„Selten nenne ich es auch »Arbeit«. Es ist einfach meine Leidenschaft!“ – Illustratorin Teresa Mönnich

Teresa Mönnich aka Frollein Motte

Wie ich zu meiner heutigen Interviewpartnerin gekommen bin? Teresa Mönnich, die unter dem Pseudonym Frollein Motte arbeitet, hat mir im Frühjahr eine E-Mail geschrieben und gefragt, ob sie Frau, frei & mit einem illustratorischen Projekt begleiten darf.

Dieses ist aus Zeitgründen nicht zustande gekommen, dafür ein anderes. Trommelwirbel… Frollein Motte hat für uns zwei exklusive T-Shirts designt – thematisch passend zum Thema Frauen und Selbstständigkeit. Wollt Ihr sie sehen? Ja? Ihr findet sie in unserem Shop. 🙂

Natürlich habe ich die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und habe Teresa mit Fragen zu ihrer Arbeit als selbstständige Illustratorin gelöchert. Here wo go!

Liebe Teresa, Du bist seit vier Jahren als Illustratorin selbstständig. Wie kam es dazu?

Ach, das hat sich eigentlich neben meinem Lehramtsstudium schon entwickelt. Ich hab damals bei einem Illustrationsprojekt mitgemacht und nicht mehr die Finger davon lassen können… 🙂 Und durch kleinere Illustrationsaufträge konnte dann auch im Laufe der Zeit die Idee wachsen, vielleicht doch nicht halbherzige Lehrerin zu werden, sondern leidenschaftliche Illustratorin!

Parallel hast Du ja ein Lehramtsstudium in den Fächern Kunsterziehung und Englisch am Gymnasium absolviert und mit dem 1. Staatsexamen abgeschlossen. Warum hast Du diesen Weg nicht weiter verfolgt?

Mir war schon in der Hälfte des Lehramtsstudiums klar, dass aus mir wahrscheinlich keine Lehrerin wird. Allerdings nicht, weil das so ein öder Job ist, sondern weil ich schon währenddessen kleinere Illustrationsaufträge hatte und gemerkt hab, dass mir das einfach viel viel mehr Spaß macht!

Und die Lehramtsausbildung quasi als Backup zu haben, ist ja heutzutage auch gar nicht so schlecht… und vielleicht habe ich ja auch in den nächsten Jahren wieder Lust als Lehrerin zu arbeiten… wer weiß?

Stattdessen hast Du 2014 ein Studium Illustration und Design an der Akademie für Illustrationsdesign Berlin angeschlossen. War das Stipendium, dass Du damals gewonnen hast, der Auslöser?

Ich habe mich damals tatsächlich eher spontan und unbedacht dort beworben, ohne wirklich darüber nachgedacht zu haben, was denn wäre, sollte ich das Stipendium gewinnen. Und ohne das hätte ich auch niemals nochmal ein Studium angefangen, schon gar nicht an einer Schule, die Studiengebühren hat. Aber glücklicherweise hat’s geklappt und ich war zunächst davon »befreit«, »Lehrerin werden zu müssen«.

Das war nämlich meine größte Angst, etwas machen zu müssen, was nicht hundertprozentig ICH bin. Natürlich war mir klar, dass man als Lehrerin finanziell viel weniger Sorgen hat als freischaffende Illustratorin. Aber ich habe schon immer auf mein Bauchgefühl gehört und hatte zudem auch großes Glück, dass mich meine Eltern im zweiten Studium in Berlin finanziell unterstützt haben! Dafür bin ich ihnen bis heute sehr sehr dankbar.

Seit vielen Jahren bist Du nun schon umtriebig als Illustratorin unterwegs und hast für viele namhafte Unternehmen wie z. B. Thalia, Spotify oder Siemens gearbeitet. Wie findest Du Deine Kunden?

Na, ich liebe meine Kunden!! 🙂 Das tue ich tatsächlich! Vielleicht liegt es an meiner Art zu zeichnen oder an den Themen, die ich persönlich gern bearbeite, aber bisher hatte ich eigentlich nur aufgeschlossene, freundliche und auch selbst kreative Kunden. In der Dienstleistungsbranche scheint das eher selten zu sein, deshalb genieße ich das im Moment auch sehr.

Das heißt natürlich nicht, dass ich nur tue, was mir Spaß macht, aber mit einer guten Atmosphäre im Gepäck lässt es sich natürlich besser, länger und kreativer arbeiten!

Gab es schon Aufträge, die Du abgelehnt hast? Wenn ja, was war der Grund für Deine Absage?

Der häufigste Grund für eine Absage ist tatsächlich meistens das Budget des Kunden.

Inhaltlich würde ich gern politisch-motivierte Aufträge ablehnen.

Ansonsten bin ich ganz offen und dankbar für Aufträge aus verschiedensten Branchen oder Themenfeldern. Besonders die, die mir anfangs völlig fremd sind, in die man sich dann mit vollem Elan und Leidenschaft für eine kreative und illustrative Umsetzung »reinschmeißen« kann, finde ich am bereicherndsten!

Wie bist Du eigentlich auf den Namen “Frollein Motte” gekommen unter dem Du Deine Arbeit als Illustratorin anbietest?

Ich weiß das ehrlich gesagt gar nicht mehr so genau, ich glaube, ich hatte mir das damals vor etwa 7 Jahren oder so überlegt, anfangs eher aus Spaß, weil mein Opa mich immer »kleine Motte« genannt hat… es hat also wenig mit dem Nachtfalter an sich zu tun, ganz im Gegenteil, ich bin eher ein »früher Vogel« 🙂

Neben gewöhnlichen Illustrationen hast Du viele – aus meiner Sicht – neuartige Leistungen wie z. B. Window- & Wall-Illustration oder Illustrationen auf der Haut in Deinem Angebot. Wie kommst Du auf diese Ideen?

Passend zu meiner »Generation Y« fällt es auch mir schwer, mich festzulegen 🙂

Aber das ist auch gar nicht schlimm, denn wichtiger finde ich, dass man immer auf solche Dinge reagieren kann! Also habe ich überlegt: ok, du willst zwar Illustrationen anbieten, aber den ganzen Tag am Schreibtisch zu sitzen ohne persönlichen Kundenkontakt oder soziale Interaktion ist auch nicht das, was du in den nächsten 10 Jahren JEDEN TAG machen willst.

Also musste ich das »Problem« anders lösen: und zwar, indem ich die Illustrationen aus dem Büro, vom Schreibtisch weg, quasi zu den Kunden direkt bringe. Entweder auf deren Bürowände oder Fensterscheiben oder eben sogar direkt auf ihre Haut 🙂

Ganz logisch eben 🙂 und ein wunderschöner Kompromiss; und Zusammenspiel zwischen konzentriert und in Ruhe am Schreibtisch arbeiten und in erfrischender Interaktion im öffentlichen Raum!

Frollein Motte zeichnet live

Und was inspiriert Dich ganz allgemein?

Ich kann mich eigentlich ganz gut selbst inspirieren (das klingt doof, oder?), aber ich glaube, das ist tatsächlich so. Ich LIIIIIEBE meine Arbeit, so sehr, dass ich mich meistens abends schon auf den nächsten Arbeitstag freue!

Außerdem mag ich den Austausch sowie die Zusammenarbeit und das Zusammenhalten (!) mit anderen Illustratoren und Kreativen. Aber auch mit Menschen, die zum Beispiel aus dem Business-Bereich kommen und die Dinge ganz anders beleuchten und neue Wege aufzeigen.

Du bist Teil des Zeichnerkollektivs “Illumat”. Bitte verrate uns was dahinter steckt und wie das Projekt entstanden ist.

Oh ja! Sehr gern! Der Illumat, oder »Illustrationsautomat«, ist eine Zeichenmaschine, die im öffentlichen Raum auftritt und mit seinem Publikum interagiert.

Es funktioniert so, dass das Publikum seine Wünsche auf einen Wunschzettel schreibt, den Wunsch und eine Münze dann in den Illumaten einwirft, und innerhalb kurzer Zeit eine individuelle Zeichnung bekommt, die in kürzester Zeit von einem Illustrator im Illumat erdacht und umgesetzt wurde.

Das ist natürlich nicht nur schön für die Leute, die eine nachdenkliche, lustige, originelle oder ermunternde Originalillustration erhalten, sonder auch für mich als Illustratorin, weil ich in Minutenschnelle eine Idee und Zeichnung entwickeln muss – denn das schult auch für alle anderen Aufträge!

Des Weiteren begleitest Du seit 2016 illustrativ Hochzeiten. Auf Illustrativ heiraten kann man sich einige Impressionen anschauen. Wie bist Du auf die Idee zu diesem Service gekommen?

Ganz ehrlich? Es ist eher aus »der Not heraus« entstanden, weil ich letztes Jahr nicht so richtig wusste, in welche Richtung ich als Illustratorin gehen wollte oder nicht richtig planen konnte, was möglich sein würde.

Also habe ich geguckt, auf welchen Markt ich mich spezialisieren könnte, der auch zu mir und meinem Stil passt.

Und da habe ich mich dann für den Hochzeitsmarkt entschieden. Über Nacht ein Konzept, Name und Website erstellt (ja wirklich!), Visitenkarten und Flyer bestellt und nach ein paar Wochen kamen wie von selbst die ersten Anfragen!

Man merkt Deinen Projekten an, dass Du ein sehr kreativer Mensch bist. Welche Rolle spielt Kreativität für Dich als Selbstständige außerhalb Deiner illustrativen Arbeit?

Danke! 🙂

Öhm, es spielt schon eine Rolle, aber dadurch, dass meine Arbeit ja quasi auch fast mein gesamtes Leben im Moment ausfüllt, gibt es gar nicht so viele und große Bereiche außerhalb. Momentan nutze ich die Zeit, weil ich eben ungebunden bin, für meine Arbeit. Und selten nenne ich es auch »Arbeit«. Es ist einfach meine Leidenschaft!

Ich nehme mir viel eher »kreative Auszeiten«, bin bei meiner Familie an der Ostsee oder probiere neue Sportarten aus; am liebsten mache ich dann Dinge, die ich neu erlerne oder ganz im Gegenteil Sachen, bei denen ich GAR NICHT NACHDENKEN muss 🙂

Ende des letzten Jahres ist ein Taschenbuch von Dir mit dem Titel “Was ist eigentlich Liebe?”* im JaJa-Verlag erschienen. Dazu zwei Fragen: Wie bist Du auf die Idee für das Buch gekommen? Und wie ist die Zusammenarbeit mit dem Verlag zustande gekommen?

Wie auch die Illustrativ-heiraten-Idee, ist auch das Buch aus der Not heraus in meiner Single-Zeit entstanden! 🙂

Ich MUSSTE einfach meine Erlebnisse beim Online-Dating, Verknalltsein, Verlassenwerden, von lustigen und ätzenden Begegnungen, und meine daraus resultierenden Gedanken zum großen Thema Liebe aufzeichnen, anders hätte ich das glaube ich auch gar nicht ausgehalten 🙂

Den Jaja Verlag kenne ich schon länger, denn der hat 2014 bereits meine Abschlussarbeit »STAATSEXAMEN« verlegt und hatte letztes Jahr dann wieder Lust und Vertrauen, mein Liebesbuch zu veröffentlichen. Der Jaja Verlag ist total toll und anders als andere Verlage, frisch, frech, offen für Neues und auch sehr persönlich!

Abnehmen-Illustration von Frollein Motte

Deine Selbstständigkeit fußt ja auf mehreren Einnahmequellen – über einige von ihnen haben wir schon gesprochen. Welche macht den größten Anteil Deiner Einnahmen aus?

Tatsächlich bin ich gerade erst dabei herauszufinden, mit welchen »Aktionen« ich am besten Einnahmen generieren kann… und ich denke, dass sich das auch jedes Jahr ändert wird.

Im Moment hält sich das Zusammenspiel von Illustrationen für Druckprodukte und Live-Illustrationen auf Events die Waage. Aber je nach »Stimmung« bei den Unternehmen und auch nach Saison, variiert das natürlich. Ich bin gespannt!

Wie hast Du eigentlich Deine Preise kalkuliert? Woher wusstest Du, wie viel Du für jeden Deiner Services nehmen kannst?

Ha! Preise sind natürlich ein heißes Thema 🙂 Und das Wissen darüber noch längst nicht abgeschlossen 🙂

Ich bin immer noch dabei dazuzulernen und vor allem zu überlegen, wofür ich als Illustratorin stehe, was mir wichtig ist und wohin ich später gehen will.

Ich glaube, das muss man sich immer wieder klar machen, auch wenn das schwierig ist und Reflexion erfordert, die manchmal wehtut 🙂 Aber nur so kann ich dann auch meine Arbeit als Illustratorin und damit die Preise gut und ehrlich vertreten.

Was können wir noch von Dir erwarten? Was wird das Jahr 2017 noch für Dich bringen?

Ich arbeite gerade an einem neuen, illustrierten Buch, in dem es um das Thema »HEIRATEN« geht. Dabei versuche ich mich sowohl von der lustig-romantischen als auch lustig-skeptischen Seite aus dem scheinbar allgegenwärtigen Thema zu nähern…

Noch mehr inspirierende Frauen wie Teresa findet Ihr auch auf unserem Pinterest-Channel!

*Noch ein kleiner Hinweis: Meine Empfehlungen enthalten Affiliate-Links des Anbieters Amazon. Wenn Ihr über diese Links z. B. ein Buch kauft, erhalte ich eine kleine Provision.

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