist.

Mitten in der Gründung Deines Cafés bist Du schwanger geworden. Ich stelle mir die Nachricht der Schwangerschaft wie einen kleinen Schock vor – Deine Pläne waren ja sicher andere. Oder bist Du von der ersten Minute an ganz cool mit der Nachricht umgegangen?

Natürlich habe ich mich gefreut, ich wollte lange ein Kind. Cool umgegangen bin ich damit nicht – erst Recht nicht, als ich erfahren habe, was es bedeutet als Selbstständige schwanger zu sein. Es gibt keinen Mutterschutz. Nicht mal eine Woche. Das hat mich schockiert! Wenn man das dem gegenüber stellt, was man als Schwangere im Angestelltenverhältnis in Anspruch nehmen kann, fragt man sich ernsthaft, warum Selbstständige überhaupt Kinder bekommen.

Im nomyblog erzählst Du, dass Du freitags noch neun Stunden in der Backstube standest, am Samstag um acht Uhr morgens entbunden und am Mittwoch bereits wieder zu arbeiten begonnen hast. „Krass“, fällt mir dazu spontan ein. Wolltest Du Dir keine längere Auszeit nehmen oder konntest Du nicht?

Ich hatte das Café ja damals mit einer Freundin geführt, die wollte ich nicht einfach so im Stich lassen. Außerdem ging es mir gut. Ich war körperlich fit. Wenn ich dabei nicht gut gefühlt hätte, hätte ich das anders gemacht. Ich mag meine Arbeit sehr gerne und empfand sie nicht als Belastung.

Hast Du vielleicht Tipps, die Du Frauen mitgeben kannst, die während Ihrer Gründung schwanger werden?

Auf den Bauch hören! Wenn es dir gut geht, kannst du auch Dinge tun, die du gerne tust. Und wenn es die Arbeit ist. Man ist ja schwanger und nicht krank. Ich hatte eine tolle Ärztin an meiner Seite, die mich super durch die Schwangerschaft begleitet hat. Wenn ich eine Pause gebraucht habe, habe ich die mir auch genommen.

In meiner vorletzten Frage schwang ja schon das Thema Vereinbarkeit von Familie und Selbstständigkeit mit. Aus Interviews mit Dir, wie z. B. mit der Nürnberger Web Week, kann man herauslesen, dass Du beides sehr gut gehändelt bekommst – es aber nicht immer leicht ist. Lass uns diesen Punkt mal von einer anderen Seite betrachten… Bist Du der Meinung, dass der Staat Deutschland selbstständige Mütter bereits ausreichend unterstützt oder gibt es Deiner Meinung nach Verbesserungsbedarf? Wenn ja, wie könnten zusätzliche Hilfeleistungen aussehen?

Ich fände einen bedingungslosen Mutterschutz gut, zumindest vier Wochen vor und vier Wochen nach der Entbindung. Dass da ohne Wenn-und-Aber von Staat finanziell eingesprungen wird. Und die Krankenkasse in den 8 Wochen keine Beiträge fordert. Allgemein würde ich mir wünschen, dass berufstätige Mütter, vor Allem die, die in Vollzeit arbeiten, einen Betreuungsplatz garantiert bekommen. Und das nicht nur für die KiTa sondern auch später, wenn die Kinder in die Schule kommen.

Tina Langheinrich mit Sohn

Lass uns auf ein weiteres Projekt von Dir zu sprechen kommen. Projektin – Die Konferenz für und von Unternehmerinnen. Dazu zwei Fragen: Wie hast Du Aliza Charoensri, mit der Du die Konferenz auf die Beine stellst, kennen gelernt? Und: Wie seid Ihr beide überhaupt auf die Idee gekommen?

Aliza und ich kennen uns durch unsere jeweilige Selbstständigkeit – Aliza organisiert mit ihrer Agentur Zeitvertreib Streetfood Events und da war ich mit meiner Manufaktur immer dabei. Wir haben uns dann darüber unterhalten, wie es ist, als Frau selbstständig zu sein und gegen welche Wände man da gerne mal läuft. Wir waren uns sicher, dass es anderen Selbstständigen genauso gehen muss.

An wen richtet sich die Konferenz? Oder anders gefragt: Wer sollte auf keinen Fall verpassen am 10. März nach Nürnberg zu kommen?

Wir bieten eine Best-Practice-Konferenz für alle Gründerinnen, Unternehmerinnen und Selbstständige, die den ehrlichen Austausch mit anderen suchen. Wir versprechen keine Wunder, bieten aber die perfekte Plattform um zusammen zu wachsen und gemeinsam noch erfolgreicher zu werden. Selbst wenn man nur mit dem Gedanken spielt, sich vielleicht selbstständig machen zu wollen oder neue Impulse sucht, sollte man unbedingt dabei sein.

Ich werde im Frühjahr auch auf der Konferenz als Speakerin dabei sein. Bevor wir uns auf der herCAREER persönlich kennenlernten, standen wir über Social Media in Kontakt. Im Interview mit der Nürnberger Web Week verdeutlichst Du die Wichtigkeit der sozialen Netzwerke für Dich und Dein Business? Warum ist Social Media Deiner Meinung nach so wichtig für Selbstständige?

In den sozialen Medien findet man leicht Kontakt zu Menschen, die auch selbstständig sind. Der Großteil der eigenen Freunde ist ja meist im Angestelltenverhältnis. Manchmal fehlt es da an Verständnis für die Situation oder Fragen, die auftauchen, können nicht beantwortet werden. Nicht falsch verstehen, ich habe meine Freunde von früher alle noch, aber bin auch sehr froh, dass ich mich dank Facebook und Instagram mit vielen tollen Leuten vernetzen kann.

„Man muss das Ganze aber mit einem Plan angehen, denn sonst vergeudet man viel Zeit und Energie“, sagst Du. Da stimme ich Dir voll und ganz zu. Was heißt das für Dich? Hast Du einen Redaktionsplan? Arbeitest Du mit Tools? Gib uns doch ein paar Tipps, wie Social Media auch als Einzelunternehmerin gelingen kann.

Da ich mehrere Seiten betreue, arbeite ich natürlich mit einem Redaktionsplan. Es spart immens viel Zeit, die Postings dort zu schreiben und dann in Facebook einzupflegen. Dank der Planungs-Funktion kann ich das immer gleich für mehrere Wochen im Voraus machen. Für Instagram nutze ich „Later“. In der Basisversion gibt es zwar nicht viele Funktionen, aber für meine Bedürfnisse genügt das. Bei Projektin nutzen wir Trello für die Projekt-Planung, Slack für Kommunikation und Dropbox & Google Drive für Datenaustausch und –ablage.

Gelingen – gutes Stichwort für die letzte Frage. Was brauch es Deiner Meinung nach, dass eine Selbstständigkeit Erfolg hat?

EIN Erfolgsrezept gibt es nicht, dazu ist das Thema zu komplex. Durchhaltevermögen auf jeden Fall. Wobei man auch wissen sollte, wann Schluss ist. Man sollte keine Angst vor dem Scheitern haben. Denn das gehört zum Erfolg dazu!

© Beitragsbilder: Nadine Rodler

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